029 Gulum-Ei
029 Gulum-Ei PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:05 Uhr
Am nächsten Morgen beim Frühstück erkundigten sie sich beim Wirt vorsichtig nach Gulum-Ei. Sie erfuhren, dass er Meist am Nachmittag in den Gasthof kommen würde. Wo er sich den Rest des Tages aufhielt, war nicht bekannt. Damit hatten sie viel Zeit, um sich in der Stadt in Ruhe umzuschauen, nachdem Akkirah und Vilkas noch zuvor nach ihrem Pferd geschaut und ihr die morgendlichen Möhren vorsichtig ins Maul gestopft hatten. Vilkas zeigte ihr alles, denn er war schon häufiger in Einsamkeit gewesen. Beim Pfeilmacher deckte sich Akkirah mit einem neuen Vorrat an Pfeilen ein. In Angelines Aromalädchen fragte sie nach ein paar Informationen zu den im Sumpf gefundenen Kräutern. Dabei erfuhr sie, das die Tochter der Inhaberin in Weislauf stationiert worden war, und sich seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet hatte. Weder Akkirah noch Vilkas kannten sie, aber sie versprachen beim Örtlichen Kommandanten, der ihre Tochter nach Weislauf geschickt hatte, nachzufragen, ob er etwas über ihren Verbleib sagen könnte.

Während Akkirah mit dem Kommandanten sprach, schaute Vilkas derweil den Soldaten beim Training zu. Was Akkirah erfuhr war nicht sonderlich schön, denn die Tochter von Angeline war bei einem Überfall der Sturmmäntel auf ihre Patrouille ums Leben gekommen. Solche Nachrichten weiterzugeben war nie sonderlich schön, aber dennoch ging Akkirah gemeinsam mit Vilkas zurück, um es der alten Dame zu sagen. Diese bedanke sich höflich und bat dann alleine gelassen zu werden.

Akkirah und Vilkas schauten sich dann noch einige interessante Häuser in der Stadt an und gingen einmal hoch zum Blauen Palast, den sie aber nicht betraten. Dann rückte auch schon der Nachmittag näher und sie begaben sich zurück in den Gasthof, wo sie erst Einmal etwas zu Essen bestellten, denn sie hatten wieder Hunger bekommen. Sie beobachteten die ankommenden Gäste, während sie am Essen waren. Unter diesen befand sich ein Argonier, der sich in eine Nische Nahe von dem Eingangs setzte. Die Beschreibung passte auf den Gesuchten. Nachdem sie fertig mit essen waren ging Akkirah auf das Echsenwesen zu und sprach es an. Vilkas hielt sich im Hintergrund. Erstaunlicherweise schon Gulum-Ei zu wissen, dass sie von der Diebesgilde geschickt worden war. Und egal was sie sagte, er war nicht bereit ihr die notwendigen Informationen, die sie haben wollte zu geben. Drohungen halfen nicht und auch nicht, das Vilkas sich bedrohlich ausschauend hinter sie stellte. Nur eines würde ihm zum Reden bewegen, er wollte ein Kiste Feuerbrandwein haben. Wo sie Akkirah herbekommen würde war ihm egal. Er wusste von einer Kiste, die sich im Blauen Palast befand. Akkirah zog sich mit Vilkas zurück und verließen den Gasthof.

"Bei Talos, was nun?", fragte Akkirah. "Ich will keinen Diebstahl begehen." Sie schaute Vilkas traurig an.
"Lass uns mal bei den Händlern rumfragen, ob es nicht noch anderswo solch Gebräu zu kaufen gibt.", versuchte er sie aufzumuntern.
Gemeinsam gingen sie zum Markt und fragten die dortigen Händler. Evette Sans, die Weinhändlerin meinte, das möglicherweise Vittoria Vici weiterhelfen könne. Sie gehört zur Ostkaiserlichen Handelsgesellschaft und weiß, welche Waren angekommen sind und an wen sie geliefert wurden. Und wenn sie beide da doch schon hingehen würden, könnten sie doch gleich mal nachfragen, ob auch ihre Waren endlich eingetroffen wäre und aus dem Zoll rauskommen könnten. Akkirah bedankte sich für die Auskunft und versprach nachzufragen, wann Evettes Sachen freigegeben werden.

Akkirah und Vilkas machten sich dann zum Hafen auf, der unterhalb der Stadt lag. Da die Dämmerung langsam einbrach, beeilten sich die beiden. In der Zollstelle trafen sie direkt auf Vittoria, die am Durchschauen irgendwelcher Papiere war. Akkirah sprach sie freundlich an und erkundigte sich zunächst nach dem Stand der Ware von Evette San. Zuerst wollte Vittoria diese Sachen nicht rausrücken, aber mit etwas Überredungskunst gelang es Akkirah, die Frau zu überzeugen, die Papiere fertig zu machen, so das Evette ihre Waren am nächsten Morgen abholen könnte. Vilkas trat dann vor und erkundigte sich, ob sie wüsste wo man Feuerbrandwein bekommen könnte. Vittoria dachte kurz nach und meinte dann mit einem leicht verschlagenen Lächeln, eine Kiste würde noch im Kontor stehen, man hätte wohl aus Versehen zwei, statt einer Kiste für den Blauen Palast geliefert. Für das entsprechende Kleingeld wäre sie bereit, die Kiste zu verkaufen. Sie verlangte 600 Goldstücke dafür Akkirah blieb zunächst die Luft weg, damit hatte sie nun nicht gerechnet, das war eindeutig viel zu viel Geld für den Wein, wie sie fand. Vilkas schien da anderer Meinung zu sein. Ohne zu Zögern holte er seinen Goldbeute hervor und legte 2 Markelose Saphire auf den Tresen. "Diese Steine sollte etwas mehr als 600 Gold Wert sein." Vittoria untersuchte die Steine und befand sie für echt. Sie lächelte nun zuvorkommend Vilkas an und sagte: "Die Kiste gehört euch. Ich lasse sie sofort hier herbringen." Sie rief nach einem Burschen und schickte in los die Kiste aus dem Kontor zu holen. Wenige Minuten später konnten sich Akkirah und Vilkas wieder in die Stadt begeben. Mann hatte ihnen zugesagt die Kiste in den Zwinkernden Skeever zu bringen.

Als die beiden den Hafen verließen fiel Akkirah Vilkas um den Hals.
"Danke, mein Liebster. Was hätte ich nur ohne euch getan"
"Wahrscheinlich wärt ihr in den Blauen Palast eingebrochen und hättet dort die Kiste gestohlen", grinste er. "Und das wolle ich unter allen Umständen vermeiden. Meine Frau ist schließlich keine Diebin mehr, auch wenn sie unter diesen Freunde hat. Und nun lasst uns hochgehen, nicht das wir die Lieferung verpassen." Er legte einen Arm um sie und so gingen sie zurück in die Stadt. Eine Stunde später nachdem sie wieder auf ihrem Zimmer war, wurde ihnen mitgeteilt, das ihre Kiste angekommen sei. Sie nahmen sie in Empfang und gingen damit zu Gulum-Ei. Dieser war hocherfreut. Aber leider nicht so gesprächig wie gewünscht. Angeblich kannte er den Namen des Käufers von Gut Goldenglanz nicht. So etwas interessiert in seinem Geschäft niemanden.

Akkirah und Vilkas zogen sich zurück und setzen sich an einen der leeren Tische, von wo aus sie die Nische des Hehlers gut im Blick hatten. "Wir müssen ihn beobachten und verfolgen, sollte er fortgehen. Vielleicht führt er uns so unbemerkt zu seinem Kunden", sagte Akkirah leise. Vilkas nickte nur. Sie bestellten eine Kleinigkeit zu essen und warteten ab. Nach gut einer Stunde stand Gulum-Ei auf und verließ den Gasthof. Vilkas bezahlte das Essen, während sich Akkirah schon vorsichtig nach draußen begab, um zu sehen, in welche Richtung der Argonier ging. Er bewegte sich auf das Haupttor zu, um die Stadt zu verlassen. Nachdem Vilkas bei ihr war, folgten sie ihm. Es war nicht allzu schwer unbemerkt hinter der Echse herzulaufen, denn er bleib auf dem Hauptweg runter zum Hafen. Er nahm den Weg runter zum Kontor der Ostkaiserlichen Handelsgesellschaft, wo sie heute am späten Nachmittag schon waren und verschwand in dem Lagerhaus.

Nun war guter Rat teuer. Denn das Lager war normalerweise, wie sie wussten, abgeschlossen. Eine Wache stand davor. Diese hatte sie beide aber noch nicht gesehen.

"Ich befürchte ihr werdet, wohl eure diebischen Künste nutzen müssen, um dort rein zukommen." Vilkas war nicht sonderlich glücklich darüber, dass sah sie seinen Augen an, aber sah ein das es wohl der einzige Weg war Gulum-Ei weiter zu folgen. "Ich versuche die Wache abzulenken, während ihr an ihr vorbei schleicht und ins Lager eindringt." Er nahm Akkirah sanft in den Arm. "Passt gut auf euch auf und seid vorsichtig, mein Herz. Ich werde hier unten auf euch warten." Dann schob er sie in den Schatten des Zollhauses.
Vilkas ging auf die Wache zu und verwickelte sie in ein Gespräch über den verschiedenen Umgang mit Waffen und Rüstungen. Akkirah hielt sich im Schatten und schaffte es, ungesehen an den beiden vorbeizukommen und dann mit ein paar geschickten Bewegungen ihres Dietrichs das Lagerhaus zu öffnen und unbemerkt hineinschlüpfen.

Sie musste sich erst mal orientieren, wo sie war. Es war ein riesiges Areal. Sie sah sich nach Gulum-Ei um. Er verschwand gerade hinter einigen Kisten. Überall liefen Wachen herum, die den Argonier passieren ließen. Plötzlich sah sie wie eine frei herum laufende Ziege über eine Holzplanke auf eine höhere Ebene ging. Das erschien er eine gute Möglichkeit zu sein, Gulum-Ei unbemerkt weiter zu verfolgen und auch von den Wachen nicht gesehen zu werden. Sie schlich auf das Lagergerüst und hielt sich so im Schatten, das man sie von unten nicht sehen konnte. Am Ende des Gerüsts sprang sie auf einem kleinen Vorsprung des Felsens der oberhalb des normalen Laufstegs und gelangte so ans andere Ende des Lagerbereichs wo einige Schiffe vertäut waren. Der Argonier ging immer noch weiter. Sie beobachtete ihn von ihrem Standpunkt aus. Bei einem kleinen Lagerhaus ging er plötzlich eine Treppe herab die ins Wasser führte und dann war er verschwunden.

Mist, hoffentlich hatte sie ihn nun nicht verloren. So schnell konnte sie dort nicht hinkommen, ohne von den Wachen bemerkt zu werden. Sie sprang vorsichtig von dem Vorsprung herab und drückte sich an der Wand entlang zu einem Stapel Kisten, wo sie sich zwischen verbarg, während eine Wache an ihr vorbei ging. Als die Wache sich wieder entfernt hatte schlich Akkirah weiter. Sie versuchte vorsichtig die eine oder andere Fackel an der Wand zu löschen, damit es dunkler wurde. Niemand bemerkte es. So gelang sie dann zu der ins Wasser führenden Treppe. Vorsichtig, watete sie durch das Wasser, immer dabei bedacht keine Geräusche zu machen und dann sah sie eine verborgene Tür. Sie schlich näher heran und lauschte. Nichts war zu hören, also öffnete Akkirah sie und trat in die sich dahinter befindliche Höhle ein. Sie folgte dem Gang, entschärfte dabei die eine oder andere Falle, oder umging sie. Als sich die Höhle verbreiterte bemerkte sie neben einem Stapel zwei zwielichtig aussehende Gestalten. Banditen und Räuber dachte sie, als sie deren Gespräch belauschte. Um die dürfte es nicht Schade sein, wenn sie ihr Leben ließen. Also holte sie ihren Bogen hervor und mit zwei gut gezielten schnell aufeinander folgenden Schüssen streckte sie die beiden unbemerkt nieder. Sie durchsuchte ihre Taschen, um irgendwelche Hinweise zu finden, um was für eine Truppe es sich handelte, aber sie fand nicht. Daher nahm sie ihnen nur ihr Gold, Schmuck oder Dietriche ab, die sie bei sich trugen.

Sie folgte dem Weg aus Holzplanken tiefer in die Höhle hinein. Unter dem Steg war die Höhle mit Wasser gefüllt. Sie ging vorsichtig weiter und stieß auf weitere Räuber, mit denen sie wie schon mit den ersten beiden verfuhr.

Dann hörte sie Stimmen. Gulum-Ei schien einer der Sprecher zu sein, sie verstand aber nicht wovon er und die anderen Personen sprachen. Dann kam eine von ihnen auf Akkirah zu. Sobald der Bandit aus dem Sichtfeld seiner Gefährten war schoss ihn Akkirah nieder Sie wollte dichte an die Sprecher heran und sah dann noch plötzlich im Schatten einen weiteren Banditen. Sie hätte wohl doch mehr Pfeile mitnehmen sollen, aber mit Glück sollte sie so hinkommen hoffte sie. In dem nun vor ihr liegenden Höhlenbereich sah sie den Argonier mit einem weiteren Typen sprechen. Mehr schienen nicht mehr anwesend zu sein. Also zielte Akkirah noch mal und mit einem Schuss war auch der letzte der Banditen erledigt und nur noch Gulum-Ei war übrig. Die Echse zitterte am ganzen Körper, als sie Akkirah kommen sah.

"Bitte tut mir nichts, ich verspreche euch alles zu sagen was ihr Wissen wollt. Lasst mich am Leben, ich kann der Gilde weiterhin sehr nützlich sein." "Sprecht, dann werde ich entscheiden was ich mit euch machen werde", sagte Akkirah mit kalter Stimme.
"Karliah, ihr Name lautet Karliah."
"Ihr sagt es so, als müsste ich sie kennen. Wer ist sie?"
"Hat Mercer Frey es euch nicht gesagt?" Gulum-Ei schien recht erstaunt zu sein. "Sie war es, die den vorherigen Gildenmeister Gallus getötet hat und dann geflohen ist. Das muss jetzt gut 25 Jahre zurückliegen."
"Warum helft ihr ihr dann?"
"Nein, das tue ich nicht, ich wusste bis vor kurzen nicht, das sie es war, die mich kontaktiert hat." "Wo kann ich sie finden?"
"Ich weiß es nicht, aber als sie ging, sagte sie die folgenden Worte: ‚Zum Anfang des Endes.' Dann verschwand sie".
"Okay, ich vertraue euch, aber sollte ihr mich hintergangen haben, werde ich wiederkommen. Und nun sagt, gibt es noch einen anderen Ausgang?"
Gulum-Ei ging zu Hebeln, die hinter ihm standen und betätigte einen davon. Eine Geheimöffnung im Fels ging auf.
"Ihr kommt dort nahe des Leuchtturms von Einsamkeit raus. Passt auf die Hoker auf, die sich in der Höhle hinter der Tür rum treiben."
Ohne ein weiteres Wort verließ Akkirah die Höhle durch die Geheimtür und lief so schnell sie in der Dunkelheit konnte zurück zum Hafen, wo Vilkas auf sie wartete.

Gut eine Stunde nachdem sie die Schwarzgrotte, wie die Höhle der Banditen genannt wurde, verlassen hatte kam sie außer Atem am Hafen an. Es war zwischenzeitlich weit nach Mitternacht. Als Vilkas sie kommen hörte, lief er ihr entgegen und sie fielen sich glücklich in die Arme. "Ich habe angefangen, mir Sorgen um euch zu machen, mein Herz. Wärt ihr noch länger fortgeblieben, wäre ich ins Lagerhaus eingedrungen und hätte euch gesucht." "Ich habe alle Informationen die wir brauchen", sagte sie lächelnd zu ihm. "Wir können uns morgen wieder auf den Heimweg machen."

"Dann mal los, lasst uns sehen das wir zurück zum Zwinkernden Skeever kommen, damit wir noch ein wenig schlafen können bevor wir aufbrechen." Sie nickte und erzählte ihm auf dem Weg zum Gasthof, was sie erfahren hatten. Im Gasthof gingen sie sogleich zu Bett und schliefen auch bald ein.