033 Winterfeste
033 Winterfeste PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:07 Uhr
Es war weit nach Mitternacht, als Vilkas mit Akkirah in Winterfeste ankam. Bisher war er nur ein einziges Mal in diesem Dorf gewesen. Als er mit Akkirah aus dem Grab von Ysgramor zurückkam. Auch damals herrechte ein Schneesturm. Die Nähe zur Magierakademie hatte ihn, wie viele andere Nords auch, etwas abgeschreckt. Die Taverne hatte glücklicherweise noch offen. Als Vilkas mit Akkirah im Arm eintrat kam sofort Haran, die Frau des Wirts an und als sie sah wie es um Akki stand, wies sie Vilkas sogleich ein Zimmer zu, in das er sie legen konnte. Ihrem Mann gab sie den Befehl Wasser heiß zu machen.
"Habt ihr jemanden der sich um unser Pferd kümmern kann? Es steht draußen vorm Eingang und ist vollkommen erschöpft. Ich würde mich ja selbst drum kümmern, aber ich will meine Frau nicht verlassen."
"Natürlich, Herr. Eirid!" rief sie laut. Kurz darauf erschien etwas verschlafen ein kleines Mädchen. "Seit so gut und kümmert euch um das Pferd des Herren. Bringe es hinten in den Stall und gebe ihm etwas Heu und Wasser."
"Ja, Mutter, ich bin schon weg."
"Ich danke euch", sagte Vilkas leise.

Vilkas hatte Akkirah vorsichtig auf das Bett gelegt und nahm ihr die Decke und Tücher ab. ‚Sie sieht so bleich aus', dachte Vilkas und Tränen stiegen ihn in die Augen. Die Wunde, in der Schulter sah nicht weiter wild aus, aber die große Wunde von dem verfluchten Schwert, sah schrecklich aus und blutete auch wieder. Als Haran dazu kam, wurde sie etwas blas. "Bei Talos, das sieht wirklich übel aus." Sie nahm eines der Tücher und versuchte das Blut wegzuwischen.

"Wir brauchen einen Heiler, ich kann da nicht viel ausrichten." Sie ging in die Gaststube, wo trotz der späten Stunde noch ein paar Leute saßen und Met tranken. "Ramir, seht zu das ihr zur Akademie kommt und die Heilerin holt. Sie wird hier dringend gebraucht." Widerwillig machte der Gast sich auf den Weg in den Schneesturm hinaus und verschwand.

Vilkas saß neben Akkirah und hielt einfach nur ihre Hand ganz fest. Er konnte eh nichts machen außer da sitzen und hoffen, das sie nicht ins Reich der Toten hinüberging. Selbst, als sie bei der Hochzeit verschwunden war, hatte er sich nicht so verlassen gefühlt wie jetzt und empfand eine fürchterliche Angst und Schuldgefühle plagten ihn. Immer wieder fragte, er sich, warum hatte er nicht drauf bestanden mit ihr zu gehen oder sie doch zurück zuhalten. Dann wäre sie zwar böse gewesen, aber das wäre doch besser, als sie jetzt so vor sich liegen zu sehen. Und ihr Kind würde noch da sein. Sanft strich er mit der anderen Hand durchs Haar.

Eine halbe Stunde später kam eine Fremde ins Zimmer. Es handelte sich um Colette Marence, einer Heilerin und Magierin der Kunst der Wiederherstellung. Sie sah sich Akkirah an, untersuchte ihre äußerlichen Verletzungen und fragte dann, "Hat sie noch andere Verletzungen?"
Vilkas schluckte und konnte kaum antworten. "Sie hatte eine Fehlgeburt".
Noch mal schaute sie sich Akkirah genau an, dann sah sie Vilkas an, als sie die nächsten Worte sprach:
"Ich will ganz ehrlich zu euch seinen. Es sieht nicht gut aus für die Frau. Ihr Herz schlägt zwar regelmäßig, aber sehr schwach. Sie hat viel Blut verloren, die große Wunde wird sehr lange Zeit brauchen um zu verheilen. Innere Verletzungen, Aufgrund de Fehlgeburt scheint sie glücklicherweise nicht zu haben, da die Laken nicht blutig sind. Ich würde euch raten mich es mit einem Wiederherstellungszauber zu versuchen. Damit wird sie zwar auch nicht sofort gesund, aber sie wird garantiert überleben."

Vilkas war entsetzt. Zauberei? Niemals würde er das zulassen. Er dachte immer noch an den Wolfsfluch, der ja letztendlich auch durch Zauberei entstanden war. Wer weiß was passieren würde, wenn sie mit Hilfe eines Zaubers geheilt werden würde. Nein, das würde er nicht zulassen, dann sollte sie lieber gleich nach Sorvengarde gehen.

"Nein, keine Zauberei, es muß auch anders gehen." Er zitterte vor Angst und hielt die Hand von Akkirah noch fester.

Die Magierin senkte den Kopf. "Wie ihr wollt, also werden wir es mit herkömmlichen Mitteln versuchen." Sie verließ kurz das Zimmer und sprach mit der Wirtin. Diese brachte ihr einige Schüsseln und Töpfe, in denen sie anfing, Kräuter und Salben zu mischen, die sie in ihrem Beutel mitgebracht hatte. Sie schmierte die Mixtur, die sie angerührt hatte auf die große Wunde. Dann sagte sie zu Vilkas. "Ich kann diese Stelle jetzt nicht nähen. Sie ist zu tief und muß von Innen nach Außen heilen. Dazu braucht es ein paar Tage, und dann erst kann eine Naht gemacht werden. Sie wird dort eine hässlich Narbe nach behalten. Zunächst wird die Wunde nur mit einem sauberen Tuch lose abgedeckt und nicht verbunden. Achtet drauf, dass es dort liegen bleibt damit kein Dreck an die Wunde kommen kann" Dann brachte sie einen Becher mit einem übel riechenden Sud. "Davon muß sie so viel wie möglich zu sich nehmen. Es sorgt dafür, dass ihre Blutbildung vorangetrieben wird. Flösst ihr es vorsichtig ein. Alle paar Minuten einen Schluck. Ich habe Haran angewiesen den Rest warm zuhalten. Mehr kann ich vorerst nicht für sie tun. Ich werde im Verlauf des Vormittags wieder kommen. Sollte sich ihr Zustand verschlechtern, schickt vorher nach mir."

Vilkas bedankte sich leise bei ihr und nahm den Becher zur Hand, um ihren Anweisungen nach zu kommen. Vorsichtig nahm legte er seine Hand unter ihren Kopf und hob ihn etwas an, um ihr den Becher an die Lippen zu setzten. Es gelang ihm, ihr sie dazu zu bringen den Sud zu schlucken und so saß er stundenlang neben ihr und gab ihr alle paar Minuten etwas davon Die Wirtin war sehr aufmerksam. Wenn sie merkte, dass der Becher fast leer war, brachte sie einen neuen, denn sie merkte das Vilkas seine Frau nicht für eine Sekunde verlassen wollte. Später brachte sie ihm auch etwas zu essen, was sie auf den Nachttisch stellte. Vilkas zwang sich etwas davon zu sich zu nehmen, denn er erinnerte sich an das Versprechen, das er Akkirah vor einiger Zeit gegeben hatte.

Kurz bevor Colette wieder kam, verschlechterte sich Akkirahs Zustand und sie bekam Fieber. Vilkas wollte gerade nach der Magierin schicken lassen, als sie schon ins Zimmer kam. Sie ließ eine Schüssel eiskaltes Wasser holen und legte Akkirah immer wieder ein kaltes Tuch auf die Stirn. Zwischendurch reinige sie die Schwertwunde, die weiterhin suppte. Sie beruhigte Vilkas deswegen und meinte, es ist gut das das Wundsekret raus lief. Es wäre ein gutes Zeichen der für die Heilung. Sie zeigte ihm wie er alle zwei Stunden selbst die Wunde reinigen sollte und sie anschließend mit der Mixtur, die sie vorbereitet hatte einschmierte. Nach einer Stunde verließ die Magierin den Gasthof wieder. Am Abend würde sie wiederkommen. Den ganzen Tag über befolgte Vilkas die Anweisungen die er bekommen hatte, und gab ihr zu trinken, reinigte die Wunde und kühlte sie. Dabei redete er leise auf sie ein. Auch bis zum Abend hatte sich keine Verbesserung ihres Zustands eingestellt. Als Colette wieder runter kam, mixte sie einen neuen Sud an und auch von der Wundmixtur fertigte sie ein neues Schälchen an. So verging dann die Nacht in der Vilkas wie schon tagsüber sich um Akkirah kümmerte. Er wollte ich von niemanden ablösen lassen, auch wenn er sich kaum noch wach halten konnte. So ging es dann am Ende noch zwei Tage, bis das Fieber endlich sank.

Als Die Magierin die Verbesserungen sah, änderte sie ihre Anweisungen. Es sollte nun reichen wenn sie nur noch alle Stunde etwas trank, dafür aber in größere Mengen. Das ganze könne sich dann bis zum Abend auf drei Stunden hinauszögern. So würde Vilkas zwischendurch auch etwas Gelegenheit zum schlafen bekommen. Auch brauchte die Wunde nicht mehr so auf ausgewaschen werden. Sie fing langsam an von innen zu heilen, wie es Colette gehofft hatte.

Am fünften Tag erwachte Akkirah das erste Mal am frühen Morgen aus ihrer Bewusstlosigkeit. Sie öffnete die Augen und erkannte ihre Umgebung nicht. Sie lag in einem Bett und als sie den Kopf zur Seite neigte sah sie Vilkas, der neben dem Bett kniete und seinen Kopf neben ihr liegen hatte und ihre Hand fest in der seinen hielt. Er sah bleich aus und schlief. Trotz der Schmerzen, die ihr jede Bewegung verursachten, versuchte sie ihn mit ihrer anderen Hand durchs Haar zu fahren. Dann schlief auch sie wieder ein.

Gegen Mittag erwachte sie erneut. Diesmal war Vilkas wach und wollte ihr gerade etwas zu trinken geben, als sie ihre Augen vorsichtig öffnete. Er stellte den Becher zur Seite.

"Ach, mein Herz, endlich erwacht ihr." Ein riesiger Stein fiel ihm vorm Herzen, aber er wusste nicht was er sagen sollte. Am liebsten hätte er sich in den Arm genommen, aber das ging nicht. So beugte er sich über sie und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Wenn sie wach war musste, sie da Schlimmste überstanden haben, das hatte ja auch Colette gesagt. Akkirah versuchte zu lächeln, es gelang ihr aber nicht so recht. Sie begann sich zu Erinnern, was geschehen war, und das sie ihr Kind verloren hatte, durch ihre eigene Schuld. Wäre sie nicht losgegangen, würde es noch leben und sie mit Vilkas wohl nun Glücklich in ihrem Honigheim am See sitzen und sich gemeinsam freuen.

"Vil, es tut mir leid", flüsterte sie und fing an zu weinen. Sie wollte noch mehr sagen konnte es aber nicht. Vilkas versuchte sie zu beruhigen und strich ihr mit der Hand übers Gesicht.
"Ganz ruhig,
mein Herz, ich bin bei euch. Nicht reden. Ihr müsst euch noch ausruhen."
Als Colette am Abend wieder vorbeischaute, sah Vilkas die ernste Magierin zum ersten Mal lächeln. Sie untersuchte Akkirah und befand, dass ihre Wunde nun auch soweit gut aussah, dass man sie am nächsten Tag nähen könnte. Danach dürfe sie auch langsam anfangen Feste Nahrung zu sich zu nehmen.

"Wie lange wird es noch dauern, bis sie wieder reisfähig ist?" Fragte Vilkas sie noch. Er wollte weg von hier.
"In drei Tagen, wenn nichts dazwischen kommt, sollte sie transportfähig sein. Allerdings solltet ihr nicht reiten. Sie muß weiterhin liegen."
"Ich danke euch", sagte Vilkas glücklich. Er verlies zum ersten Mal seit Tagen das Zimmer und begleitete die Magierin zum Ausgang des Gasthofs. Ihm war nun die Bitte von Karliah wieder eingefallen.
"Ich suche einen Mann namens Enthir, der sich mit fremden Schriften und Sprachen auskennt. Ich habe ein Buch eines alten Freundes von ihm, das leider nicht lesbar ist. Wäre es möglich, dass er mich hier besuchen kommt, und es sich anschaut? Ich möchte das Buch nur ungern aus der Hand geben, da es mir nicht gehört."
"Ich werde es ihm ausrichten." Dann ging Colette.
Als er wieder zu Akkirah ins Zimmer kam, sagte sie leise zu ihm:
"Ihr solltet euch hinlegen, mein Liebster, ihr seht müde aus."
"Ich möchte euch aber nicht alleine lassen."
Sie sah ihn verwirrt an. Dann merkte sie, dass sie auf einem einfachen Bett lag, das nicht sonderlich breit war.
"Ach Vil, das passt schon irgendwie. Ich rutsche etwas nach hinten und dann habt ihr genug Platz."
Er küsste sie sanft und half ihr dann weiter zur Wand zu rücken und legte sich zu ihr. Das erste Mal seit Tagen schlief er eine Nacht durch. Am nächsten Morgen erschien dann Colette, mit einem Mann. Sie stellte ihn als Enthir vor. Eigentlich wollte Vilkas Akkirah nicht alleine lassen, wenn die Magierin sie nähte, aber diese schickte ihn raus und meinte, es würde reichen wenn Haran ihr half. So ging Vilkas dann in die Gaststube und holte das alte Tagebuch hervor, um es Enthir zu zeigen. Es stellte sich heraus, das Enthir und der alte Gildenmeister gute Freunde gewesen waren, was Vilkas verwunderte, denn schließlich war Gallus der Chef der Diebesgilde, aber er nahm es hin. Schließlich war seine Frau auch mit den Mitgliedern dieser Gruppe befreundet. Es stellte sich heraus, dass das Buch in der alten Sprache der Falmer verfasst wurde. Leider konnte Enthir damit nichts anfangen, denn es gab kaum Unterlagen und Mittel, um es zu übersetzen. Das einzige was ihm einfiel war ein alter Forscher der Drewmer, der in Markath lebte. Enthir wusste, das er an einem Buch arbeitet, das die Sprache Falmer übersetzte. Mit Hilfe dieses Buches, würde es Enthir möglich sein, das Tagebuch zu übersetzen. Vilkas bedankte sich für die Auskunft und begab sich dann wieder zu Akkirah. Colette war mit ihrer Arbeit fertig und sagte es würde alles sehr gut aussehen. Und in zwei Tagen wäre sie transportfähig.

Nachdem die Magierin gegangen war erkundigte sich Vilkas beim Wirt, ob und wann eine Kutsche nach Weislauf Winterfeste erreichen würde. Er erfuhr von Dagur, das die reguläre Kutsche, die Waren nach Winterfeste brachte in drei Tagen da sein müssen. Auf dem Rückweg sollte es genug Platz geben um Akkirah damit zu transportieren, da selten waren von Winterfeste nach Weislauf transportiert wurden. Des Weiteren erkundigte sich Vilkas auch nach einem Kurier, damit er schon mal vorab eine Nachricht nach Jorrvaskr bringen konnte, um anzukündigen das er und Akkirah dort bald eintreffen würden. Es fand sich einer der Bewohner, der eh auf den Weg nach Weislauf war, um die Nachricht zu überbringen.

Und so lag drei Tage später Akkirah auf dicken Fellen gebettet, damit sie nicht so durchgeschüttelt wurde auf der Kusche nach Weislauf.