043 Regenration
043 Regenration PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:11 Uhr
Akkirah wusste letztendlich nicht mehr, wie sie alle es geschafft hatten, die sich mit Wasser füllende Höhle zu verlassen. Als sie wieder zu sich kam, lag sie neben Vilkas, der weiterhin Bewusstlos war. Karliah war noch immer bemüht die Reste des Wassers, die Vilkas während des Tauchvorgangs geschluckt hatte, aus ihm raus zu pumpen. Akkirah wollte Karliah zu Seite drängen und sich selbst um Vilkas kümmern, aber die andere Frau schüttelte nur den Kopf.
"Ihr braucht auch etwas Ruhe. Lasst mich gleich auch mal eure Wunden ansehen. Ihr seht auch recht blass aus."
"Mir geht es gut. Die Kratzer sind nicht weiter wild." Akkirah kniete sich neben Vilkas und nahm seine Hand. "Bitte kommt zu euch, mein Liebster. Ich brauche euch." Vorsichtig strich sie ihm über die Haare und spürte die Wärme die von der Platzwunde an seinem Kopf ausging, wo Karliah ihn mit dem Falmer Schild getroffen hatte. Als sie die Wunde berührte zuckte Vilkas zusammen.

"Es tut mir leid, aber ich musste ihn niederschlagen. Ansonsten hätten Bryn und ich wohl unser Leben verloren." Akkirah nickte traurig. Karliah legte Akkirah eine Hand auf die Schulter. "Er hat eine Gehirnerschütterung, aber er ist stark und wird das schnell wegstecken. Nun sollten wir aber sehen, das wir ein Feuer bekommen und unsere Kleidung trocknen, sonst holen wir uns doch noch alle den Tod." Nun erst merkte Akkirah wie kalt es in der Höhle war. Karliah wandte sich an Brynjolf, der erschöpft an einer Wand saß. "Bryn, würdet ihr bitte Holz sammeln? Ich selbst werde in der Zwischenzeit unsere Pferde holen, damit wir an unsere Decken und anderen Vorräte rankommen. So weit darf der Eingang von Irkngthand ja nicht entfernt sein.

Karliah verschwand aus der Höhle und machte sich auf den Weg. Brynjolf erhob sich schwerfällig und folgte Karliah. Akkirah blieb mit Vilkas alleine zurück. Sie begann zunächst ihn und dann sich selbst bis auf die Unterwäsche zu entkleiden. Die Rüstungen und Stiefel waren schwer und vollkommen durchnässt und so dauerte es eine Weile bis sie fertig war. Dann legte sie sich zu Vilkas und schlang ihre Arme um ihn, um sich so gegenseitig Wärme geben zu können, was aber auch kaum gelang. Erschöpft fiel Akkirah dann neben Vilkas in einen leichten Schlaf, der eher einer Ohnmacht gleich kam. Sie bekam nicht mit, wie zuerst Brynjolf mit dem Holz zurück kam und dann in der Mitte der Höhle ein ordentliches Feuer entfachte. Als er gerade damit fertig war erschien, kam Karliah zurück. Sie hatte neben den Pferden mit den eigenen Vorräten auch allerhand Dinge der getöteten Banditen an sich genommen. Dazu gehörten deren Decken und Felle sowie weiteres Holz. Das hatte sie alles auf Adelante und dem zweiten Wallach gepackt. Zuvor hatte sie ihre Ersatzkleidung gegen die durchnässten ausgetauscht, die sie am Leib trug.

Der Höhleneingang war groß genug, um die Pferde mit in die Höhle zu nehmen, wo sie dann gemeinsam mit Brynjolf diese von ihrer Last befreite. Karliah schaute kurz nach Akkirah und Vilkas, die sich weiterhin nicht rührten. Schleunigst bereitete sie drei Lagerstätten neben dem Feuer her. Brynjolf hatte sich zwischenzeitlich auch am Feuer seiner nassen Klamotten entledigt und sich in eine der Decken eingehüllt. Nachdem die Lagerstätten fertig waren, gingen beide zu Akkirah und Vilkas hinüber, um sie zum Feuer zu bringen. Akkirah wurde wach und halft dabei Vilkas ans Feuer zu tragen. Brynjolf konnte sich eine leicht spöttische Bemerkung wie so oft nicht verkneifen.

"Es war doch nicht so verkehrt, das ihr euch in so einen ähmmm... ja..." Ihm lag ein etwas anderes Wort auf der Zunge, das er sich dann doch lieber verkniff, "nicht so kräftigen gebauten Mann verschaut habt." Als er das sagte hatte Akkirah Vilkas gerade das nasse Unterhemd ausgezogen und warf es Brynjolf verärgert ins Gesicht. Sie kannte ja sein loses Mundwerk, aber das musste trotzdem nicht sein. Vilkas bekam es glücklicherweise nicht mit.

Anschließen nahm sie mehrere der Decken, die Karliah mitgebracht hatte und hüllte Vilkas darin ein. Dann holte sie den Rest ihrer nassen Kleidung, und bereitete sie nahe des Feuers zum Trocknen aus. Brynjolf tat es ihr mit seinen Sachen nach. Als die beiden mit ihrer Arbeit fertig waren, scheuchte Karliah sie auf ihre Lagerstätten, damit sie sie endlich etwas aufwärmen konnten. Sie selbst hatte begonnen, aus den Vorräten, einen Eintopf zu kochen. Es würde noch mindestens eine Dreiviertelstunde dauern, bis dieser Fertig war und Hilfe beim Zubereiten brauchte sie keine.

Akkirah kroch zu Vilkas unter die Decke und schmiegte sich an ihn. Sie spürte, dass sein Herzschlag kräftiger geworden war, als vorhin. Das wärmende Feuer half, das er langsam wieder eine vernünftige Temperatur bekam. Ihre eigene Erschöpfung holte sie auch schnell wieder ein und sie schlummerte sie friedlich ein und wurde erst wieder wach als Karliah sie sanft an der Schulter schüttelte. "Essen ist fertig", sagte sie. "Für Vilkas habe ich etwas von dem Sud abgefüllt. Ich gehe davon aus, das ihr erst ihm versuchen wollt, etwas einzuflößen bevor ihr selbst etwas esst?" Akkirah rappelte sich auf, nickte und wickelte sich eine leichte Decke um den Körper. Brynjolf saß auf der andere Seite des Feuers und war schon dabei seine Portion in sich reinzuschaufeln. Akkirah nahm die Schale von Karliah und fing dann erst mal an Vilkas etwas zu essen einzuflößen. Es war gar nicht so einfach, denn aufgrund der Gehirnerschütterung sollte er seinen Kopf nach Möglichkeit nicht bewegen. Aber mit viel Geduld gelang es ihr. Danach leerte sie ihre eigene Schüssel. Sie fühlte wie sie selbst wieder kräftiger wurde und ihre Energie, die das verfluchte Schwert von Mercer ihr entzogen hatte, zurückkehrte.

Als sie fertig war, fiel ihr ein, dass sie sich noch nicht bei ihren Gefährten bedankt hatte. Sie stand auf und ging zu den beiden rüber. Zuerst umarmte sie Karliah und dann Brynjolf.
"Hey, lass das euren wilden kleinen Nord nicht mitbekommen", Brynjolf grinste.
"Ohne euch wäre er jetzt in Sorvengarde. Da sollte einen kleine Umarmung als Danke ja wohl drinnen sein." Sie lächelte.

Auch wenn es Mittag war, beschlossen alle sich schlafen zu legen. Eine Wache stellten sie nicht extra auf. Karliah meinte, wenn die Pferde zu unruhig werden würden, die ja mit in der Höhle standen, würden sie es schon mitbekommen. Akkirah schlüpfte wieder unter die Decken zu Vilkas. Als sie sich an ihn kuschelte, hörte sie ihn schwach etwas vor sich hin brummeln. Akkirah seufzte glücklich. Das war doch schon mal ein gutes Zeichen. Sie lag noch lange Zeit wach und lauschte seinem gleichmäßigen Atem. Irgendwann wurde aber auch sie von der Müdigkeit übermannt und schlief ein. Am frühen Abend wurde sie wach, als sich Vilkas neben ihr bewegte. Sie richtet sich vorsichtig etwas auf, um ihm ins Gesicht zu sehen. Er war wach und sah sie an. Als er was sagen wollte, legte sie sanft ihre Finger auf seinen Mund.
"Sagt nichts. Ihr müsst euch noch schonen, mein Liebster. Ihr habt eine leichte Gehirnerschütterung davon getragen. Habt ihr Hunger?" Sie hatte ihre Finge wieder von seinem Mund genommen.
"Ja, mein Herz." "Ich hole euch etwas." Sie beugte sich über ihn bevor sie aufstand und küsste ihn. Sie bemerkte das Bryn und Karliah auch wieder wach waren. Karliah reichte ihr eine Schüssel, mit der Akkirah sich zurück zu Vilkas begab. Vorsichtig aß er Löffel für Löffel von dem Eintopf, den Akkirah ihm gab. Den Rest aß sie dann selbst. Karliah schaute danach noch mal nach der Kopfwunde von Vilkas und stelle ihm ein paar einfache Fragen, die er ohne Probleme beantworten konnte. Karliah nickte zufrieden. "Ich würde sagen, zwei Tage liegen und dann langsam ein wenig aufstehen, dann dürften wir in fünf Tagen zurück nach Rifton reiten können." Akkirah lächelte froh.
"Das hört sich doch gut an."

Während sich Karliah Vilkas angeschaute, hatte sich Brynjolf um die Pferde gekümmert und ihnen etwas von dem mitgebrachten Hafer gegeben. Danach beschlossen sie sich wieder hinzulegen. Sie waren alle immer noch recht erschöpft von den Anstrengungen des letzten Tages, bzw. der Nacht. Akkirah schlief diesmal recht schnell glücklich in den Armen von Vilkas ein.

Am nächsten morgen kümmerte sich wie gehabt Karliah um das Essen. Akkirah fütterte Vilkas der nicht aufstehen durfte, bevor sie selbst etwas zu sich nahm. Nach dem Frühstück beschloss Karliah etwas auf die Jagt zu gehen. Brynjolf bekam die Aufgabe die Pferde draußen so gut es ging grasen zu lassen, was bei dem Schnee und spärlichen Bewuchs um die Höhle herum nicht einfach war. Und Akkirah und Vilkas verbrachten die meiste Zeit des Tages unter ihren Decken. Ab und an legte Akkirah etwas Holz nach, damit es nicht ausging. Ihre Kleidung war zwischenzeitlich auch trocken, so dass sie ihre Unterkleidung wieder anziehen konnte und nicht mehr in eine Decke gehüllt in der Höhle rumlaufen musste.

Karliah kam als erstes am Nachmittag zurück. Sie hatte vier Schneehasen erlegen können. Akkirah half ihr, die Tiere auszunehmen. Kurze Zeit später kam auch Brynjolf mit den Pferden und einer großen Ladung Holz zurück.

Als die Hasen essbar waren, half Akkirah Vilkas wieder beim Essen. Anschließend saß sie so am Feuer, das sie einerseits Vilkas Hand halten konnte, aber sich trotzdem bequem mit Karliah und Brynjolf über die Zukunft der Gilde unterhalten konnte.

"Mädchen", sagte Brynjolf zu Akkirah. "Bevor wir aufgebrochen sind, um Mercer zur Strecke zu bringen, hatte ich mich lange mit Vex und Delwin unterhalten. Sie sind wie ich der Meinung, genau wie Karliah. Das ihr, nach allem was ihr für die Gilde getan habt, die gegeigneteste Nachfolgerin für den Posten des Gildenmeisters wärt." Er sah sie Hoffnungsvoll an.

Akkirah war erstaunt. Mit allem Möglichen hätte sie gerechnet, aber das ausgerechnet ihr dieser Posten angeboten wurde, damit nun nicht. Sie spürte, wie Vilkas unwillig darauf reagiert. Und ihre Hand fest drückte. Sie drehte sich zu ihm um und sah ihn beruhigend lächelnd ins Gesicht und schüttelte leicht den Kopf. Sie merkte wie er sich entspannte. Dann drehte sie sich zu den beiden anderen zurück.

"Ich fühle mich geehrt, das ihr mir das zutraut, aber euch dürfte klar sein, das ich der Gilde, was die Arbeit angeht, schon vor einiger Zeit den Rücken gekehrt habe. Ich werde euch immer in Freundschaft verbunden sein und in Notfällen, sofern es nicht gegen das Gesetz verstößt auch helfen, wenn es mir Möglich ist. Aber mehr kann und will ich nicht tun. Ich bin zwischenzeitlich anderwärtig gebunden, wie euch bekannt sein dürfte. Und nicht nur an meinen Mann." Sie machte eine Pause. "Bryn, ihr seid der beste Kandidat für den Posten. Seid doch mal ehrlich, ihr habt die Gilde doch zu mindestens seit ich dazu gestoßen bin mehr oder weniger geleitet. Ihr habt euch drum gekümmert, wenn's drum ging, neue Mitglieder zu finden. Wenn jemand Probleme hatte ist er zu euch gekommen. Ihr habt die anfallende Arbeit verteilt. Die Leute achten oder fürchten euch, je nachdem auf welcher Seite sie stehen." Sie sah Brynjolf an. Dieser ließ den Kopf hängen. "Ich kann das nicht. Das ist nicht was ich will." So hatte sie ihn noch nie erlebt. Der sonst nie auf den Mund gefallene Dieb wirkte so hilflos wie ein kleines Kind, dem man eine große Aufgabe anvertraute, der es sich nicht gewachsen sah.

Akkirah ließ Vilkas los und ging hinüber zu Brynjolf. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter. "Schaut mich an, Bryn." Akkirah fühlte sich nicht sonderlich wohl in ihrer Haut. Sie konnte spüren, wie Vilkas ungehalten zu ihnen rüberschaute. Sie legte ihre andere Hand unter Brynjolfs Kinn und hob den Kopf damit er ihr in die Augen schauen konnte. "Ihr seid dafür geboren, mein Freund. Ihr werdet es mit Leichtigkeit schaffen. Ihr müsst euch nur dazu überwinden." Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Ihr sollte in Ruhe drüber nachdenken und erst mal schlafen gehen."

Sie stand auf und ging zurück zu Vilkas, dem sie anmerkte das er am Kochen war. Sie fuhr ihm sanft mit der Hand durch Haar und dann legte sie sich zu ihm und nahm ihn in die Arme.

"Ich liebe euch, Vil." Flüsterte sie ihm ins Ohr. "Und das wird immer so sein. Bitte glaubt mir das, mein geliebter wilder eifersüchtiger Wolf." Sie küsste ihn vorsichtig und er zog sie fest an sich ohne etwas zu sagen. So lagen sie beide lange Zeit wach bevor sie einschliefen.

Auch Brynjolf brauchte lange bevor er einschlief. Er dachte über das was Akkirah ihm gesagt hatte nach und letztendlich hatte sie ja Recht.

Der nächste Tag verlief ähnlich wie der vorherige. Karliah ging auf die Jagt, Brynjolf zog mit den Pferden zum Grasen und Holzsammeln los und Akkirah und Vilkas blieben in der Höhle. Nur zum Abwaschen der Schüsseln und beseitigen der Überreste vom Essen begab sich Akkirah raus vor die Höhle und holte etwas Wasser aus dem See. Vilkas sah ihr bei ihren Tätigkeiten die ganze Zeit zu, sofern ihm das möglich war. Am Nachmittag kamen die anderen wieder und während und nach dem Essen unterhielten sich die vier mit alten Geschichten die ihnen mal während ihrer Arbeiten so passiert waren. Es war ein netter gemütlicher Abend und zufrieden gingen sie als es Zeit wurde alle zu Bett.

Am nächsten Tag durfte sich Vilkas endlich aufsetzen. Als er zu hastig hochkam, überfiel ihn ein heftiger Schwindelanfall und er legte sich freiwillig wieder hin. Nach einer halben Stunde versuchte er noch mal sich aufzusetzen, diesmal aber langsamer und es klappte. Er war froh darüber nicht mehr liegen zu müssen und endlich wieder selbständig essen zu können. Ansonsten verlief auch dieser Tag ähnlich wie der vorherige.

Am drauf folgen Morgen sah Brynjolf beim Frühstück recht blas aus und wirkte etwas fiebrig. Er hatte sich wohl eine arge Erkältung eingefangen, als er mit den nassen Klamotten draußen Holz gesammelt hatte, was jetzt erst durchkam. Karliah bestand drauf, dass er in der Höhle beim Feuer bleiben sollte. Akkirah sollte bei den beiden Männern bleiben. Sie selbst wollte sich um die Pferde kümmern. Akkirah hatte Für Vilkas einen der Sättel geholt damit er sich, wenn er sich aufsetzte daran lehnen konnte. Morgen sollte er dann endlich aufstehen dürfen. Brynjolf hatte sich hingelegt und in seine Decke eingerollt. Damit er schlafen konnte unterhielten sich Akkirah und Vilkas nur flüsternd. Nach einer Weile stand Akkirah auf und ging zum Lager von Brynjolf rüber um nach ihm zu sehen. Er zitterte wie wild und schien Schüttelfrost zu haben. Akkirah holte zwei Decken von den Decke die sie nicht mehr brauchten und deckte Brynjolf damit zu Dann machte sie sich dran, einen Kräuter Tee zuzubereiten. Glücklicherweise hatte sie in ihrer Satteltasche immer einiges an Kräutern dabei.

Vilkas war hin und her gerissen. Einerseits passte es ihm überhaupt nicht, wie sich Akkirah um Brynjolf kümmerte, andererseits hatte er ihm das Leben gerettet und es war das mindeste das seine Frau den Dieb nun half. Während der Tee vor sich hinzog, hatte sich Akkirah wieder etwas zu Vilkas gesetzt und sich an ihn gekuschelt. Als der Tee fertig war goss Akkirah ihn in einen Becher und reichte ihn Brynjolf.

"Danke, Mädchen." Er nahm den Becher und wollte einen ordentlichen Schluck nehmen, verschluckte sich aber, da der Tee sehr heiß war. Akkirah schaffte es gerade noch ihm den Becher aus der Hand zu nehmen, bevor er den Inhalt verschüttete. Nachdem sich Brynjolf von seinem Hustenanfall wieder beruhigt hatte nahm Akkirah vorsichtig seinen Kopf hoch und führte den Becher an seinen Mund und achtete darauf, dass er langsam trank.

"Danke nochmals, Mädchen, aber ihr solltet euch nun lieber wieder zu euren kleinen schnell aufbrausenden Nord zurück begeben"
"Ich entscheide, wann ich zurückgehe." Sie zwinkerte ihm zu. "und nun versucht etwas zu schlafen, damit ihr auch schnell wieder fit seid und wir zurück nach Rifton kehren können."

Dann stand sie auf und ging zurück zu Vilkas, der sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Sie kannte den Blick, den er aufgesetzt hatte und musste irgendwie lachen, was ihn noch ungehaltener machte. Aber als sich Akkirah zu ihm setzte, die Arme um ihn schlang und einen Kuss gab, war all sein Unwille sofort verflogen.

"Was werden wir tun, nachdem wir in Rifton angekommen sind, mein Herz?" fragte Vilkas dann.
"Ich weiß nicht, mein Liebster. Ein paar Tage die Ruhe genießen? Dann werden wir wohl zum Dämmergrab gehen müssen, um Nocturnal zufrieden zu stellen und den Skelettschlüssel wieder an seinen Angestammten Platz zu bringen. Auf den Weg dahin würde ich gerne einen Abstecher nach Weislauf machen. Was meint ihr."
"Das hört sich gut an. Und dann schauen wir weiter, mein Herz."

Sie sah in lächelnd an. Dann legt er sich wieder hin und Akkirah fing an aufzuräumen und das Geschirr zu reinigen. Brynjolf schlief tief und fest, als sie zwischendurch mal nach ihm schaute. Er wurde erst wieder wach als Karliah zurückkam. Sie hatte diesmal nicht gejagt sondern ein paar Fische gefangen. Akkirah machte zuerst noch einen frischen Becher Tee für Brynjolf fertig, den sie ihm wieder selbst einflößte. Dann half sie Karliah beim Essen machen. Vilkas saß derweil da und beobachtet die beiden. Was sollte er auch großartig anderes tun?

Der Abend verlief recht ruhig, da sie Brynjolf seine Ruhe nicht stören wollten. Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit. Vilkas durfte aufstehen. Er war erstaunt, wie wackelig er sich auf den Beinen fühlte. Und hätte Akkirah ihn nicht gehalten wäre er wohl erst mal umgekippt. Nach einigen Minuten ging es dann aber und er konnte alleine ein paar Schritte machen. Danach wurde ihm aber erst mal wieder Ruhe verordnet. Brynjolf ging es auch schon wieder besser. Akkirahs Tee schien geholfen zu haben. Das Fieber und der Schüttelfrost waren wieder weg. Er sollte sich aber trotzdem am heutigen Tage noch schonen.

Heute sollte Akkirah dann Karliah begleiten, wenn sie mit den Pferden raus ging und etwas Essbares beschaffte. Akkirah war davon überhaupt nicht begeistert. Sie sah zu den beiden Männern rüber, die dann hier alleine bleiben würden.

"Karliah, glaubt ihr wirklich, man kann die beiden hier alleine zurücklassen?" etwas Angst schwang in ihrer Stimme mit. "Was wenn sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen?"
"Ach Mädchen, macht euch keine Sorgen", Brynjolf grinste schon wieder Frech, also musste es ihm wirklich schon viel besser gehen. "Wenn ihr nicht anwesend seid, haben wir doch auch keinen Grund auf einander los zu gehen. Oder wie seht ihr das mein Freund?" Er grinste zu Vilkas rüber. Dieser gab nur ein unverständliches ungehaltenes Brummeln von sich. Brynjolf nahm das als Zustimmung. "Na also da hört ihr es. Und nun zieht schon endlich los."

Akkirah warf einen Sorgenvollen Blick auf Vilkas. Dieser lächelte ihr etwas gequält zu, nickte dabei aber. Also entschloss sich Akkirah mit Karliah los zu gehen. Sie schwang sich draußen auf den blanken Rücken von Adelante und dann ritten sie in die tiefer gelegnen Bereiche, wo es gutes Gras zu finden gab. Akkirah spürte wie ihr nach den Tagen in der Höhle die frische Luft auf dem Rücken von ihrem Pferd gut tat und fing an den Tag zu genießen.

In der Höhle bei Vilkas und Brynjolf herrschte zunächst Schweigen. Doch dann entschloss sich Vilkas den Anfang zu einem Gespräch zu machen. Schließlich hatte er sich bei seinem Retter ja bisher auch noch nicht so recht bedankt.

"Bryn", fing er vorsichtig an. "Danke für alles was ihr getan habt, um mich aus der überfluteten Höhle rauszuholen." Er schwieg einen Moment bevor er weiter sprach. "Aber warum habt ihr es gemacht? Ihr hättet selbst dabei ums Leben kommen können und außerdem, wenn ich gestorben wäre hättet ihr Akkirah für euch gewinnen können."

Im Ersten Moment war Brynjolf erstaunt, das Vilkas das so direkt sagte. Doch dann Antwortete er. "Nun, mein aufbrausender Freund, glaubt mir, der Gedanke ist mir auch gekommen. Aber letztendlich hat das Gewissen da nicht mitgespielt. Abgesehen davon, was hätte ich davon gehabt, wenn ich Akkirah nach eurem dahinscheiden für mich bekommen hätte? Eine leere Hülle. Denn mit euch wäre auch ihre Seele davon gegangen. Und ohne diese wäre sie nicht mehr die Frau, die ich haben wollte. Nein. Es ist okay so. Auch wenn es mir nicht gefällt, sie gehört zu euch. Und ihr zu ihr. Das habe ich die letzte Zeit immer wieder sehen können. Ich habe meine Chance bei ihr, bevor sie euch kennen lernte, verpasst. Und abgesehen davon bin ich auch doppelt so alt wie sie. Das hätte wohl auf Dauer auch nicht gut gehen können." Er schwieg nachdenklich. Auch Vilkas schwieg eine Weile und dachte über die Worte von Brynjolf nach. Zum ersten Mal seit er den Dieb kennen gelernt hatte, hatte er das Gefühl, sie könnten doch noch so etwas wie Freunde werden. Akkirah würde sich darüber sicherlich sehr freuen.

"Warum habt ihr euch der Diebesgilde angeschlossen und keinen anständigen Beruf erlernt?" fragte Vilkas plötzlich. Auch diese Frage überraschte Brynjolf. Er dachte kurz nach. Dann begann er zu erzählen.

Seine Mutter war eine Dienstmagd bei einem adligen Herrn in Markath gewesen. Dort lernte sie eines Tages seinen Vater, einen höheren Angestellten eines Freundes ihres Herrn kennen und verliebte sich in den Mann. Leider war sein Vater einer der Sorte Mann, die Frauen als Beute ansahen und denen es Spaß machte sie zu erobern, um sie anschließend wieder fallen zu lassen. In ihrer Verliebtheit bemerkte Brynjolfs Mutter das nicht und ignorierte auch die Warnungen ihrer Freundinnen. Sein Vater versprach ihr, dass er sie sobald es ging Heiraten würde. Sie glaubte ihm und gab sich ihm hin, was nicht ohne Auswirkungen blieb, denn sie wurde Schwanger. Nach dem letzten Besuch mit seinen Herren kam er nie wieder. Nun stand seien Mutter dumm da. Solange sie trotz ihres Zustands noch arbeiten konnte war alles gut, aber als ihre Zeit der Niederkunft kam, musste sie ihre Stellung aufgeben. Sie hatte kaum Geld angespart, da der ihr Lohn recht niedrig war. Zuerst kam sie bei einer Freundin unter, wo sie Brynjolf zur Welt brachte. Aber lange konnte sie dort auch nicht bleiben. Ihre Freundin stand kurz vor ihrer Hochzeit und ihr Zukünftiger wohnte in Windhelm, wohin Brynjolfs Mutter ihr nicht folgen konnte.

Ihr Vater war Lehrer gewesen und hatte seiner Tochter schreiben und lesen beigebracht. Leider verstarben ihre Eltern frühzeitig, so dass sie sich eine Anstellung suchen musste. Ansonsten hätte sie wohl möglich mit ihrem Sohn zu ihnen gehen können. Andere Verwandtschaft gab es nicht. Zu mindestens wusste sie nichts davon. Also blieb ihr nichts anderes übrig als in die schäbige Wohnkaserne von Markath umzuziehen. Mehr schlecht als recht hielt sie sich anfangs mit kleinen Dienstbotengängen über Wasser, aber je älter Bryn wurde, desto kostspieliger wurde sein Unterhalt. Eine feste Anstellung fand sie nirgends. Wer wollte schon eine Frau einstellen, die alle Naselang zu ihrem kleinen Kind sehen musste. So blieb ihr irgendwann nichts anderes, als ihren Körper zu verkaufen. Viel Geld blieb ihr aber dadurch auch nicht, denn sie wollte ja nicht, das Ihr Sohn mitbekam, was sie tat, also blieb ihr nichts übrig als ein Zimmer im Gasthof zu nehmen, wenn sie ihre Freier empfing, was ein Großteil ihrer Einnahmen sogleich wieder verschlang. Sie tat alles um ihren Sohn gesund großzuziehen. Und sie brachte ihm, wann immer sie Zeit hatte, so früh es ging, lesen, schreiben und rechnen bei. Er stellte sich dabei nicht unbegabt an. Natürlich fragte er oft nach seinem Vater. Aber seine Mutter sagte nur, er wäre vor langer Zeit gestorben, noch bevor er auf die Welt kam. Je älter der Kleine Brynjolf wurde, desto schwerer wurde es für seine Mutter, ihre Arbeit vor ihm geheim zu halten. Als er Acht wurde, musste er miterleben wie ein ungehaltener Freier seine Mutter verprügeln wollte, weil sie sich geweigert hatte, gewisse Praktiken anzuwenden. Er versuchte den Mann von seiner Mutter fernzuhalten, aber er wurde nur zur Seite geschubst, so dass er fiel und sich den Kopf anschlug und dadurch kurzeitig das Bewusstsein verlor. Daraufhin wurde seine Mutter zur Furie, denn niemand durfte ihren kleinen Jungen was tun. Sie bückte sich nahm eine Stein zur Hand und erschlug den Freier. Die Familie des Mannes war aber reich und sorgte dafür dass Brynjolfs Mutter ins Gefängnis kam. Den Jungen schickte man mit der nächsten Kutsche ins Waisenhaus von Rifton. Die Mutter konnte die Trennung von ihrem Sohn nicht verkraften und starb kurze Zeit später im Gefängnis an ihrem Kummer.

So gelangte Brynjolf nach Rifton. Auch zu diesem Zeitpunkt war die "gütige Grelot" dort die Leiterin des Waisenhauses und quälte die Kinder. Brynjolf, bis dahin an sich behütet aufgewachsen, konnte sich in dem Waisenhaus nicht einleben. Er nutzte die erstbeste Gelegenheit und floh aus seinem neuen Zuhause. Er versteckte sich in der Kanalisation unter Rifton, wo ihn ein alter Mann Unterschlupf gewährte, wenn er dafür sorgen würde, dass er ihm regelmäßig was zu essen brachte. So begann Brynjolf dann Essen auf dem Marktplatz zu stehlen. Er stellte sich dabei recht geschickt an. Der alte Mann lehrte ihm, wie man die Taschen von Leuten lehren konnte. Auch die Taschendiebstähle gingen ihm leicht von der Hand. So lebte Brynjolf bei dem Alten drei Jahre, bis dieser starb. In dieser Zeit hatte er viel über das Diebshandwerk gelernt, das er sich schon eine recht guten Namen gemacht hatte. Nachdem der Alte tot war lernte er eines Tages Gallus kenne. Dieser erkannte das Talent des Jungen und nahm ihn unter seine Fittiche. Da er aber noch zu jung war, um der Diebesgilde bei zu treten blieb er dort wohnen, wo er bis dahin mit dem alten Mann gelebt hatte. Als er 13 wurde, nahm Gallus ihn mit in die zersplitterte Flasche und führte ihn in die Gilde ein. Mit knapp 17 erlebte Brynjolf dann den Tod von Gallus. Er beschloss an Mercers Seite zu bleiben, der Gallus nachfolgte.

Als Brynjolf staunte über sich selbst. Noch nie zuvor hatte er jemanden seine komplette Lebensgeschichte erzählt. Und tat er es ausgerechnet bei diesem dahergelaufenen Nord. Vilkas stand vorsichtig auf und setzte sich neben den Dieb und legte seine Hand auf die Schulter von Brynjolf. "Ich schätze unter diesen Umständen gab es keine andere Möglichkeit. Es tut mir leid, was euch alles widerfahren ist." Er sah Brynjolf direkt in die Augen. Dieser erwiderte den Blick und lächelte. In dem Moment kamen Akkirah und Karliah zurück und staunten nicht schlecht, als sie die beiden Männer einträchtig nebeneinander sitzen sahen.

"Hoffentlich stören wir nicht", lies sich Karliah vernehmen.
"Wenn ihr uns was zu Essen macht, bestimmt nicht", Brynjolf schnippische Art war wieder zurückgekommen. Vilkas konnte sich ein Grinsen auch nicht verkneifen.

An diesem Abend saßen sie alle vier das erste Mal, seit sie gemeinsam aufgebrochen waren, wirklich absolut entspannt beieinander, während sie sich unterhielten.

Am nächsten Morgen beschlossen sie endlich nach Rifton aufzubrechen. Da Vilkas immer noch nicht so fit war und stundenlang reiten konnte, machten sie häufiger Rast, so dass sie fünf Tage brauchten, um nach Hause zu kommen.