044 Ein paar ruhige Tage in Rifton
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Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:11 Uhr
Am späten Nachmittag kamen die vier Gefährten bei den Ställen von Rifton an. Brynjolf und Karliah hielten sich im Hintergrund, als Akkirah und Vilkas die Pferde in den Stall brachten. Shadre freute sich, sowohl Akkirah und Vilkas als auch die Pferde munter und gesund wieder zu sehen. Er kümmerte sich um die beiden Wallache während Akkirah und Vilkas Adelante versorgten. Als sie fertig waren gingen sie hinter den Ställen zu ihren beiden Gefährten.

"Wollt ihr noch mit reinkommen und wir Essen oben auf der Terrasse gemeinsam?" fragte Akkirah.
Brynjolf schüttelte den Kopf. "Es ist besser man sieht uns nicht zusammen. Es könnte Gerede aufkommen, sollte jemand uns zufällig so zusammen sehen, und das wäre nicht sonderlich gut für uns alle. Wir treffen uns morgen Mittag in der Zersplitterten Flasche. Ich werde Vekkel bitten uns was zu Essen zu machen. Er ist ein großartiger Koch."
Akkirah nickte und lächelte. "Okay. Dann sehen wir uns morgen."

Sie umarmten sich alle gegenseitig zum Abschied und gingen dann jeder seiner Wege. Nachdem Akkirah und Vilkas ihr Haus betreten hatten, entledigten sie sich erst mal ihrer Rüstungen und zogen einfache Kleidung an. Es war noch nicht sonderlich spät und die Marktstände sollten wohl noch offen haben. Sie beschlossen daher fix zum Markt zu gehen um einzukaufen. Außerdem bedurften ihre Rüstungen nach dem Bad in der Überschwemmten Höhle dringend fachkundige Pflege und Balimund war nicht nur ein guter Schmied, sondern hatte auch ein gutes Händchen für Lederrüstungen. Daher wollten sie dass er sich die Schäden mal anschaute und gegebenenfalls reparierte.

Balimund freute sich die beiden zu sehen. Es war zwar ein ungewohnter Anblick sie ohne ihre Rüstungen zu sehen, aber als er sah, wie der Zustand von diesen war, nahm er sie sofort an sich und versprach, das sie in drei Tagen wie neu sein würden. Da Vilkas guter Zweihänder im Kampf gegen Brynjolf und Karliah verloren gegangen war, brauchte er auch eine neue Waffe. Das Teil, das er zurzeit mit sich rumschleppte, war nicht sonderlich ausbalanciert und auch sonst von recht schlechter Qualität. Aber immer noch besser als keine Waffe zu haben, hatte er sich gesagt, als sie noch mal beim Eingang von Irkngthand sich nach einer passenden Waffe für Vilkas umgeschaut hatten. So sahen sie sich die Waffen an, die Balimund in seinem Laden vorrätig hatten. Aber irgendwie war keine darunter, die Vilkas wirklich zusagte.

"Wenn ihr mir sagt, was ihr haben wollt, könnte ich euch eine anfertigen. Egal aus welchen Material", meinte der Schmied schließlich als Vilkas einfach nichts fand. Vilkas überlegte kurz. Dann gab er dem Schmied eine recht detaillierte Beschreibung seiner Vorstellungen. Und als Material hätte er am liebsten Ebenerz. Balimund nickte. "Das sollte kein Problem sein. Nur das Ebenerz müsste ich noch aus Shores Stein besorgen. Für einen Zweihänder reichen meine Vorräte hier nicht aus", sagte Balimund. "Das Schwert würde in ca. einer Woche fertig sein, nachdem das Erz da ist. Dafür bräuchte es wohl noch mal 2 Tage."
"ich habe noch ein paar Ebenerzbarren zu Hause", Akkirah strahlte. Damit würde die Beschaffungszeit schon mal wegfallen."
"Wenn ihr mir sagt, wo ihr es habt, hole ich es schnell. Dann könnt ihr die restlichen Einkäufe erledigen", lächelte Vilkas.

Akkirah beschrieb ihm, in welche Truhe sie es gelegt hatte und Vilkas machte sich sofort auf den Weg um es zu holen. Balimund freute sich, dann könnte er gleich morgen früh damit anfangen. Akkirah bedanke sich bei dem Schmied und ging dann weiter um etwas zu Essen zu kaufen.

Als Vilkas vom Schmied zurückkam, war sie schon dabei das Essen vorzubereiten. Es sollte heute Fasan mit Kartoffeln und Gemüse geben. Während Akkirah vor der Kochstelle stand legte Vilkas seine Arme um sie und küsste sie am Hals. Sie drehte sich in seinen Armen zu ihm um und sah in tief in seine eisgrauen Augen. "Ich bin so glücklich, das wir beide wieder gemeinsam hier zu Hause sind. Ich liebe euch wahnsinnig, mein wilder Wolf", sagte sie ganz leise. "Ich weiß nicht was ich getan hätte wenn ihr umgekommen wärt." "Ihr hättet euch an euer Versprechen gehalten, das wir uns gegeben haben und weitergemacht, bis wir uns in Sorvengarde wieder sehen würden." Antwortete er lächelnd. Dann half er ihr beim Essen kochen und deckte draußen auf der Terrasse den Tisch.

Nach dem Essen saßen beide lange Zeit Arm in Arm da und lauschten den Nächtlichen Geräuschen. Es war eine sternenklare Nacht. Als es zu kalt wurde, brachten sie alles ins Haus und begaben sich zu Bett. Es war das erste Mal seit Tagen, das sie wieder alleine waren und so hatten sie einiges nachzuholen.

Am nächsten Morgen wurde Akkirah wach, als Vilkas ihr sanft mit der Hand übers Haar strich. Sie seufzte leise und schmiegte sich an ihren Liebsten. Wie hatte sie es vermisst, so morgens neben Vilkas aufzuwachen und seinem Herzschlag zu lauschen, wenn ihr Kopf auf seiner Brust ruhte und sich dabei keine Sorgen machen zu müssen. Sie blieben beide so noch eine Weile liegen, bis sich Akkirah dann doch aufrappelte und sich ein einfaches Gewand überwarf. Vilkas folgte ihrem Beispiel. "Kommt", sagte er, "Lasst uns schnell Adi versorgen und dann gehen wir eine Runde im See schwimmen. Bis Mittag haben wir ja noch viel Zeit."

Akkirah nickte und nahm 2 Handtücher mit. Beim Stall ließen sie sich viel Zeit. Noch war es recht neblig, aber das würde sich, sobald die Sonne durchkam schnell ändern. Als sie die Stallarbeit erledigt hatten liefen sie gemeinsam Hand in Hand runter zum See. Akkirah war zuerst im Wasser und spritzte Vilkas der langsamer war ordentlich nass. Mit gespielter Wut jagte er ihr ins Wasser nach und versuchte sie zu fangen, was ihm wie meist erst dann gelang, als Akkirah es zuließ. Sie blieben bis kurz vor Mittag unten am See. Dann liefen sie hoch ins Honigheim, um sich ihre einfachen Lederrüstungen anzuziehen. Man wusste ja nie, wer oder was sich im Rattenweg rum trieb.

Langsam wurde es nun auch Zeit loszugehen. Ungehsehen betraten sie den Rattenweg. Niemand lief ihnen hier über den Weg und so kamen sie ohne Probleme zur zersplitterten Flaschen. Heuler stand wie meist Wache und sah sich jeden Besucher genau an. Scheinbar hatte Brynjolf vergessen ihn darüber zu informieren, das Vilkas Akkirah begleiten würde, denn er wollte Vilkas nicht durchlassen.

"Heuler", die schärfe in der Stimme von Brynjolf ließ den Wachposten zusammenfahren, "Lasst ihn durch er gehört zu uns, genau wie das Mädchen." Widerwillig ließ Heuler die beiden passieren. "Wenn ihr Ärger macht, könnt ihr was erleben", konnten die beiden gerade noch so hören und mussten beide grinsen. Brynjolf kam auf sie zu und umarmte beide nacheinander Kameradschaftlich. Akkirah beobachtete Vilkas als Brynjolf sie in den Arm nahm und stellte fest, das Vilkas vollkommen ruhig dabei blieb. Sie musste lächeln. Ihr eifersüchtiger Wolf schien zu mindestens hier gezähmt zu sein. Sie konnte nicht anders und ergriff seine Hand und sah ihn strahlend an. Vilkas erwiderte ihren Blick lächelnd.

"Kommt, Vekkel hat das Essen fast fertig. Es müssen nur noch schnell die Tische zusammengestellt werden und dann aufgetragen werden." Außer Vekkel wusste niemand was geplant war und so sah man skeptische Blicke von Vex und Delwin. Akkirah und Vilkas halfen die Tische zusammen zustellen. Nachdem Vekkel eingedeckt hatte und das Essen dann auf dem Tisch stand. Setzen sich alle Anwesenden an den Tisch. Auch Vekkel, Tonilia und Heuler sollten sich dazugesellen.

Brynjolf hob ein Glas von dem Rotwein, den man zur Feier des Tages auf den Tisch gestellt hatte: "Ich erhebe das Glas auf eine neue Zukunft der Diebesgilde. Möge sie wieder im alten Glanz erstrahlen." Die anderen hoben auch ihre Gläser und nahmen einen Schluck von dem guten Wein. "Besonders möchte ich mich an dieser Stelle nun bei unsere beiden Gästen, dem Mädchen und Vilkas bedanken, die viel dazu beigetragen haben, das wir heute hier gemeinsam sitzen können, auch wenn sie keine direkten Mitglieder unserer Gilde sind." Er wartet kurz bevor er weiter sprach weil er sah, dass zu mindestens Vex und Delwin ihn recht erstaunt ansahen.

"Bevor wir uns zu viert aufgemacht hatten, um Mercer das Handwerk zu legen, hatten wir im kleinen Rat schon über die Nachfolge der neuen Gildenmeisters gesprochen, und waren uns einig, dass das Mädchen diesen Posten übernehmen sollte, denn dank ihr geht es uns heute wieder so gut wie in früheren Tagen. Zuvor hatten Vex und Delwin vorgeschlagen, ich solle dieses machen, aber ich hatte da noch andere Dinge im Kopf." Wieder machte er eine Pause. "Als Karliah und ich sie nach dem Tod von Mercer drauf angesprochen haben, lehnte sie sogleich ab und durch ihre Worte musste ich lange nachdenken und feststellen, das sie recht damit hatte, als sie sagte ich solle den Posten übernehmen, da sie der Meinung war, ich wäre der Beste für diesen Posten." Brynjolf senkte den Kopf. Man konnte merken, wie unwohl er sich gerade fühlte. Vex war die erste die sprach: "Warum nicht gleich so, Bryn? Auch Del und ich waren der Meinung du wärst die erste Wahl für den Job." Sie drehte sich zu Akkirah um. "Nichts für ungut meine Liebe." Akkirah lächelte. "Ihr habt doch recht."

Da erhob Delwin sein Glas: "Auf Bryn, unseren neuen Gildenmeister. Möge er unsere Erwartungen gerecht werden." Alle anderen am Tisch erhoben auch ihre Gläser und tranken auf ihren neuen Gildenmeister. Brynjolf war ganz gerührt. Damit hatte er nicht gerechnet und wusste nun fehlten ihm die passenden Worte. Er setzte sich nur noch hin und sagte: "Wir sollten mit dem Essen beginnen bevor es kalt wird." Das ließ sich niemand zweimal sagen.

Während des Essens mussten Brynjolf, Akkirah und Vilkas berichten was in Irkngthand geschehen war. Und so saßen sie alle bis in den späten Abend zusammen. Später erzählten Delwin und Vex ein paar Geschichten aus ihrer Laufbahn. Als es auf Mitternacht zuging, beschlossen Akkirah und Vilkas zu gehen. Sie verabschiedeten sich von allen Anwesenden bis auf Brynjolf. Dieser begleitet sie noch bis zum Ausgang vom Rattenweg. "Wo war eigentlich Karliah", fragte Akkirah, bevor sie sich verabschiedeten? "Ich habe sie heute vermisst. Wollte aber nicht vor den anderen nachfragen." "Sie wollte etwas für sich sein und ist in die Halle der Nachtigallen zurückgekehrt. Ich hätte sie heute auch gerne dabei gehabt."
"Nun ja, sie ist ja glücklicherweise nicht aus der Welt und wir können sie jederzeit besuchen."

Dann fiel Akkirah ihm um den Hals und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Ihr werdet ein guter Gildenmeister sein, das weiß ich." Als sie sich von ihm löste, trat Vilkas auf Brynjolf zu. Er reichte ihm seine Hand. "Auch ich glaube, ihr werde eure Aufgabe gut meistern, mein Freund." Brynjolf war gerührt. Dann nahm er Vilkas freundschaftlich in die Arme. Als Akkirah und Vilkas kurze Zeit später zu Hause in ihrem Bett lagen sah Akkirah ihren Mann an. "Was ist an dem Tag nur geschehen, wo ich mit Karliah unterwegs war? Ich hätte nie erwartet, dass ihr jemals Freunde werden würdet. Aber es macht mich glücklich, dass es passiert ist." Sie nahm in fest in die Arme und kuschelte sich an ihn. "Das ist etwas das nur mich und Bryn etwas angeht, mein Herz", sagte er ganz leise und zog sie an sich. Akkirah lächelte still vor sich hin. Egal was passiert war, die Wirkung zählte und mehr musste sie auch nicht wissen.

Den nächsten Tag genossen Akkirah und Vilkas in völliger Zweisamkeit. Sie nahmen ihr Boot und ruderten, wie so oft zu ihrer kleinen Insel und verbrachten einen entspannten Tag da draußen. Auch die folgenden Tage verliefen ruhig und Akkirah wünschte sich, es würde immer so sein. Zwischendurch hatten sie ihre Rüstungen von Balimund abgeholte. Sie wirkten wie neu. Als sie ihn bezahlen wollten, wiegelte er ab. "Ihr werdet noch genug Gold für das Schwert los, wenn es fertig ist." "Gibt es nichts was ihr brauchen könntet?" fragte Vilkas. Balimund überlegte. "Solltet ihr auf euren Reisen an Feuersalze rankommen, würde ich mich freuen wenn ihr mir davon welche bringen könntet. Leider läßt das Feuer in der Schmiede nach und ich befürchte sie könnte bald gänzlich erlöschen. Und nur echte Feuersalze können dem Einhalt gebieten."
"Das sollte kein Problem für uns darstellen. Ihr werdet eure Feuersalze bekommen." Vilkas war froh etwas für den Schmied tun zu können.

Am sechsten Tag nach ihrer Ankunft in Rifton schwangen sich Akkirah und Vilkas in den Sattel von Adelante und ritten hinaus zur Nachtigallenhöhle. Wenn Vilkas morgen sein neues Schwert bekommen würde, könnten sie zum Dämmergrab aufbrechen um den Skelettschlüssel wieder dort hin zu bringen, wo er hingehörte. Akkirah fühlte sich nicht sonderlich wohl den Schlüssel die ganze Zeit bei sich zu tragen, daher wollte sie ihn so schnell wie möglich wieder loswerden. Vorher wollen sie aber noch mit Karliah sprechen, um noch ein paar Informationen über das Dämmergrab ein zu holen.

Als sie die Nachtigallenhalle betraten erkannte sie die Veränderungen sofort. Es sah aufgeräumter aus als vorher. Karliah hatte gute Arbeit geleistet. Wobei Akkirah feststellen musste sie würde sich hier nie wirklich wohl fühlen können. Sie trafen Karliah dort, wo sie ihre eigenen Nachtigallenrüstungen erhalten hatten. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie die beiden Ankömmlinge nicht bemerkte. Sie schrak zusammen als Akkirah ihr die Hand auf die Schulter legte.

"Entschuldigt, ich wollte euch nicht erschrecken", Akkirah sah die ältere Diebin an.
"Ist schon in Ordnung. Ich sollte auch vorsichtiger sein, so dass mich niemand überraschen kann. Was führt euch hierher?"
"Wir wollen übermorgen zum Dämmergrab aufbrechen, sofern nichts dazwischen kommt Doch dazu wäre es sicherlich nützlich, wenn ihr uns alles, was ihr über das Grab wisst mitteilen könntet."

Karliah erzählte ihnen alles was sie über das Dämmergrab und auch über die Pilger, die es regelmäßig besuchten, um Nocturnal zu ehren, wusste. Sie zeichnete die Lage des Grabes auf einer Karte ein und überreichte sie Akkirah. Diese nahm sie an sich und packte sie in ihre Tasche. Vilkas und Akkirah blieben noch ein Weilchen und unterhielten sich mit Karliah bevor sie wieder nach Rifton aufbrachen. Den Rest des Tages verbrachten sie unten am See.

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter geändert. Es war draußen grau und ungemütlich und nieselte vor sich hin. Kein Wetter, wo bei dem man sich gerne im Freien aufhielt. Sie liefen schnell rüber zu Balimund, um zu sehen, was das Schwert von Vilkas machte. Es war fertig und sah prächtig aus. Vilkas nahm es in beide Hände, schwang es ein paar Mal hin und her und war begeistert von der Ausgewogenheit der Waffe. Selbst Eorlund, der Schmied der Gefährten, hätte es kaum besser machen können. Nachdem sie die Waffe bezahlt hatten beschlossen sie, ihren Freunden in der Diebesgilde noch einen Besuch abzustatten, bevor sie morgen erst mal wieder für längere Zeit die Stadt verließen. Zuvor gingen sie aber noch in den Bienenstich, um etwas zu essen. Der Besuch in der Diebesgilde war recht kurz, da viele abwesend waren und Brynjolf dabei war, die Gildenbücher wieder auf Fordermann zu bringen.

Er freute sich aber sehr die beiden zu sehen und wünschte ihnen für ihre Reise alles Gute. Den Rest des Tages verbrachten sie in ihrem Haus. Das Wetter war den ganzen Tag nicht besser geworden. So kamen sie endlich mal wieder dazu gemeinsam in Ruhe zu lesen.