059 Eine schwere Entscheidung
059 Eine schwere Entscheidung PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:21 Uhr

Am Morgen wachten Vilkas und Akkirah fast gleichzeitig auf. Akkirah schmiegte sich an Vilkas und er fuhr ihr mit seiner Hand sanft durchs Haar. "Wollt ihr mir nun berichten was ihr erlebt habt, mein Herz?" und Akkirah erzählte was passiert war und auch das sie den Stab, wegen dem sie eigentlich unterwegs waren noch nicht hatten. Als sie von Quarantir erzählte fing sie an zu zittern. Sie wusste nicht warum, aber sie spürte, dass er versuchte sie wieder zu erreichen. Aber sie sperrte sich dagegen. Vilkas spürte ihr Zittern und hielt sie fest umschlungen bis sie sich wieder beruhigte. "Ich habe Angst, Vil. Man scheint mich zu rufen, aber ich will bei euch bleiben. Ich will nicht fortgehen." "Wenn ihr nicht wollt, müsst ihr es doch auch nicht." Sie versuchte zu lächeln. Sie bleiben noch einige Zeit im Bett, bis es doch langsam Zeit fürs Frühstück wurde. Akkirah lief nach oben und holte zwei Teller mit Brot und Aufschnitt hinunter. Gemeinsam aßen sie im Bett. Sie waren gerade fertig als Farkas an die Tür klopfte. "Hey, Bruder, wie sieht es aus, wollt ihr etwas an die frische Luft? Und hat Akkirah es euch schon erzählt? Ich traue mich nun, mich auf ein Pferd zu setzten. Eure Frau hat eine Art einen zu überreden, die es einem unmöglich macht, zu widersprechen", grinste er. Vilkas schaute ihn erstaunt an. "Nein, das hat sie mir nicht erzählt." "Nun, es gab sicher auch genug anderes, was sie euch berichten musste. Und nun lasst mich euch hoch tragen." Ohne weitere Worte abzuwarten, nahm er Vilkas auf den Arm und trug ihn nach oben. Draußen war es auf der Terrasse angenehm warm. Und Varis und Athis waren dabei ihre mit ihren Schwertern zu üben. Farkas setzte Vilkas auf der Bank ab. Akkirah setzte sich zu ihm. Farkas hatte einen Stuhl genommen und sich zu den beiden gesetzt. Dann erzählt er Vilkas wie Akkirah in dazu überredet hatte, reiten zu lernen. Vilkas konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er kannte seine Frau. Wenn die sich was n den Kopf setzte. War es manchmal schwer sie davon abzuhalten.

Plötzlich wurde Akkirah bleich und fing ganz leicht an zu zittern. Vilkas legte seinen Arm um sie und Farkas, der es auch bemerkte fragte: "Schwester, was ist mit euch ihr zittert und seid plötzlich blas geworden."
"Ich weiß nicht. Irgendwer ruft mich."
"Quarantir?"
"Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich fast so an."

"Farkas sucht einen Kurier. Er soll sofort nach Winterfeste aufbrechen und nachfragen was da los ist. Danach kann Akki dann entscheiden, ob sie hier bleibt oder doch lieber geht. Ich hoffe das ist so in eurem Sinne, mein Herz?" Er sah sie fragend an. Akkirah nickte und kuschelte sich an ihn.

Farkas stand auf und ging hinunter in die Beflaggte Mähre. Dort fand sich fast immer ein Kurier, der auf Arbeit wartete. Akkirah blieb bei Vilkas sitzen. Sie beobachteten die beiden unten Übenden. Akkirah sah Vilkas von der Seite an. Sie erkannte seinen sehnsüchtigen Blick, auch endlich wieder eine Waffe in der Hand zu halten und dort unten zu stehen. Sanft gab sie ihm einen Kuss auf die Wange. "Nur noch wenige Tage, mein Liebster und ihr dürft endlich anfangen, wieder auf eigenen Füssen zu stehen." Vilkas seufzte "Ja, mein Herz. Das wird auch Zeit. Ich halte es nicht mehr lange aus, wie ein Kleinkind durch die Gegend getragen zu werden." Tröstend legte sie ihren Arm um seine Schulter. Kurze Zeit später kam Farkas wieder hoch. "Das wäre erledigt. Ein Kurier ist unterwegs."

Akkirah sah ihn lächelnd an. "Danke, Bruder." Dann wandte sie sich an Vilkas. Seid ihr mir böse, wenn ich noch vor Mittag schnell hinunter zu den Ställen laufe? Ich muß noch dafür sorgen, das der Wallach, den wir uns in Windhelm ausgeliehen haben zurück zu seinem Besitzer kommt. Dann kann ich auch gleich Frogar begrüßen, nicht das er beleidigt ist." Sie zwinkerte Vilkas an. Er nickte. "Lauft, mein Herz. Je schneller ihr macht, desto eher seid ihr wieder bei mir" Er zog sie zum Abschied an sich und küsste sie. Sie stand auf und lief so schnell sie konnte hinab zu den Ställen. Skulvar brachte gerade die Falbe Stute, die scheinbar wieder genesen war, in ihre Box. Dabei schimpfte er wie ein Rohrspatz.

"Seid Gegrüßt, Skulvar. Aber was schimpft ihr denn so?" "Diese elendige Stute hat etwas gegen meinen Hengst. So wie die sich aufführt, wird sie nie eine Zuchtstute. Wofür habe ich da nur das Geld ausgegeben. Ich glaube bevor ich noch weitere Verluste mit ihr mache, werde ich sie so schnell es geht verkaufen. Als Reittier taugt sie leider, dank Janik nicht viel. Sie hat vor den meisten Männern Angst und benimmt sich entsprechend. Mir so einem Tier kam man in einem Mietstall nichts anfangen." Er wirkte bedrückt. "Ich kaufe sie euch ab." Akkirah wusste selbst nicht wie sie dazu kam, das zu sagen. "Ihr wollt sie haben? Seid ihr euch da sicher? Und was wird Vilkas dazu sagen, wenn ihr einfach mir nichts dir nichts ein Pferd kauft?" "Er wird sagen, das war eine gute Idee und sich freuen." "Nun, wenn das so ist, die Stute gehört euch. Ihr bekommt sie zu dem halben üblichen Preis. Ich bin froh das ich sie los bin und auch weil ich weiß das sie es bei euch gut haben wird." Er reichte ihr die Hand. Akkirah ergriff sie. Damit war der Kauf besiegelt. "Ich werde euch morgen das Gold vorbeibringen, wenn es euch recht ist. Hat sie eigentlich einen Namen?" "Lasst euch Zeit wegen des Goldes. Das eilt nicht. Und ja. Sie heißt Fiinja." Akkirah ging zu der Stute rüber. Sie erkannte sie sofort wieder und schnaubte als Akkirah ihren Hals streichelte. "Hallo, meine Kleine. Ich hoffe wir beiden werden gut miteinander auskommen. Und ich hoffe auch ihr werdet Vilkas mögen." ‚Und er euch' dachte sie bei sich.

"Ich vermute aber mal, der Kauf eines Pferdes war nicht der Grund für euren Besuch?" Akkirah lachte. "Nein, so etwas hatte ich eigentlich nicht im Sinn, als ich herunterkam. Ich wollte euch eigentlich bitten, den Wallach mit dem wir gestern Nacht gekommen sind, dem nächsten Kutscher, der nach Windhelm fährt mitzugeben. Das hatte wir mit dem dortigen Stallbesitzer so abgesprochen."
"Das habe ich schon in die Wege geleitet." Akkirah staunte. "Farkas war gestern Abend noch kurz bei mir und hat mir deshalb Bescheid gegeben. Ich war übrigens sehr erstaunt als er sagte, er wäre auf ihm her geritten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir ihn nach seinem Abgang von dem Pferd, dass er sich unerlaubt ausgeliehen hatte, hoch nach Jorrvaskr gebracht haben und er seitdem immer einen weitern Bogen um die Pferde gemacht hat."

Akkirah grinste. " Ich hoffe er wird von nun an etwas mutiger sein und sich öfters mal auf den Rücken eines Pferdes schwingen. Ihr habt nicht zufällig eine passendes ruhiges Tier, das er sich ausleihen kann?" "Ich denke ich hätte da was für ihn. Aber nun muß ich wieder an die Arbeit. Leider ist Jervar immer noch nicht zurück und auch wenn Frogar wirklich viel macht, ist die Arbeit momentan kaum zu schaffen." "Wo ist Frogar eigentlich? Ich wollte ihn eigentlich begrüßen, da ich ihn heute Morgen verpasst habe." "Es ist auf der Außenkoppel den Zaun prüfen. Sobald er kommt gebe ich ihm Bescheid und er kann zu euch hochkommen." "Ich danke euch. Morgen bringe ich euch dann das Gold für Fiinja vorbei und werde mal eine kleinen Testritt mit ihr unternehmen."

Dann drehte sie sich um und lief schnell wieder hoch nach Jorrvaskr. Sie fragte sich, was Vilkas wohl sagen würde, wenn er erfuhr, dass sie ein Pferd gekauft hatte. Vilkas saß immer noch draußen auf der Bank, obwohl es eigentlich Zeit zum Essen war. Aber Farkas hatte einen Tisch vor die Bank gestellt und es sah so aus, als würde man heute hier Essen. Tilma brachte gerade Teller und Geschirr nach draußen. "Wartet Tilma. Ich helfe euch.", rief Akkirah. "Das braucht ihr nicht Kindchen. Ich habe schon fast alles hier. Außerdem hilft Farkas schon." Er kam gerade mit einem Tablett voll dampfender Schüsseln und diversen Krügen Met raus. Da es wirklich nichts mehr zu helfen gab, setzte sich Akkirah dann gemütlich zu Vilkas. Tilma nahm sich einen Stuhl während sich Farkas, Athis und Varis an die lange Seite des Tisches setzten.

Das Essen verlief sehr unterhaltsam. Akkirah und Farkas berichteten Abwechselnd was sie die letzten Tage so erlebt hatten, während Varis und Athis anschließend erzählten, was ihnen so widerfahren war. Nach dem Essen brachte Farkas Vilkas erst mal wieder nach unten ins Schlafzimmer. Vilkas hatte sich dran gewöhnt, nach dem Essen etwas zu schlafen. Akkirah begleitete ihn. Nachdem Farkas das Zimmer verlassen hatte entkleidete sich Akkirah und legte sich zu Vilkas. Als sie so in seinem Arm lag, erzählte sie ihm von dem Kauf der Stute.

"Seid ihr mir böse, dass ich das getan habe, ohne mit euch darüber zu sprechen?" fragte sie vorsichtig. "Mein Herz, wie könnte ich euch böse sein. Ihr werdet die richtige Entscheidung getroffen haben und ich bin schon gespannt auf das Tier." Er sah sie lächelnd an. Akkirah war erleichtert. Kurz darauf schlief er ein. Akkirah blieb die ganze Zeit wach. Sie spürte zwischendurch wieder, wie jemand versucht mit ihr auf einer anderen Ebene Kontakt aufzunehmen, wogegen sie sich mit allen Kräften wehrte. Am frühen Nachmittag wurde Vilkas wieder wach. Akkirah stand auf und bat Farkas Vilkas wieder nach oben zu tragen. Das Wetter hatte sich am Nachmittag geändert und es war ein wenig stürmisch geworden. So beschlossen sie in der Metthalle zu bleiben. Kaum hatten sich Vilkas und Akkirah oben gemütlich gemeinsam mit Farkas hingesetzt, als Frogar hereingestürmt kam. "Akki, Akki. Ihr habt Fiinja gekauft! Darf ich sie dann auch mal reiten?" Der Junge fiel ihr um den Hals. Farkas war erstaunt. Davon hatte sie vorhin nichts erzählt. "Dürft ihr, nachdem ich mich mit ihr vertraut gemacht hab. Das verspreche ich euch." Der Junge sprang vor Freude durch die Halle. "Nun solltet ihr euch aber erst einmal waschen und dann lasst euch von Tilma etwas zu Essen bringen. Ihr seht hungrig aus." Frogar tat wie ihm geheißen.

"Ihr habt euch ein Pferd gekauft?" Farkas konnte es nicht glauben. "Ja. Erinnert ihr euch an die Stute, von der ich erzählt hatte, die diese Aushilfsstallbursche misshandelt hatte. Jetzt gehört sie Vilkas und mir." Akkirah lächelte. "Übrigens hat Skulvar ein ruhiges passendes Pferd, das wie geschaffen für euch wäre. Ihr könnt es euch jederzeit ausleihen, jetzt wo ihr Geschmack am Reiten gefunden habt." Farkas sah Akkirah lachend an. "Ihr seid unmöglich, Schwester." Er knuffte sie in die Seite. Weder er noch Akkirah bemerkten, wie sich kurz Vilkas Blick verdüsterte. Wenig später kam auch schon Frogar wieder. Er hatte seine Lehrbücher dabei und bat Akkirah ihn abzufragen. Vilkas lehnte sich auf seiner Bank zurück.

Er kam sich wie so häufig in letzter Zeit einfach nur überflüssig vor. Sonst hatte Frogar ihn immer gefragt bzw. er hatte mit dem Jungen geübt. Aber nun wurde er selbst dafür nicht mehr gebraucht. Akkirah fühlte, das etwas mit Vilkas nicht stimmte. Er war ruhiger als zuvor und wirkte bedrückt. Sie wollte ihn aber nicht hier vor allen anderen nach dem Grund fragen. Sieh ahnte was los war und versuchte ihn in die Arbeit mit Frogar einzubinden, indem sie immer wieder Frogar dazu animiert auch Vilkas etwas zu fragen. Kurz vor dem Essen stand Akkirah auf und überließ es Vilkas die Restlichen Aufgaben mit Frogar durchzugehen. Sie selbst ging zu Tilma um ihr beim Vorbereiten des Abendessens zu helfen.

"Kann ich nicht auch dabei helfen?" fragte Frogar. "Nein, ihr habt eure Aufgaben noch fertig zu machen und bleibt hier bei Vilkas." Sie sah Vilkas lächelnd an. Er erwiderte das Lächeln, allerdings merkte man ihm an das es nicht von Herzen kam.

Nach dem Essen saßen alle noch einige Zeit gemütlich zusammen, bevor sie sich alle zu Bett begaben. Es war ein neuer Auftrag rein gekommen. Bei der kleinen Eisenmine, nahe Flusswald hatten sich ein paar Banditen eingenistet. Varis und Athis sollten am nächsten Morgen los und sich drum kümmern.

Am folgenden Morgen stand Akkirah zeitig auf. Vilkas grummelte etwas ungehalten, was Akkirah einfach ignorierte. Bevor sie ging gab sie ihm einen Kuss und dann begab sie sich hinunter zu den Ställen. Frogar begleitete sie. Akkirah hatte gleich das Gold für den Kauf der Stute mitgenommen. Sie wollte dann gleich mal einen kleinen Proberitt machen. 'Bei Talos', fluchte sie leise innerlich als sie hinunter gingen. Sie bräuchte ja auch noch neues Sattel und Zaumzeug. Als sie unten ankamen, wartet Skulvar schon. Er hatte geahnt das Akkirah, wie sie es früher bei ihrer alten Stute gewohnt war, sehr früh am Morgen kommen würde. "Guten Morgen, Akkirah", begrüßte der Stallbesitzer sie. "Wollt ihr einen kleinen Ausritt wagen? Ich habe passendes Sattelzeug schon bereit gelegt." Akkirah sah einen Sattel vor der Box liegen. "Ich würde gerne eine kleine Runde drehen. Seid bedankt, Skulvar." Frogar hatte sich gleich an seine Arbeit gemacht. Akkirah war immer wieder erstaunt, mit welchem Elan der Junge selbst nach der nun schon recht langen Zeit seiner Arbeit nachkam.

Nachdem Frogar weg war trat Skulvar dichter an Akkirah heran. "Ich würde gerne mit euch wegen dem Jungen sprechen." Er senkte etwas den Kopf, denn er wusste nicht wie er weiter sprechen sollte. "Was ist passiert? Hat Frogar etwas angestellt?", Akkirah wunderte sich. "Nein, überhaupt nicht, der Junge macht alles richtig. So wie man es sich nur wünschen kann. Nun, also ich weiß nicht wie ich anfangen soll. Ihr wisst, meine Frau und ich sind Kinderlos und wir werden auch niemals eigene haben. In den letzten Monaten hat meine Frau Lina den Jungen immer mehr ins Herz geschlossen. Daher wollten wir euch fragen, da er ja ein Waisenkind ist, ob ihr etwas dagegen hättet, wenn wir ihn adoptieren. Er würde meinen Namen bekommen und später die Ställe übernehmen können." Skulvar war rot geworden, als er die Bitte vortrug. Akkirah war sprachlos. Mit solch einem Anliegen hatte sie niemals gerechnet. Sie musste schlucken. Was sollte sie dazu sagen? Sie und auch der Rest der Gefährten hatten den Jungen sehr gerne. Frogar sah in den Zwillingen so was wie ein Vaterersatz. "Das kommt überraschend, Skulvar." Akkirah fand langsam ihre Sprache wieder. "Ich kann das nicht alleine entscheiden. Und was sagt Frogar denn überhaupt dazu?"

"Der Junge weiß noch nichts davon. Ich wollte zuerst mit euch darüber sprechen, bevor ich ihm etwas sage. Ich wollte nicht, das er, solltet ihr unser Ansinnen ablehnen, möglicherweise enttäuscht wäre." "Ich verspreche euch, das ich sobald ich wieder oben in Jorrvaskr bin, mit Vilkas und Farkas sprechen werde und ihre Meinungen dazu anhöre. Danach werden wir mit euch darüber sprechen. Ich hoffe das ist so in eurem Sinne."

"Ich danke euch. Und nun will ich euch nicht länger aufhalten". Er begab sich wieder an seine Arbeit. Akkirah sattelte vorsichtig Fiinja. Dann führte sie das Pferd auf die Strasse und schwang sich in den Sattel. Die Bewegungen der Stute waren noch weicher als die von Adelante. Sie schien solide ausgebildet worden zu sein. Die Feinheiten fehlten aber noch. Das würde aber im Laufe der Zeit kommen, da war sich Akkirah sicher. Sie wirkte ähnlich trittsicher wie Adelante. Sie war etwas kräftiger gebaut als Adelante. Damit würde sie genauso wenige Probleme haben, sie und Vilkas gemeinsam zu tragen, wie ihre alte dunkle Stute das getan hatte. Aber richtig bei der Sache war Akkirah nicht. Sie musste über vieles nachdenken. Was sollte sie wegen Frogar sagen? Es war für den Jungen eine großartige Chance, eine neue richtige Familie zu bekommen. Er mochte die Arbeit mit den Tieren. Was konnten sie in Jorrvaskr ihn dagegen bieten? Immer wechselnde Bezugspersonen, weil sie alle oftmals für längere Zeit unterwegs waren und eigentlich auch nie wussten, ob sie zurückkommen würden. Jorrvaskr war eigentlich kein vernünftiger Ort für Kinder. Okay, auch die Zwillinge sind dort aufgewachsen, aber sie hatten zu mindestens anfangs noch ihren Vater da gehabt. Wahrscheinlich war es die beste Lösung für Frogar. Wenn er es denn wollte.

Nach einer halben Stunde kehrte Akkirah zurück Sie sattelte das Pferd ab und putzte es über und gab ihm noch ein paar Äpfel aus dem großen Trog, den Skulvar stets gut gefüllt stehen hatte. Dann ging sie wieder hoch nach Jorrvaskr. Am Gülden Grünbaum traf sie auf Danica.

"Danica, kann ich euch Kurz sprechen?" "Natürlich, mein Kind, was gibt es? Ist etwas mit Vilkas?" "Nein, es geht ihm soweit ganz gut", Akkirah lächelte. Ich wollte nur Fragen, wann Vilkas die ersten Schritte machen darf. Die vier Monate sind nun ja so gut wie um." "Wisst ihr was, ich komme morgen Vormittag hoch und wir schauen und sein Bein an und dann entscheiden wir das, wenn ihr einverstanden seid." "Ich danke euch. Wir sehen und dann morgen Vormittag." Akkirah freute sich. Mit Glück dürfte Vilkas morgen das erste Mal aufstehen. Endlich ging es wieder vorwärts. Lange hätte er es bestimmt auch nicht mehr ausgehalten. Akkirah stürmte freudig die Treppen hoch. Verdammt, es war später geworden als sie gedacht hatte. Als sie die Methalle betrat, hatte Farkas Vilkas schon nach oben gebracht. "Wo wart ihr solange?" Vilkas stimme klang leicht vorwurfsvoll. Sie legte ihre Arme um ihn. "Es tut mir leid mein Liebster. Aber es gab ein paar Leute, die mich unterwegs aufgehalten. Lasst uns nach dem Frühstück drüber sprechen." Sie legte sich etwas Brot auf den Teller. Tilma kam mit der Teekanne und füllte ihren Becher voll. "Danke Tilma. Ihr seid die Beste." Akkirah lächelte sie an. "Übrigens", wandte sich Akkirah an Vilkas, "Ich habe Danica getroffen. Sie wird morgen vorbei kommen und wenn sie nichts zu beanstanden hat, werdet ihr endlich mit dem Laufen anfangen dürfen."

Vilkas Augen begannen zu leuchten. "Danke mein Herz, das ist das Beste was ich seit langen gehört habe." Sie ergriff seine Hand und drückte sie. Es war schön, ihn endlich mal wieder so zuversichtlich zu sehen. Den Rest des Frühstücks schwiege Vilkas, Akkirah und Farkas. Als die drei fertig waren und Tilma den kleinen Tisch abdecken wollte, an dem die drei saßen, bat Akkirah Tilma sich eine Stuhl zu nehmen und sich zu ihnen zu setzten. Sie müsse etwas mit ihnen allen besprechen. Dann trug sie den Wunsch von Skulvar vor. Als sie geendet hatte herrschte Schweigen. Sie waren alle genauso überrascht wie Akkirah, als sie das gehört hatte. Tilma war die erste die sprach: "Ich werde den kleinen Wirbelwind schrecklich vermissen."

"Er ist ja nicht aus der Welt", meinte Akkirah. "Er kann uns jederzeit besuchen." "Dann habt ihr euch also schon dafür entschieden ihn gehen zu lassen?" Der Ton in Vilkas Stimme gefiel ihr nicht so recht. Nunja, er hatte die letzten zwei Monate wohl mit die meiste Zeit mit dem Jungen verbracht. Und in dieser Zeit war er ihn wie ein Sohn ans Herz gewachsen. "Nein, mein Liebster", sie sah Vilkas tief in die Augen, "ich habe nichts entschieden, ich habe nur meine Meinung gesagt, sollte Frogar gehen. Ich selbst weiß nicht, was richtig ist. Er würde bei Skulvar und seiner Frau eine richtige Familie haben, die jederzeit da ist. Nicht so wie hier, wo immer jemand anderes da ist, der sich um ihn kümmert. Er würde einen sicheren Beruf haben, als wenn er als Gefährte durch die Gegend streift. Ich mag den Jungen sehr und wenn ich könnte würde ich ihn selbst adoptieren, sofern ihr damit einverstanden wärt. Aber wir sollten vernünftig handeln. Wir sind Abenteurer, stets in Gefahr unser Leben zu verlieren. Er hat schon seine richtigen Eltern verloren. Die Gefahr, das Skulvar und seiner Frau etwas zustößt und er wieder alleine dasteht ist geringer, als würde er bei uns bleiben." Ihr standen die Tränen in den Augen, als sie das sagte. Vilkas nahm sie in die Arme. "Es tut mir Leid, mein Herz, ich wollte eben nicht so scharf reagieren. Vermutlich habt ihr Recht. Es wäre das vernünftigste. Was sagt Frogar denn dazu?" "Er weiß noch nichts davon. Skulvar wollte zuerst mit uns reden, bevor er Frogar fragt. Nicht das sich der Junge am Ende gezwungen fühlt sich zwischen zwei Seiten entscheiden zu müssen." Akkirah sah Farkas an. "Was denkt ihr, Bruder?" "Der Junge soll entscheiden was er will. Es ist schließlich sein Leben."

Vilkas nickte. " Ja, soll Frogar sagen was er für richtig hält. Er ist alt genug, um das entscheiden zu können. Farkas, würdet ihr zu Skulvar hinunter gehen und ihn heute Abend zum Abendessen einladen? Zusammen mit seiner Frau." Farkas nickte. "Ich mache mich sogleich auf den Weg. Vielleicht überlege ich mir dabei auch mal mich alleine auf ein Pferd zu setzten", grinste er. Dann verließ er die Methalle.

Akkirah half Tilma fix dabei, den Tisch abzuräumen. Dann setzte sie sich zu Vilkas auf die Bank. "Und wie ist eure neue Stute?" "Unsere", korrigierte Akkirah ihren Mann. "Sie wird euch gefallen." Sie schmiegte sich an ihn. "Bald werdet ihr sie kennen lernen können."

Die Zeit bis zum Abendessen verlief recht schnell. Kurz vor dem Abendessen kam Frogar, der von nichts wusste. Es wurde noch ein weiterer Tisch zu dem kleinen gestellt, da Vilkas noch nicht an der großen Tafel sitzen konnte. Akkirah blieb mit dem Jungen solange unten bis die Gäste gekommen waren. Als sie dann hochkamen, war er erstaunt Skulvar und seine Frau dort sitzen zu sehen.
"Ist heute ein besonderer Tag? Ich habe euch noch nie hier bei den Gefährten gesehen?" staunte der Junge.

Akkirah sah Vilkas fragend an, ob er lieber was sagen wollte. In solchen Dingen fand er oftmals die besseren Worte. Aber er schüttelte fast unmerklich den Kopf. Also fing Akkirah an: "Skulvar und Lina möchten euch etwas fragen. Und habt keine Angst wahrheitsgemäß zu Antworten. Niemand wird euch böse sein, egal wie ihr euch entscheidet." Sie legte dem Jungen den Arm um die Schulter. Dann ging sie zu Skulvar hinüber. "Dann mal los, Skulvar." Lächelte sie. So fragte dann Skulvar, etwas stockend Frogar, was er davon halten würde, wenn er und Lina ihn adoptieren würden. Frogar hörte ruhig zu, und als Skulvar fertig war sah er alle der Reihenfolge nach an, drehte sich plötzlich um und lief aus der Methalle hinunter in die Wohnquartiere. Akkirah fing sich als erstes wieder. Mit so einer Reaktion hatte keiner gerechnet.

"Bleibt ihr sitzen und fangt schon mal an zu Essen. Ich gehe hinunter und rede mit ihm." Die anderen nickten. Akkirah folgte Frogar. Er hatte sich aufs Bett geworfen und weinte unter seiner Decke. Sie setzte sich zu ihm aufs Bett und legte ihre Hand auf seine Schulter. "Frogar, mein Kleiner, was ist mit euch?" "Ihr habt mich nicht mehr lieb und wollt mich loswerden" schluchzte der Junge. "Niemand will euch loswerden." Sie zog ihm die Decke weg und küsste ihn auf die Wange. "Wir alle haben euch sehr gerne und möchten nur das Beste für euch. Und ihr dürft selbst entscheiden was ihr wollt. Ob ihr bei uns bleiben möchtet oder ob ihr nicht doch lieber zu Skulvar und Lina hinunter ziehen möchte. Und egal wie ihr euch entscheidet niemand wird euch deshalb böse sein und euch nicht mehr mögen. Und ihr müsst es auch nicht sofort entscheiden ihr habt alle Zeit der Welt, die ihr wollt dafür. Schlaft ein paar Tage darüber und horcht in euch hinein, was ihr wirklich selbst möchtet. Und dann entscheidet ihr." Sie strich ihm sanft durchs Haar. Frogar sagte nichts. Er lag einfach nur da. Akkirah blieb noch eine Weile bei ihm sitzen. Schließlich stand sie auf. "Soll ich euch etwas zu essen runter bringen? Ihr müsst etwas essen." Er nickte. Dann stand sie auf und ging zurück nach oben.

"Was ist mit Frogar? Kommt er wieder hoch?" Skulvar schaute etwas unglücklich drein. "Lasst dem Jungen etwas Zeit. Es hat ihn ziemlich überrascht und er wird ein paar Tage brauchen um zu verstehen, was es für ihn bedeutet. Diese Zeit sollten wir alle ihm geben." Die anderen nickten zustimmend. "Ich bringe ihm etwas zu Essen hinunter. Er möchte jetzt etwas für sich sein. Danach komme ich wieder hoch." Bei dem letzten Satz sah sie Vilkas an. Sie machte einen Teller für Frogar fertig und ging wieder hinunter. Dann setzte sie sich wieder zu dem Jungen ans Bett. "Wollt ihr alleine essen, oder soll ich noch bei euch bleiben?" Er sah sie an. "Bitte lasst mich nicht alleine." Sie sah ihn lächelnd an. "Ich bleibe bei euch. Und nun esst etwas." Er tat wie geheißen. Nachdem er gegessen hatte fing er vorsichtig an Fragen zu stellen. Akkirah beantwortet alle so gut sie es konnte. Sie merkte wie langsam seine Angst verschwand. Als er schließlich richtig müde war, half Akkirah ihm beim Auskleiden und deckte ihm zu und gab ihm noch eine gute Nachtkuss. "Ich schaue nachher noch mal nach euch bevor ich zu Bett gehe, sagte zu ihm. Aber nun sollte ich mich wohl etwas nach oben begeben." Er nickte und schlief dann auch schon bald ein.

"Es ist eingeschlafen", sagte Akkirah als sie zurück zu den anderen kam. "Habt ihr mir noch etwas übrig gelassen? Ich habe nun auch fürchterlichen Hunger." Sie setzte sich zu Vilkas. Dann berichtete sie, was mit dem Jungen besprochen hatte. Sie blieben alle noch bis fast Mittarnacht sitzen. Dann verabschiedeten sich Skulvar und Lina. Akkirah begeleitet sie noch nach draußen. "Er wird die richtige Entscheidung treffen und zu euch kommen. Ich kenne den Jungen. Er liebt die Arbeit bei den Ställen und den Umgang mit den Pferden mehr und auch wenn es so scheint, ist er nicht der Typ, der ständig unterwegs sein will." Skulvar und Lina nickten. Akkirah verabschiedete sich mit einer Umarmung von Lina und gab Skulvar die Hand. Dann ging sie wieder hinein. Farkas hatte Vilkas in der Zwischenzeit schon hinunter getragen. Nachdem Farkas sie und Vilkas allein gelassen hatte begab auch sie sich zu Bett und schmiegte sich an Vilkas. Beide schwiegen und dachten über das was geschehen war nach. Irgendwann übermannte aber doch der Schlaf beide.