061 Adoption und Hochzeit
061 Adoption und Hochzeit PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:24 Uhr

Akkirah und Farkas brauchten wieder fast drei Tage zurück. Unterwegs passierte nichts Besonderes. Schon ab Mittag konnte sie die Drachenfeste von weiten sehen. Akkirah ließ Fiinja wieder kräftiger ausgreifen und Farkas sein Wallach bemühte sich tapfer, hinterher zu kommen. Akkirah konnte es kaum erwarten wieder nach Jorrvaskr zu kommen. Zu ihrem Vilkas. Was machten seine Laufkünste, fragte sie sich. Hatte er sich auch nicht übernommen? Auch die Hochzeit von Ria und Torvar rückte näher. Noch etwas über eine Woche und dann würden die beiden offiziell als Paar gelten. Akkirah freute sich für die beiden.

Am späten Nachmittag erreichten sie endlich die Ställe von Weislauf. Sie sattelten die Pferde ab und versorgten sie. Akkirah und Farkas wollten gerade hoch in die Stadt gehen als, Frogar mit Lina aus dem Haus kam. Frogar rannte stürmisch auf Akkirah zu und sie nahm ihn in die Arme. Farkas lächelte, als er sie so sah. Dann bat Lina Akkirah noch kurz mit ins Haus zu kommen. Akkirah war davon nicht gerade begeistert, wollte sie doch so schnell es ging hoch zu Vilkas, aber sie nickte lächelnd und bat Farkas schon mal vorzugehen. Sie würde bald nachkommen. Er nickte und machte sich auf den Weg nach oben.

Lina bot Akkirah etwas zu trinken an. Da sie von dem langen Ritt doch sehr durstig war, nahm sie gerne einen Becher Tee an. "Was gibt es Neues?" fragte Akkirah, als sie in der Küche auf einem der Stühle saß. Sie ahnte es zwar, denn Frogar wirkte etwas verschämt als er so in der Küche stand. "Frogar, sagt es ihr. Es war doch euer Wunsch es Akkirah selbst zu sagen." Lina strich dem Jungen sanft über das Haar. "Ich… ich…", Dann fing er an zu weinen. "Werdet ihr mich auch wirklich weiterhin lieb haben, wenn ich hier bleibe?" Akkirah stand auf und kniete neben ihm nieder und nahm in fest in die Arme. "Frogar, natürlich werde ich euch weiterhin mögen. Wie könnte ich je was anderes machen. Ihr seid doch ein kleiner Schatz, den man einfach gerne haben muß." Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Dann habt ihr euch also entschieden, hier zu bleiben?" Er nickte. "Vilkas war traurig, als ich es ihm heute Morgen gesagt habe. Und er hat hinterher nicht mehr mit mir gesprochen. Ich glaube er ist böse auf mich." "Quatsch, Frogar. Vilkas kann euch auch nicht böse sein, lass ihm ein zwei Tage, dann werdet ihr schon sehen, das er euch genauso gerne hat wie vorher auch." "Wirklich?". "Ja, ich kenne doch meinen Vil." Akkirah lächelte. Sie ahnte das Vilkas etwas ungehalten war. Er war in letzter Zeit oft gereizt. Kein Wunder, da er ohne Hilfe nichts selbst machen konnte. Sie hatte gehofft, dass es nun besser werden würde. Aber es brauchte halt alles seine Zeit.

Akkirah wandte sich an Lina. "Wart ihr schon beim Jarl wegen der Adoption?" "Nein, wir wollten warten bis ihr zurück seid und hatten gehofft, ihr würdet mit kommen. Wir wissen nicht so recht was wir da sagen sollen." "Ich werde versuchen, morgen Nachmittag einen Termin beim Jarl zu bekommen. Dann gehen wir gemeinsam hoch und erledigen den Papierkram." " Ich danke euch. Ich habe ehrlich gesagt etwas Angst vor dem Jarl." "Das müsst ihr nicht, Er ist ein freundlicher Mann." Akkirah leerte ihren Becher und dann machte sie sich auf nach Jorrvaskr. Sie traf Tilma auf den Markt, wo sie sich mit Fralia unterhielt. Akkirah nickte den beiden zur Begrüßung zu und ging gleich weiter. Als sie die Halle betrat hörte sie gerade noch wie die Tür auf der anderen Seite, die auf den Trainingsplatz führte, schwungvoll zugeschlagen wurde. Sie dachte sich nichts dabei und ging hinunter zu ihrem Zimmer. Sie vermutete Vilkas und Farkas da, denn draußen war es heute etwas ungemütlich und stürmisch und da sie nicht hier oben in der Methalle waren, mussten sie unten sein. Als Akkirah hinunter kam, waren sowohl die Türen vom Besprechungszimmer, als auch vom Schlafzimmer zu, was sie etwas verwunderte, denn tagsüber waren diese normalerweise offen. Irgendwas stimmte nicht. Als sie die Tür des Schlafzimmers öffnete hörte sie Vilkas schluchzen. Sofort rannte sie zu ihm und kniete sich neben dem Bett auf dem er lag nieder und legte ihren Arm um ihn. "Vil, mein Liebster, was ist passiert, warum weint ihr?" Sie bekam es mit der Angst zu tun, denn so aufgelöst hatte sie Vilkas noch nie gesehen. Und wo war Farkas? Eigentlich hätte er hier sein müssen, und ihm schon mal berichten, was sie erlebt hatten. Er drehte sich von ihr weg. "Vil, redet mit mir, bitte", ihre Stimme klang ängstlich. "Vil."

Sie strich ihm mit der Hand übers Haar. Dann wartete sie. Irgendwann musste Vilkas was sagen. "Geht, lasst mich alleine, Ihr hätte mich lieber im Schattenstollen Refugium sterben lassen sollen." "Vil, was redet ihr da für ein Blödsinn?" "Was bin ich den schon noch Wert? Ich kann nicht kämpfen, nicht mal laufen. Was kann ich den Gefährten noch bieten? Selbst Frogar ist fort gegangen. Und Farkas…. Den habe ich auch gerade vertrieben und dafür gesorgt, dass er mich hasst. Es wäre wirklich das Beste, ich würde tot sein und damit niemanden mehr zur Last fallen" Wieder fing er an zu schluchzen. Akkirah wusste nicht so recht wie sie reagieren sollte. Sie zog die Stiefel aus und legte sich hinter ihm aufs Bett, um ihn besser in die Arme nehmen zu können. "Ihr fallt doch niemanden zur Last und warum sollte Farkas euch hassen. Er ist euer Bruder und er liebt euch über alles. Genauso wie ich es tue, mein Liebster." Vilkas versuchte sich aus ihrer Umarmung zu winden, aber Akkirah hielt ihn hartnäckig fest. "Auch ihr werdet euch von mir abwenden, wenn ihr hört was ich ihm vorgeworfen habe."

"Beruhigt euch mein Liebster und dann erzählt ihr mir was passiert ist." Es dauerte lange bevor Vilkas was sagte. " Ich habe Farkas vorgeworfen, euch mir wegnehmen zu wollen. Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam. Er sagte etwas und ich wurde wütend. Ich weiß nicht mehr was ich alles sagte und was er darauf antwortete. Am Ende gab ein Wort das andere und ich habe Farkas eine Ohrfeige verpasst. Danach ist er wütend davon gegangen."

Im ersten Moment wusste Akkirah nicht was sie sagen sollte und sie hätte ihm am liebsten auch eine Ohrfeige verpasst, für die blödsinnige Beschuldigung. Dann beugte sie sich über ihn und drehte sein Gesicht zu ihr und küsste ihn. "Ihr seid manchmal wirklich ein riesiger Idiot, mein Liebster." Sie sah ihn lächelnd in seine traurigen eisgrauen Augen. Und wieder gab sie ihm einen Kuss. "Ich liebe euch, mein kleiner eifersüchtiger Idiot." Er beruhigte sich langsam, denn er fühlte, das sie ihm nicht wie er befürchtet hatte böse war. "Wie habe ich nur eine Frau wie euch verdient, mein Herz." Er drehte sich um, legte seine Arme um Akki und schmiegte sich an sie. So lagen sie dann lange Zeit einfach nur Arm in Arm da, bis sich plötzlich Akkirahs Magen lautstark bemerkbar machte. Sie hatte morgens das letzte Mal was gegessen und unterwegs nur einen halben Apfel zu sich genommen. Die andere Hälfte hatte sie Fiinja gegeben. "Wie steht es mit euch, Vil. Habt ihr auch Hunger?" Er schüttelte den Kopf. " Ich gehe nach oben und hole mir etwas. Ich bin bald zurück."

Sie ahnte das er nicht mitkommen würde, wenn sie ihn bat, also lies sie es sein. Sie hoffte oben Farkas zu treffen, um kurz mit ihm zu reden. Sie fand ihn dort in einer Ecke auf einem Stuhl sitzen. Er wirkte eher traurig als wütend. Akkirah ging zu ihm hinüber. "Vil hat mir erzählt, was er angestellt hat. Bitte seid ihm nicht böse, er meinte es nicht so." " In dem Moment als er es sagte, meinte er es so." antwortete Farkas traurig. "Daher ist es wohl besser, ich würde für einige Zeit Jorrvaskr verlassen." "Fangt ihr jetzt auch an, euch wie ein Idiot zu benehmen? Es liegt scheinbar bei euch in der Familie und was soll man von Zwillingen auch anderes erwarten." Akkirah wurde diesmal echt wütend. "Ihr geht da jetzt mit mir runter und sprecht euch mit eurem Bruder aus. Und wenn ich gegessen habe, will ich euch wieder so wie immer als Herz und Seele vorfinden. Ansonsten überlege ich mir zu gehen." Farkas erschrak, als Akkirah das sagte. Aber er traute ihr zu, es auch zu machen. Auch wenn es ihr Wahrschlich das Herz brechen würde, seinen Bruder zu verlassen. Aber sie wusste, das die Brüder sich immer sehr nah gestanden hatten und sie wollte nicht Schuld daran sein, das sie sich zerstritten. "Ihr braucht mich nicht hinunter begleiten, ich gehe alleine." "Danke Farkas."

Er stand auf und ging hin unter. Akkirah blieb oben und nahm sich etwas zu Essen. Als sie sich gerade den Teller aufgefüllt hatte, kam Tilma gemeinsam mit Athis und Varis, die von der Jagt zurückgekommen waren, in die Methalle. "Was macht ihr alleine hier oben, wunderte", sich Tilma. "Sollte ihr nicht bei Vilkas sein?". Akkirah lächelte. "Vil und Farkas haben etwas zu besprechen und zwar alleine, daher habe ich beschlossen, hier oben zu essen bis sie fertig sind." Danach erzählte sie ihnen, was sie in den letzten Tagen erlebt hatte und sie erfuhr, was die anderen so getrieben hatten. Und sie hörte, dass morgen Ria und Torvar von dem Besuch bei Rias Eltern zurückkommen würden. Und dann würden die Vorbereitungen für die Hochzeit losgehen.

Akkirah merkte nicht wie die Zeit verging, als sie oben mit den anderen saß. Irgendwann kam Farkas hoch und sah sie lächelnd an. "Ihr solltet hinunter gehen, ansonsten glaubt Vilkas wirklich, ihr hättet getan was ihr mir angedroht habt", zwinkerte er ihr zu. Die anderen schauten etwas verwirrt, aber weder Akkirah noch Farkas klärten sie darüber auf. Akkirah stand dann auf und ging hinunter zu Vilkas, der auf einem der Stühle im Besprechungszimmer saß und auf sie wartete. "Ist wider alle in Ordnung, mein Liebster", begrüßte Akkirah Vilkas. Er nickte. "War das, was ihr zu Farkas gesagt habt, wirklich euer Ernst? Das ihr gegangen wärt?"

"Nein, denn ich könnte ohne euch nicht leben." Sie schlang ihre Arme um seinen Hals. "Und nun würde ich mich gerne zu Bett begeben." Sie reichte Vilkas seine Krücken. "Schafft ihr es selbst hinüber zu kommen, oder muß ich versuchen euch zu tragen?" Sie sah ihn herausfordernd an und Vilkas musste lachen. "Ihr seid unbeschreiblich, mein Herz." Er nahm seine Krücken und stand vorsichtig auf. Langsam ging er ins Schlafzimmer hinüber. Solch kurze Wege schaffte er ohne Schwierigkeiten alleine. Akkirah beobachtete ihn. Dann entledigte sie sich ihrer Kleidung und legte sich zu Vilkas ins Bett. Sie wollte sich an Vilkas kuscheln hielt aber dann inne. "Was ist mit euch, mein Herz?" Vilkas wunderte sich ein wenig. "Mit mir ist nichts, Vil, aber mit euch." Vilkas sah sie unsicher an, "Was ist los, mein Herz, was ist mit mir nicht Ordnung?" "Das verdammte Hemd das ihr tragt. Ich möchte nichts zwischen euch und mir haben." "Aber, ihr wisst doch…" weiter kam er nicht denn Akkirah fackelte nicht lange und zog daran um es ihm auszuziehen. Widerwillig entledigte sich Vilkas schließlich von dem Teil, das er wegen seines entstellten Körpers trug. Sie schmiegte sich nun an ihn. "So ist es doch viel besser", flüsterte sie. Vilkas sagte nichts, sondern zog sie nur fest an sich. Er spürte wie ihm der Sinn nach mehr stand und Akkirah es genauso wollte. So vereinigten sie sich nach Monaten das erst mal wieder und er konnte nicht verstehen warum er zuvor Angst davor hatte es zu tun. Glücklich schliefen beide später ein.

Es war schon recht spät, als Akkirah und Vilkas fast zeitgleich erwachten. "Guten Morgen, mein Herz", begrüßte Vilkas sie ganz leise. "Das wünsche ich euch auch, Vil." Sie zog ihn an sich um ihn einen Kuss zu geben. Sie lagen noch eine Weile aneinander geschmiegt im Bett. Dann beschloss Akirah aufzustehen. "Was habt ihr heute alles vor mein Herz, das ihr schon aufstehen müsst?" "Sie dachte kurz nach. "Als erstes mal etwas frühstücken. Ich habe nämlich Hunger. Denn ich liege ja nicht den ganzen Tag nur im Bett." Vilkas schleuderte ihr ein Kissen an den Kopf. "Ihr kleines Biest, wartet nur, wenn ich erst wieder vollkommen fit bin." Sie dachte an die vergangene Nacht und musste grinsen. "Oh bloß nicht, ich glaube das überstehe ich nicht. Sie warf ihm das Kissen zurück an den Kopf." Dann packte sie seine Hand und zog ihn hoch. "Kommt mit mir." "Darf ich mich aber zuvor noch ankleiden?" Sie lachte. "Ja, dürft ihr." Sie reichte ihm seine Hose und ein frischen Hemd rüber, dass er schnell überstreifte. Dann nahm er seine Krücken und ging los. Als sie oben die Treppen erreicht hatten lief Vilkas das Wasser nur so von der Stirn. Varis, der auch schon auf war kam angelaufen. "Vilkas ihr seid leichtsinnig. Ihr solltet die Treppen doch noch nicht alleine gehen. Und ihr, Akkirah, hätte das verhindern müssen." Akkirah wurde rot. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Sie wusste nicht wie viel Vilkas schon schaffen konnte und es war ihr nicht bewusst, wie Anstrengend es sein musste, die Treppen hochzugehen. Wenn sie das geahnt hätte, hätte sie ihn zuvor nicht im Schlafzimmer angestachelt. "Varis, schimpft nicht mit Akkirah. Sie wusste nicht, dass ich noch keine Treppen steigen soll. Und ich habe es alleine geschafft." Er freute sich wie ein kleines Kind. "Nun kommt aber und setzt euch. Nicht das ihr doch noch vor Überanstrengung zusammenbrecht." Varis schob Vilkas in Richtung Tisch und setzte ihn auf einen Stuhl. Akkirah nahm neben ihm Platz. Tilma brachte ihnen etwas zu Essen und Trinken auf das sich beide mit Heißhunger stürzten. Eigentlich hatte Akkirah noch hinunter zu den Ställen laufen wollen, aber sie wusste, dass sich Frogar oder Skulvar um Fiinja kümmern würden, wenn sie nicht auftauchte. Als sie fast fertig waren kam auch Farkas. Er war schon unten bei den Ställen gewesen. Er hatte gestern, kurz bevor sie bei den Ställen angekommen waren bemerkt, dass sein Wallach ungleichmäßig ging und wollte sich nun erkundigen, ob es dem Tier wieder gut ging. Vilkas musste lächeln. Das sich Farkas nach dem befinden eines Pferdes erkundigen würde, einem Wesen, vor dem er bis vor einiger Zeit einen riesigen Bogen gemacht hatte. Und er konnte sich auch selbst nicht mehr erklären, wie er am Vortag auf die Idee gekommen war, dass sein Bruder ihm seine Frau ausspannen wollte. Er schämte sich immer noch dafür, ihn so beschuldigt zu haben.

Nach dem Essen half Akkirah Tilma beim Abräumen und anschließenden Abwaschen. Die Männer waren sitzen geblieben. Athis, der etwas länger geschlafen hatte, hatte sich nur noch dazugesetzt. Sie warteten bis Akkirah wieder da war, um dann zu sehen, wer was am heutigen Tag machen würde. Vilkas würde in der Methalle bleiben und bei bedarf Besucher Empfangen. Akkirah spürte, das er nicht begeistert davon war, aber das war halt das einzige was er tun konnte. Und sich dabei um die Buchführung kümmern. Er wusste das Akkirah die Arbeit nicht mochte und es nur immer ungern tat. Sie ergriff seine Hand, als er ihr diese Arbeit abnahm und sah ihn dankbar an. Farkas wollte im Hof ein wenig trainieren. Er meinte er wäre die letzten Tage etwas aus der Übung gekommen. Varis schloss sich ihm an. Athis wollte sich die bekannte Höhle unterhalb von Drachenfeste anschauen und schauen, ob die Gerüchte stimmten und sich dort wieder einmal Banditen eingenistet hatten. Akkirah wollte den Vormittag mit Vilkas verbringen. Am Nachmittag würde sie dann mit Skulvar, Lina und Frogar hoch nach Drachenfeste zum Jarl gehen, damit dieser die Adoption von Frogar genehmigte. Als Akkirah das ansprach wurde Vilkas still. Er hatte den Jungen wirklich sehr gerne. Akki legte ihre Arme um seinen Hals. "Es ist am Besten so, Vil, und ihr wisst es auch." Er seufzte. Sie hatte ja Recht, aber trotzdem fehlte ihm der Junge.

Der Vormittag verging recht ruhig. Niemand kam zu Besuch. So animierte Akkirah Vilkas regelmäßig aufzustehen und ein Stück zu gehen. Sobald er merkte es würde zu viel werden, sollte er sich setzten. Vor dem Essen schaffte er es dann auch schon eine Runde in der Halle zu drehen, ohne außer Atem zu geraten. Nach dem Essen setzte Vilkas seine Übungen fort. Eigentlich hätte er lieber ruhen sollen, aber sie hatte zwischendurch mit Varis abgesprochen, dass wenn sie zum Jarl hochgehen würden, Vilkas in der Zeit seine Pause machen sollte. Als Skulvar, Lina und Frogar kamen wurden erst Einmal alle begrüßt. Frogar lief als erstes zu Akkirah und fiel ihr um den Hals. Dann ging er etwas schüchtern zu Vilkas rüber. Dieser versuchte zu lächeln und nahm den Jungen auch in den Arm. Akkirah erkannte wie schwer es Vilkas fiel. "Akkirah sagte ihr habt mich weiterhin lieb, auch wenn ich nicht mehr hier wohne." "Was denkt ihr denn von mir? Natürlich mag ich euch genauso wie vorher, mein Junge" Als er das gesagt hatte, fing Frogar wieder an zu strahlen. Auch das Lächeln von Vilkas war nun nicht mehr so verkrampft. Er sah, dass der Junge sich bei seinen zukünftigen Adoptiveltern wohl zu fühlen schien. Als sie aufbrechen wollten rief Akkirah zuvor nach Farkas, damit er Vilkas hinunter begleiten konnte. Diesmal sollte er die Treppen nicht alleine gehen, sondern Farkas sollte ihn da lieber tragen, auch wenn es Vilkas nicht passte.

Akkirah und die anderen gingen dann den Weg hoch zur Drachenfeste. Es war schon einige Zeit her, dass sie dem Jarl einen Besuch abgestattet hatte. Sonderlich wohl fühlte sie sich in der Drachenfeste eh nie. Der Eingangsbereich der Festung war meist von den beiden Kindern des Jarls beherrscht, die ständig im Streit lagen oder die Besucher von oben herab behandelten. Da ihre Mutter verstorben war, gab es auch niemanden, außer den Dienern die sich richtig um die Kinder kümmerten. Ihr Vater wusste nicht so recht was mit ihnen anzufangen sollte und hatte außerdem noch einen Haufen anderen Sorgen wegen der Unruhen im Land.

Als sie vor den Jarl traten, hatte der Vogt die Papiere schon bereit gelegt. Das Ganze war nur eine formale Sache. Da es keine Verwandten gab, die gegebenenfalls hätten Einspruch erheben können, ging alles schnell über die Bühne. Der Jarl fragte nur noch Frogar, ob er diese Entscheidung aus freien Willen getroffen hatte und danach wurden die Papiere unterschrieben. Als das erledigt war, konnten die vier Besucher wieder gehen. Nun war Frogar offiziell der Sohn von Lina und Skulvar. Akkirah freute sich mit der neuen Familie. Am Gülden Grünbaum verabschiedete sie sich von den dreien und ging zurück nach Jorrvaskr.

Vilkas schlief noch. Sie hatte kurz nach ihm geschaut, wollte ihn aber nicht wecken. Der Vormittag war doch recht anstrengend für ihn gewesen. Akkirah hoffte, dass sie die nächste Zeit nicht wieder unerwartet getrennt werden würden, denn dann würde es bestimmt weitere Rückschläge oder Verlangsamungen bei Vilkas Wiederherstellungsprozess geben. Am Nachmittag war ein Kurier aus Falkenring gekommen. Aela und Nerena würden noch ein paar Tage dort verbringen. Und Torvar und Ria waren zurückgekommen. Beide strahlten bis über beide Ohren. Noch acht Tage und es sollte endlich soweit für die beiden sein. Ria fragte Akkirah, ob sie ihr in den nächsten Tagen bei den Vorbereitungen helfen könnte. Akkirah lächelte und nickte. So viele Leute sollten ja am Ende auch nicht kommen. Die Gefährten wären da, zu denen auch Vignar und Brill gehörten, Eorlund und Fralia, Charlotta und ihre Tochter, Frogar jetzt mit neuer Familie sollte dabei sein und ihre Eltern. Es war also eine überschaubare Gesellschaft.

Kurz vor dem Abendessen brachte Farkas Vilkas wieder hoch. Einmal am Tag Treppensteigen sollten vollkommen genügen, waren alle, mit Ausnahme von Vilkas zurzeit der Meinung. Der Abend stand zum größten Teil im Zeichen der Vorbereitungen wegen der Hochzeit. Trotzdem gingen alle zeitig zu Bett. Diesmal musste Akkirah Vilkas nicht mehr bitten, sich auch seines Hemdes zu entledigen.

Akkirah stand am nächsten Morgen früh auf. Heute wollte sie hinunter zu den Ställen gehen. Vilkas wollte sie nicht gehen lassen, aber Akkirah entschlüpfte ihm. Sie küsste ihn noch bevor sie ging und dann lief sie geschwind hinunter zu den Ställen. Fiinja begrüßte sie mit einem Schnauben. Daraufhin bekam sie wie gewünscht ihren Apfel. Dann machte sich Akkirah schnell an die Arbeit und säuberte die Box und fütterte die Stute. Vielleicht würde sie nach dem Mittag, wenn Vilkas etwas ausruhte eine Runde reiten können.

Als Akkirah wieder in Jorrvaskr ankam, war Vilkas schon oben in der Methalle. Varis hatte diesmal aufgepasst und dafür gesorgt das Vilkas die Treppen noch nicht hochging. Vilkas war über die Behandlung etwas ungehalten, hielt aber den Mund. Akkirah spürte den Unmut ihres Mannes. Nach dem Frühstück gingen Vilkas und Akkirah auf die Terrasse. Das Wetter war heute relativ gut. Hier konnte Vilkas Varis und Athis beim trainieren zuschauen und ihnen zu mindestens theoretische Tipps geben. Akkirah sorgte dafür, das Vilkas regelmäßig ein eine kleine Runde um die Tische drehte. Sich aber zwischendurch immer wieder ordentlich ausruhte. Ria hatte sich zu ihnen gesellt. Sie hatte eine Liste dabei mit Dingen, die für das Festessen benötigt würden. Sie sprach diese mit Akkirah durch und wollte dann noch vor Mittag gemeinsam mit Akki hinunter zu Charlotta, um die Bestellung aufzugeben. Torvar war zwischenzeitlich mit Farkas im Trunkenen Jägersmann gegangen um dort die Getränke zu bestellen. Denn da hatte man immer große Vorräte lagern.

Als Akkirah und Ria bei Charlotta ihre Bestellung aufgegeben hatten und gerade am überlegen waren, wie die Vorräte hoch nach Jorrvaskr kamen, erbot sich Farkas diese hochzubringen. Charlotta nickte ihm dankbar zu, denn für sie alleine wäre es doch etwas viel geworden und wenn sie gleich Pelagia gefragt hätte, die Vorräte nach oben zu bringen, hätte sie am Ende weniger dran verdient und sie konnte jede Septime als allein erziehende Mutter gebrauchen.

Zum Mittagessen waren alle wieder in der Methalle. Vilkas sah müde aus. Das regelmäßige Bewegen strengte ihn ziemlich an. Die Zeit in ihrer Abwesenheit hatte er ja immer nur das Nötigste gemacht und Varis konnte ihn nicht dazu bringen regelmäßig ein paar Schritte zu machen. Nach dem Essen begleitete Akkirah Vilkas nach unten. Sie blieb noch etwas beim ihm sitzen bis er einschlief. Dann ging sie wie geplant zu den Ställen und machte einen Ausritt mit Fiinja. Am Nachmittag blieben Vilkas und Akkirah oben alleine in der Methalle. Die anderen waren alle draußen. Akkirah fiel auf, das Vilkas wesendlich ruhiger beim Laufen war, wenn sie alleine waren, als wenn andere in der Nähe waren. Er war dann nicht so verkrampft bei der Sache. Akkirah dachte eine Weile nach. Und als Vilkas sich zum pausieren auf eine Bank setzte, gesellte sie sich zu ihm. "Vil, ich hätte da einen Wunsch", fing sie vorsichtig an.

"Was möchtet ihr, mein Herz?" Er sah sie ernst an. "Ich würde gern für einige Zeit nach Rifton ziehen." "Nach Rifton? Aber warum mein Herz?" Damit hatte er jetzt nicht gerechnet.

"Ich möchte einfach nur alleine mit euch zusammen sein. Ohne Verpflichtungen anderen gegenüber. Dazu kommt, dass wir den See direkt vor der Haustür haben. Es würde euch gut tun jeden Tag etwas zu schwimmen." Vilkas wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. Aber als er ihr in die Augen sah, konnte er ihr den Wunsch nicht abschlagen. "Wenn euch soviel daran liegt, werden wir nach Rifton gehen. Habt ihr euch schon Gedanken drüber gemacht wann wir dorthin gehen sollen?" "Ich würde vorschlagen gleich nach der Hochzeit von Ria und Torvar könnten wir mit einer Kutsche hinfahren." "Dann lasst es uns so machen." Akkirah sah Vilkas an. "Aber wirklich nur, wenn es auch euer Wunsch ist." Er legte seinen Arm um sie. "Ich möchte, dass ihr Glücklich seid. Und wenn ihr dafür einige Zeit von hier wegwollt, dann machen wir es einfach." Er sah sie lächelnd an.

Die nächsten Tage bis zur Hochzeit verliefen ohne irgendwelche Besonderheiten. Aela und Nerena waren auch wieder zurückgekommen. Akkirah und Vilkas teilten den anderen mit, das sie nach der Hochzeit für unbestimmte Zeit nach Rifton ziehen wollten. Aela und Farkas würden in der Zeit dann im Wechsel sich um die Geschäfte von Jorrvaskr kümmern. Der Tag vor der Hochzeit wurde recht hektisch. Fast alle halfen mit bei den Vorbereitungen. Farkas brachte zusammen mit Charlotta die Essensvorräte hoch nach Jorrvaskr. Mila, die Tochter von Charlotta half dabei. Anschließend half Charlotta Ria noch beim Anpassen ihres Kleides, das sie extra für die Hochzeit hatte machen lassen. Ria wusste, das Charlotta eine gute Näherin war. All ihre Kleider sowie die von ihrer Tochter stelle sie selbst her. Akkirah und Vilkas halfen Tilma in der Küche bei den Vorbereitungen für das morgige Festessen. Alles was man schon am Vortag machen konnte, wie Gemüse schneiden und vorkochen wurde getan, damit morgen möglichst wenig an Arbeit nachblieb. Die Männer fingen an die Tische und Stühle in der Methalle umzustellen, so das alle an der großen Tafel Platz haben würden. Aela und Nerena hatten ein paar Blumen besorgt und stellen diese in Vasen, beziehungsweise große Metkrüge damit die Halle etwas freundlicher aussah. Akkirah sah zwischendurch mal was Charlotta und Ria unten trieben. Die beiden hatten auf alle Fälle ein Menge Spaß bei ihrem Tun.

Als Akkirah wieder nach oben kamen, bekam sie die Nachricht, dass Rias Eltern eingetroffen waren. Sie wollten ihre Tochter gern noch einmal vor dem morgigen Tag sehen. Akkirah führt die beiden nach unten, weil Torvar sollte seine Braut ja noch nicht in ihrem Kleid sehen. Rias Eltern fanden, dass ihre Tochter richtig hübsch in einem Kleid aussah. So kannten sie so ja gar nicht. Sie bleiben noch eine Weile und dann gingen sie in die beflaggte Mähre, wo sie ein Zimmer genommen hatten. Die Fahrt war doch recht anstrengend gewesen und sie wollten sich noch etwas ausruhen.

Der nächste Tag begann mit strahlendem Wetter. Maramal war auch schon am Vortag eingetroffen, Er hatte sich im Tempel bei Danica einquartiert. Die beiden kannten sich recht gut. Man beschloss die Trauungszeremonie, die kurz nach der Mittagszeit stattfinden sollte, draußen auf der Terrasse durchzuführen. Akkirah musste dabei an ihre eigene Hochzeit denken und sie ergriff Vilkas Hand, der neben ihr saß fest. Dieser drückte sie fest und sah seine Frau lächelnd an. Nachdem Torvar und Ria ihren Treuschwur geleistet hatten, konnte die Feier beginnen. Tilma hatte mit Hilfe von Nerena alles soweit vorbereitet. Das sich die Gäste nur noch setzten mussten und das Essen beginnen konnte. Akkirah stand zwischendurch immer wieder auf und half Tilma bei bewirten der Gäste, so das auch Nerena und Tilma im Wechsel mal eine Pause bekamen. Das Essen zog sich bis in den späten Nachmittag hin, da immer zwischen den einzelnen Gängen immer wieder mal eine Pause gemacht wurde. Abends wurde dann etwas Musik gemacht und es konnte getanzt werden. Das Brautpaar machte den Anfang. Athis forderte Aela auf und Varis Nerena. Später tauschten alle die Partner durch. Akkirah sah dem Treiben im Arm von Vilkas zu. "Wollt ihr es nicht auch einmal versuchen, mein Herz", fragte Vilkas sie. "Nein, Vil, ich tanze nur mit euch und sonst niemanden." Sie küsste ihn. Einen besondern Spaß bereitete es allen, den beiden Kindern zuzuschauen. Frogar stolzierte wie ein Erwachsener zu Mila und verbeugte sich tief vor ihr, um sie einmal zum Tanzen aufzufordern. Mila wurde rot, machte aber letztendlich mit.

Es war eine gelungene Feier geworden. Sie feierten fast bis in die Morgenstunden. Nur Skulvar, Lina und Frogar gingen schon zeitiger, denn sie mussten am nächsten Morgen ja wieder sehr früh aufstehen. Am folgenden Morgen kam dann erst einmal das große Aufräumen, an denen sich alle beteiligten. Bis zum späten Nachmittag waren sie fertig damit. Dann wurde noch mal kurz durchgesprochen, wie die Aufgabenverteilung in den nächsten Wochen laufen würde. Akkirah und Vilkas würden nach Rifton gehen, Farkas und Aela im Wechsel sie Leitung in Jorrvaskr übernehmen und der Rest würde nach Bedarf eingesetzt werden. nachdem das alles durchgesprochen war, konnten Akkirah und Vilkas am kommenden Tag nach Rifton aufbrechen. Kurz vor Mittag ging es dann los. Fiinja hatten sie hinten angebunden. Sie hatten sich von den Gefährten schon oben in Jorrvaskr verabschiedet. Farkas hatte Vilkas hinunter getragen, denn der Weg durch die Stadt war für ihn noch zu lang. So konnte er sich unten von ihnen verabschieden. Auch Frogar war da um sich zu verabschieden. Diesmal bettelte er nicht mitkommen zu dürfen. Jetzt hatte er ja glücklicherweise wieder eine eigene Familie. Als sich die Kutsche in Bewegung setzte winkten Farkas und Frogar Akki und Vilkas solange hinterher, bis sie sie nicht mehr sehen konnten. Akkirah hatte ihren Kopf an Vilkas Schulter gelehnt. In drei Tagen würden sie in Rifton sein.