062 Auf den Weg der Besserung in Rifton
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Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:24 Uhr

Die dreitägige Fahrt nach Rifton verlief ohne großartige Zwischenfälle. Nur wenn Vilkas mal die Kutsche verlies, war es hinterher immer etwas schwierig, wieder hineinzukommen mit seinem Bein uns seinen Krücken. Aber mit Hilfe des Kutschers und Akkirah schaffte er es jedes Mal. Das Wetter unterwegs war sonnig und warm. So konnten sie die Fahrt nach Rifton auch wirklich genießen. Fiinja hatten sie hinten an der Kutsche angebunden. Akkirah hatte zu der Stute noch nicht soviel Vertrauen, aufgebaut um sie freilaufen zu lassen, wie sie es mit Adelante machen konnte. Als sie Rifton erreichten, brachte Akkirah zuerst Fiinja in die Ställe. Shadre hatte glücklicherweise ein gutes Händchen für Pferde und Fiinja ließ sich von ihm anfassen. Das war schon mal sehr gut. Sie ließ einen Teil ihres Gepäcks erst mal auf der Kutsche. Das würde sie später abholen. Zunächst wollten sie und Vilkas erst mal ins Honigheim. Auf dem nicht befestigten Weg vor den Ställen hatte Vilkas leichte Probleme mit seinem Krücken, da diese etwas tiefer in den Boden eindrangen und somit es für ihn schwierig war sich vorwärts zu bewegen. Auf dem festen Untergrund ging es dann aber wieder. Daher nahmen sie auch den Weg durch das Stadttor statt die Hintertür ihres Hauses zu nutzen. Der Weg hinter den Ställen war zu steil, zu weich und dazu noch die lange Treppe. Das würde zuviel für Vilkas werden.

Vilkas war froh als sie das Haus betraten und er sich erst mal setzen konnte. Während der Fahrt hatte er ja kaum Möglichkeiten sich regelmäßig zu bewegen, was sich dann natürlich konditionell auch wieder bemerkbar machte. Akkirah riss erst mal alle Fenster und Türen auf. Der Markt müsste noch eine Stunde aufhaben, so beschloss sie, bevor sie sich um da Gepäck kümmerte, erst Mal dafür zu sorgen, das sie etwas zu Essen bekamen und nicht in den Bienenstich zum Essen gehen mussten. Vilkas nickte, als Akkirah ihm vorschlug so vorzugehen. Er hätte sich gerne etwas hingelegt, aber die Betten mussten erst mal etwas auslüften und Akkirah hatte die Decken und Laken daher erst mal fix draußen über die Brüstung der Terrasse gelegt, so blieb er auf dem Stuhl sitzen.

Akkirah ging zu Marisa zum Einkaufen. Diese freute sich, sehr Akkirah wieder zu sehen. Besonders, als Akkirah ihr noch drei der seltenen Eisgeistzähne gab, von denen sie wusste, das Marisa sie zum Kühlen ihrer Waren brauchte. Als sie alles zusammen hatte, ging sie noch schnell zu Balimund, dem Schmied hinüber. Sie fragte ihn, ob er ihr ein paar Krücken fertigen konnte, die in weichem Boden nicht unbedingt versinken würden. Balimund war etwas überrascht über diesen Wunsch, aber nachdem Akkirah ihm kurz erzählte, das Vilkas einen schweren Beinbruch erlitten hatte, nickte er. Er bat Akkirah ihm schon mal eine der jetzigen Krücken zu bringen, damit er die neuen gleich auf die richtige Länge anpassen konnte. Akkirah bedanke sich bei ihm und wollte die eine noch am Abend zu ihm bringen. Dann lief sie schnell nach Hause. Vilkas war auf seinem Stuhl eingedöst. Akkirah beschloss ihn nicht zu wecken. Sie nahm eine der Krücken und brachte sie zu Balimund. Dieser versprach ihr,sie könne sie am nächsten Morgen wieder abholen, mit den beiden Neuen. Akkirah freute sich darüber sehr. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde.

Dann rannte sie wieder schnell zurück ins Honigheim. Nicht das Vilkas aufwachte und sich wunderte wo seine zweite Krücke geblieben war. Sie hatte Glück, er döste immer noch vor sich hin. Akkirah weckte ihn, um erzählte ihm, dass sie bei Balimund war und ihm eine seiner Krücken gebracht hatte, um ein zweites Paar anfertigen zu lassen, mit dem er auch in weichen Boden gehen konnte. Denn wie sollte er sonst hinunter zum See kommen können. Vilkas schüttelte nur den Kopf. Was würde er nur ohne sie machen?

Akkirah fing an das Essen vorzubereiten. Es würde einen einfachen Eintopf geben. nachdem sie alle Zutaten in den Topf geworfen hatte, bat sie Vilkas ein Auge drauf zu haben, sie würde in der Zwischenzeit ihre Sachen, die noch auf der Kutsche waren holen. Sie stelle den zweiten Stuhl nahe des Kochfeuers hin und half Vilkas dann hinüberzugehen. Mit einer Krücke war es für ihn doch etwas schwieriger. Dann lief sie schnell zu den Ställen, vor denen die Kutsche stand. Sie nahm den längeren Weg durch den Hinterausgang über die Terrasse, weil sie keine Lust hatte, sich dumme Sprüche der Wachen anhören zu müssen. Als sie alles oben hatte war der Eintopf auch fast fertig. Da das es draußen immer noch schön war, beschlossen beide, auf der Terrasse zu sitzen. Als es auf Mitternacht zuging wurde es langsam kühler. Akkirah hatte zwischendurch schon die Betten frisch bezogen und wieder hineingebracht. So konnte sie dann sich auch gleich zu Bett begeben.

Am nächsten Morgen wurden Akkirah von dem hellen Licht geweckt, das durch die Fenster herein kam. Vilkas störte das nicht, er schlief friedlich weiter. Akkirah blieb noch ein Weilchen liegen, dann stand sie vorsichtig auf. Vilkas grummelte etwas vor sich hin, aber wurde nicht wach. Als Akkirah sich angekleidet hatte, wurde aber auch Vilkas wach. Sie küsste ihn und sagte ihm, dass sie schnell zu den Ställen gehen würde. Anschließend könnten sie dann Frühstücken und überlegen wie sie den Tag verbringen wollten. Vilkas nickte schläfrig und Akkirah machte sich auf den Weg. Bei den Ställen traf sie Shadre, der dabei war die Boxen frisch einzustreuen. Er fragte, sie, wieso sie Adelante denn nicht mehr hätte, so ein gutes Tier würde man doch nicht einfach fort geben. Akkirah wurde blass bei der Frage. Aber Shadre wusste ja nicht was passiert war. Mit Tränen in den Augen erzählte Akkirah was passiert war und Shadre hatte hinterher ein schlechtes Gewissen Akkirah so drauf angesprochen zu haben und entschuldigte sich dafür. Akkirah versuchte zu lächeln. Damit war das Thema für sie dann auch hoffentlich durch. Als sie mit ihrer Arbeit fertig war ging sie wieder hoch. Sie bereitete das Frühstück vor und half dann Vilkas nach draußen auf die Terrasse.

Nachdem sie fertig waren, wollte Akkirah zu Balimund gehen und schauen wie weit er mit der Sonderanfertigung war. Vilkas beschloss sie zu begleiten. Er wusste, dass am Markplatz bei der Schmiede eine Bank stand, wo er sich erst mal ausruhen konnte. Akkirah staunte, denn bisher war Vilkas nur ungern in Gegenwart von anderen gelaufen. Aber das hier war nicht Weißlauf, sondern Rifton und da schienen anderen Gesetzte zu herrschen, auch was die Gefühlswelt von Vilkas anging. Akkirah lächelte. Es war wirklich eine gute Idee gewesen herzukommen. Vilkas legte seinen linken Arm um Akkirahs Schulter und rechts nutzte er die Krücke. So gingen sie dann langsam hinüber zu Schmiede von Balimund. Vor der Schmiede half Akkirah Vilkas sich vorsichtig auf die Bank zu setzten. Balimund war noch im Haus, so setzte sich Akkirah zu ihren Mann und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Sie saßen noch nicht lange so da, als sie Balimund aus seinem Haus kommen sahen. "Oh, ihr seid schon da", grinste er, "Wartet einen Moment, ich muß noch mal kurz hinein, um eure Bestellung heraus zu holen. Er verschwand geschwind wieder und kam eine Minute später mit drei Krücken zurück. An den beiden Neuen hatte er unten jeweils einen ca. zehn Zentimeter großen Metallteller angebracht, mit dem die Krücken bei Belastung nicht im tiefen Boden einsinken würden. Sie bedankten sich bei Balimund für die schnelle gute Arbeit und bezahlten ihn. Vilkas nahm erst mal seine normale zweite Krücke und ging zum Stand von Madesi. Akkirah wunderte sich darüber. Als sie an den Stand kamen fragte Vilkas nach dem Rubinstirnreif den Madesi in seiner Auslage hatte. Der Rubin war etwas besonderes, denn er war nicht dunkelrot, sondern schimmerte mehr orange farbend. " Eine gute Wahl, mein Herr", sagte Madesi. Vilkas nickte, "Er passt hervorragend zu den Augen meiner Frau, wie ich finde." Er kaufte ihn und nahm Akkirah ihren jetzigen ab und legte den neuen an. "Vil, ihr seid verrückt, das war doch viel zu teuer." "Ja, mein Herz, ich bin verrückt, verrückt nach euch und für euch ist nichts zu teuer." Akkirah fiel ihm um den Hals. Sie wusste nicht was sie sagen sollte. Dann begaben sie sich zurück zu ihrem Haus. Vilkas merkte erst jetzt, wie anstrengend der Besuch auf dem Markt für ihn doch gewesen war. Er legte sich erst mal etwas hin. Akkirah bereite in der Zeit schon mal das Mittag essen vor. Danach stellte sie sich etwas auf die Terrasse und genoss die warme Sonne und den Ausblick auf den See. Als sie sich anschließend aber noch mal die Treppe, die hinunter zum Steg führte ansah, bekam sie es doch ein wenig mit der Angst zu tun. Irgendwie hatte sie diese nicht so Steil in Erinnerung. Sie nahm einen der Stühle und trug ihn nach unten, damit wenn Vilkas hinunterging sich anschließend erst mal ausruhen konnte.

Dann weckte sie Vilkas und gemeinsam aßen sie erst mal. Die Reste würde es dann am Abend geben. Nachdem sie sich gestärkt hatten wollten sie es einfach mal wagen, die Treppe hinunter zu gehen. Akkirah ging Schritt für Schritt Rückwärts vor Vilkas, um ihn im Notfall stützen zu können. Aber das war unnötig. Er gelang ohne Schwierigkeiten hinunter. Unten bestand Akkirah aber trotzdem erst mal darauf dass er eine Pause machen sollte. Nach einer Viertelstunde testeten sie dann mal die extra von Balimund angefertigten Krücken, die Akkirah mitgenommen hatte. Sie hatten auf der Unterseite noch ein paar zusätzliche Stifte die im Boden halt gaben, so dass die Teller nicht rutschen konnten. Vilkas nickte. Es funktionierte hervorragend. Sie bleiben den Nachmittag unten am See. Auf einem alten dicken umgefallen Baumstamm, der bis ins Wasser ragte, konnte Vilkas gut sitzen.

Akkirah hatte das Gefühl die nächsten Tage würden wie im Flug vergehen. Vilkas machte großartige Fortschritte. Die Strecken die er nun gehen konnte, ohne Pause machen zu müssen wurden immer größer. Akkirah achtete aber auch immer darauf, dass er sich übernahm und zwang ihn oftmals, eine Pause einzulegen, obwohl er weitergehen wollte. Nach einer Woche gingen sie das erste Mal richtig ins Wasser zum Schwimmen. Vilkas lehnte seine Krücken an den Baumstamm und humpelte auf einem Bein, sich an dem Stamm haltend ins tiefere Wasser. Akkirah blieb direkt neben ihm, um ihn bei Bedarf zu aufzufangen oder zu stützen. Anfangs war Vilkas noch recht unsicher und hatte etwas Angst unterzugehen, aber Akkirah war stets an seiner Seite und ein paar Tage später konnte er schon eine längere Strecke schwimmen. Er merkte wie gut es ihm tat, sich im Wasser zu bewegen und seine Muskeln wurden auf diese Art langsam auch wieder kräftiger. Solch Fortschritte hätte er in Weißlauf in so kurzer Zeit nie geschafft. Nun fing er auch langsam an Gewicht auf sein krankes Bein zu legen. Anfangs tat es ihm dabei noch höllisch weh, aber auch der Schmerz verging bald. Sie konnten nun auch schon wieder das kleine Boot benutzten das unten am Anleger lag. Vilkas konnte nun schon recht sicher auch auf wackeligen Untergrund halt finden. Und so ruderte sie häufig wieder zu ihrer kleinen Insel im See.

Als sie eines Abends auf der Terrasse nach dem Abendbrot saßen, und Vilkas Akkirah im Arm hielt, sagte er mal wieder zu ihr : "Mein Herz, was würde ich nur ohne euch machen. Ohne euch konnte ich nicht mehr sein." Sie nahm plötzlich seine Hand und legte sie auf ihren Bauch. Dann sagte sie ganz leise: "Und wir können und wollen nicht ohne euch sein, Vil." Im ersten Moment hielt er die Luft an und glaubte sich verhört zu haben. Dann sah er sie an. "Wir?" "Ja, Vil, wir." "Heißt das…", er wusste nicht was er sagen sollte und starrte Akkirah nur ungläubig an. "Ja, das soll es heißen, wenn ich mich nicht irre. Genau werden wir es wohl in einem Monat wissen." Vilkas schwieg weiterhin. Akkirah bekam es da dann doch ein wenig mit der Angst zu tun. "Vil, sagt was, sagt doch nur irgendwas." "Wird es ein Junge oder ein Mädchen?" Akkirah konnte nicht anders und fing laut an zu lachen, "Vil, ihr seid unmöglich." "Nein, mein Herz, ich bin einfach nur in euch verliebt." Er drehte sie um und zog sie an sich und küsste sie.

In dem Moment hörten sie eine Stimme. "Tut mir leid, ich wollte euch Turteltäubchen nicht stören. Aber ich dacht mir, schau mal vorbei wie es euch geht, da ihr es ja nicht schafft, mal runter zu kommen." Brynjolf grinste wie gewohnt frech.
"Bryn", Akkirah sprang auf und begrüßte den Chef der Diebesgilde, der am Treppenaufgang stehen geblieben war. Auch Vilkas stand auf und ging mit Hilfe seiner Krücken zu dem unerwarteten Gast, um ihn zu begrüßen. "Oh", Brynjolf ging Vilkas entgegen. "Ich wusste nicht das ihr Verletzt seit. Dann wäre ich direkt zu euch gegangen. Aber damit wäre dann auch geklärt, warum ihr uns noch nicht besucht habt."
"Wollt ihr euch nicht setzten, Bryn?" fragte Akkirah. "Ich hole etwas zu trinken raus." "Warum nicht, um diese Zeit sollten sich ja sonst kaum noch jemand hier draußen rum treiben und mich bemerken. Aber erzählt, was ist passiert? Manche Dinge bekommen wir ja nun auch nicht mit."

Vilkas begann zu erzählen, was geschehen war, während Akkirah Nachschub an Getränken nach draußen holte. Für Vil und Brynjolf hatte sie von dem guten Schwarzdorn-Met ein paar Flaschen geholt, denn sie ahnte es würde eine lange Nacht werden und für sich selbst etwas kalten Tee. Akkirah war immer noch erstaunt, wie gut sich Vilkas und Brynjolf verstanden. Das war ja mal ganz anderes gewesen. Als Vilkas mit seiner Erzählung zu Ende war, sah er Akkirah fragend an. ‚Wollen wir es ihm sagen?' Akki schüttelte den Kopf. Sie fand es noch zu früh. Akkirah fragte Brynjolf stattdessen, wie es unten in der Diebesgilde lief. Sie erfuhren, dass es dort sehr Betriebsam war. Langsam füllte sich ihre Schatzkammer wieder, und man fürchtete die Diebesgilde weiterhin in der ganzen Stadt und Umgebung. Das freute Akkirah zu hören, denn sie gehörte ja einige Zeit zu ihnen und damals sah es alles andere als rosig bei den Dieben aus. Kurz vorm Morgengrauen verabschiedete sich Brynjolf von den beiden. Vilkas und Akkirah gingen hinein und legten sich ins Bett. Vorsichtig strich Vilkas über ihren Bauch. "Kann es uns schon hören?" "Ich weiß es nicht, aber ich glaube es spürt dass wir beide da sind." "Versprecht mir gut auf euch aufzupassen und nichts zu tun, was euch oder unserem Kind schaden könnte." " Vil, niemals würde ich absichtlich so etwas tun." Sie nahm ihn in den Arm. Dann schlief sie auch schon ein.

Am nächsten Morgen war Vilkas vor ihr wach. Er hatte Frühstück gemacht und es ihr ans Bett gebracht. "Vil…", weiter kam sie nicht. Er hatte ihr den Finger auf den Mund gelegt. "Ihr müsst euch nun schonen und ich kümmere mich so gut ich kann um euch." "Vil, ich bin nicht krank, Ich bin nur ein bisschen Schwanger. Da brauche ich mich noch nicht zu schonen." "Aber ich muß doch irgendwas für euch tun." "Werdet einfach nur schnell wieder gesund, mein Liebster, ich brauche eine kräftigen Mann an meiner Seite, wenn ich in einigen Monaten etwas unförmig werde. Und nun kommt, setzt euch zu mir und wir essen erst mal das was ihr gezaubert habt." Er tat wie ihm geheißen und nachdem sie fertig waren war es Akkirah, die das Tablett wieder wegbrachte. "Und nun kommt. Ich habe heute etwas Besonderes mit euch vor, mein Liebster. Vilkas schüttelte den Kopf, was mochte sie nun schon wieder ausgeheckt haben? Akkirah packte ein paar Klamotten ein und dann gingen sie hinunter zum See. "Warte hier", bat sie ihn und verschwand bei den Ställen. Kurze Zeit später kam sie mit Fiinja, die mit einem leichten Fellsattel gesattelt war, zurück. Sie hatte die Stute schon öfters mitgebracht, damit sie Vilkas kennen lernen konnte. Sie hatte vor ihm nie irgendwelche Anzeichen von Furcht gezeigt, worüber Akkirah sehr froh war. "Heute versuchen wir mal ein wenig auf dem Pferd zu sitzen, Vil."

"Bitte, wie soll ich da denn hochkommen, mein Herz?" "Das lasst mal meine Sorge sein", grinste sie. "Als erstes ab ins Wasser mit euch." Er wollte sich ausziehen, aber Akkirah hielt ihn zurück. "Es ist besser ihr behaltet eure Sachen an." Erstaunt sah er sie an. Aber sie ging dann mit ihrer leichten Kleidung, die sie angezogen hatte vor in das Wasser. Fiinja folgte ihr. "Was ist mit euch, Vil? Muss ich euch erst holen?" Vil schüttelte den Kopf und ging bei dem Baumstamm, der ins Wasser ragte wie immer hinein. Als sie ihm tieferen Wasser waren kletterte Akkirah auf den Rücken der Stute. "und nun ihr Vil". Sie reichte ihm die Hand und half ihm hinauf. Es war ein komisches Gefühl, nach so langer Zeit wieder auf einem Pferd zu sitzen und dann noch im Wasser. Als er fest saß lenkte Akkirah die Stute ans Ufer. Vil klammerte sich an Akkirah fest, denn er fühlte sich etwas unsicher. "Und ihr wisst, was ihr tut, mein Herz?" "Ja, ich würde sagen, wir machen einen kleinen Ausritt." Sie ließ die Stute im Schritt zum Sonnenhof gehen und dann kehrte sie auch gleich wieder um. Im tieferen Wasser stiegen sie beide wieder ab. "Und? War es schlimm?" "Nein, es war wundervoll, mein Herz. Aber ist es eine gute Idee, jetzt wo ihr…." "Vil, wollt ihr mich jetzt bei jeder Gelegenheit fragen, egal was ich mache, ob es gut, Sinnvoll oder was weiß ich ist?" sie seufzte. "Hätte ich das gewusst hätte ich noch nichts gesagt." "Mein Herz, es tut mir leid", Vilkas nahm sie traurig in die Arme. "Aber ich weiß nicht, wie ich nun mit euch umgehen soll. Ich bin ja noch nie Vater geworden." "Sie küsste ihn. "Irgendwie werden wir das schon hinbekommen. Erst mal würde ich aber sagen, machen wir ganz normal weiter, wie immer. Und als erstes sollten wir nun erst mal aus den nassen Klamotten raus, sonst fangen wir uns beide noch eine Erkältung ein, und das ist bestimmt nicht gut für uns drei. In der Tasche am Baumstamm habe ich trockne Kleidung rein getan." Sie schwammen gemeinsam zum Baumstamm, wo Akkirah Vilkas half zum Ufer zu gelangen. Fiinja begab sich auch ans Ufer und begann zu grasen. Noch im Wasser hatte Akkirah ihr die Zügel abgeschnallt, damit sie sich darin nicht verfangen konnte. Nachdem sich beide umgezogen hatten legten sie sich nebeneinander einfach in die Sonne und schliefen ein.

Ein schrilles Wiehern weckte beide. Akkirah schreckte hoch. Sie sprang sofort auf zum Baumstamm, wo sie ihren Bogen und ihr Schwert, das sie immer bei sich hatte abgelegt hatte. Eine riesige Frostspinne war bis ans Seeufer vorgedrungen. Vilkas war zwischenzeitlich auch wieder auf den Beinen, konnte aber nichts anderes machen, als sich zum Baumstamm zurückzuziehen. Mit seiner Krücken hätte er keine Chance gegen das Monster. Akkirah brauchte glücklicherweise nur einen Schuss, um die Spinne ins Jenseits zu schicken. Sicherheitshalber jagte sie aber noch einen zweiten Pfeil in den toten Körper. Dann ergriff sie ihr Schwert und ging zu dem toten Tier. Fiinja war hinauf zu den Ställen gelaufen, wo sie sich sicher fühlte. Das war Shadre merkwürdig vorgekommen und so hatte er eine der Torwachen gebeten ihn zum Ufer hinab zu begleiten, um zu schauen was dort los war. Als sie die tote Riesenspinne sahen fluchte Shadre. Wenn eine jetzt schon so dicht an die Stadt ran kam, würden andere bald folgen. Man sollte etwas dagegen unternehmen. Akkirah sah Vilkas an. "Er hat Recht Vil. Die Umgebung sollte abgesucht werden und die Spinnen müssen getötet werden. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn ihr allein hier unten gewesen wärt." Akkirah lief ein eisiger Schauer über den Rücken. Sie fiel Vilkas zitternd in die Arme. Vilkas fuhr ihr durchs Haar. "Keine Angst, mein Herz. Ohne euch komme ich hier nicht runter. Aber das zeigt mir, dass ich wohl auch langsam anfangen sollte, wieder Waffen in die Hand zu nehmen. Mit einem Bogen kann man auch im Sitzen aus was erreichen. Und durch das Rudern sind meine Arme denke ich, schon wieder kräftig genug geworden um einen halten zu können. Wir wollten hier unten eine Zielscheibe aufstellen. Was meint ihr dazu mein Herz?" Akkirah nickte. "Lasst uns das morgen in Angriff nehmen." Sie schwieg eine Moment. "Trotzdem würde ich zuvor noch lieber die Umgebung durchkämmen und schauen ob noch mehr diese Kreaturen sich hier rum treiben oder ob das ein verirrtes Tier war." Vilkas sah sie ernst an. Er wusste, dass er ihr das nicht ausreden konnte und so nickte er schließlich. "Aber ihr müsst mir versprechen vorsichtig zu sein." "Das verspreche ich euch."

Für diesen Tag hatten beide genug Aufregung. Vilkas begleitete Akkirah zu den Ställen. Sie kamen nur langsam vorwärts, da der Weg hoch recht steil war. Dort angekommen sattelte Akkirah Fiinja ab und brachte sie in ihre Box, wo Vilkas ihr noch ein paar Äpfel gab. Da sie nun schon oben waren, beschlossen sie durch das Stadttor in die Stadt zu gehen. "Was haltet ihr davon heute im Bienenstich zu essen? Der Fisch, den Keerava zubereitet ist immer ein Gedicht" Akkirah sah Vilkas an. "Hört sich gut an. lass uns das machen."

Später gingen sie dann hinüber in ihr kleines Häuschen und machten es sich für den Rest des Abends drinnen gemütlich, denn es war ein Gewitter aufgezogen und sie könnten nicht draußen sitzen.

Der Nächste Morgen begann neblig. Akkirah hatte beschlossen liegen zu bleiben, denn sie war irgendwie müde. Vilkas hielt sie dabei fest in seinem Armen. Als die Zeit kam, dass die Marktstände aufmachten, standen dann beide auf. Gemeinsam kauften sie ein. Vilkas konnte nun schon auf kurzen Strecken Akkirahs normales Tempo mithalten. Sie schaute aber immer ob er sich dabei nicht übernahm. Sie waren nun schon fast einen Monat in Rifton. Akkirah hoffte, das Vilkas in den nächsten drei Monaten soweit wieder hergestellt war, das sie zurück nach Weißlauf konnten. Auf den Weg dorthin würde sie gerne in Ivarstadt halt machen und endlich den langen Weg hinauf zu den Graubärten absolvieren. Sie hatte dieses Vorhaben immer wieder aufgeschoben, aber nun wollte sie es hinter sich bringen. Und zwar noch bevor ihr Kind zur Welt kam und sie es durch so eine anstrengende Tour in Gefahr brachte. Und sie wollte es gemeinsam mit Vilkas machen. Sie fürchtete sich immer noch vor dem, was sie dort erfahren könnte. Aber ein Leben in Ungewissheit war noch schlimmer, besonders wenn sie nicht wusste inwiefern es ihr Kind beeinflussen könnte. Vielleicht hätte sie doch noch warten sollen, bevor sie die Kräuter absetzte. Aber nun war es zu spät. Jetzt musste sie sich dem Stellen. Vilkas bemerkte ihre grüblerische Stimmung. " Was habt ihr, mein Herz? Fühlt ihr euch nicht wohl?" Sie schüttelte den Kopf. " Es geht mir gut. Ich habe nur über unsere Zukunft nachgedacht." Sie erzählte ihm was ihr durch den Kopf gegangen war. "Wir werden gemeinsam da hochgehen und herausfinden, was es mit diesen Drachen auf sich hat, mein Herz. Aber nun lasst uns zurückgehen und Frühstücken. Ihr müsst schließlich für zwei essen." "Wollt ihr, dass ich bald durch die Gegend rolle? Und dem armen kleinen Wurm in mir schwindelig wird?" Bei der Vorstellung mussten beide lachen. Das Wetter blieb den ganzen Tag neblig und grau. So drehten Akkirah und Vilkas mehrmals eine Runde durch die Stadt.

Auch die nächsten Tage blieb das Wetter regen verhangen. Akkirah schob ihre Spinnenjagd daher noch auf. Bei so einem Wetter verkrochen sich diese Tiere sehr gerne und waren schwer aufzufinden. So gingen Akkirah und Vilkas halt täglich mehrmals durch die Stadt. Hinten herum bei der Stadtmauer, waren sie auch meist ungestört, da dort selten jemand entlang ging. Die Meisten zogen es vor, den Hauptweg am Kanal zu nutzen.

Als sie den einen Nachmittag sich zu ihrer Runde aufmacht, trafen sie vor dem Bienenstich einen Kurier. Er hatte einen Brief für sie dabei. Akkirah und Vilkas beschlossen noch mal umzudrehen und erst lesen, was in Jorrvaskr los war. Sie schrieben regelmäßig und bekamen genauso häufig Nachrichten zurück. In Weißlauf war alles ruhig. Die Gefährten hatten genug zu tun du Aela und Farkas wechselten sich wie vorher abgesprochen war ab, was die Führung der Gefährten anging. Frogar hatte sich bei Skulvar und Lina gut eingelegt. Er kam aber immer noch regelmäßig hoch in die Methalle, um mit den Gefährten ab und an den Schwertkampf zu üben, oder wenn Ria da war, mit ihr zu lernen. Lina und Skulvar konnte gerade mit ach und krach Lesen und ihm daher kaum noch was beibringen. Jervar der Stallbursche war aus Cyrodiil zurückgekehrt. Allerdings hatte er angekündigt, das er bald Endgültig zurück ins dorthin ziehen würde. Er hatte dort ein Mädchen kennen gelernt und würde sie gerne Heiraten, Allerdings wollte sie nicht mit ihm nach Himmelsrand kommen und er hatte in der Stadt wo sie lebte, schon einen Stall gefunden, in dem er zukünftig arbeiten konnte. So war Skulvar nun auf der Suche nach einen neuen Stallburschen.

Nachdem Akkirah und Vilkas den Brief gelesen hatten, beschlossen sie erst mal ihren Spaziergang zu machen. Sie würden später antworten. Der Kurier würde nicht vor morgen früh zurück nach Weißlauf gehen. Wie gewohnt gingen sie gemütlich hinten um die Häuser an der Mauer entlang. Beim Friedhof machten sie eine kurze Pause. Akkirah war versucht mit Vilkas hinab in die Zisterne der Zersplitterten Flaschen zu gehen, aber da er noch keine Leitern klettern konnte, war das keine gute Idee. Abgesehen davon könnte es auffallen wenn Spuren dorthin führen und nicht wieder weg, besonders wenn diese eindeutig jemanden zuzuordnen waren, wie die Abdrücke die Vilkas Krücken hinterließen. Vilkas ahnte was in ihr vorging. "Ihr könnt jederzeit zu ihnen hinunter gehen und sie besuchen, wenn ihr es möchtet, mein Herz." "Nicht ohne Euch, mein Liebster." Sie schlang ihre Arme um ihn. So standen sie einige Zeit Nahe der Mauer da. Plötzlich drehte sich Vilkas um "Hey, ihr Göre, kommt sofort zurück." Akkirah sah wie ein kleines Mädchen davonlief. Sie hatte versucht aus Vilkas Gürteltasche, die er immer bei sich trug, denn sie wussten ja nie, ob sie nicht doch spontan auf die Idee kamen noch etwas zu kaufen, das Gold zu stehlen. Akkirah hatte Vilkas losgelassen und war dem Mädchen hinterher gestürmt. Die Kleine hatte nicht damit gerechnet das Akkirah so flink war und hatte keine Chance ihr zu entkommen. Akkirah erwischte das Mädchen am Arm. "Bitte tut mir nichts", weinte sie. Die kleine hatte leuchtend rote kurze Haare. Sie wirkte im ersten Moment wie ein kleiner Junge. Sie mochte vielleicht 12 maximal 13 sein. " Was soll ich denn nun eurer Meinung nach mit euch machen?" fragte Akkirah sie. "Bitte lasst mich einfach laufen. Ich werde euch auch nie wieder bestehlen. Das verspreche ich euch." Akkirah stand da und wusste nicht was sie tun sollte. Sie sah Vilkas langsam näher kommen. Er schaute recht grimmig drein. "Wir sollten sie der Wache übergeben", meinte er, als er näher gekommen war. "Sollen die sehen, was sie mit ihr machen." "Nein, bitte übergebt mich nicht der Wache. Die stecken mich ins Gefängnis, und dann kann ich meinem Bruder nicht mehr helfen. Und dann stirbt er." Sie stand vor Angst zittern da und weinte "Ganz ruhig Kleine, und dann erzählt warum euer Bruder sterben sollte." "Akki, sie will dich doch nur überreden sie laufen zu lassen und tischt dir eine herzzerreißende Geschichte auf." Akkirah warf Vilkas einen scharfen Blick zu, der ihn zum Schweigen brachte. "Fangt an, Mädchen."

"Mein Bruder hat sich vor der Stadt in einer Höhle versteckt. Er kann nicht laufen, weil er verletzt ist und braucht Medizin. Brynjolf sagte, wenn ich…" Erschrocken hielt sie ihre Hand vor den Mund als sie den Namen aussprach und fing wieder an zu weinen. "Vielleicht sollten wir beide ihm einen Besuch abstatten", meinte Akkirah "Er wird mich umbringen, weil ich ihn verraten habe…" "Dann erzählt weiter." Also Brynjolf sagte wenn ich eine gewisse Summe an Gold zusammenbekomme, dann würde er mir die Medizin besorgen." Wie habt ihr Brynjolf kennen gelernt?" "Er hatte mich auf dem Markplatz beobachtet, als ich an einem Stand etwas zu essen klaute und dabei nicht gesehen wurde. Dann sprach er mich an und sagte ich könne für ihn arbeiten. Er würde dafür sorgen das ich genug Gold bekomme um auch für meinen Bruder zu sorgen." Akkirah wusste nicht was sie davon halten sollte. Es sah Brynjolf ähnlich, sich eine kleine Diebin, die möglicherweise Potential hatte, für sich zu gewinnen. Aber Akkirah fand, das das Mädchen noch zu jung war. Aber sie wusste auch, das sie sonst wohl kaum andere Arbeit bekommen würde. So würde nur das Waisenhaus bleiben, und das war schlimmer als alles andere. Und was war mit ihrem Bruder? Akkirah kniete sich vor dem Mädchen nieder. "Wo ist euer Bruder?" " Er ist in einer Höhle nahe der Stadt. Er braucht Medizin, er wurde von einer Frostbisspinne verletzt, als wir die Strasse entlang zogen. Er hat versucht mich zu verteidigen und dabei bekam er einen Hieb einer ihrer Vorderbeine ab. Wir konnten mit knapper Not fliehen, weil sich ein Bär einmischte, aber dann entzündete sich die Stelle. Er braucht dringen Medizin, sonst stirbt er." "Wo ist die Höhle?" Das Mädchen beschrieb es ihr. "Vil, bringt sie zu uns nach Hause." Ihre Stimme ließ keinen Widerspruch zu, das wusste er. "und was werdet ihr tun?", fragte er und in seiner Stimme klang Besorgnis. "Ich werde die Höhle aufsuchen. Aber ich werde mir Hilfe mitnehmen. Ich hoffe Saphir und Vipir sind da." Vil nickte. Er kannte die beiden und wusste das Akkirah einiges auf sie hielt.

Dann gingen er und das Mädchen. Akkirah ging zurück zum Friedhof und betrat durch den Geheimgang die Zisterne der Diebe. Die anwesenden staunten nicht schlecht, als sie Akkirah sahen. Brynjolf war auch anwesend und kam ihr sogleich entgegen. " Was macht ihr hier, Mädchen, solltet ihr nicht bei Vil sein?" "Ich brauche eure Hilfe, Bryn. Wir haben eure kleine Diebin erwischt, als sie Vil die Tasche leeren wollte." "Verdammt, ich habe sie für besser gehalten…" "Sie ist zu jung und sie hat viel zu viel Angst um ihren Bruder." "Ich würde ihr gerne helfen, aber ich kann es nicht alleine tun. Naja, könnte schon, aber ich habe Angst es alleine zu machen." "Ihr habt Angst? Das sieht euch aber gar nicht ähnlich, Mädchen." "Ich erwarte ein Kind, Bryn. Und ich habe schon mal eines verloren. Ich möchte das nicht noch mal durchmachen und ich denke auch Vil würde durchdrehen, wenn mir etwas passiert. Und bis ich jemand von den Gefährten geholt habe kann es schon zu spät sein." "Ich werde euch helfen, Mädchen." Er sah sie besorgt an. "Rune und ich werden euch begleiten." Er rief nach Rune. "Ihr sollte euch aber noch umziehen. In der Rüstungskammer sollte sich sicherlich etwas Passendes für euch finden. Und die eine oder andere Waffe findet sich da sicherlich auch." Akkirah fiel Brynjolf um den Hals. "Ich danke euch." Nachdem Akkirah sich mit einer leichten Lederrüstung, einem guten Bogen und einem soliden Einhänder ausgerüstet hatte, gingen die drei zunächst in die zersplitterte Flasche, wo Akkirah kurz die Anwesenden begrüßte, um dann durch einen weiteren Geheimgang, nach draußen, außerhalb der Stadt zu gelangen.

Sie fanden die Höhle anhand der Beschreibung, die das Mädchen abgegeben hatte. Es war mehr ein Loch als eine Höhle, aber mit einem sehr kleinen Eingang so das große Tiere sie nicht als Wohnstätte benutzt haben. In der Höhle lag ein Junge der gut 16 oder 17 war. Er war bewusstlos. Akkirah erkannte, das er wenn er nicht bald ein Gegenmittel bekam, sterben würde. Sie hatte nichts Passendes dabei. "Wir müssen ihn ins Honigheim bringen." Bryn und Rune nickten. Rune nahm den Jungen hoch und trug ihn. Draußen wurde es glücklicherweise langsam dunkel. Das Wetter trug sein Teil dazu bei, das die vier ungesehen zu Akkirahs Haus gelangte. Sie brachten den Jungen rein. Als das Mädchen ihren Bruder sah schrie sie kurz vor Freude auf, die aber sofort in Angst umwandelte, als sie Brynjolf sah. "Habt keine Angst, meine Kleine", sagte Akkirah, "Bryn ist ein guter Freund von mir und wird euch schon nichts tun." Bryn grinste: "Nun, wenn das Mädchen das sagt muß es wohl stimmen." Vil der erleichtert war, Akkirah wieder zusehen war begrüßte dann erst mal Bryn und Rune. Er bat beiden einen Met an, wozu diese nicht nein sagten. Akkirah bat Rune aber noch, den Jungen nach untern zu tragen, in das kleine Gästezimmer. Als Rune wieder hochgegangen war, kümmerte sich Akkirah um die Wunde des Jungen, sie bat das Mädchen, dass wie es ihr zwischenzeitlich gesagt hatte, Lana hieß, von oben eine Schüssel mit heißen Wasser und zu holen. Angstvoll ging sie nach oben, aber sie tat wie ihr geheißen. Vilkas kochte etwas Wasser und füllte es ihr in eine Schüssel, dann verschwand sie wieder nach unten.

Akkirah hatte dem Jungen schon mal das Hemd ausgezogen. Die Spinne hatte ihn am rechten Arm erwischt, aber die Schwellung durch das Gift zog sich schon bis zur Schulter hoch. Akkirah sah sich in ihrem kleinen Labor um, ob sie passende Zutaten hatte um das Fortschreiten der Schwellung zu verhindern. Sie nahm etwas Wasser aus der Schüssel, tat ein paar Kräuter hinzu und flösste sie dem Jungen ein. Sie hoffte damit ein fortschreiten der Entzündung einzudämmen. Anschließend schnitt sie die Wunde, die sich entzündet hatte auf und ließ das Sekret, das sich darin gebildet hatte, abfließen. Das Mädchen stand mit bleichen Gesicht neben ihr und hielt die kleine Schale, die Akkirah ihr gegeben hatte unter die nun offene Stelle. Als der größte Teil ausgelaufen war, nahm Akkirah eine Flasche des guten Alto-Wein und goss sie über die Wunde. Danach verband sie sie mit sauberen Tüchern. Dann nahm sie das Mädchen bei der Hand und ging mit ihr nach oben. Sie säuberte schnell die kleine Schale und wusch sich selbst die Hände und auch die des Mädchens und ging dann zu den Männern, die sich es in der Küche gemütlich gemacht hatten. "Ihr müsst vor ihnen keine Angst haben", sagte sie zu der Kleinen, die tapfer versuchte zu nicken. "Ich habe getan was ich tun konnte, wir müssen nun abwarten. Ich möchte mich nochmals bei euch beiden bedanken, Bryn und Rune. Es müsste noch genug Eintopf da sein. Ich würde mich freuen wenn ihr noch etwas bleibt. "Da sagen wir doch nicht nein, oder Rune?" Rune nickte. "Kann ich euch irgendwie Helfen, mein Herz?" "Nein, mein Liebster, ihr bleibt hübsch brav sitzen. Ich mache das hier schon." "Aber, ihr sollt euch doch…." "VIL, ich bin nicht krank, bei Talos". Bryn fing an zu lachen, Rune saß da und verstand nichts, während Vilkas beschämt schwieg. Sofort ging Akkirah zu Vil und küsste ihn, "Tut mir leid Vil, ich wollte euch nicht so anfahren."

Dann fing Akkirah an sich um den Eintopf zu kümmern. Lana stand schweigend neben ihr. Akkirah merkte das sich das Mädchen hier oben unwohl fühlte. "Wenn ich möchte, geht hinunter zu eurem Bruder und setzt euch zu ihm." Dankbar verschwand die Kleine. Akkirah holte noch einen weitern Stuhl den sie an den kleinen Tisch stellte, nachdem Brynjolf ihn etwas in die Mitte des Raums gerückt hatte, so das sie zu viert dran sitzen konnten. Dann brachte Akkirah noch ein paar weitere Flaschen Met und stelle sie auf den Tisch. Da der Eintopf nur aufgewärmt werden musste war er schnell fertig. Für sich selbst stelle sie einen Becher kalten Tee hin. Nachdem die Männer ihre Schüsseln gefüllt hatten nahm Akkirah eine Schale und brachte sie nach unten. "Hier, Lana. Versucht eurem Bruder etwas davon zu geben. den Rest esst ihr selbst. Wenn ihr mehr wollt kommt einfach nach oben." Sie lächelte das Mädchen an. dann ging sie wieder nach oben. Als sie endlich bei den Männern am Tisch saß erhob Brynjolf seine Flasche. "Auf unser Mädchen, das in kürze Mutter wird." Akkirah wusste nicht was sie sagen sollte. Vilkas ergriff ihre Hand und drückte sie fest. Rune staunte, aber gratulierte dann sofort Akkirah und Vilkas. Während sich die Männer unterhielten ging Akkirah zwischendurch immer wieder mal hinunter und schaute nach ihren beiden jungen Gästen. Lanas Bruder Jorar schlief. Sein Atem war aber gleichmäßig und kräftig, was Akkirah als gutes Zeichen wertete.

Sie fragte Lana, warum sie denn überhaupt alleine auf der Strasse unterwegs waren. Ihre Eltern waren Magd und Knecht auf dem Gutshof eines wohlhabenden Mannes in der Gegend von Windhelm. Ihre Eltern kamen bei einem Überfall auf den Hof ums Leben, als sie draußen auf den Feldern arbeiteten. Der alte Gutsbesitzer behielt die beiden auf dem Hof, Jorar, der von Geburt an ein steifes Bein hatte, war schon seit einiger Zeit als Stallbursche beschäftigt. Und Lana durfte aus Mitleid bleiben und half in der Küche so gut sie konnte. Als der alte Mann starb ging da Gut an den einzigen Sohn über. Dieser war ein mieser Kerl, der besonderen Gefallen an minderjährigen Mädchen hatte. Lana war es mehrfach gelungen ihm zu entschlüpfen, bevor er sich an ihr vergehen konnte. Eines Tages fand man den Kerl erschlagen in seinen Gemächern. Man verdächtigte Jorar, ihn umgebracht zu haben, da er mehrfach damit gedroht hatte, es zu tun, sollte der Mann sich an seiner Schwester vergreifen. Bevor man ihn ergreifen konnte, floh Jorar mit seiner Schwester. Er war unschuldig, aber wer würde das schon einem verkrüppelten Jungen glauben. Und so zogen sie durchs Land und versuchten sich durch Gelegenheitsarbeit über Wasser zu halten. Aber in diesen Kriegszeiten war es schwer Arbeit zu finden und so gelangten sie in die Nähe von Rifton, wo Jorar dann von der Spinne erwischt wurde. Während Lana ihr die Geschichte erzählte hatte Akkirah angefangen ein provisorisches Lager aus Stroh und Fellen zu errichten auf dem Lana schlafen konnte. Nachdem sich das Mädchen schlafen gelegt hatte ging Akkirah wieder nach oben und erzählte den anderen was den beiden widerfahren. Diese waren ziemlich erschüttert, als dass erfuhren. Akkirah hatte sich überlegt wie man den beiden möglicherweise helfen konnte, ohne sie großartig zu trennen. Für Jorrvaskr wollten sie ja eine Hilfe für Tilma haben. Und das Mädchen hatte zuvor schon in einer Küche gearbeitet. Und Skulvar suchte einen neuen Stallburschen, da Jervar gehen wollte. Die drei anderen fanden diese Idee nicht schlecht. Langsam wurde es auch Zeit für die Bryn und Rune zu gehen. Akkirah und Vilkas verabschiedeten sich draußen von den beiden, die wieder durch ihren Geheimgang zurück zur Gilde wollten. "Passt gut auf euch auf, mein Mädchen", sagte Bryn zu Akkirah, als er sie umarmte. Akkirah nickte nur. Dann gingen sie und Vilkas wieder hinein. Akkirah schaute noch mal nach den beiden Kindern, bevor sie ins Bett ging und in Vilkas Arm einschlief.