068 Bei den Graubärten
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Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:27 Uhr



Es dauerte eine ganze Weile bevor sich das Tor endlich öffnete und ein alter Mann mit grauem Bart vor ihnen stand. Er musterte sie lange, sagte aber zunächst nichts. Dann gab er ihnen durch eine Geste zu verstehen, dass sie eintreten sollten. Akkirah fühlte sich unwohl und sah recht blas aus. Der Aufstieg war doch anstrengender gewesen, als wie sie erwartet hatte. Was sie sich nun am meisten wünschte, war ein Bett in das sie sich legen konnte, um sich auszuruhen. Vilkas hielt sie fest, denn er spürte, dass seine Frau am Ende ihrer Kräfte war. Er hätte es ihr ausreden müssen, aber er konnte verstehen, das sie wissen wollte, was los mit ihr war und ob es Auswirkungen auf ihr ungeborenes Kind haben könnte.

Der alte Mann führte sie zunächst in eine große Halle. Hier standen drei weitere Männer mit langen grauen Bärten, denen man auch ansah, dass sie älter als derjenige war, der ihnen das Tor geöffnet hatte.

"Endlich seid ihr gekommen, Drachenblut", fing der Mann nun an, leise zu sprechen. Da war es wieder, das Wort, mit dem sie auch von den Soldaten damals beim Südlichen Wachturm angesprochen wurde. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Vilkas legte seinen Arm fester um sie. Der Streuner versteckte sich hinter den beiden. Er merkte auch, dass sich seine beiden Menschen, denen er sich angeschlossen hatte, hier nicht wohl fühlten.

Vorsichtig antwortet Akkirah: "Ihr nennt mich Drachenblut, was bedeutet das?" Ihre Stimme klang unsicher.
"Bevor ich es euch erkläre, müsst ihr uns allen noch vorführen, das ihr wirklich ein Drachenblut seid. Tretet vor und gebt uns eine Kostprobe.
"Ich befürchte, dann war unser Weg hierher umsonst. Ich kann euch nichts vorführen, denn ich weiß nicht wie ich es machen soll. Abgesehen davon habe ich Angst um das Leben meines ungeborenen Kindes. Als ich vor einiger Zeit in einer Notsituation unbewusst ein paar Worte gesprochen habe, die ich nicht verstand, hat mich jedes dieser Worte einen Teil meiner Energie gekostet, als ich damit ein Flammeninferno und Druckwellen erzeugt habe."
"Ihr wisst also was die Worte bewirken können, und ihr habt sie angewandt? Nun, dann sollten wir anders vorgehen. Für gewöhnlich braucht ein Mensch viele Jahre des intensiven Studiums, um einen einfachen Schrei mit geringer Wirkung hervor zu rufen. Ihr scheint zu mehr fähig zu sein." Er sah sie ernst an. "Aber ihr habt Recht, Schreie ungelernt anzuwenden kostet Kraft, die ihr zurzeit nicht habt. Und ich will auch eure ungeborenen Leben nicht gefährden. Daher werde ich euch zu einem Zimmer geleiten, indem ihr euch mit eurem Gefährten etwas ausruhen könnt. Später werde ich euch etwas zu essen bringen. Morgen werden wir uns dann weiter unterhalten. Oh entschuldigt bitte, wie unhöflich von mir, dass ich vergaß mich vorzustellen. Ich bin einer der fünf Meister der Stimme, Arngeir. Die anderen drei sind Meister Borri, Meister Einarth und Meister Wulfgar. " Die drei verbeugten sich jeweils, als Arngeir ihre Namen nannte. Er drehte sich zu den anderen Männern um und gab ihnen mit einem Nicken zu verstehen, das sie sich zurückziehen konnten. Dann wandte er sich wieder an Akkirah und Vilkas.

"Wir sind es nicht gewohnt, Gäste hier zu haben und haben auch keine Bediensteten. Bitte verzeiht uns unsere kurz angebundene Art, denn wir reden auch sehr wenig. Und nun folgt mir bitte. Wir haben ein paar Gästezimmer für Notfälle und da wir euch schon von weiten sahen, habe ich eines hergerichtet."

Akkirah und Vilkas waren unentschlossen, aber da Akkirah dringend Ruhe brauchte, gingen sie hinter dem Mann her. Er brachte sie zu einem kleinen recht einfach eingerichteten Zimmer, an dessen Wand ein großes Regal mit Büchern stand. Davor war ein kleiner, runder Tisch und zwei Stühle. Dann ließ der Alte die beiden alleine. Das Bett war breiter als ein normales für eine Person, so dass sie beide genug Platz drinnen haben würden. Akkirah setzte sich gleich hin, nachdem sie ihren Rucksack und die Waffen abgelegt hatte. Vilkas legte seine Sachen auch ab und half dann Akkirah erst einmal aus den Stiefeln. Ihr Knöchel war wieder etwas angeschwollen, aber nicht mehr so sehr wie am Abend zuvor. Akkirah wollte sich selbst einen neuen Verband anlegen aber Vilkas bestand darauf, dass sie sich hinlegte. Zuvor hatte er ihr einfaches Kleid aus dem Rucksack genommen und ihr geholfen es anzuziehen. Hier in der Festung würden sie ihre Rüstung sicherlich nicht brauchen und es war bequemer darin.

Der Streuner hatte sich vor das Fußende des Betts hingelegt und beobachtete wie sich Vilkas um Akkirah kümmerte. Nachdem Vilkas sich um Akkirah gekümmert hatte und ihr auch noch ein Becher mit Wasser zu trinken gegeben hatte, schlief diese auch gleich erschöpft ein. Vilkas blieb erst noch etwas auf der Bettkante sitzen und beobachtete sie. Dann nahm er die Waschschüssel und füllte etwas Wasser hinein und stellte sie vor den Hund ab. "Ihr habt sicherlich auch Durst", flüsterte er leise und der Hund begann dankbar das Wasser zu trinken.

Vilkas war unschlüssig was er tun sollte. Er überlegte zunächst sich zu seiner Frau zu legen, aber er war nicht müde. So begann er, sich die Bücher in dem Regal anzuschauen. Es waren zum größten Teil sehr alte Bücher und Vilkas war sehr vorsichtig, wenn er das ein oder andere vorsichtig herausnahm und eine Blick hinein warf.

Einen illustrierten Band über die alten Drewmer nahm er schließlich mit an den Tisch, setzte sich auf den Stuhl und begann darin zu lesen. Er merkte gar nicht wie die Zeit verstrich. Nach gut eineinhalb Stunden erwachte Akkirah. Sie fühlte sich nun wesendlich besser und erholt und richtete sich ein wenig auf. Der Anblick, der sich ihr bot, ließ sie lächeln. Der Hund hatte sich neben Vilkas gesetzt und seinen Kopf auf sein Bein gelegt. Vilkas streichelte das Haupt des Hundes, während er mit der anderen seinen Kopf etwas stützte und in das Buch vor sich vertieft war. Akkirah beobachtete die beiden einige Zeit, bis sie sich dazu entschloss aufzustehen. Der Hund rührte sich nicht, und wedelte nur etwas mit dem Schwanz, als sich vorsichtig humpelnd Akkirah näherte. Vilkas bemerkte sie erst, als sie ihre Arme um ihn legte und ihm einen Kuss auf die Wange gab.
"Ihr seid schon wieder wach? Wie fühlt ihr euch? Und ihr solltet doch lieber euren Fuß noch schonen, mein Herz." Er sah sie besorgt an.
"Mir geht es schon wieder viel besser. Und der Fuß tut kaum noch weh. Nur habe ich etwas Hunger."

Als wäre das das Stichwort, klopfte es an der Tür. Meister Arngeir stand mit einem Tablett, auf dem zwei Schüsseln mit Eintopf und eine Krug Met drauf waren, vor dem Zimmer. Auf einem weiteren Teller lag ein großer Knochen mit üppigen Fleischresten.
"Ah, ihr mögt Bücher?" wandte sich der alte Mann an Vilkas.
"Ja, wir lesen beide sehr gerne. Ihr habt eine nette Sammlung in diesem Zimmer." Er stand auf und nahm das Buch vom Tisch um es wieder ins Regal zu stellen.
"Das ist nur ein Kleiner Teil unserer großen Sammlung, die sich fast mit der der Akademie von Winterfeste messen lassen kann." Arngeir betrat das Zimmer und stellte das Tablett auf den Tisch. "Hier ist wie angekündigt das Abendmahl. Es ist recht bescheiden, aber für uns reicht es."
"Wir danken euch", ließ sich Akkirah leise vernehmen. Sie fühlte sich in Gegendwart dieses Mannes recht unsicher. Ihr fielen auch wieder die Worte ein, die er zu ihr sagte ‚ich will auch eure ungeborenen Leben nicht gefährden'. Wieso sprach er in Mehrzahl? Sie bekam doch nur ein Kind. Sprach er von der Zukunft? Ist das was sie war und was sie bewirken konnte, doch gefährlicher als sie dachten?
Vilkas spürte die aufkommende Unruhe in Akkirah und führte sie, sie dabei vorsichtig stürzend, zum Stuhl damit sie sich setzten konnte.
"Wenn ihr noch etwas braucht, könnt ihr euch in den Küchentrakt begeben und euch nehmen, was ihr benötigt. Ich würde vorschlagen, dass wir uns dann morgen nach dem Frühstück, das wir im großen Saal einnehmen, über eure Fähigkeiten unterhalten und schauen wie es darum bestellt ist. Bis dahin wünsche ich euch eine angenehme Nachtruhe."

Akkirah und Vilkas bedankten sich und wünschten Arngeir auch eine gute Nacht. Dann nahm Akkirah den Teller mit dem Knochen und stellte ihn auf dem Boden. Der Streuner machte sich sogleich hungrig darüber her. Dann begannen auch Vilkas und Akkirah ihren Eintopf zu essen. nach dem Essen nahm sich Vilkas wieder das Buch aus dem Regal, das er angefangen zu lesen hatte. Er half Akkirah, die zunächst protestierte zum Bett hinüber zu gehen und dann machten sie es sich beide darin gemütlich. Vilkas hielt das Buch während Akkirah in seinem Armen lag und gemeinsam lasen sie dann in dem Buch, bis die Müdigkeit sie überfiel.

In der Nacht kam ein Sturm auf, der laut um die Mauern von Hoch-Rothgar heulte. Dadurch wachte Akkirah zeitig auf. Vilkas schlief trotzdem weiter. Da es bis zum Frühstück noch eine Weile hin war, blieb auch Akkirah liegen und nickte wieder etwas ein. Erst als Vilkas erwachte, stand sie auf.

Ihr Knöchel war wieder auf die normale Größe abgeschwollen und als sie vorsichtig auftrat, hatte sie kaum noch Schmerzen. Trotzdem legte sie sicherheitshalber noch mal einen neuen Stützverband an. Vilkas, der auch aufgestanden war, half ihr dabei. Nachdem sie sich gewaschen hatten, zogen sie ihre Rüstungen an. Es erschien ihnen sinnvoller, sich so durch die große Festung zu bewegen. Vilkas bestand darauf, dass er Akkirah noch weiterhin beim Laufen stütze. Der Streuner lief dabei immer um sie herum.

"Wir brauchen einen Namen für den Hund", meinte Akkirah plötzlich. Vilkas nickte, aber irgendwie fiel ihnen nichts Passendes ein, so beschlossen sie sich später darüber Gedanken zu machen und gingen weiter durch die Gänge der Festung. Sie wussten nicht genau wo sich der große Saal befand, aber er würde sicherlich irgendwo am Hauptgang liegen. Sie fanden ihn schließlich an der anderen Seite der Festung. Arngeir hatte schon alles vorbereitet und saß an dem großen Tisch.

"Guten Morgen, Meister Arngeir", begrüßten Akkirah und Vilkas ihn. Sie wunderten sich, dass sie die anderen Meister nicht sahen. Und als hätte Arngeir ihr Gedanken gelesen, erklärte er ihnen dass die anderen es vorzogen alleine zu bleiben, denn ein falsches Wort von ihnen könnte sich verheerend auf die Besucher auswirken. Das beruhigte weder Akkirah noch Vilkas. So verlief das Frühstück recht schweigsam. Nachdem sich alle gestärkt hatten begann der alte Mann Akkirah und Vilkas die Geschichte des Drachenbluts zu erklären. Es dauerte recht lange. In jedem Zeitalter der Menschen gab es einzelne Personen, die fähig waren ohne spezielle Ausbildung, die Sprache der Drachen zu beherrschen. Ob es neben Akkirah zurzeit weitere gab, die dessen Fähig waren, konnte auch Meister Arngeir nicht sagen, denn bisher war nur von Akkirah bekannt, das sie möglicherweise eines wäre. Auch ob diese Fähigkeit erblich war, war nicht bekannt. Arngeir beruhigte Akkirah und Vilkas aber dahingehend, das sie, solange sie nicht zu viele und mächtige Schreie hintereinander anwandte, sich keine Sorgen wegen ihrer ungeborenen Kinder machen musste.

Da war es wieder, Kinder, nicht Kind. Akkirah fasste sich ein Herz und fragte Arngeir:
"Warum redet ihr immer in der Mehrzahl unseres Kindes? Seht ihr in der Zukunft, das weitere folgen werden?"
"Was die Zukunft bringt, kann ich nicht sehen. Ich sehe die Gegenwart. Ihr tragt zwei Kinder in euch. Ich kann beide spüren. Eine Fähigkeit die unter uns Meistern nur ich habe."

Akkirah wusste nicht was sie dazu sagen sollte. Zwillinge. Sie legte ihrer rechte Hand auf ihren Bauch, War das eine gute oder schlechte Nachricht? Vilkas der die ganze Zeit ihre Hand hielt drückte sie nach dieser Information fester als zuvor. Sie spürte, dass er über diese Nachricht sehr beunruhigt war. Zwillingsgeburten waren meist komplizierter als einfache. Und seine eigene Mutter hatte sich nach seiner und Farkas Geburt nie wieder erholt. Nun war es an ihr, Vilkas Mut zuzusprechen.
"Zwillinge, das ist etwas besonderes, mein Liebster." Sie sah ihn zuversichtlich lächelnd an und bemerkte den traurigen Schatten der sich über seinen Blick legte. Aber er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, dass er sich nun noch mehr Sorgen um sie machte. Er legte seinen Arm um sie und zog sie an sich. "Wir werden auch mit Zwillingen fertig, mein Herz", flüsterte er ihr ins Ohr. Sie nickte lächelnd.

"Nun, wir sollten nun mal dazu kommen eure Fähigkeiten zu testen." Hörten sie nach einiger Zeit Arngeir sagen. Akkirah löste sich aus Vilkas Umarmung und sah den alten Mann an.
"Ihr habt Recht. Aber ich weiß nicht wie ich es machen soll. Das einzige Mal, wo ich wohl diese Schreie, wie ihr es nennt, angewandt habe, war in einer Notsituation, wo ich nicht mehr Herr meiner Gedanken und Gefühle war und hinterher war ich am Ende meiner Kräfte."

Mit Schaudern dachte sie an das, was im Schattenstollenrefugium geschehen war, zurück. Nicht nur was man Vilkas angetan hatte, auch ihr eigenes Handeln erfüllte sie wieder mit entsetzten. Das Inferno, das sie entfesselt hatte, sah sie plötzlich wieder vor ihrem Auge. So etwas wollte sie nie wieder erleben. Sie begann zu zittern und wurde bleich. Vilkas ergriff wieder ihre Hand.
"Glaubt ihr wirklich es ist eine gute Idee, sie das machen zu lassen?"
"Ja. Sie muß lernen, die Kräfte, die durch die Worte, die sie kennt und hervorrufen kann, zu kontrollieren und dabei können wir ihr helfen. Normalerweise braucht es Jahre bis ein Mensch in der Lage ist auch nur den einfachsten Schrei auszustoßen. Wir werden mit etwas einfachem anfangen und es dann nach und nach steigern. Und keine Sorge, es wird weder ihr noch den Kindern schaden."

Arngeir stand auf. Akkirah tat es ihm nach und auch Vilkas und der Hund folgten dem Mann. Sie gingen zunächst in die große Eingangshalle. Hier waren nun auch die anderen Meister anwesend. Sie hielten sich aber schweigend im Hintergrund.
Arngeir wandte sich an Vilkas: "Ich weiß, das es euch nicht gefallen wird, aber ihr solltet zurücktreten und ein ganzes Stück hinter eurer Frau bleiben, damit ihr bei den Übungen nicht zu Schaden kommt."

Vilkas wollte widersprechen, aber Akkirah nickte und sah Vilkas dann bittend an, den Anweisungen von Arngeir nachzukommen. Alles andere als begeistert trat er zurück und begab sich zu einer der Säulen. Er rief den Streuner zu sich, der auch lieber bei Akkirah geblieben wäre. Arngeir begann ruhig und langsam zu erklären, was sie tun sollte. Er hatte ihr das erste Wort für die Druckwelle, bekannt als Unerbittliche Macht, erklärt. Jeder Schrei konnte aus drei Worten zusammengesetzt werden, die die Wirkung jeweils verstärkten. Sie sollte sich nun konzentrieren und es dann während sie ihn ansah aussprechen. Mit unwohlem Gefühl versuchte sie es. Kaum hatte sie das Wort ausgesprochen wurde Arngeir von einer Druckwelle erfasst und ein wenig nach hinten geschleudert. Da er darauf vorbereitet war, passierte ihm nicht. jeder andere wäre wohl ziemlich hast zu Boden gegangen.
"Das war gar nicht so schlecht, Akkirah. Wie fühlt ihr euch. Hat es euch viel Energie gekostet?"
"Ich weiß nicht, ich fühle mich ein wenig erschöpft aber ansonsten geht es mir gut." Sie lächelte dabei in Vilkas Richtung, dem es sichtlich schwer fiel dort bei der Säule stehen zu bleiben.

Arngeir reichte ihr einen Becher mit Tee, den meister Borri geholt hatte. "Trinkt das. Es wird euch etwas stärken."
Akkirah roch daran konnte aber nichts außer einigen kräftigenden Heilkräutern erkennen. Daher trank sie den Becher aus.
"Wir werden nun testen, wie schnell ihr neue Worte lernen könnt. Meister Einarth wird euch das zweite Wort von Unerbittliche Macht zeigen. Prägt euch die Runen, die er auf den Boden zeichnet gut ein." Akkirah nickte und konzentrierte sich auf die Zeichen die am Boden erschienen. Während sie diese versuchte einzuprägen, spürte sie dieses komische Kribbeln, das sie an den merkwürdigen Wänden immer hatte. Es war nur diesmal nicht so stark wie sonst. Lag es daran, dass sie nun darauf vorbereitet war und nicht soviel Angst hatte wie sonst? Sie sah, das Vilkas sprungbereit da stand, um ihr sofort zur Seite zu stehen, sollte sie wie sonst, von dem Wissen, das sie mit diesem Wort aufnahm, überwältigt werden.

nachdem sie ein paar Minuten gewartet hatten sollte sie ihre nächste Aufgabe angehen. Die meister würden Geister herbeirufen, die Akkirah mit dem Schrei unerbittliche macht zerstören sollte. Meister Arngeir blieb neben ihr stehen, für den Fall sollte der Test schief gehen, damit er dann eingreifen konnte. Aber Akkirah meisterte die Aufgabe ohne großartige Probleme zu bekommen. Sie merkte aber schon, dass jedes angewandte Wort ihr Energie entzog. Nachdem sie drei Geister wieder hatte verschwinden lassen, wurde der Test abgebrochen. Vilkas lief sofort zu Akkirah, die ein wenig blass geworden war, und etwas wackelig auf den Beinen stand und nahm sie in den Arm, um ihr Halt zu geben.

"Es reicht fürs erste. Noch nie habe ich einen Drachenblut gegenüber gestanden. Aber so schnell wie ihr lernt, besteht wirklich kein Zweifel, dass ihr eines seid. Nun solltet ihr euch aber etwas ausruhen. Für heute war es genug was ihr gelernt habt. Morgen werden wir dann ein paar weitere Übungen machen. Wir sind es hier oben übrigens gewohnt, das Mittagessen ausfallen zu lassen. Wenn wir doch mal hungrig sein sollten nehmen wir dann nur ein paar Äpfel zu uns. Ich hoffe es ist für euch in Ordnung es auch so zu halten?"
Akkirah nickte. "Wenn wir unterwegs sind, machen wir es oftmals auch nicht anders. Ich möchte euch auch nochmals für die freundliche Aufnahme danken."

Meister Arngeir nickte nur und ging dann mit den anderen Graubärten zu ihren Räumlichkeiten. Akkirah und Vilkas beschlossen sich ein wenig draußen im Hof umzuschauen. Dem Hund konnte es bestimmt auch nicht Schaden, etwas frische Luft zu bekommen. Draußen tobte immer noch der heftige Sturm, so dass sie es vorzogen bald wieder hinein zu gehen. Sie begaben sich zurück in ihr Zimmer und machten es sch wieder auf dem Bett gemütlich, nachdem sie ihre Rüstungen erst mal wieder abgelegt hatten, und lasen gemeinsam das Buch vom Vortag weiter. Sie merkten kaum wie schnell die Zeit so verstrich. Irgendwann klopfte es an der Tür und Arngeir stand davor.
"Das Abendessen ist im großen Saal angerichtet. Ihr könnt natürlich auch hier speisen, wenn es euch lieber ist."
"Danke. Wir kommen gleich." antwortete Vilkas. Akkirah und Vilkas zogen wieder ihre Rüstungen an. Im großen Saal war es doch recht kühl und nur in ihren einfachen Kleidern würden sie bald frieren. Dann begaben sie sich zum Essen. Auf dem Tisch stand ein großer Topf mit Eintopf. Diesmal waren anderen Gemüsesorten als am Vorabend verwendet worden. Akkirah hatte keinen allzu großen Hunger und nahm sich nur eine kleine Portion. Vilkas versuchte sie dazu zu bringen mehr zu essen. Schließlich müsse sie ja für drei sorgen. Akkirah lächelte.

Nachdem die gegessen hatten half Vilkas beim Abräumen der Tafel. Er bestand darauf es zu machen und auch darauf das Akkirah sitzen blieb. Diese schüttelte nur resigniert den Kopf. Sie unterließ es aber zu widersprechen, denn sie wollte nicht, das Vilkas sich am Ende nur wieder Sorgen machte. Wie würde das nur die nächste Zeit werden? Hoffentlich würde er in Jorrvaskr etwas abgelenkt werden, damit er sie nicht den ganzen Tag behüten würde. Nachdem abgeräumt und abgewaschen war, wollte Akkirah eigentlich noch gerne Arngeir ein paar Fragen stellen, aber dieser verabschiedet sich gleich, als er mit Vilkas zurückkam.
So hakte sich Akkirah bei Vilkas unter und sie gingen gemütlich zurück in ihr Zimmer.
Als sie später im Bett lagen und Vilkas ihr über den Bauch streichelte, fragte er plötzlich. "Wie sollen da nur zwei Wesen hineinpassen? Ihr seid so zierlich, mein Herz. Ich habe Angst um euch."
"Ach, Vil. Auch andere waren zierlich und haben Problemlos Zwillinge auf die Welt gebracht. Warum sollte es bei mir anders sein. Ihr müsst aufhören, euch deshalb Gedanken zu machen. Oder wollt ihr die bösen Geister dadurch beschwören? Es wird alles gut werden mein Liebster. Da bin ich mir ganz sicher."
Sie zog ihn an sich und küsste ihn. Wie sollte sie ihn nur seine Angst vertreiben? Irgendwo konnte sie ihn versehen, denn auch sie hatte etwas Angst. Aber es ließ sich halt nicht ändern. Es dauerte lange bis sie beide endlich einschliefen.

Am nächsten Morgen versuchte Vilkas so fröhlich wie möglich ihr gegenüber aufzutreten. Nachdem sich beide angekleidet hatten, begaben sie sich zum großen Saal. Arngeir war schon in der kleinen Küche am Wasserkochen. Akkirah ließ sich Teller und Geschirr geben und begann den Tisch zu decken. Vilkas scheuchte den Streuner zur Seite der Akkirah immer spielerisch vor die Füße lief.

Während des Frühstücks stellte Akkirah dann die Fragen, die ihr gestern schon auf der Zunge brannten. Woher kamen die Drachen? Hatten sie etwas mit ihr als Drachenblut zu tun? Wie viele Graubärte gab es? Waren die vier hier in Hoch-Rothgar die einzigen? Arngeir bemühte sich ihr soviel wie möglich zu erzählen. So erfuhren Akkirah und Vilkas, das es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Akkirah, als Drachenblut und dem Auftauchen der Drachen geben könnte. Auch erfuhren sie das es noch den Anführer der Graubärte gab, der alleine oben auf dem Gipfel des hals der Welt lebte. Um zu ihm zu gelangen, müsste Akkirah noch vie lernen, denn den Weg zu Paarthurnax kann man nur meistern, wenn man den dafür notwendigen Schrei gelernt hatte. dafür allerdings müsste sie erst einige Aufgaben erfüllen und dabei immer neues lernen.

Das Klang nicht gerade einfach. Abgesehen davon, sie würde bald Mutter werden, da kam es kaum in Frage, sich in die unwirtliche Gegenden zu begeben, um irgendwelchen Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Das würde warten müssen.

Nach dem Frühstück sollte es aber erst mal mit einigen Übungen im Hof weiter gehen. Der Sturm hatte nachgelassen, die Wolkendecke war Aufgerissen und die Sonne schickte ihre warmen Strahlen in den großen Innenhof. Vilkas und der Hund sollten sich wieder im Hintergrund halten, während die Graubärte mit Akkirah übten. Zunächst sollte sie die Übungen vom Vortag wiederholen. Dann lernte sie etwas Neues. Zwischen jedem Übungsabschnitt machten sie eine lange Pause. Immer wieder trank Akkirah etwas von dem Tee, den ihr Arngeir gab und aß den einen oder anderen Apfel. Akkirah hatte das Gefühl, die zeit flog nur so dahin und plötzlich war es schon Nachmittag. Vilkas kam es genau anderes herum vor. Als würde die Zeit stillstehen und nicht vorbei gehen. Er war versucht ein wenig mit seinem Schwert zu üben, aber er hatte Angst Akkirah aus den Augen zu lassen. So war er froh, als sie endlich auf ihn zukam und "Fertig für heute", entgegen rief. Sie sah wieder recht blass aus. Aber ansonsten schien es ihr gut zu gehen. Er wollte sie mit seinen Ängsten nicht beunruhigen, also lächelte er ihr zu. Sie begaben sich zunächst erst Mal etwas in ihr Zimmer, wo sich Akkirah erst mal etwas hinlegte und auch sogleich einschlief. Als es Zeit fürs Abendessen wurde, weckte Vilkas sie. Am liebsten hätte er sie weiter schlafen lassen, aber sie musste schließlich auch etwas essen. Nach dem Abendessen, das aus dem Eintopf vom Vortag bestand, begaben sich beide wieder zurück ins Zimmer, wo sie erst noch etwas gemeinsam lasen und dann schlafen gingen.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich, nur das Akkirah darauf bestand, das Vilkas statt ihr zuzuschauen, selbst etwas mit seinem Schwert üben sollte. Nur sehr widerwillig tat er ihr den Gefallen.

Nachdem sie sieben Tage bei den Graubärten verbracht hatten, wurde es dann Zeit sich zu verabschieden. Akkirah und Vilkas bedankten sich noch einmal für die Gastfreundschaft der Graubärte und machten sich dann auf den Weg, die siebentausend Stufen wieder hinab nach Ivarstatt zu gehen. Wilhelm würde sich sicherlich auch schon wundern, wo sie abgeblieben waren. Auf den Weg hinunter gab es diesmal keine Probleme und so kamen sie kurz nach Einbruch der Dunkelheit in Ivarstatt an, wo sie sogleich den Gasthof aufsuchten.