072 Die Dunkle Bruderschaft
072 Die Dunkle Bruderschaft PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:28 Uhr



Ganz langsam verschwand die Schwärze, die Vilkas seit Tagen umgeben hatte. Er versuchte die Augen zu öffnen, was ihm recht schwer fiel. Er konnte sich nicht bewegen. Wo war er? Das letzte, woran er sich deutlich erinnern konnte, war, das er den kleinen Wildpfad von See hinauf zum Lager der Khajiit gegangen war. Dann spürte er einen Stich im linken Oberarm und von dem Moment an verschwamm die Welt um ihn herum. Er merkte noch wie er zu Boden ging und von zwei vermummten Gestalten aufgehoben wurde. Von da an konnte er sich an nichts mehr wirklich erinnern.

Wieder versuchte er die Augen zu öffnen. Diesmal gelang es ihm. Er fühlte, wie er auch der Rest seines Körpers langsam wieder unter seine Kontrolle bekam. Er war ein einem dunklen Raum und lag auf einem Bett, das recht muffig roch. Er lauschte in die Dunkelheit. Er war nicht alleine. Er hörte das schwere gedämpfte Atmen mehrerer Personen. 'Akkirah' fuhr es ihm durch den Kopf? Wo war sie, hatte man auch ihr etwas angetan? Oder Farkas, Charlotta und Mila? Waren sie wohlauf?

Sein linker Arm schmerzte an der Stelle, wo er den Stich gespürt hatte. Man schien ihn mit einem sofort wirkenden Gift betäubt zu haben. Er versuchte sich zu bewegen. Er schien nicht gefesselt zu sein. Es befand sich in einer dunklen Hütte, die entweder keine Fenster hatte, oder die verhängt waren. Oder es war Nacht. Wie viel Zeit war vergangen, seit er überwältigt wurde? Er konnte es nicht sagen. Er vermutete es waren mehrere Tage gewesen. Dunkel erinnerte er sich das man ihn Anfangs zu zweit getragen hatte. später hatte man ihn über den Rücken eines Pferdes geworfen. Und nun war er hier. Er überlegte ob er versuchen sollte sich aufzurichten. Oder war es besser weiterhin den Bewusstlosen zu spielen? Nur so wie er nun lag, konnte er nichts von der Hütte erkennen. Er wartet noch eine Weile bis er seine Glieder besser spüren konnte.

Dann wagte er es, sich zu bewegen. Kaum hatte er sich gerührt vernahm er eine leise weibliche stimme. "Ah habt ihr gut geschlafen?" Vilkas drehte sich nun um und sah sich um. In einer Ecke auf einem Schrank saß lässig eine schlanke Frau in einer merkwürdigen dunklen Kleidung und beobachtete ihr.

Vilkas richtet sich etwas auf. "Wo bin, ich was mache ich hier? Und wer, bei Ysmir seid ihr?"

"Das wollt ihr eigentlich gar nicht wissen. Ihr seid hier im Warmen und erfreut euch bester Gesundheit. Das ist mehr als was andere von sich behaupten können. Zum Beispiel die alte Grelot aus dem Waisenhaus von Rifton. Achja, mich nennt man übrigens Astrid."

Diese Antwort verwirrte Vilkas. Was sollte das hier werden, fragte er sich.

Die seltsame Frau sprach weiter: "Ihr habt die alte Frau aus dem Waisenhaus ermordet. Damit schuldet ihr der Dunklen Bruderschaft ein Leben und ich bin hier um es einzufordern."

Was sollte das werden? Er hatte niemanden ermordet. Der Tod der alten Frau in Rifton war ein unglücklicher Unfall gewesen. Und was sollte das sein, die Dunkle Bruderschaft? Noch nie hatte er davon gehört. Doch halt fiel es ihm plötzlich wieder ein. Akki hatte diese mal erwähnt. Sie hatte zweimal bei Assassinen, die versuchten sie zu töten Notizen gefunden, die besagten, das Akkirah im Auftrag von der Dunklen Bruderschaft getötet werden sollte. Was wollte man nun von ihm? Sollte er jetzt seine eigene Frau umbringen, nachdem es anderen nie gelungen war?

Die Frau sprach weiter: "Seht ihr diese drei Personen dort hinten? Ihr werdet eure Schuld bei uns abtragen, in dem ihr einen der drei tötet. Wen ihr tötet, das sei euch überlassen. Sprecht ruhig mit ihnen und dann trefft eure Wahl."

Also war nicht Akkirah das Ziel. Erleichtert atmete Vilkas auf. Vorsichtig drehte er sich um. Am anderen Ende der Hütte knieten drei gefesselte Gestalten, deren Köpfe mit Stoffhauben bedeckt waren. Es handelte sich um zwei Männer und eine Frau. Da sie nichts sagten waren sie wahrscheinlich geknebelt.

"Tötet einen von ihnen und ihr seid frei, tut es nicht und ihr werdet diese Hütte nicht lebend verlassen." Sie machte eine kurze Pause. "Oder vielleicht schon, aber ihr habt eine hübsche Frau die gerade in anderen Umständen ist. Ihr wollt doch gewiss nicht, dass ihr oder euren Kindern etwas zustößt? Wenn nicht heute dann möglicherweise morgen"

Vilkas konnte das hinterhältige Grinsen im Gesicht der Frau im Schatten nicht sehen, aber er spürte es. Neben dem Bett auf einem Tisch lag sein Zweihänder. Die Frau schien sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Vilkas fühlte sich in der Zwischenzeit wieder soweit hergestellt. Trotzdem tat er so, als er aufstand, als wäre er noch ein wenig unsicher auf den Beinen. Langsam, als würden seine Knie zittern ging er zum Tisch und nahm seinen Zweihänder in die Hände. Er hoffte er würde schnell genug damit zuschlagen können. Bevor er in Gefangenschaft der Silbernen Hand geraten war, hätte er nie daran gezweifelt es zu schaffen, aber er wusste er war noch lange nicht wieder so gut wie einst. Als er sein Schwert in der Hand hielt merkte er das die Stelle, wo man ihn mit irgendwas getroffen hatte um ihn zu betäuben noch schmerzte. Aber das ignorierte er. Langsam bewegte er sich an die Frau auf dem Schrank vorbei und ging in Richtung der drei Gefangenen. Doch plötzlich drehte er sich um und schwang sein Schwert auf die Frau zu er hoffte sie zu überraschen und mit einem Hieb nieder zu strecken. Aber irgendwie hatte sie seine Bewegung erahnt und war zur Seite gesprungen. Er verpasste ihr nur am rechten Arm eine Streifwunde.

"Ah, da scheint jemand zu glauben, es mit mir aufnehmen zu können. Nun wenn ihr denn unbedingt wollt, lasst uns sehen wie gut ihr seid. Jetzt werdet ihr mich töten müssen, wenn ihr wollt, das eurem kleinen Frauchen und ihrem Bastard nichts passiert." Ihre Stimmer war nun alles andere als freundlich. Sie hatte zwei Dolche gezogen. Vilkas versuchte mehrere Angriffe mit seinem Zweihänder, aber die Frau wich geschickt zurück. Sie war schnell, das erkannte Vilkas. Es würde nicht einfach werden sie zu töten. Aber dank den Übungen mit Akkirah, die auch sehr schnell mit ihrem Einhänder umgehen konnte, war er auch darin geübt, blitzschnelle Angriffe abzuwehren. In der Enge der Hütte fehlte ihm aber der Spielraum, um sich vernünftig zu aufstellen zu können. Lange Zeit ging es hin und her. Vilkas betete, das die Frau keine Gefährten draußen hatte, die plötzlich herein kommen würden, weil dann wäre es um ihn geschehen. Aber niemand kam hinein.

Plötzlich fiel im der gemeine Trick von Akkirah ein, als sie vor einer Ewigkeit im Hof von Jorrvaskr ihm Dreck in die Augen geworfen hatte, um ihn aus dem Gleichtakt zu bringen. Sich bücken um etwas aufzusammeln war nicht möglich, aber die kleine Öllampe über ihren Köpfen hing, würde sicherlich etwas für Ablenkung sorgen wenn sie zu Boden fiel. Vilkas täuschte eine Angriff vor wich dann aber im letzten Moment zurück und es gelang ihm mit einem Hieb dafür zu sorgen, das die Lampe zu Boden fiel, zerbrach und das Öl Feuer fing. Das Überraschungsmoment von Astrid, die vor dem Feuer zurückwich, nutzte Vilkas aus, um ihr einen tödlichen Hieb zu verpassen. Nachdem sie zu Boden gegangen war nahm Vilkas einen ihrer Dolche und ging hinüber zu den Gefangenen. Die finden an zu winseln. Vilkas nahm ihnen die Hauben von den Köpfen und schnitt ihnen wortlos die Fesseln durch. Dann ging er zur Tür hinüber. Diese war verschlossen. Vilkas fluchte. Wahrscheinlich hatte Astrid den Schlüssel. Er versuchte zu ihr zu gelangen ohne sich an den größer werdenden Flammen zu verbrennen und durchsuchte sie. In einer Tasche fand er tatsächlich den Schlüssel.

"Nun macht schon", drängelte einer der ehemaligen Gefangenen. Es war ein Khajiit. "Wir wollen doch nicht in den Flammen umkommen."
"Ihr solltet euch irgendwomit bewaffnen", sagte Vilkas nur, "wer weiß ob draußen noch weitere der Bande sind." Der kräftige Nord nickte und nahm sich den zweiten Dolch der Assassinenanführerin Dann öffnete Vilkas vorsichtig die Tür einen Spalt weit. Die Sonne war gerade am untergehen. Sie befanden sich in einem sumpfigen Gebiet. Langsam öffnete Vilkas die Tür weiter. Dann sah er in der Nähe an einem Lagerfeuer zwei weitere Gestalten, die genau wie Astrid in diesen merkwürdigen dunklen Klamotten gekleidet waren. Sie sahen nicht zu ihnen hinüber und stritten sich über etwas. Vilkas nutze das um in wenigen Sätzen bei ihnen zu sein. Mit einem schwungvollen Schlag trennte er dem Mann, der ihm am nächsten Saß den Kopf vom Hals. Der zweite Mann sprang erschrocken auf. Doch bevor er seine Waffe ziehen konnte, jagte Vilkas ihm seinen Zweihänder zwischen die Rippen. Die drei anderen sahen sich um. Weitere Assassinen schien es nicht zu geben.

"Die beiden müssen verschwinden", sagte Vilkas. "Niemand darf wissen was hier passiert ist. Bringt sie ins Innere und sorgt dafür das die Hütte komplett in flammen aufgeht. Dann seht zu das ihr fort kommt." Die beiden Männer taten was Vilkas sagte.

Vilkas sah drei Pferde nahe der Hütte an einem Strauch angebunden stehen. Er ging zu den Tieren, nahm einen der Sättel, die auf dem Boden lagen und sattelte den Schecken, der ihm am Kräftigsten erschien. Ohne noch ein weiteres Wort zu den anderen zu sagen schwang er sich dann, nachdem er auch das Zaumzeug angelegt hatte, in den Sattel und stürmte davon.

Er wusste nicht genau wo er sich befand. Aber die Gegend erinnerte ihn an den Sumpf um Morthal herum. Also entschloss er sich Richtung norden zu wenden. Nachdem er eine Weile unterwegs war, begann er die Kälte zu spüren. Er war ja noch immer in die einfachen Gewänder gekleidet, die er am See von Rifton trug. Er hätte einen der Umhänge der Mörderbande mitnehmen sollen. Nachdem es zu dunkel geworden war, um weiter zu reiten machte er halt. Er band den Wallach an einem Baum fest. Hinten am Sattel war eine dünne Decke befestigt. Zusammen mit der Sattelunterlage, würde er sich ein Lager machen können. Zum Holzsammeln war es zu dunkel. Er hoffte auch, das es hier keine wilden Tiere gab, die ihn überraschen würden. In den Satteltaschen fand er etwas altes Brot und getrocknetes Fleisch. Er nahm sich etwas davon hüllte sich in die Decken und aß ein wenig von dem Brot und dem Fleisch. Dann legte er sich hin. Einschlafen konnte er nicht wirklich. Er dachte die ganze Zeit an Akkirah. Sie würde sich wahrscheinlich die ganze Zeit ängstigen und Fragen was mit ihm passiert war. Das würde weder ihr noch den Kindern gut tun. Er machte sich große Sorgen um seine geliebte Frau. Er wusste nicht wie lange es her war, dass er verschleppt wurde. Aber ein paar Tage waren sicherlich vergangen. Warum hatte er vorhin die drei anderen nicht gefragt welchen Tag sie hätten.

Der kürzeste Weg nach Rifton führte über Weißlauf. Er hoffte, das Akkirah dorthin gegangen sei und nicht in Rifton auf ihn wartete. Nach einer Weile fiel er in einen unruhigen Schlaf. Lange vor dem Morgengrauen wachte er frierend auf. Er beschloss sich sofort wieder auf den Weg zu machen. Er sattelte den Schecken und wickelte die Decke um sich. Dann setzte er zunächst langsam seinen Weg fort. Als die Dämmerung hereinbrach und er mehr sehen konnte, spornte er das Tier mehr an. In der Ferne sah er die Bergkette die er überqueren musste, um nach Weißlauf zu gelangen. Wenn er sich etwas westlich halten würde, müsste er zum Pass von Labyrinthion kommen, wenn ihm sein Gedächtnis nicht täuschte.

Drei Stunden später stieß er auf die Hauptstrasse. Da es für das Pferd einfacher war hier zu laufen, blieb er dort. Nach einer weiteren Stunde wurde sein Pferd plötzlich unruhig. Irgendwas oder irgendwer befand sich etwas abseits des Weges. Vilkas nahm sein Schwert in die Hand. Er vernahm das Schnauben eines Pferdes. Dann stürmte aus dem unterholz ein Pferd auf die Hauptstrasse. Darauf saß kein andere als sein Bruder Farkas.

Überrascht und froh zugleich sprang Vilkas von seinem Pferd und stürmte auf seinen Bruder zu. "Farkas, Bruder. Ich bin so froh euch zu sehen. Aber was macht ihr hier? Seid ihr alleine?" Kaum hatte er diese Frage gestellt tauchte nun eine Frau auf. Aela. Auch Farkas war vom Pferd gesprungen. Er nahm Vilkas in die Arme und drücke ihm so fest, dass dieser kaum noch Luft bekam. "Ich bin so froh, dass wir euch gefunden haben. Wo wart ihr? Ws ist passiert?" Nachdem Farkas seinen Bruder wieder losgelassen hatte begrüße auch Aela ihren Schildbruder mit einer Umarmung.

"Wie geht es Akki? Ist sie wohlauf? Und wo ist sie zur Zeit?"
"Sie ist in Jorrvaskr. Es geht ihr den Umständen entsprechend. Sie macht sich große Sorgen euretwegen."
"Dann lasst uns keine Zeit verlieren und nach Weißlauf reiten. Ich erzähle euch unterwegs was passiert ist. Ich will so schnell wie möglich zu meinem Herz zurück."
"Reitet ihr vor. Ich folge euch in sicherem Abstand. Beim nächsten Halt könnt ihr mir dann noch mal erzählen was passiert ist." antwortete Aela.

Die Brüder schwangen sich wieder in die Sättel und trieben ihre Pferde vorwärts. Vilkas erzählte mit wenigen Worten was ihm widerfahren war. Als er geendet hatte begann Farkas zu sagen, was nach seinem Verschwinden passiert war. Er begann mit der gemeinsamen mehr oder weniger erfolglosen Suche mit Brynjolf. Der Rückkehr nach Weißlauf und dann dem Aufbruch gemeinsam mit Aela. Akkirah blieb in Jorrvaskr. Er und Aela machte sich so schnell sie konnten auf den Weg nach Rift, wo die die Spuren in den Bergen verloren hatten. Aela gelang es in ihrer Werwolfgestalt mit mühe diese doch wieder aufzunehmen. Sie mussten über die Berge erst Richtung Windhelm. Dann ging es weiter Richtung Mortal. Die meiste Zeit haben sich die Entführer abseits der Hauptstrasse bewegt, wo man trotzdem noch mit Pferden weiter kam. Und so stießen sie dann letztendlich glücklicherweise auf Vilkas, der sich selbst befreien konnte.

Sie ritten so schnell es die Pferde erlaubten weiter. Am späten Nachmittag erreichten sie den Zugang zu Labyrinthion. In dem Ruinen von Labyrinthion mussten sie gegen zwei Trolle kämpfen, die den Weg versperrten. Nachdem sie Labyrinthion passiert hatten machten sie Rast. Die Pferde waren erschöpft und auch Aela, die ihnen die ganze Zeit in ihrer Wolfgestalt gefolgt war, war recht müde. Sie sammelten diesmal etwas Feuerholz und machten sich ein ordentliches Lagerfeuer. Noch mal erzählte Vilkas was passiert war, während sie die Vorräte die sich Farkas und Aela dabei hatten verspeisten.

"Wenn ihr die Anführerin erledigt habt, dürfte es ja nun vorbei sein", meinte Aela.

Vilkas schüttelte den Kopf. "Erst wenn die komplette Bande ausgeräuchert ist, werde ich wieder ruhig schlafen können. Ich hoffe Bryn konnte ein paar Information bekommen."

Aela seufzte. "Ihr habt wahrscheinlich Recht. Und wir werden sie gemeinsam erledigen, darauf habt ihr mein Wort, Bruder."

Dann legten sie sich Schlafen. Am nächsten Morgen brachen sie noch vor Sonnenaufgang wieder auf. Sie kamen ohne irgendwelche Probleme am frühen Abend in Weißlauf an. Als sie die Ställe erreicht hatten, nahm Farkas seinem Bruder das Pferd ab. "Los lauft schon hoch. Akki soll nicht noch länger auf euch warten, Bruder."

"Danke Farkas." Und dann lief Vilkas so schnell er konnte hoch nach Jorrvaskr. Am Mark rannte er fast Severio Pelagia über den Haufen. Er rief Charlotta, die an ihrem Marktstand arbeitet, im vorbeilaufen zu. "Farkas kommt gleich."

Völlig außer Atem erreichte er Jorrvaskr. Er öffnete die Tür und sah Akkirah an der großen Tafel sitzen, wo sie sich mit zwei Männern unterhielt. Als die Tür aufging und Akkirah Vilkas reinstürmen sah, sprang sie überglücklich von ihrem Stuhl auf, der nach hinten umkippte und stürmte Vilkas entgegen und fiel ihm in die Arme. Dann sackte sie in seinen Armen zusammen.