075 Endlich mal fast keine Sorgen
075 Endlich mal fast keine Sorgen PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:29 Uhr

Mehr als drei Wochen war Vilkas nun schon fort. Zwei Briefe hatte Akkirah von ihm bekommen. Einen hatte er aus Drachenbrügge geschickt, den anderen, als er das zweite Mal in Rorikstatt war. Viel stand wie immer nicht drinnen, aber sie wusste, das er sie genauso vermisste wie sie ihn. Wenn alles gut gegangen war, müsste er bald wieder bei ihr sein. Akkirah machte gerade ihren morgendlichen Spaziergang hinab zu den Ställen. Seit einer Woche hatte sie aufgehört zu reiten. Sie schaffte es kaum noch, auf das Pferd hinauf zu kommen. Sie fühlte sich schlapp und hatte häufig Rückenschmerzen. Danica meinte, das wäre normal, sie müsse sich deshalb keine Sorgen machen.

Akkirah seufzte. Dass es so anstrengend oder eher nervend sein würde, ein Kind zu erwarten hätte sie nicht gedacht. Möglicherweise wäre es anders, würde sie nur eines bekommen und nicht zwei. Aber sie bekam nun mal zwei und daran konnte sie nichts ändern. Sie grüßte Adrienne, die in ihrer Schmiede arbeitete, als sie an ihr vorbei kam. Die Wachen öffneten ihr das Tor, um sie hinaus zu lassen. Streuner stürmte sofort durch und Akkirah folgte ihm langsam. Der Hund trug nun eine breites Lederhalsband, an dem Akkirah bei Bedarf einen Strick festmachen konnte, den sie stets bei sich trug. Aber normal durfte der Hund frei rumlaufen. Solange niemand Akkirah zu Nahe kam war er friedlich, aber wehe es versuchte ihr jemand auch nur die Hand zu geben, dann war er sofort Angriffsbereit zur Stelle. Mit der Zeit aber hatte er gelernt, das Händeschütteln nicht als Angriff zu werten war und so beobachtete er nur aufmerksam, was geschah.

Heute Morgen waren die Khajiithändler mal wieder da und priesen ihre Waren an. Akkirah ging zu ihnen, um zu erfahren, ob sie etwas Neues wussten. Der alte Ri’Saad erzählte, was ihnen so widerfahren sei auf dem Weg von Markath nach Weißlauf. Es war zum Glück nur das übliche. Das beruhigte Akkirah. Dann verabschiedete sie sich von den Händlern, aber nicht ohne noch ein wenig Stoff gekauft zu haben. Von der Qualität her war dieser fast besser als das, was Belethor anzubieten hatte, aber dafür ein ganzes Ende billiger. Charlotta würde ihr dabei helfen, daraus ein paar Kleidungsstücke für ihre Kinder zu nähen.

Schon als Kind hatte sie es gehasst, nähen zu müssen. Sie tobte lieber mit ihrem Bruder draußen herum und versuchte mit dem Bogen zu jagen. Charlotta bemühte sich redlich, ihr die Grundlagen bei zu bringen. In der Zwischenzeit gelang es ihr auch einigermaßen gerade Nähte hinzubekommen. Aber lieben würde sie diese Arbeit niemals. Fast jeden Abend war sie bei Farkas und Charlotta. Ihre Freundin und Schwägerin gab ihr viele wertvolle Tipps, wie sie besser durch ihre Schwangerschaft kam. Es tat Akkirah gut darüber reden zu können. Sie hatte sich früher nie darüber Gedanken gemacht, was alles auf sie zukommen würde. Wie auch. Sie war recht früh verheiratet worden und hatte da eigentlich nie Freundinnen gehabt, mit denen man über so etwas sprach. Nach dem Tot ihres ersten Mannes lebte sie die nächsten Jahre alleine in der Wildnis. Familienplanung war da nie ein Thema. Auch als sie zur Diebesgilde und dann später zu den Gefährten stieß, gab es andere Dinge, die im Vordergrund standen. Irgendwie fühlte sie sich plötzlich völlig hilflos. Aber Charlotta half ihr wo sie konnte. Es was schön eine Freundin wie sie zu haben. Und noch schöner war, dass auch ihre Freundin ein Kind erwartete. Damit hatten sie nun beide noch mehr gemeinsam.

Was sie erstaunte war, das sich auch Farkas an ihren Gesprächen beteiligte. Er saß immer bei ihnen, meist Charlotta im Arm haltend und war sehr an allem interessiert, was sie zu erzählen hatten. In den Momenten vermisste sie Vilkas besonders.

Bei den Ställen traf sie nur Jorar. Skulvar brauchte etwas neues Holz für die Zäune und zur Reparatur der Ställe. Daher war er gemeinsam mit seiner Frau Lina und Frogar nach Flusswald zu Gerdur gefahren. Akkirah begrüßte den Jungen, der gerade dabei war, die Ställe auszumisten. Jorar freute sich immer, Akkirah zu sehen. Er war ihr immer noch sehr dankbar, dass sie ihm die Arbeit hier in den Ställen vermittelt hatte. Akkirah legte ihren Beutel mit den Einkäufen auf eines der Apfelfässer und ging dann zu Fiinja und holte sie aus ihrer Box. Sie ließ sich beim Putzen viel Zeit. Was sollte sie sonst auch großartig machen. Die Bücher hatte sie wieder auf aktuellen Stand gebracht. Schwertraining konnte sie auch nicht mehr machen. Sie war nach zwei, drei Schwüngen so außer Atem, das sie glaubte einen 1000 m Sprint hinter sich gebracht zu haben. Noch ca. zwei Monate, dann würde es endlich ein Ende haben und sie würde ihre beiden Kinder nicht mehr so wie jetzt mit sich rumschleppen müssen und würde sich hoffentlich wieder freier bewegen können.

Gegen Mittag ging sie wieder hoch nach Jorrvaskr. Tilma gab ihr etwas von dem Eintopf des Vorabends. Danach begab sich Akkirah in ihre Gemächer und legte sich etwas hin. Sie wurde wach, weil ihr jemand die Haare aus dem Gesicht strich.

„Vil“, glücklich richtete sie sich auf und fiel ihrem Mann, der sich zu ihr aufs Bett gesetzt hatte, um den Hals. „Endlich seid ihr wieder da.“ Sie gab ihm einen Kuss. „Geht es euch gut? Ist die Dunkle Bruderschaft erledigt? Was ist mit den anderen? Ist ihnen etwas passiert?“ „Langsam mein Herz, so schnell kann ich ja gar nicht antworten.“ Diesmal küsste er sie. „Ja mir geht es gut. Die Bruderschaft existiert nicht mehr und den anderen geht, es bis auf einige Kratzer und geprellte Rippen gut. Ihr müsst euch da keine Sorgen machen.“

Akkirah schmiegte sich an Vilkas. „Und wie geht es euch mein Herz? Was machen unsere Kleinen. Ist alles in Ordnung?“ „Ja, uns geht es gut. Nur die üblichen Wehwehchen, mit denen man als Frau in solch Umständen zu kämpfen hat.“ Sie schwiegen beide einen Moment.

„Aber jetzt sollte ihr erst mal aus der staubigen Rüstung kommen. Es ist unbequem darin in euren Armen gehalten zu werden.“ Sie wollte gerade anfangen die Schnallen zu lösen, als sie sah, wie die Rüstung an der eine Seite zerfetzt war. „Vil, Was ist das? Los, lasst mich sofort nachschauen, wie ihr darunter ausschaut.“ Akkirah war blass geworden. „Was war das, was euch da angegriffen hat?“ „Beruhigt euch, mein Herz. Es ist wirklich nicht schlimm. Die Rüstung hat mich vor größeren Schaden bewahrt.“ Er zog sich die Rüstung aus und hob dann sein Hemd an, damit sie es sich ansehen konnte. „Wirklich nur ein paar Kratzer, die schon fast verheilt sind.“ Sie strich vorsichtig mit der Hand drüber. Er hatte Recht, es war wirklich nicht schlimm. Erleichtert fiel sie ihm wieder um den Hals. Nach einer Weile löste sich Vilkas aus ihrer Umarmung. „Ich sollte nun wirklich erst mal den Staub abwaschen, bevor ich mir saubere Kleidung überziehe. Hmmmm.“ Vilkas sah Akkirah an. „Ich glaube ihr dürft euch nun auch umziehen, mein Herz.“ Akki sah an sich runter und musste feststellen, das Vilkas Recht hatte. ihr Kleid war nun auch mit Staub überzogen. Vorsichtig stand sie auf und nahm sich ein sauberes Kleid aus dem Schrank, das sie dann überzog.

Anschließend ging sie mit Vilkas hoch in die Methalle. Es war ihr gar nicht aufgefallen, dass es schon fast Zeit für das Abendessen war. Sie hatte wohl etwas lange geschlafen. Sie begrüßte erst mal Aela und Varis, die sich zwischenzeitlich auch umgezogen hatten. Heute waren endlich mal seit langer Zeit wieder alle anwesend und die Halle sah gefüllt aus. Farkas nahm seinen Bruder zur Begrüßung erst mal in die Arme. Charlotta und Mila waren nicht anwesend. Farkas war nur kurz hochgekommen um Vilkas zu begrüßen und ein wenig mit den Gefährten zu plaudern. Dann würde er sich zu seiner Frau hinüber begeben und dort mit seiner Familie essen. Vilkas, Aela und Varis berichteten abwechselnd während des Essens, was sie erlebt hatten. Alle waren froh, dass es nun zu Ende mit der Bruderschaft war.

Es wurde beschlossen, das am nächsten Tag nach dem Frühstück eine Besprechung stattfinden sollte, mit Verteilung der Arbeiten sie anstanden. Danach löste sich die Runde auch bald auf. Varis konnte noch immer nicht sonderlich lange sitzen und die Kutschfahrt hatte nicht dazu beigetragen, dass es besser wurde. Auch Aela und Vilkas waren müde von ihrer Reise und wollten sich daher baldmöglichst zurückziehen. Farkas war wie geplant schon zeitig nach Hause gegangen.

Als Vilkas und Akkirah im Bett lagen betrachtete Vilkas seine Frau im Kerzenschein und streichelte ganz sanft über ihren Bauch. „Hey, da tritt aber jemand zu“, sagte er leise zu Akkirah. „Bereite es euch Schmerzen", fragt er sie besorgt? „Nein, mein Liebster, es kitzelt nur etwas.“ Sie sah ihn lächelnd an und legte ihre Hand auf die seine.

„Wie wollen wir sie nennen, Vil? Habt ihr euch darüber schon Gedanken gemacht?“ Er sah sie erstaunt an. „Nein, mein Herz, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Was denkt ihr denn? Habt ihr schon Vorschläge für die beiden?“ „Nein, auch noch nicht so richtig. Wir bräuchten vier Namen. Zwei für Mädchen und zwei für Jungen.“

„Der erste Junge soll nach unseren Brüdern heißen, mein Herz. Was haltet ihr von Farnir?“ „Das gefällt mir.“ Akkirah lächelte Vilkas an. „Und das erste Mädchen soll nach eure Mutter benannt werden, mein Liebster. Ich finde Niranja hört sich sehr schön an.“ Vilkas küsste sie. „Damit haben wir schon zwei Namen. Das zweite Mädchen soll nach eurer Mutter benannt werden. Anita ist auch ein sehr schöner Name. Und was haltet ihr von Thomar für den zweiten Jungen?“ „Ich habe keine Einwände dagegen. Mir gefallen die Namen.“ Sie sah Vilkas strahlend an. „Dann sollen sie es werden“, lächelte Vilkas. Sie lagen beiden noch lange aneinandergekuschelt wach, bevor sie einschliefen.

Am folgenden Morgen weckte Vilkas Akkirah mit einem Kuss. „Aufwachen meine kleine Schlafmütze.“ „Das müsst gerade ihr sagen, ihr Murmeltier“, grummelte Akkirah noch etwas verschlafen. „Wer ist denn sonst nicht aus den Federn zu bekommen?“ Vilkas grinste nur und zog ihr die Decke weg. „Das wollte ich immer schon mal machen.“ Akkirah griff sich Vilkas Kissen und warf es nach ihm. „Ihr seht noch viel schöner aus, wenn ihr ungehalten seid, mein Herz.“ Er warf das Kissen zurück aufs Bett und ging zu ihr rüber, setzte sich zu ihr und nahm sie in die Arme. „Seid mir bitte nicht böse, mein Herz.“ Akkirah schlang ihre Arme um ihn und legte ihren Kopf an seine Schulter. „Ich liebe euch, da kann ich euch doch nicht böse sein.“

Dann machten sich beide fertig und begaben sich hoch in die Methalle, wo die anderen schon alle zum Frühstück versammelt waren. „Musstet ihr Vilkas erst wieder einen Eimer Wasser über den Kopf kippen, damit er wach wird?“ fragte Farkas scherzhaft. Die anderen lachten, denn sie wussten das Vilkas gerne lange schlief. „Nein“, antwortete Akkirah lachend, “Heute war es umgekehrt und Vilkas durfte den Eimer auskippen.“ Akkirah und Vilkas setzen sich und begannen ihr Frühstück zu verzehren. Als sie fertig waren und Tilma und Lana abgeräumt hatten, holte Akkirah das große Auftragsbuch hervor, in dem sie die Arbeiten, die anstanden, schon eingetragen hatte.

„Die Liste ist recht lang und ich frage mich wie wir das abarbeiten können“, Akkirah seufzte. "Ich lese am besten einmal alle anstehenden Aufgaben vor und ihr sagt dann, wer was gerne mit wem machen würde.“ Die anderen nickten. Als sie fertig waren sagte Vilkas: „Da es wirklich recht viel ist, würde es mir unpassend erscheinen, hier zu bleiben. Zumal Varis auch noch ein paar Tage mit seinen geprellten Rippen sich ausruhen sollte. Daher würde ich gerne mit Farkas, wenn er nichts dagegen hat, die Zweiglinge, die bei der Kiefernwacht ihr Unwesen treiben erledigen. Damit wären wir auch nicht all zulange von unseren Frauen getrennt.“ Bis auf Akkirah, die nur traurig den Kopf senkte, waren alle einverstanden. Vilkas ergriff ihre Hand und drücke sie vorsichtig. Sie versuchte zu lächeln, was ihr aber schwer fiel und nickte dann und trug die Zwillinge bei dem Auftrag ein. Torvar und Ria würden gemeinsam einer Bande Banditen das Handwerk legen, die sich in der Nähe von Einsamkeit herumtrieben. So hatten die beiden dann auch gleich die Gelegenheit einen Abstecher zu ihren Eltern zu machen. Anschließend würden sie noch ein Familienerbstück, das gestohlen wurde und von dem es hieß, es würde Nahe Drachenbrügge versteckt sein, suchen und mitbringen.

Nerena würde mit einem der beiden neuen Brüder, Jahn, Richtung Markath ziehen. Bis kurz hinter Rorikstatt konnte sie gemeinsam mit Torvar und Ria gehen. Rick würde gemeinsam mit Athis sich auf dem Weg nach Dämmerstern machen und dort einen Entführten Bürger aus Windhelm versuchen zu befreien und ihn anschließend zurück nach Winterfeste bringen. Um Rifton herum war wieder einmal eine Plage bestehend aus Riesenfrostspinnen ausgebrochen, die sich zwischen dem Schönwetterhof und Shores Stein herum trieben. Das wäre eine passende Aufgabe für Aela, die sie sehr gut alleine bewältigen konnte. Anschließend sollte sie noch ein paar Tränke, die Elgrim angefertigt hatte abholen, da Danica die dringend brauchte. Acadia fehlten zur Zubereitung die Zutaten und es war einfacher die fertigen Tränke zu transportieren, als die einzelnen Pflanzen, um dann die Tränke daraus herzustellen.

Als alle mit Arbeit versorgt waren, machten sich Rick und Athis gleich auf, um ihre Sachen zu packen. Auch Aela würde schon heute losgehen. Torvar, Ria, Nerena und Jahn würden bis Rorikstatt mit der Kutsche fahren, die eh morgen früh in die Richtung fuhr. Vilkas und Farkas würden auch erst am nächsten Tag aufbrechen. Vilkas wollte Akkirah nicht sofort wieder alleine lassen. Aber es gab einen guten Grund, selbst in die Richtung zu gehen und das er Farkas dabei haben wollte. Vilkas hatte Akkirah nichts von der Belohnung, die sie für die Beseitigung der Dunklen Bruderschaft bekommen hatten erzählt, denn er wollte sie damit überraschen, wenn er das passende Stück Land gefunden hatte. Er hatte auch schon ein Stückchen im Auge, das Akkirah bestimmt gefallen würde. Dort konnten sie sich gemeinsam mit Farkas ein großes Haus am See hinsetzen. Daher wollte er seinen Bruder dabei haben, damit sie gemeinsam entscheiden konnte, wo der beste Platz wäre.

Den Rest des Vormittags verbrachten die meisten Gefährten damit im Hof etwas mit ihren Waffen zu üben. Vilkas gab wo er es für richtig hielt Tipps und übte zwischendurch gemeinsam mit Farkas mit seinem Zweihänder. Akkirah beobachtete das Treiben von der Terrasse aus, da sie selbst nicht mitmachen konnte. Glücklich schaute sie aber nicht drein. Sie war traurig, das Vilkas schon wieder fort ging. Aber er hatte ja auch Recht. Es gab viel zu tun und da konnte er nicht einfach zu Hause bleiben, nur weil sie es gerne so hätte. Er war nun mal ein Gefährte und es zählte auch zu seinen Aufgaben, mit raus zu gehen. Sie hatten es selbst vor langer Zeit so beschlossen. Jetzt wünschte sie sich aber die Zeit zurück, wo Kodlak noch lebte und Vilkas fast nur in Jorrvaskr war.

Sie beschloss, während die anderen am Üben waren, ihren morgendlichen Spaziergang nachzuholen und zu den Ställen hinunter zu gehen. Etwas Bewegung würde ihr sicherlich gut tun. So stand sie auf und ging langsam los. Streuner folgte ihr wie ein Schatten. Sie war gerade am Markt angekommen wo sie Charlotta zuwinkte, die mit einigen Kunden am verhandeln war, als plötzlich Vilkas von hinten angestürmt kam. „Warum seid ihr einfach alleine losgegangen, mein Herz? Ihr hättet doch Bescheid geben können.“ „Tut mir Leid, Vil. Ihr habt ja Recht, aber ich bin es halt die letzte Zeit gewohnt, einfach loszugehen, wenn mir danach ist und niemanden Bescheid zu geben. Und ich bin ja nicht alleine. Ich habe Streuner dabei.“ Sie fuhr dem Hund über den Kopf.

„Ich wollte euch keine Vorwürfe machen, mein Herz.“ Er nahm sie in die Arme. „Darf ich euch bei eurem Spaziergang begleiten?“
Sie sah ihn lächelnd an. „Natürlich dürft ihr das. Welch eine Frage.“
Er legte ihr den Arm die Taille und so gingen sie gemeinsam hinunter zu den Ställen. Während Akkirah Fiinja herausholte, nahm Vilkas den Schecken aus seiner Box. Er hatte Skulvar gesagt, sollte sich ein Käufer für das Tier finden, könne er ihn fort geben. Ihm und Akkirah genügte ein Pferd. Als sie fertig geputzt hatten, gingen sie hinunter zum Fluss, wo sie sich den Staub abwuschen. Danach setzten, beziehungsweise legten sie sich etwas in den Felsen in die Sonne. Akkirah schlief in Arm von Vilkas ein. Vilkas rührte sich kaum, obwohl er recht unbequem saß, denn er wollte Akkirah nicht einfach wecken. Sie wirkte irgendwie zerbrechlich in seinen Armen. Er spürte, dass sie ihre Ruhepause brauchte. Was hatten sie beide in den letzten Jahren nicht alles durchgemacht. Er fragte sich immer wieder, woher sie die Energie nahm, um das alles weg zu stecken. Und nun würde er sie wieder alleine lassen. War es Richtig was er tat? Sollte er doch lieber bei ihr bleiben? Er versprach ihr in Gedanken, dass wenn er zurück kam, er bis zur Geburt ihrer Kinder an ihrer Seite bleiben würde, möge da kommen was wolle.

Langsamen zogen Regenwolken auf. Vilkas beschloss, bevor es möglicherweise in strömen anfing zu regnen, das sie sich lieber auf den Weg nach Hause machen sollten. Sanft weckte er Akkirah und ging dann mit ihr zurück. Sie hatten Glück. Der Regen setzte erst ein, als sie die Methalle betreten hatten. Tilma und Lana waren schon dabei das Abendessen zu bereiten. Akkirah und Vilkas wollten sie dabei nicht stören, und Hilfe brauchten die beiden ja nicht, so beschlossen sie noch etwas nach unten zu gehen und gemeinsam etwas zu lesen.

Nach dem Essen gingen sie trotz des Regens zu Charlotta und Farkas hinüber. Es wurde ein gemütlicher Abend. Akkirah zeigte Charlotta den Stoff den am Tag zuvor gekauft hatte und gemeinsam überlegten sie was sich daraus am besten machen ließ. Vilkas staunte. Akkirah und Handarbeiten? Das passte irgendwie so gar nicht zu ihr. Sie hatte keine Probleme Rüstungen zu flicken, ihr Schwert zu schleifen oder auch mal ein Schild auszubeulen. Aber mit feiner Nadel und Faden stand sie eigentlich auf Kriegsfuß.

Es war schon spät, als sie zurück nach Jorrvaskr gingen. Der Regen hatte aufgehört und der große Mond war deutlich vor der Drachenfeste zu sehen. Sie bleiben einige Zeit stehen und genossen gemeinsam den Anblick bevor sie in die Methalle gingen und sich schlafen legten.

Am nächsten Morgen brachen die Zwillinge gleich nach dem Frühstück auf. Akkirah ging noch mit hinunter zu den Ställen, während sich Charlotta an ihrem Stand von Farkas verabschiedete. Als die Zwillinge los ritten, blieb Akkirah noch lange stehen und sah ihnen nach, bevor sie sich umdrehte und in die Stadt zurückkehrte. Am Stand von Charlotta machte sie halt um ein wenig mit ihr zu plaudern. „Lasst euren Kopf nicht hängen, Schwester. Es wird ihnen schon nichts passieren.“ „Ich weiß, aber ich hätte Vil trotzdem lieber bei mir als ihn da draußen zu wissen. Ich glaube ich werde mich nie daran gewöhnen, das er ohne mich losgeht.“ „ Wenn erst eure Kleinen da sind, habt ihr gar keine Zeit mehr, ihm nachzutrauern, wenn er fort ist. Die werden euch so auf Trab halten, da verfliegt die Zeit nur.“ „Ich hoffe ihr habt Recht. Aber nun sollte ich wieder nach oben gehen. Ich haben Tilma und Lana gesagt ich helfe beim Wäschewaschen. Und Vils Rüstung muss ich auch noch zu Eorlund bringen, damit er sie reparieren kann bis Vil zurück ist.“

Sie verabschiedete sich von ihrer Schwägerin und ging nach oben. Bei der Arbeit vergaß sie ihren Kummer. Allerdings merkte sie immer wieder, das selbst einfach arbeiten schon zu viel wurden und ihr Rücken zu schmerzen begann. Aber sie biss die Zähne zusammen und ließ sich nichts anmerken. Weil sonst würden die anderen sie bald nur noch ins Bett stecken und in Watte einpacken und das war das Letzte was sie wollte.

Als Vilkas und Farkas die Honigbrauerei hinter sich gelassen hatten, erzählte Vilkas seinem Bruder den Grund, warum er gemeinsam mit ihm Richtung Falkenring los wollte. Farkas staunte nicht schlecht als er hörte, das Vilkas sich etwas Land aussuchen durfte und ihm gefiel die Idee sehr, sich gemeinsam mit der Familie seines Bruders nieder zu lassen. Sie hielten nachdem sie Flusswald durchquert hatten, Ausschau nach einer schönen Stelle. „Schau, Bruder“, sagte Farkas plötzlich und ließ sein Pferd anhalten, „dort oben gleich hinter dem Dorf. Das Land gehört schon zu Falkenring, ist aber Nahe an Weislauf. Ein Dorf ist gleich um die Ecke, wo man Vorräte bekommen kann. Eine Mühle und Schmiede sind dort auch vorhanden. Wäre das nicht ein passende Ort?“ Vilkas nickte. „Ja ihr habt Recht, das wäre ein guter Ort. Aber lasst uns trotzdem noch etwas weiter schauen. Vielleicht finden wir noch eine schönere Stelle.“ So ritten sie weiter. Am Abend machten sie halt und schlugen ihr Lager unter einem großen Felsvorsprung etwas abseits der Hauptstraße auf. Sie wechselten sich mit dem Wache halten ab und ritten am Morgen, nachdem sie etwas von den Vorräten gegessen hatten, die sie mitgenommen hatten, weiter.

Am späten Nachmittag erreichten Vilkas und Farkas die Kiefernwacht. Die Hütte war schon seit langem verlassen. Ab und an nisteten sich dort mal Vagabunden ein, aber zur Zeit war sie wieder leer. Die Zwillinge banden die Pferde an Bäumen fest und sahen sich vorsichtig um. Irgendwo hier sollten sich die Zweiglinge herum treiben. Diese Wesen konnten so gut mit ihrer Umgebung verschmelzen das man sie schwer finden konnte, solange sie sich nicht rührten. Da sie aber sehr naturverbunden waren und nichts für diese Wesen schlimmer war, als das zerstören der Natur, war es leicht sie hervor zu locken. Die Zwillinge suchten sich eine Stelle die recht frei von Gebüsch und ähnlichem war. Dort fällte Vilkas dann ein kleines Bäumchen und es dauerte auch nicht lange und drei dieser Zweiglinge kamen aus dem Unterholz gestürmt. Vilkas hatte von Akkirah zwei Fläschchen mit einer leicht brennbaren Flüssigkeit bekommen. Er versuchte diese Fläschchen auf die Wesen zu werfen, was kein leichtes Unterfangen war. Eines der Fläschchen zerbrach auch und sein Inhalt übergoss das hölzerne Wesen.

Zuvor hatte Vilkas einen Stock entzündet, den er auch mit einer brennbaren Flüssigkeit eingestrichen hatte, diesen hatte er ans Ende seines Schwertes gebunden, das er so hingelegt hatte, dass er es gleich, nachdem er das Bäumchen umgehauen hatte aufheben könnte. Er erwischte den richtigen Zweigling mit seinem Schwert und das Wesen ging in Flammen auf. Die Schreie, die es von sich gab waren markerschütternd. So waren noch zwei der Wesen übrig. Farkas war schon mit seinem Zweihänder auf seinen Gegner losgegangen. Der andere hatte sich Vilkas zu gewandt. Durch den feurigen tot ihres Kameraden noch aufgebrachter und wilder, lieferten sie zwei verbliebenen Zweiglinge den Brüdern extrem schweren Widerstand. Mit ihren langen Armen, die an ihren Enden mit spitzen scharfen Dornen versehen und die erstaunlich beweglich waren, versuchten sie deren Gesichter zu erwischen. Immer wieder mussten die Zwillinge die Angriffe blocken. Aber irgendwann gelang Farkas es einem der Zweiglingen den ersten Schaden zuzufügen. Diese Wesen hatten die Fähigkeit sich gegenseitig zu heilen. Daher war es sehr schwer, ihnen bei zu kommen. Wie sie das machten konnte keiner sagen. Während nun Vilkas Gegner versuchte gleichzeitig Vilkas anzugreifen und seinem Kameraden zu helfen, schaffte auch Vilkas es, seinem Gegner einen der Arme abzuschlagen. Von da an war es fast ein Kinderspiel die beiden Zweiglinge endgültig zu töten. Als das erledigt war, begaben sich die Brüder zurück zu ihren Pferden. Sie beschlossen die Nacht hier zu verbringen und sich am nächsten Tag hinunter zum See zu begeben und dann auf den Rückweg zu machen.

Als sie am nächsten Morgen aufwachten, führten sie die Pferde hinter sich her. Als sie hinter der Hütte der Kiefernwacht hinunter zum See gingen verschlug es Vilkas die Sprache. Im Morgennebel sah es einfach traumhaft schön aus. Die riesigen Bäume, der See, die aufgehende Sonne. „Farkas, das hier ist wunderschön. Akkirah würde es hier gefallen.“ „Ja, ihr habt recht es ist wirklich sehr schön. Zwar etwas abseits, aber trotzdem wunderschön.“ „Dann wollen wir hier unsere zukünftige Heimat errichten.“ Farkas nickte nur zur Antwort.

Vilkas nahm einen Bogen Papier und begann darauf eine Skizze mit Notizen zu machen. Diese würde er dem Voigt von Falkenring zukommen lassen. Dann hoffte er, würde nichts dagegen sprechen dieses Stückchen Land zu bekommen. Als Vilkas fertig war machten sie sich auf den Rückweg. Sie wollten ihren Frauen auch weiterhin noch nichts sagen, bis sie mit dem Bau anfangen konnten. Zwei Tage später kamen sie fröhlich in Weißlauf an.

Akkirah war glücklich Vilkas wieder in ihre Arme schließen zu können und er teilte ihr mit, er würde nun bis zur Geburt ihrer Kinder bei ihr bleiben und nicht mehr fortgehen. Darüber war sie sehr glücklich. Und so vergingen die nächsten knappen zwei Monate fast wie im Flug. Akkirahs Beschwerden wurden zwar stärker und sie bekam zwischendurch schon mal Senkwehen, aber sie ließ es sich so gut es ging, nicht anmerken.