076 Zwei neue Leben
076 Zwei neue Leben PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:30 Uhr



Mitten in der Nacht wachte Akkirah auf und schrie schmerzerfüllt. Vilkas war sofort hellwach. „Mein Herz, was ist mit euch?“ fragte er erschrocken. „Es geht los, holt Danica.“ Vilkas war sofort auf den Beinen. Durch den lauten Schrei Akkirahs waren auch die meisten der Gefährten, die anwesend waren wach geworden. Aela war die erste, die im Gang stand, als Vilkas hinauslief. „Bitte holt Danica, Schwester. Es scheint loszugehen.“ Ohne weitere Worte stürmte Aela los und lief hinüber zum Tempel, um die Heilerin zu holen. Vilkas kehrte zu Akkirah zurück, die vollkommen blass und mit schmerzverzerrtem Gesicht dalag. Er setzte sich zu ihr und ergriff ihre Hand und strich ihr mit seiner anderen durchs Haar. „Ganz ruhig mein Herz, Danica wird gleich da sein. Ich bin ja bei euch.“

‚Es ist zu früh’, durchfuhr es Akkirah. ‚die Kinder sind noch nicht in der richtigen Lage’ dachte sie verzweifelt. Und wieder durchfuhr sie eine Welle des Schmerzes. ‚Bei Talos, bitte noch nicht.’ Sie versuchte die Schmerzen zu Unterdrücken aber es gelang ihr nicht. Schmerzverzerrt stöhnte sie auf. „Vil“, flüsterte sie, „haltet mich fest.“ „Ich bin bei euch mein Herz, ich werde euch nicht verlassen. Bleibt ganz ruhig. Danica ist auf dem Weg.“

In der Zwischenzeit war ganz Jorrvaskr wach. Ria lief los, um Charlotta und Farkas Bescheid zu geben. Aela war auf Wunsch von Danica noch schnell zu Acadia weiter gegangen, um auch ihr Bescheid zu geben. Das war kein gutes Omen, dachte Aela, sagte aber nichts. Danica suchte ihre notwendigen Utensilien zusammen und machte sich dann auf den Weg nach Jorrvaskr. Als sie in der Methalle ankam bat sie Tilma und Lana heißes Wasser und frische Tücher bereit zu halten. Es würde sicherlich noch etwas dauern bis es richtig losging, aber sie wollte, wenn es soweit war, alles zu Verfügung stehen haben. Tilma nickte nur. Als Danica das Zimmer von Vilkas und Akkirah betrat, lag Akkirah schweißgebadet auf dem Bett und versuchte die Schmerzensschrei, die ihr über die Lippen kommen wollten zu unterdrücken. Vilkas saß neben ihr und hielt sie bei der Hand und versuchte beruhigend auf sie einzureden. Man sah ihm an, dass ihm die Situation gar nicht gefiel und er Angst um seine Frau hatte. So hatte er sie noch nie erlebt.

Danica ging zum Bett und zog die Decke zur Seite. Sie hoffte, dass es ein Fehlalarm war. Aber dem war nicht so, das Bett war unter Akkirah durchnässt. Also hatte es wirklich begonnen. Sie schob Vilkas etwas zur Seite, um sich neben Akkirah setzten zu können. Vorsichtig tastete sie den Bauch ab. Die Lage der Kinder war nicht so, wie sie sein sollte. Eines blockierte den Ausgang. So würden sie nicht kommen können. So etwas hatte Danica schon mehrfach miterlebt. Dabei handelte es sich aber meist um einfache Geburten und keine Zwillinge. Als Acadia den Raum betrat, bat Danica, ihr einen Tee aus bestimmten Kräutern zu bereiten, der dafür sorgen sollte, das sich Akkirah entspannte und die Wehen gemildert wurden. Sie wollte dann versuchen durch Massage die Kinder in die richtige Lage zu bringen. Wenn das nicht helfen würde, mussten sie es anders versuchen. Aber eines nach dem anderen. Acadia verschwand sofort, um die notwendigen Kräuter zu holen und den Tee zu zubereiten. Es dauerte fast eine halbe Stunde bis Acadia zurück kann. Vilkas nahm ihr den Becher ab und versuchte den Inhalt Akkirah einzuflößen, was nur sehr langsam gelang.

Akkirah wurde etwas ruhiger, aber die Wehen kamen trotzdem in regelmäßigen Abständen, wenn auch nicht mehr so kräftig wie vorher. Danica versuchte durch gezielte Bewegungen die Kinder zu animieren sich weiter zu drehen. Nach vier Stunden gab sie auf. So war nichts zu machen. Vilkas wurde immer unruhiger. Akkirah so leiden zu sehen, war für ihn unerträglich. Danica stand auf und ging zu Acadia und sagte ihr leise, das sie noch einmal eine Tee wie zuvor brauchen würde. Und ein Mittel, das man Vilkas geben könne, damit er ruhig gestellt werden könne, denn sie ahnte, das er nicht ohne weiteres akzeptieren würde, das er gleich des Zimmers verwiesen werden musste. Acadia sollte Farkas Bescheid geben, damit er sich um seinem Bruder kümmerte. Der kräftige Varis sollte ihn dabei unterstützen. Des Weiteren sollten Aela und Ria reinkommen, denn sie brauchte jemanden der Akkirah festhielt. Und Männer waren dafür in dieser Situation nicht geeignet, wie sie schon mehrfach festgestellt hatte. Es dauerte etwas bis die Vorbereitungen abgeschlossen waren, dann gab Danica Farkas, der in der Tür zum Vorzimmer warte ein Zeichen, Vilkas aus dem Raum zu entfernen. Wie zu erwarten war sträubte sich Vilkas mit Händen und Füßen dagegen. Er wollte seine Frau nicht verlassen. Es befürchtete das schlimmste. Gemeinsam mit Varis gelang es Farkas dann aber Vilkas aus dem Zimmer zu bringen. Vollkommen kraftlos sank er schließlich auf einen Stuhl nieder und begann zu weinen. Farkas und Charlotta versuchten Vilkas zu beruhigen, was ihnen aber nicht gelang.

Zwischenzeitlich versuchte Danica auf andere Art an die Kinder ranzukommen, um sie zu doch noch in die Richtige Position zu bekommen. Aela und Ria hielten Akkirah so gut es ging fest, denn es war doch eine sehr schmerzhafte Prozedur. Nach einer weiteren Stunde schüttelte Danica wieder den Kopf. „Keine Chance.“ „Was jetzt?“, fragte Aela. „Irgendwas muss man doch tun können?“ Sie war recht bleich, weil selbst für die gestandene Jägerin, war dass hart an der Grenze des erträglichen. Ria hatte schon als junges Mädchen mehrfach Geburten in ihrem Dorf mitbekommen, die auch nicht immer leicht waren, daher war es für sie nicht ganz so schlimm. „Wir können abwarten und hoffen, dass sich die Kinder noch von selbst drehen. Dazu müssten wird dafür sorgen, das Akkirah aufsteht und sich bewegt. Ich befürchte aber dafür ist sie zu schwach. Es würde noch Stunden dauern, bis sich da was tut. Und sicher ist es auch nicht das es klappt. Ich befürchte leider das Schlimmste.“ „Versuchen wir es“, sagte Aela. „Ria und ich werden sie stützen.“ Danica nickte. Die beiden Frauen halfen Akkirah auf die Beine und führten sie im Zimmer hin und her. Nachdem weitere Stunden vergangen waren und sich nichts getan hatte war Danica auch langsam Ende mit ihrem Latein. Akkirah war in der Zwischenzeit immer schwächer geworden und lag schwer atmend im Bett

„Danica“, was ist mit aufschneiden?“ fragte Acadia plötzlich. „Ich habe schon mehrfach gehört, dass es getan wurde.“ „Die Erfolge waren aber fast immer mäßig.“ Antwortet Danica, die auch erschöpft war. „Ich war viermal dabei als man es durchgeführt hat. Aber immer nur als Assistentin. Zwei Frauen starben mit ihren Kindern. Einmal überlebte die Frau und das Kind starb und vierten Fall überlebte das Kind, aber die Mutter konnte nicht gerettet werden.“

„Aber wenn wir nichts machen, sterben auch alle drei.“ Danica seufzte. „Ihr habt Recht. Eine kleine Chance ist da, besser als so darauf zu warten das sie sterben.“ Sie drehte sich zu Ria um. „Lauft zum Tempel und holt Ahlam. Sie wird mir assistieren und sie soll die Tasche aus der Kommode mitbringen. Tilma soll die Tücher und kochendes Wasser bereithalten.“ Ria nickte.

Als sie den Raum verließ sprang Vilkas sofort auf. „Was ist mit Akki, wie geht es ihr? Ich will zu ihr.“ „Ihr geht es den Umständen entsprechend, aber ihr dürft noch nicht zu ihr. Bitte habt Geduld“, versuchte Ria ihn zu beruhigen. Dann machte sie sich auf den Weg zum Tempel. Farkas und Varis drückten ihn wieder auf seinen Stuhl. Vilkas wehrte sich wie ein Wilder. „Ich will zu ihr, lasst mich los.“ Aber die beiden waren stärker.

Nach einer Weile kam Ria mit Ahlam zurück. Tilma begleitete die beiden mit einem großen Stapel sauberer Tücher, während Ria einen Kessel Wasser mit schleppte. Lana sollte oben bleiben und dafür sorgen das weiterhin heißes Wasser zur Verfügung stand. Man spürte die Anspannung, die in ganz Jorrvaskr herrschte. Charlotta versuchte Vilkas noch etwas von dem beruhigenden Tee zu geben. Aber er schlug ihn ihr aus der Hand. Verzweifelt sah sie Farkas an. Dieser nickte ihr nur beruhigend zu. Sie würden es auch so schaffen.

Nachdem die Vorbereitungen bei Akkirah abgeschlossen waren, betete Danica noch zu Kynareth. Dann nahm sie ein scharfes Messer, das sie zuvor im heißen Wasser noch mal gereinigt hatte und begann Akkirah Schicht für Schicht aufzuschneiden. Aela und Ria hielten Akkirah so fest es ging. Man hatte ihr zuvor noch etwas von dem Betäubungstrank gegeben, Aber trotzdem bekam Akkirah mit was geschah und schrie immer wieder vor Schmerzen auf, was Vilkas der vor der nebenan auf seinem Stuhl festgehalten wurde, fast in den Wahnsinn trieb.

Eine halbe Stunde später hörte man den Schrei eines Säugling und kurz darauf den eines zweiten. Bis auf Vilkas waren die anderen außerhalb von Akkirahs Zimmer erleichtert. Akkirah selbst war durch den hohen Blutverlust, den sie erlitten hatte in Bewusstlosigkeit versunken. So brauchte nur noch Aela sie halten während Danica und Ahlam vorsichtig die riesige Wunde, die sie geschnitten hatte, um die Kinder heraus zu holen, sauber vernähten. Ria wusch vorsichtig die Kinder, denen es seht gut ging und die vollkommen gesund waren, wie es schien. Dann wickelte sie die beiden in saubere Tücher. Es waren ein Junge und ein Mädchen. Als Tilma Ria die Tür öffnete, damit diese die Kinder Vilkas bringen konnte, erwachte Akkirah kurz aus ihrer Bewusstlosigkeit. Als sich die Tür zum Zimmer öffnete gelang es Vilkas sich loszureißen. Durch die Tür konnte er in das Zimmer sehen und der Anblick der leichenblassen Akkirah und der des ganzen Blutes, das man auf den Laken sehen konnte ließ ihn schreckliches ahnen. Er konnte nicht mehr klar denken. Als sich Ria ihm in den Weg stellte, um ihm die beiden Kinder zu geben stieß er sie einfach nur zur Seite. „Geht mir mit ihnen aus den Weg, Ich wünschte, sie würden nicht existieren und wären tot“, sagte er in vollkommener Verzweiflung, weil er glaubte Akkirah wäre nicht mehr am Leben. „Sie sind Schuld das Akkirah nicht mehr ist.“

Torvar gelang es gerade noch Ria aufzufangen bevor sie stürzte. Vilkas Worte waren das letzte was Akkirah mitbekam bevor sie entsetzte darüber wieder in Bewusstlosigkeit versank.

Danica hatte sich in die Tür gestellt und versperrte den Eingang. Zwischenzeitlich waren auch Farkas und Varis wieder zur Stelle. „Beruhigt euch wieder Vilkas, sie lebt“, sagte Danica. "Lasst uns nur noch einen Moment, um unsere Arbeit zu vollenden. Dann dürft ihr zu ihr.“ Damit drehte sie sich um und schloss die Tür. Die fünf Frauen reinigten alles so gut es ging und dann verließen sie das Zimmer. Vilkas durfte nun endlich zu Akkirah. Er sank neben ihrem Bett auf die Knie und begann zu weinen wie ein kleines Kind vor Erleichterung, weil sie noch lebte.

Danica gab Charlotta, die nun die Kinder im Arm hielt ein paar Anweisungen, damit diese später dafür sorgen konnte, dass die Kinder an die Milch ihrer Mutter kamen. Charlotta nickte und dann verließ Danica auch am Ende ihrer Kräfte gemeinsam mit Acadia und Ahlam Jorrvaskr.