078 Was ist mit Akkirah los?
078 Was ist mit Akkirah los? PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:31 Uhr

Akkirah begann langsam Schmerzen zu spüren. Ihr Unterleib brannte wie Feuer. Wo war sie, was war passiert? Sie wollte mit ihrer linken Hand zu ihrem Bauch gehen, aber sie konnte sich nicht bewegen. Ihre Kinder, fuhr es ihr durch den Kopf, sie wollten zu früh kommen. Langsam kam ihr die Erinnerung zurück. Und das was sie zuletzt gesehen und gehört hatte, bevor sie von der Dunkelheit, die ihr vorübergehend die Schmerzen nahm, umgeben wurde, entsetzte sie noch immer.

Vilkas wünschte sich, die Kinder wären tot. Er hatte Ria gestoßen, die die Kinder auf dem Arm trug. Wie konnte er das nur tun? Es waren doch auch seine Kinder. Sie hatten sich doch gemeinsam so auf die beiden gefreut. Was war nun mit ihnen? Ging es ihnen gut? Akkirah versuchte die Augen zu öffnen, aber es wollte ihr nicht gelingen. Sie war noch zu schwach. Wie lange war es nun her, dass man die Kinder aus ihr herausgeschnitten hatte? Sie erinnerte sich noch daran, wie Danica mit dem Messer zuschnitt, während Aela und Ria sie fest hielten. Dann versank sie das erste Mal in Bewusstlosigkeit. Nur um dann kurz aufzuwachen, als Vilkas den Kindern etwas antun wollte.

Tränen stiegen ihr in die Augen, aber sie konnte nicht weinen. Ihre Kinder, wie ging es ihnen? Waren sie gesund? Wer kümmerte sich um sie? Sie hörte ein leises Weinen. Farnir mochte es nicht sonderlich wenn er mit einem nassen Waschlappen gereinigt wurde. Lana versuchte ihn zu beruhigen und summte etwas vor sich hin.

Sie leben, zu Mindestens eines der beiden. Akkirahs Herz begann schneller zu schlagen. Wieder versuchte sie die Augen zu öffnen. Nun spürte sie auch, dass ihre andere Hand festgehalten wurde und ihr jemand übers Gesicht strich.

‚Verschwindet’, wollte Akkirah schreien, ‚Ich will nicht das ihr hier seid. Ich will euch nie wieder sehen. Ihr wolltet die Kinder tot sehen’. Sie wusste, dass es Vilkas war, der neben ihr saß. Sie versuchte ihm ihre Hand zu entziehen, aber es gelang ihr nicht. Dann schaffte sie es aber endlich ihre Augen zu öffnen. Flüchtig sah, sie wie die Augen von Vilkas zu leuchten anfingen. Sie wandte ihren Blick von ihm ab. Sie wollte ihn nicht sehen. Wo waren ihre Kinder? Sie wollte sie sehen.

„Akki, mein Herz“, hörte sie Vilkas leise flüstern. „Ihr seid wieder bei uns. Ich bin ja so glücklich.“ Er wandte sich an Lana: „Lana, Akki ist erwacht.“ Am liebsten wäre er vor Freude durch das Zimmer gesprungen. Vorsichtig beugte er sich aber nur über sie und wollte ihr einen Kuss auf den Mund geben. Aber sie drehte den Kopf zur Seite. ‚Natürlich’, dachte Vilkas, ‚sie wollte erst mal ihre Kinder sehen.’ Lana kam mit den beiden frisch gewickelten Kindern zum Bett. „Sie sind wunderschön, Akki“, sagte sie, als sie ihr die Kleinen zeigte. Akkirah lächelte. Sie versuchte wieder ihre Hand zu bewegen und diesmal gelang es ihr auch. Vorsichtig berührte sie nacheinander die Gesichter der Kinder. Danach reichte ihre Kraft erst mal nicht mehr und sie schlief ein.

Als Danica am späten Nachmittag kam, nickte sie sehr zufrieden. „Wenn Akkirah aufwacht darf sie langsam ein wenig Brühe zu sich nehmen. Achtet aber drauf das sie sich weiterhin die nächsten Tage so gut wie nicht bewegt und versucht sich aufzurichten. Noch ist die Wunde nicht soweit verheilt, um solche Bewegungen abzukönnen ohne wieder aufzureißen.“ Vilkas versprach ihr, er würde gut aufpassen. Danica lächelte und ging dann zurück zum Tempel. Kurz nach Danicas Besuch erwachte Akkirah wieder. Farkas und Charlotta waren anwesend. Mila und Frogar waren kurz zuvor von Loreius zurückgekehrt mit frischer Ziegenmilch. Sie wurden aber nach einem kurzen Besuch wieder raus gescheucht. Vilkas saß an Akkirahs Seite und hielt wie schon zuvor ihre Hand fest in der seinen. Die Kinder lagen neben Akkirah. Akkirah drehte ihren Kopf zu den beiden und sah sie einfach glücklich an. „Meine beiden Engelchen“, flüsterte sie ganz leise. Sie versuchte ihre Hand, die Vilkas festhielt, frei zu bekommen. Als sie es geschafft hatte wollte sie sich zu den beiden Kleinen umdrehen. Aber Vilkas hielt sie fest. „Lasst mich“, fuhr sie Vilkas an, als er sie sanft zurück hielt. „Nein, mein Herz“, sagte er leise während er sie festhielt. „Ihr dürft euch noch nicht so sehr bewegen. Sonst reißt eure Wunde wieder auf.“ Widerwillig fügte sie sich dem. Es tat so schon genug weh. So sah sie einfach nur ihre beiden Kinder an. „Sie heißen, wie wir es abgesprochen hatten, Niranja und Farnir.“

Dann wandte er sich an Farkas. „Würdet ihr bitte nach oben gehen und etwas von der Brühe hole, die Tilma fertig gemacht hat.“ Farkas legte seinem Bruder kurz die Hand auf die Schulter, „Bin gleich zurück.“ Charlotta sah ihm lächelnd nach. „Ach Akki“ sagte sie dann, „Ich bin so froh, das ihr endlich erwacht seid.“ Akkirah wandte ihren Blick kurz zu ihrer Schwägerin und lächelte. Dann ging ihr Blick zurück zu den Kindern. Ein paar Minuten später kam Farkas mit einer Schale Brühe und reichte sie seinem Bruder. Vilkas wollte Akkirah etwas von der Brühe geben aber sie wollte nichts nehmen. “Ihr müsst anfangen etwas zu essen, damit ihr schnell gesund werdet. Bitte mein, Herz“, Vilkas war ein wenig irritiert, von Akkirahs Verhalten. Er hatte das Gefühl, das sie nicht wollte, dass er sich um sie kümmerte. Aber wahrscheinlich war das nur Einbildung. Sie war halt noch schwach und erschöpft und Mutter geworden und hatte dann die ersten Lebenstage ihrer Kinder nicht miterleben können. Das würde sicherlich die nächsten Tage anders werden. Während Vilkas Akkirah die Suppe gab, hatte Charlotta angefangen die beiden Kinder zu füttern, die nun auch wach geworden waren und wieder Hunger hatten. Sie hatte mit Farnir angefangen und Farkas hielt solange Niranja, weil wenn nur eines der beiden liegengelassen wurde, dann wurde das Geschrei richtig groß.

Nachdem Akkirah ihre Brühe gegessen hatte, fühlte sie sich schon viel kräftiger. „Warum füttert ihr sie so?“, fragte sie leise. „Sollte ich ihnen nicht ihre Nahrung geben?“ „Eure Milch reicht nicht für die beiden, mein Herz, daher bekommen sie jede zweite Mahlzeit aus der Flasche.“ Sanft strich er ihr übers Haar. Sie schüttelte etwas den Kopf, als würde sie ein Insekt vertreiben wollen. Vilkas nahm seine Hand fort. Als die beiden Kleinen auch zufrieden waren, legte Charlotta sie wieder neben Akkirah. „ Es wird Zeit das wir gehen. Ich muss noch für Mila etwas zu Essen machen.“ Sie stand auf und nahm Farkas bei der Hand. „Morgen wird es euch schon viel besser gehen, da können wir uns dann hoffentlich etwas unterhalten.“ Sie nickte Vilkas und Akkirah zu dann gingen beide.

‚Bitte geht nicht’, wollte Akkirah ihnen hinter her rufen, aber sie brachte die Worte nicht hinaus. Sie wollte nicht alleine mit Vilkas sein, den Mann der ihre Kinder nicht haben wollte. Immer wieder sah sie das Bild im Geiste vor sich wie er sagte, das er wünschte die Kinder wären tot und dann wie er Ria zur Seite stieß. Wie sollte sie mit so einem Mann alleine bleiben wollen?
„Ihr solltet euch nun wieder etwas ausruhen und etwas schlafen, mein Herz. Ich werde es auch versuchen.“ Er wollte ihr einen Kuss geben, aber wieder drehte sie den Kopf weg. Vilkas war traurig über diese Reaktion und wusste nicht was er davon halten sollte. Einerseits war er über alles Glücklich, das Akkirah aufgewacht war, aber gleichzeitig traurig, weil sie ihn abwies. Warum tat sie das nur? Er konnte es nicht verstehen. Er tat doch alles für sie und die Kinder was in seiner Macht stand.

Mit hängendem Kopf ging er zu seinem Lager und legte sich etwas hin. Aber er konnte nicht richtig einschlafen und wälzte sich unruhig hin und her. Irgendwann döste er aber doch ein wenig ein. Wach wurde er als die beiden Kleinen wieder Hunger bekamen. Akkirah war auch wach geworden und sprach beruhigend auf die beiden ein. Es fiel ihr sichtlich schwer sich nicht zu ihnen drehen zu dürfen und sie in die Arme zu nehmen. Als Vilkas aufstand und die beiden nahm, sah er dass sie ihn besorgt anschaute. Dieser Blick machte ihn nervös. Das kannte er so nicht. Er fühlte sich total unsicher und als er die Kinder in den Arm nahm, spürten auch diese seine Unsicherheit und fingen erst recht an zu schreien. Es gelang ihm kaum sie ruhig zu bekommen. Selbst als er sie an Akkirahs Brust setzte, waren sie nicht recht bei der Sache und weinten mehr als das sie was Tranken. Farnir verschluckte sich dabei und fing noch mehr an zu weinen worauf seine Schwester gleich wieder mit einfiel. Durch das Gebrüll der Kleiner geweckt, kam Lana verschlafen angerannt.

„Was ist los?“ fragte sie angstvoll, „So einen Lärm machen sie doch sonst nicht.“ „Ich weiß es nicht“, Vilkas schüttelte den Kopf. „Ich weiß es wirklich nicht.“ Lana gelang es, die beiden wieder zu beruhigen und neben Akkirah zu legen, die auch vollkommen aufgelöst war. Es bestätigte ihr jedenfalls, dass es besser war, Vilkas von den Kindern fern zu halten. Unruhig schlief sie wieder ein. Nachdem Lana wieder gegangen war legte sich Vilkas auch wieder hin. Er verstand es nicht. Bisher konnte er die Kinder fast immer ruhig bekommen, außer sie hatten ihre Windeln voll. Was war nur jetzt mit einmal los? Wollten sich jetzt plötzlich alle gegen ihn verschwören? Hatte er die Götter irgendwie erzürnt? Er war dankbar, das sie ihm Akki wieder zurück gebracht hatten, aber warum mussten sie sie so abweisend machen? Was hatte er falsch gemacht? Er konnte die restliche Nacht nicht mehr schlafen. Er stand am folgenden Morgen wie meist vor der Dämmerung auf, um die Ziegenmilch zu holen. Vorsichtig erwärmte er sie etwas und füllte sie in eine Flasche und stülpte die Darmkonstruktion darüber. Dann ging er wieder hinunter. Akkirah und die Zwillinge schliefen noch. Vilkas setzte sich wie gewohnt auf seinen Stuhl neben dem Bett und beobachtete die drei. Wie friedlich sie aussahen, wenn sie so ruhig schliefen. Er sehnte sich danach sich zu ihnen legen zu können. Er versuchte zu vergessen, das Akkirah sich abweisend ihm gegenüber verhielt. Nach einer Weile merkte er das die Kinder wach wurden. Vorsichtig nahm er sie beide wie er es gewohnt war hoch und legte sie sich ihm auf den Schoß und wollte dann beginnen, erst Farnir zu füttern. Er merkte nicht wie Akkirah wach wurde, weil er so mit dem Jungen beschäftigt war, während Niranja wieder eingeschlafen war.

„Was macht ihr da?“, fuhr Akkirah Vilkas an. Vollkommen aus den Gedanken gerissen, schrak Vilkas zusammen was dazu führte, dass nun Niranja wach wurde und sofort erst mal zu Weinen anfing. Er kam nicht dazu etwas zu sagen, weil Akkirah schon laut nach Lana rief. Vilkas seufzte und schüttelte den Kopf, was sollte er nur machen? Er versuchte erst mal die kleinen wieder ruhig zu bekommen, was aber nicht gerade einfach war. Lana kam wenig später angelaufen und nahm Vilkas Farnir und ab und gab ihm noch mal das Fläschchen. Als Farnir fertig war wollte Vilkas Niranja nun füttern, aber sie spürte wieder seine Unruhe und wollte nicht so recht. Schließlich bat Vilkas Lana, das zu machen. Sie tauschten vorsichtig die Kinder. Als beide fertig waren legten sie sie wieder zu Akkirah aufs Bett. Diese strich vorsichtig über ihre Köpfe.

Vilkas wollte gerade fragen, ob er für Akkirah etwas Brühe holen sollte, aber sie kam ihm zuvor und bat Lana darum ihr etwas zu Essen und trinken zu bringen. Diese sah Vilkas verwirrt an. Normalerweise kümmerte sich doch Vilkas immer um sie. So war das immer gewesen. Vilkas senkte betrübt den Kopf und nickte Lana zu, um Akkirahs Wunsch nach zu kommen. Diese verschwand dann schnell. Vilkas setzte sich zu Akkirah ans Bett und ergriff wie er es gewohnt war ihre Hand. Sie entzog sich ihm aber sofort.
„Was ist los mit euch, mein Herz?“, fragte er sie schließlich. „Warum seid ihr so abweisend?“ Akkirah antwortete nicht. Vilkas wartete etwas und wollte gerade noch mal etwas fragen, als schon Lana mit der Brühe zurückkam. Sie wollte Vilkas die Schüssel reichen. Aber dieser stand auf und bat Lana, sie Akkirah zu geben. Er selbst setzte sich auf einen der Stühle neben der Tür und beobachtete wie Akkirah ihre Brühe zu sich nahm. Als sie fertig war wollte sich Vilkas wieder zu ihr setzten aber Akkirah bat ihn nur in einem recht schroffen Ton, sie alleine zulassen, denn sie wollte etwas schlafen und wollte nicht das jemand sie dabei die ganze Zeit beobachtete. Vilkas verließ darauf hin das Zimmer. Als er vor der Tür stand holte er erst mal tief Luft. Er war wütend, warum behandelte Akki ihn so? Er hatte doch alles getan damit es ihr und den Kindern gut ging und er liebte sie doch mehr als alles andere auf der Welt, konnte sie das nicht mehr spüren? Vilkas war froh, das zurzeit keiner außer seinem Bruder, Tilma, Lana, Vignar und Brill in Jorrvaskr anwesend waren.

Oben in der Methalle war Tilma damit beschäftigt für die paar Leute das Frühstück vorzubereiten. „Vilkas, mein Junge, was ist mit euch, ihr seht fürchterlich aus? Warum seid ihr nicht bei Akki?“
„Sie wollte alleine sein und ich brauche etwas frische Luft.“ Ohne weitere Worte zu verlieren ging er hinaus auf den Übungsplatz. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, dass er das letzte Mal hier etwas trainiert hatte. Er nahm eines der Übungsschwerter aus dem Ständer und ging hinunter zu den Holzfiguren. Dann ließ er seine ganze Wut und Trauer an ihnen ab. Nach zwanzig Minuten war er vollkommen fertig und das Wasser lief ihm nur so den Körper runter. Dann setzte er sich zwischen den Übungspuppen und legte seinen Kopf auf die Knie und begann zu weinen. Er bemerkte nicht wie Farkas den Platz betrat und sich neben ihn setzte und seinen Arm um ihn legte.

„Was ist los, Bruder?“ fragte er besorgt. „Solltet ihr nicht glücklich unten bei Akki sitzen und euch gemeinsam darüber freuen, dass ihr vier nun zusammen sein könnt?“
„Nichts wünschte ich mir mehr als das“, schluchzte Vilkas. „Aber Akkirah will mich nicht bei sich haben. Ich verstehe nicht warum. Aber sie ist so etwas von abweisend und die Kinder scheinen es zu spüren und fangen in meinen Armen an zu weinen.“
„Gebt ihr etwas Zeit. Es war alles recht viel die letzten Wochen und Monate. Dazu die nicht so wie gewünscht verlaufene Geburt. Da kann es sicherlich passieren, dass jemand mal ein wenig genervt erscheint. Denkt doch dran wie ihr drauf wart, nachdem ihr monatelang nicht laufen durftet. Da habt ihr am Schluss auch jeden nur noch ungehalten behandelt. Also bleibt ruhig und kümmert euch wie immer um sie und die Kinder und in ein paar Tagen sieht die Welt bestimmt wieder ganz anders aus.“
Langsam beruhigte Vilkas sich wieder. „Ihr habt Recht. Wir werden es schon wieder hinbekommen. Bisher haben wir alles gemeinsam geschafft.“
„So mag ich euch. Und nun kommt. Ich denke ein Bad im kühlen Fluss könnte euch nicht schaden, bevor wir uns wieder hineinbegeben. Und so hat Akki auch ein wenig Zeit für sich alleine mit den Kindern.“

Vilkas nickte und folgte seinem Bruder die Stadt hinunter zum Fluss. Als sie gut eine Stunde später zurückkamen fragte Vilkas ob Akkirah schon wieder was gegessen hätte. Lana schüttelte den Kopf, sie wollte ihr gleich eine frische Brühe hin unterbringen. Vilkas wartet bis diese fertig war und nahm ihr dann die Schale ab und ging selbst damit hinunter. Akkirah hatte die schlafenden Kinder im linken Arm als er das Zimmer betrat. Als er eintrat verfinsterte sich ihr Blick. Er versuchte es zu ignorieren aber in seinem innersten traf ihn das sehr.
„Hier, mein Herz“, sagte er sanft zu ihr, „eure Brühe.“
„Ich will sie nicht.“
„Bitte, ihr braucht sie, damit ihr schnell wieder Gesund werdet.“
Widerwillige ließ sich Akkirah von Vilkas füttern. Sie sah ihn dabei aber nicht an. Als sie aufgegessen hatten machten sich die Kleinen wieder bemerkbar. Auch sie hatten wieder mal Hunger.
„Von wem sie das wohl haben“, fragte Vilkas, erhielt aber keine Antwort. Er wollte Niranja hochheben, und sie Akkirah an die Brust setzen, aber Akkirah hielt ihn zurück. „Holt Lana, ich will nicht, dass sie schon wieder anfangen zu weinen, weil ihr sie falsch anfasst.“
Vilkas wollte etwas erwidern, aber er beschloss ihr ihren Willen zu lassen. „In Ordnung, mein Herz, ich gehen nach oben und bitte Lana sich darum zu kümmern. Danach kann sie dann auch gleich die Windeln wechseln.“
Bevor er ging strich er erst Akkirah, die aber sofort wieder den Kopf zu Seite wandte, über die Wange und dann den Kindern. Oben angekommen, bat er Lana sich um die Kinder zu Kümmern. „Akki bittet darum.“

Lana war gerade hinuntergegangen, da betrat Danica die Methalle. Sie war heute etwas später dran, da es im Tempel viel zu tun gab. „Ist alles in Ordnung, mit euch Vilkas? Erstens seht ihr extrem blass und übermüdet aus und zweitens seid ihr nicht bei Eurer Frau.“
„Lana ist bei ihr unten und kümmert sich darum das die Zwilline etwas zu trinken bekommen und gewickelt werden. Daher habe ich mich nach oben begeben.“
„Da ist doch noch was anderes. Ihr würdet die drei doch nie freiwillig alleine lassen.“
„Akkirah möchte etwas Ruhe haben.“
„Ruhe, ihr habt sie doch nie gestört.“
„Nun, zurzeit tue ich es wohl.“ Vilkas schaute traurig drein.
„Das gibt sich wieder. Manchmal kommt es vor, gerade nach so schweren Geburten, das eine Frau vorübergehend einfach seelisch etwas aus der Bahn geworfen wird. Normalerweise legt sich das nach ein paar Tagen wieder. Und nun sollte ich mal nach meiner Patientin schauen.“
Vilkas nickte und ließ sich von Tilma etwas zu essen geben.

Danach ging er noch mal wieder nach draußen um noch mal zu schauen, ob das Ziegengehege soweit fertig war, damit die neuen Bewohner, die heute Abend eintreffen sollten, einziehen konnten. Neben dem Gehege hatte Jon noch einen kleinen Überstand gebaut, unter dem einerseits die Tiere Schutz finden konnten und man auf der anderen Seite etwas Stroh und Heu lagern konnte. Dieses sollte heute Nachmittag von Pelagia geliefert werden. Als er sah das Danica die halle wieder verließ lief er kurz zu ihr hinüber.
„Wie geht es ihr?“
„Es ist alles bestens. Sie ist wirklich sehr zäh, das muss man eurer Frau lassen. In ein paar Tagen wird sie sich etwas hinsetzen dürfen. Sie macht wirklich sehr gute Fortschritte.“

Vilkas nickte. Er beschloss leise hinunter zu gehen und nach ihr und den Kindern zu sehen. Akkirah war wieder eingeschlafen und hielt die Kinder an ihrer Seite vorsichtig im Arm. Sie lächelte im Schlaf. Vilkas stand in der Tür und beobachtete sie lange Zeit. Er hatte Angst das Zimmer zu betreten und damit Akkirah aufzuwecken.

Am späten Nachmittag kam Farkas von der Jagt zurück. Er fand Vilkas oben in der Halle vor.
„Alles in Ordnung mit euch Bruder?“ Vilkas nickte nur. Lana kümmert sich im Moment um Akki und die Kinder. Ich habe vorhin schon mal das Gehege soweit fertig gemacht, dass die Ziegen dort nachher gut untergebracht werden können. So ging der Nachmittag schnell vorbei.“
Farkas legte seinem Bruder die Hand auf die Schulter. „Kommt, helft mir, den Hirsch auszunehmen.“
Der Rest des Nachmittags ging schnell vorbei. Als es Dunkel wurde kamen Ria und Torvar zurück, die Farkas zur Beschaffung der Ziegen nach Rorikstatt geschickt hatte. Sie hatte zwei graubraune Ziegen dabei. Gemeinsam mit den Zwillingen brachten sie die Tiere in ihr neues Heim. Nachdem die Tiere sich etwas umgeschaut hatten und anfingen, sich über das Heu herzumachen fiel Vilkas plötzlich was ein.

„Wie melkt man die Tiere eigentlich? Ich habe so etwas noch nie gemacht.“
Farkas und Torvar sahen sich ratlos an. „Ich auch nicht“, kam es wie aus einem Munde.
Ria schüttelte den Kopf. „Dachte ich mir schon.“, grinste sie. „Aber ich weiß wie es geht. Schatz geht bitte hinein um einen sauberen Eimer zu holen, dann zeige ich es euch.“

Torvar tat was seine Frau verlangte und kam kurze Zeit später mit einem kleinen Eimer wieder heraus. Nun zeigte Ria Vilkas, wie man die Milch der Ziegen in den Eimer bekam. Nachdem er sich anfangs etwas ungeschickt anstellte, klappte es nach einiger Zeit dann doch recht gut.

Damit war dann die zusätzliche Milchbeschaffung für die kleinen Zwillinge nun auch gesichert.
Nach dem Abendessen, welches heute recht spät auf den Tisch kam, ging Vilkas wieder hinunter. Er hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil er so lange fort war. Er hatte die Brühe für Akkirah dabei. Die Kinder schliefen ruhig und friedlich. Akkirah lag wach neben ihnen, als Vilkas das Zimmer betrat. „Ich habe eure Brühe, mein Herz.“ Er gab ihr, ob sie wollte oder nicht eine Kuss auf die Stirn, bevor er anfing sie ihr zu verabreichen. Akkirah zeigte keinerlei freundlich Reaktion. Sie aß schweigend ihre Suppe und wandte sich danach gleich wieder den Kindern in ihren Arm zu. Vilkas versuchte gar nicht erst mit ihr zu reden. Als sie fertig war setze er sich schweigend zu ihr ans Bett und betrachtete die drei. Als die Kleinen wieder Hunger bekamen, ging er nach oben um Lana zu bitten, sich um die Kinder zu kümmern. Er blieb im Türrahmen stehen und sah ihnen zu. Danach legte er sich wieder auf das auf Dauer doch recht unbequeme Felllager. Aber so war er in der Nähe seiner Liebsten.

Die nächsten Tage waren für Vilkas eine Qual. Akkirah blieb weiterhin abweisend zu ihm. Allen anderen gegenüber zeigte sie sich freundlich, wie sie es immer war. Wenn einer der anderen versuchte sie darauf anzusprechen, warum sie sich Vilkas so gegenüber verhielt schwieg sie nur. Die anderen würden es sicherlich nicht verstehen, also warum sollte sie es versuchen ihnen zu erklären, dachte sie. Sie war froh, als Vilkas beschlossen hatte, sein Felllager gegen das ehemalige Bett seines Bruders zu tauschen. Je weniger sie ihn sah desto besser fühlte sie sich. Am liebsten hätte sie ihm ganz weggeschickt. Sie hatte immer noch nicht verwunden, was er nach der Geburt der Kinder gesagt hatte. Das würde sie ihm nie verzeihen.

Nach zwei Wochen erlaubte Danica Akkirah sich langsam wieder auf zu setzen. Sie sollte aber plötzliche Bewegungen vermeiden und auch selbst noch nicht die Kinder hochheben, wenn sie nicht wollte, dass ihre Wunde wieder aufriss. Vilkas besuchte sie, wenn sie wach war immer nur kurz, denn er konnte ihre abweisende Art kaum ertragen. Immer wieder hatte er versucht mit ihr zu reden, aber sie hörte ihm gar nicht erst zu. Wenn er einfach nur vorschlug ihr und den Kindern etwas vorzulesen, lehnte sie es ab. Wenn er die Kinder in die Arme nahm, hatte er immer das Gefühl, sie würde sie ihm am liebsten auf der Stelle entreißen.
Den anderen Gefährten tat Vilkas leid. Sie sahen, wie er sich um Akkirah und die Kinder bemühte, aber Akkirah wollte es nicht sehen.

Das Leben in Jorrvaskr musste aber irgendwie weiter gehen. Vilkas hatte angefangen, die Arbeitsaufteilung zu übernehmen und sich um die Buchhaltung zu kümmern. Zwischenzeitlich waren Jahn und Rick nun auch mehr als drei Monate bei ihnen. Sie hatten sich sehr gut gemacht, aber keiner war bisher auf die Idee gekommen, dass sie noch gar nicht offiziell zu Gefährten erklärt worden waren. Er ging hinunter zu Akkirah, die ja Herold der Gefährten war und zu deren Aufgabe es gehörte, die Aufnahme in die Wege zu leiten. Als er sie darauf ansprach, nickte sie gefühllos und sagte knapp, er solle alles in die Wege leiten um die beiden endgültig aufzunehmen. Vilkas verließ das Zimmer schnell wieder, aber gab den beiden kleinen Zwillingen noch einen Kuss auf die Stirn, ob es Akkirah passte oder nicht. Als drei Tage später alle Gefährten mal wieder in Jorrvaskr versammelt waren, wurden die beiden feierlich aufgenommen. Er hatte zuvor alle gefragt wie sie zu der Aufnahme standen und alle waren einverstanden gewesen. Rick und Jahn freuten sich darüber sehr.

Sechs Wochen, nachdem Niranja und Farnir das Licht der Welt erblickt hatten, durfte Akkirah langsam wieder aufstehen. Vilkas hoffte, das nun, wo sie sich wieder selbständig bewegen konnte, auch ihr Verhalten, ihm gegenüber besser wurde. Aber es war nicht so. Sie ging ihm aus dem Weg, ignorierte ihn wo sie konnte und wenn sie gezwungen war mit ihm zu sprechen, war sie nur abweisend und kurz angebunden. Die anderen konnten weiterhin nur den Kopf schütteln. Charlotta hatte mehrfach versucht mit Akkirah zu reden. Schließlich war sie ihre beste Freundin, aber auch sie konnte Akkirah nicht dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern. Akkirah zog sich eher von ihr zurück. Denn schließlich war sie Farkas Frau, der wiederum der Bruder von Vilkas war und somit war es schon klar, dass sie sich gegen sie wenden würde. Selbst der guten alten Tilma gelang es nicht, Akkirah ins Gewissen zu reden.

Eine weitere Woche später saß Vilkas abends bei Charlotta und Farkas zum Essen.
„Ich werde Jorrvaskr verlassen“, begann Vilkas nach dem Essen. „Ich kann so nicht weitermachen. Wir haben diverse Aufträge in der Gegend von Markath. Um die werde ich mich kümmern. Wohnen werde ich in Vindren Hall. Ich denke das ist für alle das Beste. Ich möchte nicht, dass es möglicherweise unter den Gefährten noch zu einem Bruch kommt, weil Akki und ich Probleme miteinander haben. Vielleicht brauchen wir mal eine richtige Auszeit. Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, aber ich sehe im Moment keine andere Möglichkeit. Ich bitte euch, gut auf Akki und die kleinen Zwillinge aufzupassen, solange ich fort bin. Morgen früh breche ich auf. Ich werde mich da aber noch mal von euch verabschieden. Daher werde ich jetzt auch schon gehen, denn ich muss noch ein paar Sachen zusammen packen. Aela habe ich auch schon Bescheid gegeben. Sie war auch nicht unbedingt begeistert, aber hofft auch, das es uns helfen wird.“
Vilkas stand mit hängendem Kopf auf. Weder Farkas noch Charlotta wussten, was sie dazu sagen sollten. Sie nahmen Vilkas nur schweigend in die Arme.

Nachdem Vilkas in Jorrvaskr ankam ging er erst mal in Farkas altes Zimmer, dass er nun bewohnte und legte die Dinge zurecht, die er mitnehmen wollte. Er würde den Schecken, den Skulvar noch nicht verkauft hatte nehmen und mit ihm nach Markath reiten. Es konnte nie verkehrt sein, dort ein Reittier zur Verfügung zu haben, wenn er sich um die Aufträge die anstanden, kümmerte. Als er alles soweit beisammen auf eine Haufen liegen hatte, ging er ins Zimmer von Akkirah hinüber. Er wollte ihr sagen, dass er fortgehen würde und sich von ihr und den Zwillingen verabschieden. Er hegte einen kleinen Funken Hoffnung, das Akkirah zur Vernunft kommen würde.

Akkirah lag auf dem Bett und las. Die Zwillinge lagen in ihrem eigenen Bettchen und schliefen. Vilkas sagte Akkirah, was er vorhatte und als er geendet hatte, sagte sie nur in ihrem abweisenden Ton „Schön“.
Er spürte, dass es ihr anscheinend egal war. Langsam drehte er sich um und ging zum Bett der Kinder hinüber. Er wollte sie ein letztes Mal in den Armen halten, bevor er sie verließ. Als er sich über das Bett beugte um Farnir hochzunehmen stand Akkirah plötzlich neben ihm. „Wagt es nicht, die Kinder jetzt zu wecken“, fauchte sie ihn an. „Ich werde mich von ihnen verabschieden wie es sich für einen Vater gehört, ob es euch passt oder nicht.“ „Ihr rührt sie jetzt nicht an. Geht!“
Das war zuviel für Vilkas. Der ganze Frust, der sich die letzten Wochen angesammelt hatte, brach nun durch. Vilkas holte aus und verpasste Akkirah mit aller Macht eine Ohrfeige, so dass sie rückwärts taumelte und zu Boden ging. Vilkas erschrak über sich selbst. Das hatte er nicht gewollte. Er sprang zu Akkirah, um zu schauen ob sie sich verletzte hatte, aber diese rappelte sich schon von alleine wieder hoch. Ihre bernsteinfarbenen Augen blitzten gefährlich. Er machte noch einen Schritt auf sie zu, um sich zu entschuldigen, aber bevor er noch den Mund aufmachen konnte landetet er von einer Druckwelle erfasst, mit voller Wucht am Türrahmen „Geht, Vilkas, und tretet mir nie wieder unter die Augen.“

Was hatte er nur getan? Jetzt war alles verloren und es gab kein zurück mehr. Mit hängenden Kopf und schmerzenden Rücken ging er zurück in Farkas altes Zimmer, packte die Sachen, die er rausgelegt hatte in einen Beutel und verlies Jorrvaskr.