010 Aufbruch nach Weißlauf - Honigbräuerei
010 Aufbruch nach Weißlauf - Honigbräuerei PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 16:56 Uhr
Mit leichten Kopfschmerzen erwachte Akkirah am nächsten Morgen. ‚Bei Talos', fluchte sie, 'sie hätte nicht soviel Wein trinken sollen.' Vorsichtig stand sie auf und ging in den Keller um ein paar Kräuter für den Tee, der ihr gegen diese Beschwerden helfen würde, zu holen. Als sie wieder oben war, machte sie Wasser heiß und schnitt sich schon mal etwas Brot in Scheiben. Nachdem das Wasser zu kochen begonnen hatte füllte sie die Kräuter hinzu. Sie wollte sich gerade hin setzen, als es an der Vordertür klopfte. Sie ging hin und öffnete die Tür. Ein Bote stand davor und überreichte ihr eine Nachricht. Sie bedankte sich und der Bote ging wieder. Akkirah nahm die Nachricht und las sie. Sie kam von Anuriel, der Voigt von Rifton. Sie wurde gebeten sich bei ihr umgehend zu melden. Anuriel hätte wohlmöglich eine Aufgabe für Akkirah, die sie erledigen könnte. Die Bezahlung würde gut sein.

Akkirah hatte Ursprünglich vor, nach dem Frühstück hinunter in die Zersplitterte Flasche zu gehen, wie sie es Brynjolf versprochen hatte. Aber es war wohl besser zuerst zu schauen, was Anuriel von ihr wollte. Und sie brauchte ja immer noch einiges an Gold um ihr Honigheim zu bezahlen. So ging sie dann zunächst zu Festung Nebelschleier. Sie wurde auch schon erwartet. Anuriel teilte ihr mit, das sich in Faraldas Zahn, einer alten zerfallenen Festung Banditen eingenistet hatten. Sie wurde gebeten zusammen mit ein paar Soldaten nach dem Rechten zu schauen und sie dort zu vertreiben. Akkirah nickte. Sie würde am nächsten Tag mit drei Soldaten im Morgengrauen aufbrechen. Sie sollte als Späher vorgehen. Für den Rest würden die Soldaten zuständig sein. Das hörte sich nach einer nicht allzu schweren Aufgabe an.

Anuriel schickte sie in die Kaserne der Festung, wo sie sich mit den drei Männern, mit denen sie losziehen sollte, noch zuvor besprechen konnte, wie sie gemeinsam vorgehen würden. Man kam überein sich am nächsten Morgen bei den Ställen von Rifton zu treffen und im Morgengrauen aufzubrechen.

Es war fast Mittag als Akkirah die Festung wieder verließ. In der Stadt herrschte geschäftiges Treiben. Es würde schwer werden, ungesehen in den Ratten weg zu gelangen. Sie ging zum Friedhof um zu schauen, ob sie durch die Krypta hinunter gehen könnte. Leider war eine Priesterin am Schrein von Talos am Beten. Also ging sie nach Hause und verließ durch die Hintertür Rifton und ging zu dem Geheimgang nahe der Ställe und gelang so in die zersplitterte Flasche. Brynjolf saß mit Vex und Delvin an einem Tisch. Er wirkte etwas ungehalten, weil sie so spät kam. Bevor er was sagen konnte, Entschuldigte sie sich gleich für ihr verspätetes auftauchen. Aber wenn man zur Voigt des Jarls gerufen wird, sollte man diese nicht warten lassen.

Das sah Brynjolf ein. Es passte auch ganz gut in die Pläne von ihm, das sie für die Jarl arbeitete. Er wollte sie für besondere Aufgaben haben. Niemand in der Stadt sollte wissen, dass sie zur Diebesgilde gehörte. Man sollte sie als einfache Bürgerin in der Stadt sehen, die dort ein Haus hatte und durch kleine Arbeiten für andere ihren Lebensunterhalt verdiente. Wenn sie wollte, könne sie auch ab und an mal kleine Aufgaben von Vex oder Delvin übernehmen, damit sie in Übung blieb, wie Delvin sich so schön ausdrückte, sollte sonst nichts besonderes anliegen.

Sie aßen zu nächst gemeinsam zu viert etwas zu Mittag. Anschließend gingen Brynjolf und Akkirah zur Übungskammer. Dort versuchte er ihr beizubringen, wie man den Dietrich noch besser einsetzten konnte. Schlösser aufbrechen und schleichen waren seine Spezialitäten. Und er war gut darin, dieses Können an andere weiter zu geben. Als sie fertig mit dem Üben waren, setzten sie sich an den Tisch in der Zisterne und es gesellten sich bald Rune und Cynric, den Akkirah bis dahin noch nicht kannte, dazu. Rune und Cynric erzählten ihr, wie sie in die Gilde kamen.

Es war ein unterhaltsamer Abend gewesen. Doch irgendwann musste Akkirah aufbrechen. Schließlich musste sie am nächsten Morgen früh raus. Brynjolf begleitete sie bis zur Zersplitterten Flasche, von wo aus sie den Geheimen Gang nutzen wollte, um wieder nach Hause zu gehen. Am Liebsten hätte er sie weiter begleitet, aber er wollte weiterhin nicht, dass die anderen anfingen zu reden und ihnen ein Verhältnis andichteten. Das brachte immer nur Ärger mit sich. Vor kurzen ging erst das Gerücht um, er würde sich mit Tonilia eingelassen haben. Vekkel war darüber ziemlich ungehalten gewesen. Denn er und Tonilia waren schon seit langem ein Paar. Brynjolf stand im Ruf, wenn sich die Gelegenheit bot, die Nacht mit einer hübschen Frau zu verbringen, diese auch zu nutzen. Allerdings würde er sich niemals mit Frauen von Freunden einlassen. Bisher war ihm auch noch nie eine begegnet, an die er wirklich sein Herz verloren hatte. ‚Verdammt, was hatte das Mädchen nur so besonderes, das er immer an sie denken musste?'


Die nächsten Monate vergingen für Akkirah wie im Flug. Wann immer sich die Gelegenheit bot, erledigte sie kleine Aufgaben für die Einwohner der Stadt, ging jagen oder sammelte Kräuter. Bald schon hatte sie sich einen guten Ruf gemacht und die Jarl ernannte sie sogar zum Thane vom Rifton, einer ganz besonderen Auszeichnung für verdiente Bürger, die nur sehr selten vergeben wurde. Man wollte ihr auch einen Huskal zur Verfügung stellen, aber das lehnte Akkirah ab. Sie wollte niemanden haben, der ständig an ihrer Seite war und auf sie aufpasste. Nach vier Monaten hatte sie genug Gold zusammen, um ihr Häuschen endgültig kaufen zu können und im Monat darauf konnte sie es komplett einrichten.

Wann immer sie Zeit hatte, ging sie hinunter in die Diebesgilde. Sie mochte die Meisten der Diebe sehr gerne und war gerne mit ihnen zusammen und redete mit ihnen. Bald kannte sie von jedem die Geschichte, die ihn in die Gilde brachte. Mit Saphir hatte sie sich besonders angefreundet. Nur von Mercer hielt sie sich weiterhin fern. Viel Zeit verbrachte sie mit Brynjolf. Er brachte ihr alles bei, was er wusste und sie lernte schnell. Ab und an gab er ihr kleine Aufgaben von Vex oder Delvin die sie problemlos erledigte. In seiner Gegenwart fühlte sie sich immer sonderbar. Sie konnte es nicht beschreiben. Sie mochte ihn sehr. Trotzdem zuckte sie jedes Mal zusammen, wenn er sie spontan anfasst. Aber das ging ihr bei anderen genauso. Saphir vermutete, man hätte Akkirah ähnliches angetan, wie ihr, als sie noch ein junges Mädchen war. Es würde Zeit brauchen, darüber hinweg zu kommen. Sie sollte sich deshalb nicht zu viele Gedanken machen.

Nachdem Akkirah mehr als ein halbes Jahr in Rifton lebte kam, schickte Brynjolf Akkirah zu Maven Schwarzdorn. Sie war die heimliche Herrscherin von Rifton. Sie hatte durch die Brauerei sehr viel Gold verdient und konnte bei Bedarf jeden bestechen oder schmieren, wenn es sein musste. Auch die Jarl von Rifton wickelte sie um den Finger. Akkirah wusste nicht was sie davon halten sollte, das Maven nun persönlich nach ihr verlangte. Bisher hatte Maven sie nie beachtet und von oben herab behandelt. Brynjolf wusste nicht, was Maven von ihr wollte, aber wenn Maven nach einem schickte sollte man sehen, das man zu ihr kam, ansonsten könnte sie schnell ungemütlich werden.

"Macht euch keine Sorgen, Mädchen", trotz der Zeit die sie nun zur Gilde gehört sprach er sie immer noch nicht mit Namen an. "Sie wird sicherlich eine besondere Aufgabe für euch haben. Ihr habe euch in den letzten Monaten einen guten Ruf gemacht und das ist ihr nicht entgangen. Sie warte auf euch im Bienenstich im Obergeschoss." Er lächelte ihr aufmunternd zu.

So begab sich Akkirah in den Bienenstich, um sich mit Maven zu treffen. Wie Brynjolf sagte, wartete sie schon oben auf Akkirah. "Ihr habt euch viel Zeit gelassen", fuhr die ältere Frau Akkirah an. Akkirah wollte was erwidern, doch Maven hob die Hand als Zeichen zu schweigen. "Nun. Man hat mir gesagt ihr wärt gut, wenn nicht gar die Beste. Ich hoffe diejenigen, die mir das gesagt haben, haben nicht übertrieben. Ihr seht nicht gerade nach etwas Besonderem aus. Aber nach dem Aussehen soll man ja bekanntlich nicht gehen." Sie schwieg einen Moment. Akkirah sagte auch nichts. "Nun, ich habe eine Aufgabe für euch", fuhr Maven fort, "In Weißlauf hat jemand ein Konkurrenzgeschäft aufgemacht und versucht nun mich mit seinem Honigmet aus dem Geschäft zu drängen. Obwohl Gut Goldenglanz wieder nur für mich arbeite, scheint Sabjorn eine neue Honigquelle aufgetan zu haben. Ich möchte, dass ihr nach Weißlauf geht und mit Mallus Maccius sprecht. Wir haben einen Plan wie wir Sabjorn aus dem Geschäft drängen können. Ihr sollte gleich morgen früh aufbrechen. Je schneller die Sache erledigt ist umso besser."

Akkirah nickte nur und dann ging sie. Bei Talos, nach Weißlauf waren es drei Tagesritte. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, dass sie in Weißlauf war. Sie würde mindestens eine Woche fort sein. Sie beschloss Drifa, Bersis Frau zu fragen, ob sie zwischendurch mal in ihrem Haus nach dem Rechten schauen könnte. Das jemand einbrach war nicht zu befürchten. Als Mitglied der Diebesgilde musste sie sich deshalb keine Sorgen machen. Aber erst mal ging sie nach Hause, um ihre Ausrüstung zu prüfen und um zu sehen was sie noch brauchen könnte. Bis auf Pfeile war ihre Ausrüstung in Ordnung. Sie würde ihr Schwert Sicherheitshalber aber noch mal bei Balimunds Schmiede nachschleifen. Als sie später Drifa aufsuchte, erklärte die sich sofort bereit nach dem Rechten zu Schauen, wie es sich unter Nachbarn gehörte.

Am Abend suchte Akkirah die Zersplitterte Flasche auf. Sie wollte Brynjolf bescheid geben, das sie für einige Tage nicht da war, damit er sich keine Sorgen machen würde. Brynjolf war aber nicht da. Sie wartete noch eine Zeit am Tresen und unterhielt sich dabei mit Tonilia. Aber dann wurde es für sie Zeit zu gehen. Sie bat Vekkel, Brynjolf auszurichten das sie unterwegs nach Weißlauf wäre und mindestens eine Woche weg sein würde. Vekkel nickte und dann ging Akkirah nach Hause.

Am Morgen stand Akkirah früh auf. Ihre Sachen hatte sie schon am Tag zuvor gepackt. Sie frühstückte noch schnell und dann ging sie hinunter zu den Ställen. Dort war Shadre schon am Arbeiten. Am Vortag hatte sie auch Hofgir schon bescheid gegeben, das sie für gut eine Woche mit Adelante nicht da wäre. Daher hatte Shadre Adelante heute als Erste versorgt und gefüttert. Er gab ihr noch einen Beutel Hafer für unterwegs mit, den Akkirah am Sattel befestigte. Dann führte sie die Stute aus dem Stall. Sie winkte Shadre zum Abschied noch zu und schwang sich dann in den Sattel. Sie wollte den Weg über Ivarstatt nehmen. Dazu musste sie den kleinen Pfad an der Stadtmauer entlang reiten. Als sie die Mauer erreichte hörte sie plötzlich jemanden ihren Namen leise rufen. Sie blieb stehen und schaute sich um. Brynjolf kam angelaufen. Sie staunte. Noch nie hatte er sie beim Namen genannt.

Akkirah stieg ab und wartete auf den Dieb. "Bitte, ihr dürft nicht gehen. Bleibt hier in Rifton." Sie sah ihn erstaunt an. "Ihr selbst habt doch gesagt, niemand schlägt Maven etwas ab, also werde ich nach Weißlauf reiten." "Ich werde mit ihr reden", er sah irgendwie traurig und verzweifelt aus. So hatte ihn Akkirah noch nie gesehen. " Ich sorge dafür. dass jemand anderes die Aufgabe übernimmt. Aber geht nicht fort." Er ergriff ihre Hand. "Bryn, in einer Woche bin ich zurück. Macht euch keine Sorgen. Es wird schon nichts passieren."
"Ich möchte nicht, dass ihr mich verlasst. Ich brauche euch. Ohne euch fehlt mir etwas." Plötzlich zog er sie an sich, nahm sie in die Arme und küsste sie. Akkirah wusste so schnell gar nicht was mit ihr geschah. Die Gefühle in ihr spielten verrückt. Einerseits wollte sie, das er sie fest in den Armen hielt, aber anderseits überkam sie wieder ihre übliche Panik, die schließlich überhand gewann und sie ihn von sich stieß. Sie trat etwas zurück. "Mädchen, Akki, bitte, bleibt bei mir." Er ging wieder auf sie zu. Sie wich zurück.
"Wir reden wenn ich zurück bin, Bryn", sagte sie in einem schärferen Ton als sie beabsichtig hatte. Dann drehte sie sich um und lief zu Adelante und schwang sich wieder auf ihren Rücken und stürmte davon, als wäre sie auf der Flucht. Brynjolf stand da und sah ihr traurig nach. Hatte er sie nun vertrieben?

Als Akkirah den Schnee-Schuh Hof auf der anderen Seite erreichte, ließ sie Adelante in Schritt fallen. Sie wusste immer noch nicht so recht was passiert war. Immer noch tobte in ihrem Inneren ein Kampf. Etwas in ihr wollte umdrehen, aber das was fliehen wollte war noch immer stärker. So ritt sie innerlich total aufgewühlt weiter. Sie mochte Brynjolf. Sie fühlte sich bei ihm sicher und geborgen. Wann immer sie Hilfe brauchte war er für sie da. Warum aber wollte sie dann fort? Sicher hatte sie von Maven den Auftrag bekommen, nach Weißlauf zu gehen, aber es würde sie auch nicht umbringen, wenn sie das verschob. Sie trieb Adelante ein wenig an während sie Richtung Ivarstatt ritt. Sie brauchte etwas Zeit zum Nachdenken. Sie würde nach Weißlauf gehen und wenn sie zurückkam, würde sie mit Brynjolf reden.

Am Abend erreichte sie Ivarstatt, wo sie im Gasthof die Nacht verbrachte. Am nächsten Morgen brach sie wieder früh auf. Unterwegs traf sie ab und zu mal einen Jäger oder eine Gruppe Sturmmäntel. Als sie die Stelle erreichte, wo sie damals, als sie von dem Ehemaligen Hof ihrer Tante weiter ging in die Hände der kaiserlichen, überkam sie ein komisches Gefühl. Sie ließ Adelante wieder etwas schneller traben, um schnell hier weg zu kommen. Als der Abend anbrach, suchte sie sich eine gute Stelle zum Übernachten. Sie aß etwas von ihren Vorräten und gab Adelante etwas Hafer. Dann rollte sie sich in ihre Decke und versuchte zu schlafen. Sie schlief unruhig, wie schon die Nacht davor. Als es zu dämmern begann stand sie auf und machte sich, nachdem sie Adelante etwas zu futtern gegeben hatte, wieder auf den Weg. Diesmal wurde es kein so gemütlicher Ritt wie am Tag zuvor. Nachdem sie gut zwei Stunden unterwegs war, tauchte vor ihr eine Assassine auf. Akkirah versuchte zunächst ihr einfach zu entkommen indem sie Adelante laufen ließ. Aber die Frau hatte Ausdauer. Also beschloss Akkirah sich dem Kampf zu stellen. Vex hatte öfters mit ihr geübt, so dass sie etwas besser mit ihrem Einhänder umgehen konnte. Es war zwar kein leichter Kampf, aber letztendlich gelang es Akkirah ihrer Gegnerin zuvor zu kommen und sie zu töten. Adelante war daran auch nicht ganz unschuldig. Mehrfach hatte die Stute in den Kampf eingegriffen und die Assassine damit abgelenkt. Als Akkirah anschließend die Tote durchsuchte fand sie einen Zettel von dem Auftraggeber. Daraus ging hervor, dass jemand der Dunklen Bruderschaft Geld für ihren Tot gegeben hatte.

Schon wieder wollte jemand ihren Tot. Wer steckte dahinter? Was hatte sie denn getan das man wünschte, sie würde ihr Leben lassen? Dieser Überfall war gezielt gegen sie gerichtet. Ihr Name stand in der Notiz. Da gab es keine Verwechslungen, denn ihr Name war doch recht ungewöhnlich für eine Nord mit etwas kaiserlichem Blut. In Gedanken versunken schwang sich Akkirah wieder in den Sattel und ritt weiter. Als sie sich den Valtheimer Türmen näherte konnte sie die Drachenfeste sehen. Sie hatte ihr Ziel fast erreicht. Am frühen Abend sollte sie da sein. Es dauerte nicht lange und ein heftiges Gewitter zog auf. Im strömenden Regen kämpften sich Pferd und Reiterin weiter. Als sie nach Stunden endlich die Honigbräuerei erreichten ließ der Regen etwas nach. Akkirah war froh als sie endlich den Stall erreichten. Sie stellte Adelante unter, rieb sie so gut es ging trocken und bat Skulvar sich gut um die Stute zu kümmern.

Dann ging sie hoch in die Stadt. Die Wachen erkannten sie wieder, auch wenn es schon lange her war, das sie mal in der Stadt war und ließen sie anstandslos durch. Sie ging direkt hoch zur beflaggten Mähre und fragte Hulda nach einem Zimmer. Sie bekam dasselbe wie schon bei ihrem letzten Besuch. Sie bat darum, dass man ihr etwas zu Essen hochbringen würde. Hulda nickte und schickte Sardia in die Küche. Sie bezahlte das Zimmer im Voraus schon mal für zwei Nächte. Heute würde sie nicht mehr schauen, ob ihre Kontaktperson da war. Das würde sie morgen früh machen, wenn auch ihre Rüstung wieder trocken war. Sardia brachte ihr kurz darauf etwas zu Essen. Akkirah bedankte sich und dann machte sie sich über das Abendessen her. Sie hatte Tagsüber kaum was gegessen. Dann schlief sie erschöpft ein.

Am nächsten Morgen wachte sie zeitig auf. Ihre Lederrüstung war über Nacht getrocknet. Sie ging hinunter in den Schankraum. Hulda stand schon hinter dem Tresen und machte irgendwelche Abrechnungen. Akkirah fragte sie nach Maccius. Hulda deutete mit dem Kopf zur Küche. "Er sitzt dort drüben bei der Küche." Akkirah bedankte sich und ging hinüber. Kaum das sie vor ihm stand fauchte er sie erst mal an: "Kann man hier nicht mal ungestört in ruhe sein Frühstück genießen?" Akkirah zuckte mit den Schultern. "Maven schickt mich."
"Das wurde aber auch mal Zeit. Ich sitzt schon seit Tagen hier dumm herum."
"Tut mir leid, aber ich kann nicht fliegen und von Rifton hierher braucht es nun mal drei Tage."
"Ist ja schon gut, kommen wir zu Sache." Er erklärte ihr um was es ging. Sabjorn sollte in ein paar Tagen eine Metprobe für den Kommandanten der Drachenfeste abhalten. Dummerweise hatte er ein kleines Ungezieferproblem. Skeever haben sich in der Brauerei eingenistet. Sabjorn war aber zu geizig, um viel Gold für die Beseitigung der Tiere auszugeben. So hatte er Maccius, der sein Angestellter war, damit beauftragt die Viecher zu beseitigen. Dieser aber hatte sich aus dem Staub gemacht. Das war so mit Maven abgesprochen gewesen. Nun sollte Akkirah als Retterin in letzter Not aufkreuzen und sich um das Skeeverproblem kümmern. Sie sollte das Nest der Tiere vergiften und dann weiter in die Brauerei vordringen und etwas von dem Gift in den Metkessel schütten, aus dem die Probe genommen werden sollte. Als Maccius Akkirahs entsetztes Gesicht sah beschwichtigte er sie gleich. Das Gift wird nicht tödlich sein, wenn es nur in geringer Konzentration im Kessel ist. Es wird lediglich zu Übelkeit führen. Damit war Akkirah dann beruhigt und sagte sie würde sich nachher gleich auf den Weg zur Brauerei machen.

Akkirah ließ sich ein Frühstück bringen und danach ging sie dann hinunter zu den Ställen. Der zur Brauerei bräuchte sie gut eine Stunde zu Fuß da nahm sie doch lieber das Pferd. Vorsichtig betrat sie den Schankraum der Bräuerei. Ein entsetzlicher Geruch schlug ihr entgegen.
"Was wollt ihr hier", wurde sie sogleich von Sabjorn unfreundlich empfangen.
"Mir wurde gesagt ihr suchtet jemanden der sich um euer kleines Ungezieferproblem kümmern würde. Na, wenn ich mir das so anschaue handelt es sich wohl eher um ein großes."
" Spottet nur, Wenn ihr den Auftrag annehmen wollt, hier ist das Gift dort durch die Tür müsst ihr gehen und dann in den Keller."
"Was ist mit der Bezahlung", fragte Akkirah vorsichtig. Sie musste ja so tun als würde sie von ihm den Auftrag bekommen.
"Ihr erwartet doch nicht, dass ihr das Gold vor getaner Arbeit bekommt?"
"Doch, das hatte ich eigentlich."
" Also gut, ihr bekommt die Hälfte jetzt, den Rest wenn ihr fertig seid und keines diese Mistviecher mehr am Leben ist."
Akkirah stimmte zu und nahm die Hälfte des Goldes in Empfang.
"Und nun beeilt euch. Ich habe noch genug mit dem Aufräumen zu tun."
Akkirah verschwand durch die Tür und begab sich zum Keller.

Kaum hatte sie den Keller betreten wäre sie erst mal fast in eine Falle getappt. "Bei Talos", fluchte sie leise, "Der Idiot hätte mich ruhig warnen können dass er hier alles mit Fallen ausgelegt hat." Sie entschärfte die beiden, damit sie auf dem Rückweg da nicht doch noch hinein trat. Dann bemerkte sie am anderen Ende des Kellers eine Bewegung im Dunkeln. Sie nahm ihren Bogen zur Hand. Ein Skeever kam gerade aus der Ecke gekrochen. Weit kam er nicht. Ein Pfeil bereitete seinem leben ein Ende. Genauso erging es dem Tier, das dem ersten folgte. Sie ging durch die zerbrochene Wand und kam dadurch in einen Schmalen Gang. Dieser Endete in einer kleinen Höhle. Akkirah ahnte anhand der Spinnenweben, die sich im Gang befanden, dass sich hier nicht nur Skeever rum trieben. Sann entdeckte sie vier große Frostbissspinnen. Diese bemerkten Akkirah erst, als sie durch ihre Pfeile starben.

Am Ende der Höhle ging der schmale Gang weiter. Langsam und vorsichtig folgte sie ihm. Da sie keine Fackel dabei hatte, konnte sie nicht viel sehen. Sie war froh, dass in der Höhle Schimmerpilze wuchsen, die etwas Licht spendeten. Nach geraumer zeit, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, erreichte sie wieder eine Höhle. Diese war wesendlich größer als die mit den Spinnen. Sie sah fast ein duzend Skeever, die sich darin tummelten. Und am Ende der Höhle stand leise summend vor einem Alchemietisch ein Mann. Wieder fluchte sie. Davon war nicht die Rede gewesen. Da die Skeever dem Mann nichts taten mussten sie zu ihm gehören und er wird bestimmt nicht erfreut sein, wenn ich seine Haustiere erschieße.

Aber was hatte sie schon für eine andere Wahl? So begann sie in Windeseile einen nach dem anderen der Skeever zu erschießen. Als die ersten vier tot zusammenbrachen sprang der Mann wütend auf sie zu. Sie sah seinen irren Blick. Bevor er bei ihr ankam erwischte sie noch zwei weitere Skeever. Damit waren noch drei der Tiere nach und der Irre. Mit einem Messer bewaffnet ging der Mann auf Akkirah los. Sie musste sich mit ihrem Schwert zur Wehr setzen. In die andere Hand hatte sie ein Messer genommen. Es war gar nicht so einfach gegen drei Skeever und einen Irren zu kämpfen. Glücklicherweise hielt ihre Rüstung die Bisse der Tiere in ihre Beine ab. Sie versuchte sie erst mal zu ignorieren und nicht um den irren zu kümmern. Sie wollte ihn nicht töten, aber am Ende ließ er ihr keine Wahl. Danach waren die drei Skeever im nu auch Geschichte.

Neben dem Alchemietisch der Irren befand sich das Nest der Skeever. Akkirah kippte den grossteil des Gifts, den sie von Sabjorn erhalten hatte auf das Stroh. Dann suchte sie den Zugang zur Bräuerei. Nachdem sie ihn gefunden hatte, musste sie erst mal wieder einem schmalen Gang folgen. Hier gab es aber keine weiteren Tiere. Der Gang führte in eine Art Rumpelkammer, von wo aus man durch eine Tür in die Brauerei kam. Maccius hatte ihr gesagt, der Met für die Probe würde aus dem einzeln stehenden Kessel entnommen werden. Also ging sie die Treppe hoch, um dann durch den Deckel oben den Rest des Gifts dort hinein zu tun. Als das erledigt war, machte sie sich wieder auf den Rückweg. Sie kam diesmal schneller vorwärts, da sie nun eine Fackel, die sie aus der Bräuerei entwendet hatte, entzündet hatte.

Sabjorn war sehr froh als er hörte, dass es Akkirah gelungen war, alle Skeever zu beseitigen. Von dem Irren sagte sie lieber nichts. Er gab ihr den ausstehenden Lohn und sagte, sie wäre am folgenden Tag zur Metprobe mit eingeladen. Akkirah bedankte, sich wollte aber nicht fest zusagen. Ihr fehlten aber noch Informationen über die Hintermänner von Sabjorn. Vielleicht würde sie morgen während der Probe etwas aus ihm rausbekommen können, wenn er selbst den einen oder anderen Met mitgetrunken hatte. Aber erst mal kehrte sie zurück nach Weißlauf. Adelante kam wieder im Stall unter. Akkirah ging wieder hoch in die beflaggte Mähre sie. Sie verlängerte ihren Aufenthalt bei Hulda um einen Tag, da die Metprobe erst am Nachmittag stattfinden würde. Danach aufzubrechen würde nicht viel Sinn machen. Dann lieber am folgenden Morgen, wenn sie ausgeschlafen war. Maccius saß wieder in der Ecke in der Küche. Akkirah gab ihm Bescheid das alles erledigt war und das sie morgen Nachmittag mit dann zur Metprobe auch da sein würde. Dann verschwand sie auf ihrem Zimmer. Hulda hatte ihr eine Schale mit Obst aufs Zimmer bringen lassen. Akkirah machte sich hungrig darüber her. Dann legte sie sich zu Bett und fiel in einem unruhigen Schlaf.

Wie gerädert erwachte Akkirah am nächsten Morgen. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um Brynjolf und die Diebesgilde. In einigen Tagen würde sie zurück sein. Dann würde sie sehen wie es weiterging. Sie ging hinunter in den Schankraum. Zwischenzeitlich hatte sich ihre Arbeit in der Honigbrauerei herum gesprochen. Als sie sich zum Frühstück an einem der Tische setzte trat eine Frau, die wie eine Jägerin aussah, zu ihr an den Tisch. Darf ich mich zu euch setzten? Ich möchte euch etwas Fragen. Akkirah hatte nichts dagegen. Das würde sie sicherlich auf andere Gedanken bringen. Sie lächelte die Jägerin an und nickte: "Setz euch. Über was möchtet ihr mit mir reden?"
"Ihr seid neu hier in der Stadt, nicht wahr?" Akkirah nickte.
"Habt ihr schon mal von den Gefährten gehört?"
"Es soll sich dabei um eine Gemeinschaft von Kriegern handeln, die anderen Helfen ihre Probleme loszuwerden."
"Ja, so ist es. Und die Gefährten sind immer auf der Suche nach guten Leuten, die ihnen beitreten könnten. Ich gehöre übrigens zu den Gefährten und habe gehört, wie das ihr das Problem mit den Skeevern in der Honigbrauerei erledigt habt. Auch ist mir bekannt, das ihr in Rifton nicht ganz unbekannt seid und dort einen guten Ruf als Kämpferin habt."
Akkirah wurde rot und schwieg weiterhin. Worauf wollte die Frau hinaus? Sollte sie den Gefährten beitreten?
"Also, da ihr wohl recht gut mit euren Waffen umgehen könnt, wärt ihr bestimmt für unsere Gemeinschaft ein großer Gewinn. Wenn ihr Interesse habt kommt doch einfach mal hoch nach Jorrvaskr und schaut euch da um."

Dann stand sie auf und verschwand, bevor Akkirah noch großartig etwas sagen konnte. Akkirah schaute ihr lange nach. Von den Gefährten hatte sie bisher nur Gutes gehört. Sie halfen denjenigen, die nicht fähig waren, sich selbst zu helfen. Plötzlich musste se an sie Worte von Ralof denken, als sie einen der Findlinge auf den Weg nach Flusswald berührt hatte: "Ein Dieb. Aber es ist nie zu Spät sein Schicksal zu ändern." Ihr war vollkommen unbegreiflich, wieso ihr gerade jetzt diese Worte einfielen. War es ein Wink vom Schicksal? Sollte sie ihren bisherigen Weg verlassen und was Neues anfangen?

Sie beendete ihr Frühstück und ging hinaus. Auf dem Marktplatz war es schon recht voll. Sie ging zu dem Stand von Charlotta und kaufte ein paar Äpfel und Möhren für Adelante. Dann begab sie zu den Ställen. Sie legte die Äpfel in den Futtertrog und die Möhren packte sie erst mal in die Satteltasche. Die würde Adelante später bekommen. Danach machte sie sich daran die Stute zu putzen. Immer wieder schweiften ihre Gedanken zu dem was die Jägerin gesagt hatte. Sie beschloss, wenn sie von der Metprobe zurückkommen würde, dass sie dann einfach mal bei den Gefährten vorbei schauen würde.

Als sie mit dem putzen fertig war setzte sie sich vor den Stall in die Sonne und schaute einfach den Wolken am Himmel zu, die vorbei zogen. Gegen Mittag fing sie an das Pferd zu satteln. Dann ritt sie noch mal wieder zur Honigbräurei. Es waren nicht sonderlich viele Leute anwesend. Der Kommandant der Wache war mit zwei seiner Leute da. Dazu noch ein paar Einwohner von Weißlauf und Maccius. Der Kommandant war recht ungeduldig. Er schien ziemlichen durst zu haben. Als schenkte Sabjorn ihm als erstes etwas aus einem Fässchen ein.

Als dieser den ersten Schluck getan hatte, spuckte er das Gebräu sogleich wieder hustend aus. "Was, bei Talos, soll denn das sein? Das schmeckt ja scheußlich und brennt in der Kehle." "Herr, das kann nicht sein, das ist ein guter nach einem alten Familienrezept Met." Er wollte sich gerade selbst einen Becher nehmen als der Kommandant ihn wütend anschrie. "Ihr habt versucht uns hier zu vergiften. Ihr habt gesagt euere Brauerei wäre frei von Ungeziefer. Das merkt man dem Gebräu aber nicht an. Ihr werdet mich hoch zur Drachenfeste begleiten. Im Gefängnis könnt ihr dann darüber nachdenken, was schief gelaufen ist." Er dreht sich zu seinen beiden Begleitern um. "Führt ihn ab." Sabjorn hatte keine Möglichkeit sich zu wehren. Also folgte er den beiden schweigend. Der Kommandant wandte sich an Maccius. Ihr übernehmt hier erst mal das Kommando. Sorgt dafür das dieses Gebräu vernichtet wird." Dann drehte er sich um und folgte den drei anderen.

Akkirah ging hinüber zu Maccius. " Ich müsste mir mal das Zimmer von Sabjorn anschauen. Ich suche nach hinweisen auf die Hintermänner von ihm." Er gab ihr einen Schlüssel. "Schaut euch in Ruhe oben um und wenn ihr was Findet gebt bescheid." Akkirah nickte und verschwand dann in den Nebenraum und ging dort die Treppe nach oben. Maccius entschuldigte sich zwischenzeitlich bei den anderen Gästen und schickte sie nach haus. Die Bräuerei war vorübergehend geschlossen.

Akkirah fand oben in einer verschlossenen Kommode einen Schuldschein. Er trug das gleiche Zeichen wie schon die Besitzurkunde von Gut Goldenglanz. Akkirah nahm sie an sich du ging wieder nach unten. Sie sagte Maccius was sie gefunden hatte und er sagte nur, dass sie das schleunigst zu Maven bringen müsse. Akkirah nickte nur und dann ging sie hinaus und ritt zurück nach Weißlauf. Sie brachte Adelante in die Ställe und gab ihr noch die Möhren. Dann ging sie hinauf in die Stadt. Aber als sie auf dem Marktplatz ankam und zur Herberge gehen wollte, trugen ihre Füße sie wie von Geisterhand gelenkt die Treppen weiter hoch zu der Methalle der Gefährten.