011 Die Gefährten
011 Die Gefährten PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 16:56 Uhr
Akkirah stand vor der Eingangstür von Jorrvaskr. Sie wusste immer noch nicht so richtig warum sie hier her gekommen war. Sie hatte ihre Aufgabe, weshalb sie nach Weißlauf gekommen war, erledigt und konnte morgen früh sogleich zurück nach Rifton reiten. Sie wusste das Brynjolf auf sie wartete und sich Sorgen machen würde, wenn sie nicht so schnell sie konnte, zurückkam. Sie wollte sich gerade umdrehen und wieder zur Beflaggten Mähre gehen, als sie eine Stimme hörte:

"Oh, es freut mich, dass ihr tatsächlich gekommen seid." Die Jägerin vom Morgen stand hinter ihr. Akkirah hatte sie nicht kommen hören. "Kommt mit hinein. Ihr sollte euch gleich zu Kodlak, unserem Herold, begeben. Er ist letztendlich der, der entscheidet, ob jemand aufgenommen wird oder nicht. Er hat ein gutes Gespür für Menschen und kann in ihre Seelen sehen", sie lachte kurz. "Zu mindestens habe ich immer das Gefühl er könnte es." Die Frau fasste sie am Arm und zog sie mit zur Tür hinein und ließ Akkirah gar nicht erst nachdenken.

Die Halle wirkte riesig. In der Mitte stand eine riesige Tafel in U-Form um ein großes Feuer aufgebaut. Links hatten sich einige Gefährten versammelt und feuerten zwei Personen an die sich mit Fäusten bekämpften. Die eine war eine kräftige Nord, der andere ein Dunkelelf. Die Umstehenden feuerten die beiden an. Akkirah sah, das der Dunkelelf sich mehr oder weniger nur verteidigte und nicht Angriff. Die Nord allerdings ging mit geballter Wut auf den Mann los. Akkirah verstand nicht, warum niemand etwas dagegen unternahm. Das war doch kein Verhalten, das man unter Freunden zeigen sollte. Sie wollte wieder umdrehen und die Halle verlassen, aber die Jägerin, die immer noch bei ihr stand, zeigte auf eine Treppe auf der rechten Seite. "Dort geht es hinunter zu den Wohnquartieren. Dort findet ihr Kodlak. Geht zu ihm und sprecht mit ihm."

Es wäre unhöflich gewesen jetzt einfach zu gehen. Also beschloss Akkirah Kodlak aufzusuchen. Eine Unterhaltung mit dem Mann konnte nicht schaden. Danach konnte sie immer noch zurück nach Rifton gehen. So ging sie dann hinunter. Auf der Treppe, die nach unten führte, kam ihr eine alte Dame entgegen. Diese grüßte sie freundlich. Akkirah grüßte zurück Dann betrat sie die Wohnquartiere. Sie vermutete der Hauptgang würde sie zu ihrem Ziel führen. Am Ende kam sie auch zu einer Tür, die offen war und die zu einem Raum führte, in dem am anderen Ende zwei Männer an einem Tisch saßen und sich unterhielten. Der einer der beiden musste Ende dreißig sein, der andere hatte bestimmt schon die siebzig überschritten. Der Älter musste demzufolge der Herold sein, den die Jägerin Kodlak nannte. Der Jüngere wirkte etwas angespannt.

Akkirah spürte das es dem Jüngeren um etwas wichtiges ging, so wie er auf den Alten einredete. Sie verstand kaum ein Wort von dem was die beiden sagten. Sie wollte auch nicht lauschen. Sie überlegte, sich zurück zu ziehen und zu gehen, als der Alte sich plötzlich zu ihr umdrehte und sie herbei winkte. Dem Jüngeren passte das überhaupt nicht, wie Akkirah an seinem Gesicht ersehen konnte. Nun da sie entdeckt war, musste sie dem Wink folgen. Als sie sich den beiden näherte, erkannte sie, dass der Jüngere nicht so alt war, wie sie zuerst vermutet hatte. Aus der Nähe sah er eher wie Ende zwanzig als wie Ende dreißig aus. Er hatte Eisgraue Augen, die einerseits etwas Trauriges ausstrahlten, aber andererseits auch unbeugsam und wild waren. Es fiel Akkirah schwer sich von ihnen abzuwenden. Doch dann sprach der Alte sie an. Er sah ihr dabei tief in die Augen. Akkirah hatte das Gefühl, er würde in ihr Innerstes sehen.

"Was führt euch zu uns, Mädchen?" Als er sie Mädchen nannte wanderten ihre Gedanken unwillkürlich zu Brynjolf. Was würde er von all dem hier halten? Sie schüttelte kurz den Kopf um ihre Gedanken wieder klar zu bekommen. "Die Jägerin", sie dachte nach, ob sie ihr ihren Namen genannt hatte, "sie sagte ich sollte mich zu euch begeben und fragen, ob ich würdig wäre, bei den Gefährten aufgenommen zu werden." Kodlak sah sie lange schweigend an. Dann wollte er etwas erwidern. Bevor der alte Kodlak was sagen konnte, sprach der Jüngere dazwischen: "Kodlak, ihr erwägt doch nicht ernsthaft diese Person aufzunehmen?" Kodlak wandte sich dem Mann zu. "Vilkas, mein Junge, wie ihr wisst hatten wir in Jorrvaskr immer Betten frei für diejenigen in deren Herzen ein Feuer brannte." "Ja" klang es gequält, "Aber wer ist sie denn? Niemand kennt sie, und sie scheint auch uns nicht zu kennen." "Das kann man ändern". Kodlak sah Akkirah wieder an. "Wie steht es um euer Kampfgeschick?" Akkirah dachte nicht lange nach als sie antwortete: "Ich habe noch viel zu lernen", sagte sich schüchtern. Der Alte lächelte sie an. "Das ist die richtige Antwort." Wieder wandte sich sein Blick Vilkas zu. "Geht mit ihr hinaus in den Hof, um zu sehen wie gut sie wirklich ist".

Akkirah sah an dem Blick von Vilkas, das er alles andere als begeistert war. Wenn seine Blicke Dolche wären, würde sie auf der Stelle tot umkippen. Sie wünschte sich weit weg. Wieso war sie nur auf die Idee gekommen sich hier vorzustellen. Ungehalten vor sich hingrummelt ging Vilkas vor. Akkirah folgte ihm Sie betraten die Methalle und gingen zum Hinterausgang. Der Kampf, der hier zuvor stattgefunden hatte war längst beendet und es wirkte ruhig in der Halle. Vilkas und Akkirah betraten den Hof. Der Dunkelelf, der vorhin an der Prügelei beteiligt war und ein kräftiger Mann, der Vilkas sehr ähnlich sah, saßen auf den Bänken und unterhielten sich. Vilkas ging hinunter in den Hof und beachtete die beiden nicht. Sein Gesicht wirkte immer noch finster. Als sie unten angekommen waren nahm er einen Schild der an der Seite lag und zog sein Schwert. Er sah sie an und sagte: "Zieht euer Schwert und geht auf mich los.". Er sah das Akkirah zögerte. "Keine Angst, ich werde euch schon nicht verletzten." Sie hörte einen spöttischen Unterton heraus. Sie zog ihr Schwert. Sie fühlte sich alles andere als Wohl dabei. Bisher hatte sie bei Übungskämpfen normalerweise nicht mit scharfen Waffen gekämpft.

"Wollt ihr nur so dastehen und meine Zeit verschwenden?"

Akkirah startete einen vorsichtigen Angriff. Vilkas parierte ihren halbherzigen Angriff mit Leichtigkeit und mit seinem Konterangriff hätte er ihr beinahe das Schwert aus der Hand geschleudert. Er trat einen Schritt zurück und sah sie an, als wollte er sagen: ‚Ich wusste das ihr untauglich seid. Gebt auf und verschwindet wieder' Das machte Akkirah wütend. So einfach Aufgeben und sich als unfähig hinstellen lassen, das würde sie sich nicht gefallen lassen. Wieder ging sie auf ihn los und diesmal gelang es ihr seinen Konterangriff besser abzuwehren und damit schien sie ihn zu überraschen. Wieder und wieder versuchte sie seine Deckung zu durchbrechen, aber es gelang ihr nicht. Er war wesendlich besser als sie. Nach gut zwanzig Minuten merkte sie aber immer mehr, wie ihr die Kräfte schwanden. Vilkas beschloss die Prüfung zu beenden. Seine Laune hatte sich aber nicht gebessert. Immer noch schaute er sie finster an. "Eure Fertigkeiten sind ausbaufähig", sagte er nur. Dann drückte er ihr sein Schwert in die Hand. "Bringt es hoch zu Eorlund, damit er es schärfen kann. Und passt gut darauf auf, denn es ist vermutlich mehr Wert als wie ihr es seid." In diesem Moment wäre sie am liebsten sofort wieder auf ihn losgegangen und hätte ihm die Augen ausgekratzt. Aber sie riss sich zusammen und funkelte ihn nur böse an und drehte sich dann mit hoch erhobenem Kopf um und ging zum Schmied hoch. Sie wusste nicht genau wo er sich befand, aber sie folgte einfach den Klängen eines Hammers der auf Eisen oder Stahl schlug.

Eorlund Grau-Mähne, der Schmied der Gefährten arbeitet gerade an einem neuen Schwert, als Akkirah zu ihm trat. Er unterbrach seine Arbeit, als sie ihn ansprach. Als sie ihm Vilkas Schwert zum Schärfen überreichte, fragte er sie ob sie die Neue wäre. Akkirah fragte ob Vilkas Neulinge immer zu ihm schicken würde. Eorlund lachte nur: "Nehmt es nicht persönlich, denn auch die alteingesessenen Gefährten haben mal klein angefangen." Akkirah mochte den Schmied auf Anhieb. Er war gerade heraus und zeigte keine Spur von Überheblichkeit ihr gegenüber. Sie unterhielten sich eine Weile und Akkirah stellte viele Fragen zu seiner Arbeit hier und den Gefährten und er bemühte sich, ihr alle zu beantworten. Als sie gehen wollte, bat er sie um einen Gefallen. Sie sollte Aela der Jägerin den Schild, den er fertig gestellt hatte bringen. Diesen Gefallen tat sie ihm gerne. Es war in der Zwischenzeit Abend geworden und die Dunkelheit brach herein. Sie betrat wieder die Halle der Gefährten und fragte die alte Dame, die sich als Tilma vorstellte und so etwas wie die Haushälterin der Gefährten war, wo sie Aela finden könnte. Sie erklärte es ihr freundlich und Akkirah bedankte sich bei ihr. Dann ging sie hinunter in die Wohnquartiere, wo Aela ihr Zimmer hatte.

Sie traf Aela nicht alleine an. Ein älteres Mitglied der Gefährten stand bei ihr und sie unterhielten sich gerade, als Akkirah an die offene Tür klopfte. Der Mann machte auf Akkirah einen Respekt einflößenden Eindruck und sie spürte das man sich mit ihm nicht unbedingt anlegen sollte.
"Ah, ihr seid es", sprach die Jägerin, mit der sie am Morgen in der Beflaggten Mähre gesprochen hatte, sie an. Akkirah überreichte ihr den Schild.
"Ich habe gehört, ihr habt Vilkas eine ordentliche Tracht Prügel versetzt", ließ sich der Mann vernehmen, der bei Aela stand. Akkirah wurde rot. "Es war wohl eher umgekehrt."
"Nun stellt euer Licht nicht unter den Scheffel, Kleines", sagte Aela. "Ihr habt Vilkas ordentlich ins Schwitzen gebracht. Das hat schon lange niemand mehr getan. Dann mal Willkommen bei den Gefährten." Aela sah Akkirah lächelnd an.
"Farkas wird euch zeigen, wo ihr schlafen könnt", sagte der Mann. "FARKAS!"
Wenig später tauchte ein Mann hinter Akkirah auf. Es war derjenige, den sie oben auf der Terrasse mit dem Dunkelelfen gesehen hatte und den sie für den Bruder von Vilkas hielt.

"Ihr habt mich gerufen?" fragte er leise. "Ja, Eishirn", konnte man Aela antworten hören. Akkirah sah sie erstaunt und verwirrt an? Wie beleidigte sie einen Gefährten so? Ihr gegenüber hatte sie sich bisher nett und zuvorkommend verhalten. Farkas reagierte nicht auf die Beleidigung. Der Mann bei Aela gab Farkas die Anweisung, Akkirah zu zeigen, wo sie schlafen könne. Farkas nickte und dann bat er Akkirah freundlich ihr zu folgen.

Akkirah mochte Farkas sofort. Seine eisgrauen Augen blickten sie freundlich an. Als er sie zu den Quartieren brachte, versuchte er das, was Aela gesagt hatte herunter zu spielen. "Skor und Aela ziehen mich gerne etwas auf. Aber das ist schon in Ordnung. Sie sind gute Leute. Ich hoffe es gefällt euch bei uns und ihr bleibt da." Das hörte sich fast so an, als würden andere schnell wieder verschwinden. Naja. Wenn man so wie Farkas behandelt wird oder einen Vilkas gleich als Wertlos hinstellt, an sich kein Wunder. Was machte sie eigentlich noch hier? Sie sollte eigentlich in der Beflaggten Mähre in ihrem Zimmer sein, denn morgen wollte sie zurück nach Rifton. "Achja, ich bin übrigens Farkas. "Ich bin gemeinsam mit meinen Zwillingsbruder Vilkas seit wir klein waren hier. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, wendet euch am Besten an Vilkas, er kann besser reden als ich."

‚Ihr meint wohl er kann andere besser zusammenstauchen und zur Schnecke machen', dachte Akkirah sagte dazu aber nichts. "Ich heiße Akkirah. Freunde nennen mich Akki." Sie blieb stehen und reichte ihm die Hand. Farkas ergriff sie und drückte sie fest. Dann gingen beide weiter. Farkas redete weiter: "Nadja, Athis und Ria, mit denen ihr das Quartiert teilen werdet, sind schon Gefährten. Torvar ist wie ihr noch Anwärter. Das heißt ihr müsst euch erst noch beweisen und auch draußen zeigen, dass ihr würdige Gefährten seid. Aber ihr schafft das bestimmt spielend." Er sah sie lächelnd an. Akkirah fand es rührend wie er versuchte sie positiv zu stimmen. Sie kamen bei der Unterkunft der einfachen Gefährten und Anwärter an. "Das Bett dort drüben ist frei. In dem Nachttisch und der Kommode könnt ihr eure Habseligkeiten unterbringen. Ich lasse euch dann nun mit den anderen alleine, damit ihr euch kennen lernen könnt. Wenn ihr Arbeit sucht, dann kommt zu mir oder Aela. Wenn ihr länger dabei seid, könnt ihr auch Arbeiten von Skor oder Vilkas übernehmen." Sie dankte ihn noch mal und betrat dann die Unterkunft. Ria kam sofort auf sie zu um sie zu begrüßen. "Es freut mich, wieder ein neues Gesicht bei uns zu sehen. Ich bin Ria. Ich bin auch noch recht neu hier, aber habe es geschafft aufgenommen zu werden. Wenn ihr wollt kann ich euch gerne alles zeigen."
"Danke, Ria", Akkirah nickte ihr freundlich zu. "Ich bin Akkirah, kurz Akki genannt." Ria nahm sie am Arm und zog sie zu Athis und Torvar hinüber, die auf der anderen Seite des Raumes ihre betten hatte.
"Hey, ihr beiden, das ist Akki, sie ist neu bei uns" Athis und Torvar begrüßten sie herzlich. Es schien hier vielleicht doch gar nicht so übel zu sein, dachte Akkirah.
"Nadja, werdet ihr später kennen lernen. Sie ist wohl gerade unterwegs."
Akkirah verbrachte eine ganze Zeit mit den dreien und unterhielt sich mit ihnen. Athis und Ria mochte sie gleich. Bei Torvar war sie nicht sicher, was sie von ihm halten sollte. Er wirkt irgendwie unzufrieden und schien ein Hang zum Trinken zu haben.

Zur späteren Stunde verließ sie noch mal die Unterkunft. Sie wollte gerne noch mal mit dem alten Kodlak reden, aber die Tür war geschlossen. Er wollte wohl seine Ruhe haben. Akkirah beschloss Farkas aufzusuchen um zu sehen, was er für Arbeit für sie hätte. Sie ging hinauf in die Methalle um zu sehen, ob er da wäre. Dort fand sie aber nur noch Tilma, die dabei war Ordnung zu schaffen. "Was kann ich für euch tun, Schätzchen", fragte die alte Frau sie. "Ich bin auf der Suche nach Farkas." "Er wird in seinem Zimmer sein. Ihr findet es im Gang gegenüber von Skor und Aela." Akkirah bedanke sich für die Auskunft und ging wieder hinab.

Als sie unten ankam, hatte sie ein Problem. Tilma hatte ihr nicht gesagt, welches der beiden Zimmer auf der anderen Seite des Gangs, das von Farkas war. "Akkirah fluchte leise vor sich hin. Dann klopfte sie an die rechte Tür. Sie hörte ein leises "Herein". Sie öffnete die Tür und hätte sie am liebsten gleich wieder zugeschlagen. Es war das falsche Zimmer. An einem Tisch saß Vilkas gemütlich auf einem Stuhl und las ein Buch. Akkirah wurde rot, weil sie befürchtete schon was falsch gemacht zu haben, indem sie Vilkas schon wieder störte. Er sah sie fragen an. Dabei war sein Blick diesmal nicht ungehalten wie am Nachmittag. "Tut mir leid, euch zu stören, aber ich habe an der falschen Tür geklopft. Ich wollte eigentlich zu eurem Bruder." Als Akkirah den Buchtitel Morgenstern 2920 Band 1 las, kam eine leise Erinnerung in ihr hoch, als hätte sie dieses Buch früher oft gelesen. Spontan fragte sie Vilkas, ob er ihr das Buch ausleihen würde, wenn er es durch hätte. Da er von dieser Frage absolut überrascht wurde, nickte er nur und Akkirah entschuldigte sich für die Störung und verschwand schnell wieder und schloss leise die Tür hinter sich.

Dann klopfte sie bei Farkas an die Tür und betrat sein Zimmer nachdem er sie herein bat. Sie fragte ihn nach Arbeit. Er bat sie, sich doch zu setzten und dann erklärte er ihr was zu tun sei. Banditen hätten sich bei der alten geheimnisvollen Schmiede "Stille Monde" einquartiert. Und machten nun die Gegend unsicher und überfielen Reisende, die sie töteten und dann ausplünderten. Das musste unterbunden werden. Akkirah stimmte dem zu. Sie fragte wo sich die Schmiede befinden würde und Farkas beschrieb es ihr. Als sie alles, was sie wissen musste erfahren hatte wünschte sie Farkas eine gute Nacht und begab sich zurück in ihr neues Quartier.

Sie schlief wieder einmal so gut wie gar nicht. Was tat sie nun hier? Rifton war ihre Heimat geworden. Dort hatte sie ihre Freunde, sowohl unter den einfachen Bürgern der Stadt, als wie auch in der Diebesgilde. Bryn. Warum war sie vor ihm davon gelaufen? Sie mochte ihn. Und er sie. Was stimmte nur mit ihr nicht, das sie sich so dagegen wehrte, wenn sie jemand versuchte in die Arme zu nehmen? So lag sie wieder einmal fast die ganze Nacht wach. Als die Dämmerung hereinbrach stand sie auf und setzte sich an einen der Tische in dem mittleren Bereich der Wohnquartiere und schrieb einen Brief an Maven, in dem sie ihr mitteilte dass sie ihre Aufgabe erfüllt hatte. Sie informierte sie darüber, dass es sich bei den Hintermännern wieder um dieselben handeln musste, wie bei denjenigen, die Gut Goldenglanz gekauft hatten.

Als sie den Brief fertig hatte, überlegte sie noch einen an Brynjolf zu schreiben. Nur war er in letzter Zeit kaum noch auf dem Markt gewesen. Damit wusste sie nicht, an wen sie ihn schicken konnte, damit er bei ihm ankam. Und Maven traute sie nicht.

Da sie eh nicht mehr schlafen konnte, beschloss sie auch jetzt schon aufbrechen, um zum Lager Stille Monde zu gelangen. Sie würde noch kurz in der Beflaggten Mähre anhalten und Hulda den Brief an Maven gaben, damit sie ihn, sobald ein Kurier da war, an diesen übergab. Sie ging noch mal ins Schlafquartier um ihre Waffen zu holen, die sie neben dem Bett abgelegt hatte. Die anderen schliefen noch. Als sie gerade durch die Tür des Wohnquartiers nach oben gehen wollte, stand plötzlich Vilkas neben ihr mit dem Buch, das er letzte Nacht gelesen hatte, in der Hand. Akki war absolut überrascht und als Vilkas ihr das Buch in die Hand drückte, wusste sie erst nicht was sie sagen sollte. Dann bedankte sie sich lächelnd und sagte dann ohne zu wissen warum, sie würde gut darauf aufpassen, denn ihr wäre klar, das es ja wahrscheinlich mehr Wert sei als sie selbst. Im ersten Moment stand Vilkas vollkommen verdattert da, weil damit er nun wirklich nicht gerechnet hatte. Doch dann brach er in ein Lachen aus, in das Akki nach einigem Zögern mit einfiel. Nachdem sich beide wieder beruhigt hatten, dankte sie ihm nochmals. Vilkas sagte ihr, sie könne jederzeit zu ihm kommen, wenn sie Fragen hätte oder einfach nur reden wolle. Akkirah nickte lächelnd. Dann drehte sie sich um und ging zurück in den Schlafraum, um das Buch in ihrem Nachtschrank zu legen. Sie würde es am Abend, wenn sie zurückkam lesen.

Vilkas war auch in sein Zimmer zurückgegangen. Normalerweise stand er nie so früh auf, aber eine innere Stimme hatte ihn geweckt. So hatte er Glück gehabt und sie noch erwischt bevor sie die Methalle verließ. Was ihn allerdings wunderte war, dass sie alleine loszog. Normal zogen die Neulinge nicht alleine los, sondern waren immer in Begleitung eines der anderen Gefährten. Sie sollte wohl nur einen einfachen Botengang machen, was auch alleine kein Problem war.

Akkirah ging anschließend, wie geplant erst zur Beflaggten Mähre. Hulda hatte sich schon gewundert, wo sie abgeblieben war, weil sie ja noch für diese Nacht das Zimmer gemietet hatte. sie erzählte ihr, dass sie bei den Gefährten um Aufnahmegebeten hatte und nun dort untergekommen war. Hulda freute sich darüber. Sie versprach Akkirah dafür zu sorgen, das ihr Brief mit dem nächsten Kurier nach Rifton gehen würde. Dann fiel Akkirah ein das sie noch garnis gegessen hatte heute Morgen. Sie fragte Hulda ob sie etwas bei ihr bekommen könnte. Hulda brachte ihr sofort etwas Brot und Wurst und einen Becher Tee. Hungrig machte Akkirah sich darüber her. Dann war es auch zeit aufzubrechen. Hulda gab ihr noch ein Paket mit Essen für unterwegs mit, was Akkirah dankbar annahm. Dann lief schnell zu den Ställen hinunter und machte sich auf den Weg zu der geheimnisvollen Schmiede. Die Schmiede lag zu Pferd knapp zwei Stunden von Weißlauf entfernt.

Das Wetter war wieder einmal bescheiden und es regnete ständig. Als sie in die Nähe kam, tat sie zunächst so, als würde sie an der zerfallen Festung, oder was immer es auch Mal gewesen war vorbeireiten. Als sie einen kleinen Wald aus Tannen erreichte, stieg sie ab und schlich sich an die Ruine heran. Draußen waren drei Banditen und hielten Wachen Sie hatten Akkirah nicht bemerkt. Zwei konnte Akkirah mit gezielten Schüssen erwischen. Der dritte hatte mit bekommen, dass seine Gefährten tot zusammenbrachen. Auch er war ein guter Bogenschütze und hatte von oben hinter eine Mauer eine besser Position als Akkirah unten am Fuß der Treppe, die hoch zur Schmiede führte. Einer seine Pfeile erwischte sie am linken Arm. Akkirah fluchte leise. Im Zickzack lief sie die Treppe so schnell sie konnte hoch. Dabei hatte sie ihr Schwert gezogen. Es gelang dem Banditen nicht, se noch mal zu treffen. Den Zweikampf mit dem Schwert konnte sie dann für sich entscheiden. Akkirah hoffte, das niemand auf den Kampf hier draußen aufmerksam geworden war. Sie schlich noch weiter nach oben. Zuvor hatte sie den Pfeil aus dem Arm gezogen und sich die Wunde mit einem Stück Stoff, das sie in einer Gürteltasche für solch Notfälle dabei hatte verbunden. In der Schmiede selbst waren auch wieder drei Leute. Alle drei waren in der Schmiede beschäftigt. Akkirah griff wieder zu ihrem Bogen. Auch diesmal erwischte sie zwei sofort und gegen die dritte musste sie ihr Schwert ziehen. Der Kampf was diesmal einiges Schwerer, da die Gegnerin nicht ungeschickt im Umgang mit ihrer Waffe war und obendrein anscheinend mit Magie vertraut war und eine Schutzzauber um sich gewoben hatte. Als der Schutzzauber seine Wirkung verlor, gelang es Akkirah die Deckung der Frau zu durchbrechen und sie zu töten. Bis dahin hatte sie aber schon mehrere leichte Schnittwunden davon getragen.

Mit so vielen hatte sie hier nicht gerechnet. Wie konnte man sie zu so einem Ort nur alleine losschicken? Sie hoffte, dass sie im Inneren der ehemaligen Festung nicht auf eine allzu große Überzahl Gegner stieß. Sie beschloss erst mal eine Pause einzulegen und lief vorsichtig zurück zu Adelante. Hier nahm sie etwas von dem was Hulda ihr an essen mitgegeben hatte und aß etwas. Als sie sich gestärkt fühlte schlich sie sich wieder an die Festung heran. Sie hatte das Tor das ins Innere führte, die ganze Zeit genau beobachtet. Plötzlich sah sie zwei Leute aus Richtung Weißlauf angelaufen kommen. Es waren Farkas und Athis. Sie gab sich den beiden zu erkennen.

Sie kamen zu ihr gelaufen. Als Farkas sie sah, war er entsetzt, weil sie Blutüberströmt war. "Was ist mit euch, wie schwer sind eure Verletzungen? Warum seid ihr nur alleine losgezogen? Athis sollte euch begleiten." "Das hättet ihr mir gestern sagen sollen." "Tut mir leid", sagte Farkas, "Ich hatte vergessen, es euch sofort zu sagen. Vilkas hat mit deshalb auch schon fast den Kopf abgerissen. Woher sollte ich aber auch wissen, das ihr so früh aufbrechen würdet." Akkirah musste bei der Vorstellung grinsen, das Vilkas, der doch, obwohl die beiden Zwillinge waren, ein ganzes Ende kleiner und schmächtiger war als sein Bruder, versuchte ihm den Kopf abzureißen.

Farkas wollte nach ihren Wunden schauen, aber Akkirah winkte ab. "Alles halb so wild. Das meiste Blut stammt von den anderen. Ich habe nur ein paar Kratzer davon getragen."

Sie stand auf und nahm ihren Bogen zur Hand. "Nun da wir aber zu dritt sind, sollten die restlichen Banditen im Inneren der Festung kein großes Problem mehr für uns darstellen. Die sechs, die draußen und in der Schmiede waren, werden uns nicht mehr stören." Farkas und Athis sahen sie erstaunt an. Sechs Banditen ganz alleine?

"Ihr wartet hier draußen auf uns. Die Restlichen nehmen wir beide uns vor." Farkas Blick ließ keinen Widerspruch zu. "Wie ihr meint", Akkirah ärgerte sich zwar etwas, aber sie merkte da ihr der Arm, wo der Pfeil sie erwischt hatte, doch größere Schmerzen bereitete als sie zuvor gedacht hatte. "Ich werde mich unten an dem Tümpel waschen und dann dort auf euch warten. Die beiden nickten und verschwanden dann zur Festung hinauf. Akkirah begab sich mit Adelante hinunter zu dem Tümpel. Der Regen trug auch schon dazu bei, dass der Grossteil des Bluts abgewaschen wurde. Eine gute stunde später kamen Farkas und Athis zurück und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.

Also sie Jorrvaskr am späten Nachmittag erreichten wurden sie schon von Vilkas erwartet. Als er Akkirah sah, leuchteten seine Augen kurz erleichtert auf. Aber als er den Verband und die anderen Wunden an ihren Armen sah, blickte er seinen Bruder finster an und wollte Farkas noch mal zurechtweisen, aber Akkirah kam ihm zuvor.

"Er trägt keine Schuld an dem. Ich war zu voreilig. Ich hätte nicht gleich nach dem Aufstehen losziehen sollen, sondern erst noch warten sollen."

Vilkas sagte nichts und er sah sie nur lange an. Sie war ein klasse Mädchen. Nicht nur das sie gut mit ihren Waffen umzugehen wusste, sie war nicht wie viele andere, die zu ihnen kamen, Egoistisch und nur auf ihr eigenen Vorteil bedacht, sondern stellte sich auch hinter ihre Gefährten und versuchte diese nicht im schlechten Licht stehen zu lassen. Das gefiel ihm. Es tat ihm leid, dass er sie gestern, als sie zu Kodlak kam, so unfreundlich behandelt hatte.
"Ich ziehe mich etwas zurück, um aus den Kräutern die wir unterwegs noch gesammelt haben, eine Salbe anzumischen die ich auf meine Wunden schmieren kann."
"Geht zu Tilma, sie wird euch helfen. Und die nächsten zwei Tage werdet ihr euch ausruhen, bevor ihr neue Aufgaben annehmt oder mit dem Training beginnt."
Dann drehte sich Vilkas um und ging hinaus in den Hof.
Athis folgte ihm. Farkas blieb bei ihr stehen. "Danke, das ihr versucht meinen Fehler herunter zu spielen." "Es war gestern ja auch schon spät, da vergisst man halt schnell mal war."
"Nun ja, die anderen haben wohl recht damit, wenn sie sagen, Ich hatte die Kraft von Ysgramor geerbt, während mein Bruder den Verstand von ihm hat."

"Das ist doch Quatsch. Ich hoffe ihr seid mir nun aber nicht böse, wenn ich mich zurück ziehe." Er schüttelte den Kopf und folgte dann seinem Bruder und Athis nach draußen. Akkirah suchte Tilma auf, damit sie ihr helfen konnte die Wunden zu behandeln. Alleine war das doch nicht so einfach. Als sie fertig waren legte sich Akkirah etwas hin. Sie hatte die letzte Zeit zu wenig geschlafen. Sie schlief gerade zwei Stunden als sie sanft geweckt wurde. Ria kniete neben ihr: "Tut mir leid, wenn ich euch aufwecke, Akki, aber Vilkas wollte, das ich euch etwas zu Essen bringe und dafür sorge, das ihr es auch wirklich gleich esst."
"Ich danke euch." Akkirah setzte sich auf und fing an, das was Tilma zubereitet hatte zu essen. Als sie fertig war legte sie sich wieder hin und schlief fest ein.