012 Einmal Rifton und zurück
012 Einmal Rifton und zurück PDF 
Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 16:57 Uhr
Als Akkirah am nächsten Morgen aufwachte stand die Sonne schon hoch am Himmel. Sie konnte es zwar nicht sehen, da in ihrer Unterkunft keine Fenster waren, aber sie fühlte es. Irgendwas musste in dem Tee gestern Abend gewesen sein, den sie zum Essen getrunken hatte, denn sie hatte seit Tagen nicht so lange geschlafen. Wahrscheinlich hatte Tilma etwas hinein getan, damit sie durchschlafen konnte. Sie spürte nun auch schon wieder wie ihr linker Arm an der Pfeilwunde etwas pochte. Vorsichtig stand sie auf. Im Raum war niemand mehr. die anderen waren wohl entweder oben irgendwo oder unterwegs um einen Auftrag zu erledigen. Genug Arbeit schien es ja immer zu geben.

Akkirah kleidete sich an und ging nach oben in die Methalle. Bis auf Tilma war niemand anwesend. Diese begrüßte sie freundlich und bat sie sich irgendwo am Tisch zu setzen. Sie würde ihr gleich etwas zum Frühstück bringen. Akkirah musste nicht lange warten bis Tilma ihr einen Teller mit Brot und Fleisch brachte. Dazu ein paar Äpfel. Sie fragte sich, wie sie das alles essen sollte. Zu trinken bekam sie einen Tee, der Heilkräuter enthielt.

Akkirah fragte Tilma, was sie ihr gestern Abend in den Tee getan hatte. "Das ist ein altes Familien Geheimrezept", bekam sie zur Antwort. "Wenn ihr erst mal ein paar Jahre dabei seid, verrate ich es euch." Sie grinste. Akkirah lachte.

Nachdem Akkirah ihren Teller zur Hälfte geleert hatte und satt war, ging sie in den Hof. Sie wollte den anderen, die nicht unterwegs waren ein wenig beim Training zuschauen. Torvar übte an einer der Puppen mit seinem riesigen Kriegshammer. Vilkas und Farkas kämpften gegeneinander. Wenn man die beiden so neben einander sah, hätte man nicht vermutet, dass es sich um Zwilling handelt. Farkas war groß und kräftig gebaut. Vilkas wirkte neben ihm recht klein und schmächtig. Akkirah war erstaunte, da Vilkas einen Zweihänder benutzte, der dem von Farkas größenmäßig in nichts nachstand. Während Farkas seinen aber mit unbändiger Kraft schwang, benutzte Vilkas geschickte Technik. Und immer wieder versuchte Vilkas seinem Bruder zu erklären, er solle nicht einfach nur Wild drauflos schlagen sondern, taktischer vorgehen, wie er es tat. Es schien aber verloren Liebesmüh zu sein, es Farkas beibringen zu wollen. Trotzdem verlor Vilkas nicht die Geduld. Er wirkte heute vollkommen anders als vorgestern, wo er Akkirah geprüft hatte.

Sie sah den beiden noch eine Weile zu und dann begab sie sich wieder nach drinnen. Sie wollte ihren Verband noch mal wechseln. Tilma half ihr wieder dabei. Die Wunde heilte nicht so gut wie Akkirah gehofft hatte, aber es war auch nicht Besorgnis erregend. Tilma schien es genauso zu sehen. Sie beschloss, das Buch das Vilkas ihr geliehen hatte, zu lesen und legte sich dazu etwas aufs Bett. Aber es viel ihr schwer sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Ihre Gedanken wanderten immer wieder nach Rifton. War es richtig hier zu sein? Sie hatte das Gefühl ihre alten Freunde einfach im Stich zu lassen. Besonders Brynjolf. Es wäre nur fair wenn sie ihm selbst sagen würde, dass sie die Gilde verlassen habe und ein neues Leben beginnen wollte.

Sie legte das Buch wieder zurück in den Nachtschrank und beschloss mit Kodlak zu sprechen. Vielleicht konnte er ihr raten, was sie tun sollte. Sie ging zu seinen Räumen hinüber. Er saß wieder auf dem Platz, wo er auch schon an ihrem ersten Tag saß. Sie wollte gerade an die offene Tür klopfen, um ihn auf sich aufmerksam zu machen, denn sie hielt es für unhöflich einfach eine Zimmer ungefragt zu betreten, als er ihr zuvor kam und sie ansprach. "Kommt herein, Mädchen und setzt euch etwas zu mir." Sie tat wie geheißen. "Etwas scheint euch zu bedrücken Mädchen." Akkirah sah ihn erstaunt an. War es so offensichtlich?

"Nun, ich weiß nicht so recht was ich machen soll", begann sie. Dann erzählte sie ihm alles. Angefangen mit ihrer Gefangennahme, der Flucht aus Helgen und ihre Zeit in Rifton und der Diebesgilde, warum sie eigentlich nach Weißlauf gekommen war und wie sie sich von Brynjolf getrennt hatte.
"Liebt ihr den Mann?", Kodlak sah ihr ernst tief in die Augen.
"Ich weiß es nicht. Vielleicht ja", sie sah zu Boden. Sie wusste wirklich nicht, was sie für Brynjolf empfand. Sie hatte ihn sehr gerne. Aber warum wehrte sie sich dann, wenn er sie in den Arm nahm?
"Ihr solltet es herausfinden. Ansonsten wärt ihr bei euren Aufgaben hier immer nur mit halben Herzen dabei, was nicht nur für euch gefährlich sein kann, sondern auch für eure Gefährten." Er dachte kurz nach. "Aela hat einen Auftrag Nahe Rifton zu erledigen. Sie wird morgen früh aufbrechen. Ihr werdet sie begleiten und euch mit diesem Brynjolf treffen. Danach werdet ihr wissen, was ihr wirklich wollt. Und entweder kehrt ihr anschließend mit Aela zurück nach Weißlauf oder ihr bleibt in Rifton. Ich werde Aela davon in Kenntnis setzten, dass ihr sie begleiten werdet."

Akkirah bedanke sich bei Kodlak für die Hilfe und ging nach oben. Es war zwischenzeitlich schon Nachmittag geworden. Sie hatte nicht gemerkt wie die Zeit vergangen war. Sie beschloss hinunter zu den Ställen zu gehen und nach Adelante zu sehen. Die Stute stand in ihrer geräumigen Box mit Paddock davor und knabberte etwas an dem Stroh. Als Akkirah sich näherte schnaubte sie leise zur Begrüßung. Akkirah gab ihr zwei Äpfel, die sie aus der Kiste neben den Ställen nahm. Skulvar hatte ihr gesagt, man könne sich da gerne bedienen. Sie setzte sich zu der Stute ins Paddock und sah ihr beim Fressen zu, nach einer Weile begann sie das Pferd zu putzen. Als sie fertig war wusch sie sich selbst den Staub am Bach ab, bevor sie wieder nach oben ging. Es war Abendbrotzeit als sie wieder vor Jorrvaskr ankam. Vor der Halle traf sie auf Aela, die die letzten beiden Tage gemeinsam mit Skor unterwegs gewesen war und nun noch mal hinunter zu Skulvar wollte, um zu klären ob es morgen mit der Fahrt nach Rifton klar gehen würde. Akkirah war erstaunt, "Wir fahren? Ist es nur zu Pferd nicht schneller und einfacher?", fragte Akkirah sie. "Da wir auf den Rückweg etwas von dem geräucherten Fisch von Boli für unsere Vorräte mitbringen ist, es praktischer mit der Kutsche zu fahren", erklärte Aela ihr. Das klang für Akkirah einleuchtend.
"Wir treffen uns morgen Früh bei Sonnenaufgang bei den Ställen."
"Kommt ihr nicht gleich zurück?"
"Ich werde noch etwas jagen gehen. Der Mond ist heute Ideal dafür." Dann verschwand sie.

Akkirah betrat die Methalle. Die Zwillinge saßen am Stirnende der Tafel, an der langen Seite bei ihnen saßen Torvar und Ria. Auf der anderen Seite waren Skjor, Nadja, Vignar und Athis. "Kommt", forderte Vilkas sie lächelnd auf, " Setzt euch zu uns bevor alles aufgegessen ist." Er deutet auf dem Platz neben sich. Akkirah nahm, wie gewünscht dort Platz. Ria war gerade dabei zu erzählen, wie sie von zu Hause davongelaufen war. Akkirah hörte nur zu und beteiligte sich selbst kaum an den Gesprächen, die noch folgten. Sie war mit ihren Gedanken schon auf den Weg nach Rifton und sie hatte Angst davor. Daher zog sie sich auch bald zurück. Sie wollte eh noch ihren Verband wieder wechseln. Es dauerte auch nicht lange, da kamen auch die anderen hinunter, um sich zur Ruhe zu begeben. Nadja begab sich ohne ein Wort zu sagen in ihr Bett. Ria wünschte Akki noch eine gute Nacht.

Plötzlich fiel Akkirah das Buch von Vilkas ein. Sie beschloss es ihm gleich zurück zu geben. Sie wusste ja nicht, ob sie aus Rifton zurückkommen würde. Sie nahm es aus dem Nachttisch und ging hinüber zu seinem Zimmer und klopfte an die Tür. Auf sein herein betrat sie sein Zimmer. Sie reichte ihm das Buch und er sah sie erstaunt an: "Habt ihr es so schnell durchgelesen?"
Sie senkte den Kopf: "Nein, ich bin nicht sonderlich weit gekommen."
"Gefällt es euch doch nicht?"
"Es gefällt mir gut."
"Aber warum wollt ihr es dann nicht zu Ende lesen?" Er wirkte etwas verwirrt.
"Ich werde morgen mit Aela nach Rifton reisen. Und ich weiß noch nicht ob ich zurückkommen werde. Daher wollte ich euch das Buch jetzt schon wiedergeben."
"Ich hoffe ihr kommt zurück. Jemanden wie euch können wir hier gut gebrauchen."
Sie sagte nichts dazu. Aber sie spürte, dass er sie soeben gelobt hatte.
"Ich sollte mich nun zu Bett begeben. Ich wünsche euch eine gute Nacht"
"Das wünsche ich euch auch, Akkirah."

Sie drehte sich um und verließ sein Zimmer wieder und ging zurück in den Schlafsaal der einfachen Gefährten. Als sie im Bett lag konnte sie wieder mal nicht einschlafen. Hatte sie sich das nur eingebildet oder hatte Vilkas sie fast genauso traurig angesehen, wie es Brynjolf vor ein paar Tagen gemacht hatte? Am liebsten hätte sie angefangen zu Weinen. Sie zog die Decke über den Kopf. Es dauerte lange, bevor sie in einen unruhigen Schlaf fiel.
Am nächsten Morgen stand sie vor den anderen auf. Nur Tilma war schon in Gange, um das Frühstück für die anderen vorzubereiten. "So früh schon auf den Beinen, Schätzchen?" "Ja, ich fahre heute gemeinsam mit Aela nach Rifton." "Wartet kurz, ich geben euch noch etwas Proviant für unterwegs mit. Aela vergisst es immer." Akkirah lächelte. Nachdem Tilma einen großen Beutel mit Brot und gebratenem Fleisch, sowie etwas Obst gefüllt hatte, reichte sie ihn Akkirah. "Und nun last Aela nicht warten, sie kann ziemlich Ungemütlich werden, wenn man sie warten läßt."
"Danke nochmals" Akkirah winkte ihr zum Abschied zu, dann lief sie geschwind hinunter zu den Ställen. Aela wartete schon. Akkirah nahm ihr Sattelzeug und legte es auf die Kutsche. Sie führte Adelante aus dem Stall und ließ sie frei laufen. Aela die schon auf der Kutsche saß staunte. "Wollt ihr sie nicht anbinden?" "Sie folgt mir so." Akkirah lächelte. Dann fuhren sie los. Aela hatte von Kodlak gehört, das Akkirah möglicherweise in Rifton bleiben würde. Er hatte ihr aber nichts aber die Gründe genannt. Aela fragte sie auch nicht danach. Sie unterhielten sich unterwegs über alles Mögliche. Irgendwann am dritten Tag, als sie Rifton immer näher kamen rückte Akkirah mit dem Grund heraus, warum sie nach Rifton ging. "Ihr werdet schon die richtige Entscheidung treffen. Dabei kann euch niemand helfen, Kleines." Akkirah nickte nur. Dann fiel ihr noch etwa ein: " In meinem Haus in Rifton ist übrigens Platz für Gäste. Wenn ihr möchtet ihr bei mir übernachten. Das spart ja die Kosten im Bienenstich." "Danke, das nehme ich gerne an."

Sie kamen am späten Abend in Rifton an. Akkirah brachte Adelante in den Stall. Shadre freute sich sie wieder zu sehen und begrüße sie freundlich. Dann ging sie gemeinsam mit Aela in ihr Häuschen. "Schön habt ihr es hier", sagte die Jägerin. "Ich kann verstehen, dass ihr hier gerne seid." Sie gingen noch in den Bienenstich, um etwas zu essen. Akkirah würde am nächsten Morgen hinunter in die zersplitterte Flasche gehen, während Aela in Rifton das erledigte weshalb sie gekommen war. Am drauf folgenden Morgen würde Aela wieder zurück nach Weißlauf fahren. Akkirah hatte also den ganzen nächsten Tag Zeit mit Brynjolf zu sprechen. Akkirah konnte nicht einschlafen. So beschloss sie noch in der Nacht in die Diebesgilde zu gehen. Sie hatte auch den Schuldschein dabei, den sie in der Honigbräuerei gefunden hatte.

Sie ging zunächst in die zersplitterte Flasche. Vekkel und Tonilia, die die einzigen dort waren, staunten sie zu sehen. "Wir dachten ihr hättet uns verlassen. Brynjolf sagte so etwas." "Ich muß ihn sprechen. Wisst ihr ob er in der Zisterne ist?" "Ich befürchte er ist nicht in Rifton." "Wie das? Er hat Rifton doch sonst nie verlassen?" "Er ist gemeinsam mit Mercer für ein paar Tage nach Windhelm, wo er eine alte Freundin besucht." Vekkel sah sie nicht an, als er das sagte. Akkirah verstand was er damit sagen wollte. "Gebt ihm das von mir, wenn er wiederkommt. Er wird schon wissen, was es bedeutet." Sie gab ihm den Schuldschein, den sie in der Honigbräuerei gefunden hatte. "Ich werde zurück nach Weißlauf gehen. Grüßt bitte die anderen von mir."

Dann drehte sich Akkirah um und ging. Die Entscheidung war gefallen. Sie würde zurück nach Weißlauf gehen und bei den Gefährten bleiben. Wenn Brynjolf wirklich etwas an ihr gelegen hätte, wäre er nicht so schnell zu einer anderen Frau gefahren. Einerseits erleichtert, andererseits auch traurig, verließ Akkirah die zersplitterte Flasche. Ursprünglich wollte sie noch Saphir, Vipir, Rune und die anderen besuchen, aber sie ließ es sein. Sie brauchte nun etwas Zeit für sich alleine. Die beiden Monde schienen Hell als sie den Rattenweg wieder verließ. Sie ging zurück zu ihrem Haus und legte sich ins Bett. Schlafen konnte sie aber nicht.

Am nächsten Morgen ging sie zum Frühstück wieder mit Aela in den Bienenstich. Sie hatte der Jägerin schon gesagt, dass sie wieder zurück mit nach Weißlauf kommen würde. Aela hatte sie lange ernst angeschaut und dann genickt ohne ein Wort zu sagen.

Nach dem Frühstück brach Aela auf, um auf dem Hof der Schnee-Schuh Familie die Skeever, die sich dort im Keller aus unerklärlichen Gründen wie wild vermehrt hatten zu beseitigen. Akkirah fragte sie, ob sie sie begleiten sollte. Aber Aela lehnte ab und meinte, sie sollte den Tag genießen und einfach nichts tun. So fuhr Akkirah mit dem kleinen Boot, das sie sich gekauft hatte, auf den See hinaus. Sie hatte dort eine kleine Insel gefunden, die von außen nur aus Wald zu bestehen schien, aber auf deine einen Seite war eine kleine Bucht und um die Bucht wuchs herrliches Gras. Niemand sonst schien die Insel zu betreten. Akkirah war hier schon öfters gewesen und so legte sie sich dort ins Gras und sah den vorbeiziehenden Wolken zu. Sie hatte eine Angel am Boot ausgehängt und so fing sie sich ein paar Fische die sie am Nachmittag, als sie Hunger bekam, an einem kleinen Feuer, das sie entzündet hatte briet. Bevor die Dunkelheit einbrach, fuhr sie zurück. Sie wollte nicht, dass sich Aela möglicherweise Sorgen machte, wenn sie so lange mit dem Boot draußen blieb. Aela saß auch schon auf der Terrasse und trank eine Flasche Met, als Akkirah zurückkam. Sie gesellte sich zu ihr.

Am nächsten Morgen brachen die beiden dann wieder auf nach Weißlauf. Diesmal nicht so zeitig, denn die Kutsche musste ja noch mit den Vorräten beladen werden. Akkirah ging auch noch mal zu Drifa und Bersi und bat sie wieder ein Auge auf ihr Haus zu haben. Sie würde für lange Zeit nicht zurückkommen. Beide versprachen immer mal nach dem Rechten zu schauen.

Auf dem Rückweg brauchten sie etwas länger. So kamen sie am Nachmittag des vierten Tages nach ihrem Aufbruch in Rifton wieder in Weißlauf an. Akkirah mietete dann gleich bei Skulvar die Box für Adelante für unbestimmte Zeit an. Aela war in der Zwischenzeit schon mal hoch nach Jorrvaskr gelaufen um ein paar Helfer zum Schleppen der Vorräte zu holen. Sie hatte nichts davon gesagt, das Akkirah wieder mit ihr zurückgekommen war. Als Vilkas, der gemeinsam mit Skor, Torvar und Farkas mit Aela zu der Kutschen kamen, begannen seine Augen strahlen. " Es ist schön, euch wieder zusehen, Akkirah", sagte er nur. Akkirah lächelte. Auch die anderen begrüßten fröhlich. Sie war nun zu Hause.