01 Wie alles begann
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Geschrieben von: CKomet   
30.12.15 um 17:55 Uhr

In Himmelsrand herrschte schon seit langem eine angespannte Stimmung in den unterschiedlichen Fürstentümern. Das Weißgoldkonkordat, das den Bewohnern von Himmelsrand von den Thalmor auferlegt wurde, wurde nicht von allen Bewohnern des Landes anerkannt. Nachdem das Kaiserreich, zu dem auch Himmelsrand gehört, den Großen-Krieg gegen den Altmeri-Bund verloren hatte, musste man sich deren Gesetzen beugen. Besonders die östlichen Fürstentümer unter der Führung von dem Jarl von Windhelm, Ulfric Sturmmantel, wollten sich die Bevormundung nicht gefallen lassen und lebten nach ihren alten Traditionen weiter und beteten auch weiterhin Talos als einen der neun Götter an. Die meisten der westlichen Fürstentümer störte es nicht weiter. Wer von ihnen ein Anhänger Talos war, behielt es für sich und hängte es halt nicht an die große Glocke. Die einfache Bevölkerung konnte auch gut damit leben.

Nur in den höheren Kreisen, war es schon ein Thema und da man es sich nicht mit dem Altmeri-Bund verderben wollte, von dem man ausging, das er militärisch die größere Macht war, versuchte man die neuen Gesetze auch durchzudrücken. Allerdings versuchte man sich so gut es ging aus dem Weg zu gehen und einen offenen Krieg innerhalb von Himmelsrand zu vermeiden, denn sie waren durch die vorherigen Auseinandersetzungen noch geschwächt genug.

Nanija wuchs auf einem kleinen Hof hoch in den Bergen von Dämmerstern auf. Der Hof lag in einem schwer zugänglichen Gebiet, wo sich selten Fremde hin verirrten. Bevor man das Dorf Rotwasser erreichte, zu denen sie gehörten, musste man an dem kleinen Gehöft vorbei, auf dem sie lebte. Das Dorf selbst lag etwa zweieinhalb Wegstunden entfernt. Es bestand aber auch nur aus fünf Häusern. Die meisten Bewohner waren Bauern, aber sie hatten dort einen eigenen Schmied, der nebenbei auch eine Art Handelsposten betrieb. Denn nur durch die Schmiedearbeiten konnte er dauerhaft nicht über die Runden kommen. Hier oben in der Abgeschiedenheit bekamen die wenigsten mit, was sich im Rest des Landes abspielte. Und solange man sie in Ruhe ließ, war es ihnen egal, wer in den Fürstentümern das Sagen hatte.

Im Herbst brachten die Einwohner von Rotwasser ihre Erzeugnisse hinunter zum großen Markt nach Dämmerstern. Dabei handelte es sich größtenteils um verschiedene Käsesorten der Bergziegen und Kühe, die sie hier oben auf den Bergwiesen züchteten. Einem der Nachbarn war es gelungen an dem Hang auf seinem Hof, Wein anzubauen. Der daraus gewonnene Rotwasserwein wurde in Dämmerstern für einen guten Preis verkauf.

Nanijas Vater war ursprünglich ein Soldat der Sturmmäntel gewesen, den es zufällig in diese Gegend verschlagen hatte. Er war vom alten Jarl Hoag Sturmmantel mit zwei weiteren Burschen auf Patrouille geschickt worden. Während eines Unwetters verlor er den Halt auf dem schmalen Pfad und stürzte schwer. Nanijas Großvater fand die drei Männer und bot ihnen eine Unterkunft auf seinem Hof an. Nanijas Großmutter, die sich ein wenig mit Heilkunst beschäftigt hatte, stellte fest, dass der junge Krieger, wohl für längere Zeit das Bett hüten musste. Er hatte sich einen doppelten Oberschenkelbruch und diverse geprellte Rippen bei dem Sturz zugezogen. So blieb er auf dem Hof, während seine Kameraden weiterzogen.

Im Wechsel kümmerten sich Nanijas Großmutter und ihre Tochter um den jungen Mann. Im Laufe der Zeit kamen sich die beiden jungen Menschen näher und nachdem Nanijas Vater soweit wiederhergestellt war, das er hätte zurück nach Windhelm gehen können, beschloss er auf dem Hof zu bleiben und um die Hand von Nanijas Mutter anzuhalten. Ein Jahr später kam dann die kleine Nanija auf die Welt. Kurz nach der Geburt ihrer Schwester verstarb Nanijas Großvater an einer schweren Lungenentzündung. Ihre Großmutter wurde einige Zeit später von einem Bären angefallen und erlag ihren schweren Verletzungen.

Nanijas Mutter sammelte im Sommer über wildwachsende Heilkräuter, die sie dann trocknete und alles was sie nicht selbst brauchte wurde dann verkauft. Gina, Nanijas ein Jahr jüngere Schwester begleitete sie oft beim Sammeln. Nanija selbst kümmerte sich lieber um die Tiere, die sie züchteten. Ihr kleiner fünfeinhalb Jahre jüngerer Bruder Willm wich ihr dabei meist nicht von der Seite, nachdem er alt genug war mit ihr auf die Weiden zu gehen. Neben Bergziegen hatten sie auch 3 kleinwüchsige Pferde. Diese Tiere waren genügsamer als die Großen kräftigen Pferde, die man sonst in Himmelsrand antraf. Und gerade auf den unebenen Bergpfaden waren sie fast so trittsicher wie die Bergziegen. Nanijas Vater ließ die jedes Jahr eine der Stuten decken, so dass sie im drauf folgenden Jahr ein Jungtier auf dem Markt verkaufen konnte. Die Käufer kamen aus dem benachbarten Reich Hochfels, weil die meisten Nords die großen schweren Tiere bevorzugten.

Wenn im Sommer das Wetter und die Zeit es zuließ, ritt Nanija Sonntags auf einem der Pferde rüber ins Dorf um ihre Tante und ihren Onkel zu besuchen. Dort hatte sie dann auch die Gelegenheit mit den anderen Kindern der umliegenden Höfe ein wenig Zeit zu verbringen. Meist begleitete sie Willm, nachdem er alt genug war, sich hinter ihr auf dem Pferd zu halten. Anfangs begleitete Nanijas Vater sie auf den Ausflügen. Ihre Mutter zog es vor auf dem Hof zu bleiben und nur wenn es sich wegen irgendwelcher Festlichkeiten nicht vermeiden ließ, kamen sie und Gina mit.

Eines Nachts, Nanija war gerade sechzehn geworden, erwachte sie von laut prasselnden Flammen auf dem Dach. Feuer! Sie hatte keine Zeit sich andere Kleider über zu ziehen. Auch ihre Schwester, mit der sie das sich das Zimmer teilte, war aufgewacht und aus dem Bett gesprungen. Gemeinsam liefen sie in das Nebenzimmer, wo ihr kleiner Bruder schlief und weckte diesen. Nanija zog den verschlafenden Jungen die Treppe hinunter. Ihre Schwester folgte den beiden. Ihre Eltern waren auch aufgewacht und wollten gerade hochkommen, als sie erleichtert die drei kommen sahen. Gemeinsam  rannten sie nach draußen in den Hof und dort erwartete sie die nächste Überraschung. Ungefähr 10 Männer in Sturmmantelbekleidung standen da, teilweise mit brennenden Fackeln in der Hand.

„Was soll das?“ Nanija Vater ging auf den Mann zu, den er für den Anführe der Gruppe hielt. Dieser Kerl war recht groß gebaut und man konnte im Fackelschein die Narbe erkennen, die ihm von der Stirn über die linke Wange bis ans Ohr reichte. Die dunklen langen Haare hatte er hinten zu einem Zopf zusammengebunden. „Warum brennt ihr unseren Hof nieder?“ fragte Nanijas Vater weiter, der nicht verstehen konnte, was das Ganze hier sollte.

„Seht es als Zeichen für euer ungebührliches Benehmen.“

„Ungebührliches Benehmen? Jeder der hier her kam, wurde freundlich empfangen.“ Nanijas Vater wusste nicht was er noch sagen sollte. Er fluchte innerlich, das er seine Waffe im Haus gelassen hatte.

„Das wurde uns anders berichtet. Als das letzte Mal jemand um Hilfe bat, habt ihr sie ihm verweigert. Und damit habt ihr euer Leben verwirkt, daher sind wir im Namen von Ulfric hier, um euch eine Lektion zu erteilen.“

Nanijas Vater wusste nicht was er dazu sagen sollte. Noch nie hatte er Hilfesuchende abgewiesen. „Das ist nicht wahr. Ihr müsst uns verwechseln. Wir haben immer geholfen, wenn jemand in Not war. Das könnt ihr nicht machen.“

„Sagt wer?“ Der Anführer gab seinen Männern ein Zeichen. Drei von ihnen ergriffen Nanijas Vater, der sich heftig wehrte, fesselten ihn und banden ihn anschließend an den stabilen Zaun hinter dem sich die Pferde befanden. Nanijas Mutter wollte ihrem Mann zur Hilfe eilen und wurde von einem der Männer niedergeschlagen. Nanija hielt ihre Geschwister angstvoll umklammert. Die drei trauten sich nicht, sich zu rühren.

„Wir werden euch und euren Nachbarn schon zeigen was es heißt sich gegen Ulfric zu stellen.“

Wieder versuchte Nanijas Vater zu erklären, dass er und seine Familie auf Seiten der Sturmmäntel standen, aber der Anführer ignorierte es. Dann ließ er seine Männer Nanija Mutter und die beiden Mädchen ergreifen. Den kleinen Jungen ließ er auch an den Zaun binden, damit auch er zusehen konnte, was nun folgen sollte.

Nanija wehrte sich heftig, als einer der Männer sie packte. Ihre dunkelblauen Augen funkelten vor Wut. Der Anführer gab seinen Männern ein Zeichen. "Die kleine Wildkatze gehört mir", sagte er mit einem fiesen Grinsen, das im Schein des Feuers noch viel unheimlicher aussah. Wie die wilden Tiere vergingen sich die Männer dann nacheinander, an den Frauen, bzw. Mädchen. Nanijas Vater musste verzweifelt zusehen und konnte nichts tun. Nachdem die Männer ihr Verlangen gestillt hatten, ließen sie die beiden Mädchen schwer verletzt am Boden liegen. Nanijas Mutter wurde neben dem Vater und dem Jungen angebunden und man schnitt ihnen die Kehlen durch.

Nanija, die die meiste Zeit bei Bewusstsein war sah fast alles mit an und war wie erstarrt und konnte sich nicht rühren. Ihre Schwester, die neben ihr lag bekam davon nichts mit, denn sie rührte sich nicht und schien ohnmächtig zu sein. Da sich ihr Brustkopf noch bewegte, war sie zu mindestens nicht tot. Nanija spürte einen heftigen Schlag am Kopf und danach versank um sie herum alles in Dunkelheit.

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Schreiend wachte Nanija auf. Ihr ganzer Körper tat ihr weh. Die Augen hielt sie geschlossen. Sie sah vor ihren inneren Augen wieder die Bilder, wie man ihre Eltern und kleinen Bruder die Kehlen aufschnitt und das Blut durch die Gegend spritzte. Sie wollte weinen, aber es ging nicht. War alles vielleicht nur ein böser Traum? Sie spürte die weichen Laken eines Betts. Aber es war nicht ihr eigenes.

„Ganz ruhig Kleines“, hörte sie eine Stimme. Es war nicht die ihrer Mutter. Elana, ihre Tante saß an ihrem Bett. Sie wohnten auf einem der Höfe in Rotwasser. „Nicht bewegen, dann tut es auch nicht so weh.“

Nanija hörte nicht auf sie. Sie öffnete die Augen und versuchte sich aufzurichten. Aber sie fiel sofort wieder zurück, so heftig pochte ihr Kopf und ließ sie wieder in Ohnmacht fallen. Als sie das nächste Mal erwachte, tat ihr Körper und ihr Kopf nicht mehr so sehr weh. Elana wirkte erleichtert: „Ich dachte schon ihr wolltet gar nicht wieder aufwachen, mein Kleines. Kommt, trinkt etwas von der Brühe. Das wird euch gut tun.“

Willenlos schluckte Nanija die Brühe hinunter. Sie spürte wie ihr Körper die Energie daraus aufsog und sie wieder kräftiger wurde. Da ihre Mutter nicht an ihrem Bett saß, sondern ihre Tante, musste das was sie für einen Traum hielt wahr sein. Daher fragte sie vorsichtig: „Gina? Wie geht es ihr?“

Elana sah sie traurig an. „Sie hat es nicht überstanden. Die Verletzungen waren zu schwer und ihr Wille nicht stark genug, um weiter zu leben.“

„Ihr hättet mich auch sterben lassen sollen. Dann wären wir jetzt alle gemeinsam in Sovngarde.“

„Sagt sowas nicht, Nanija. Talos wollte das ihr weiterlebt.“

„Und wo war Talos als diese Schweine unseren Hof überfallen haben? Was haben wir ihnen getan? Wir haben ihnen immer geholfen und das war der Lohn dafür?“ Hass sprühte aus Nanijas Augen.

Beruhigend legte Elana Nanija den Arm um die Schulter. „Wer war für den Überfall verantwortlich? Es gehen Gerüchte um, das es Sturmmäntel waren. Ich kann das nicht glauben, denn niemand hat ihnen je etwas getan. Also sagt, waren es Banditen?“

„Nein. Sie trugen die Uniformen der Sturmmäntel.“

„Seid ihr euch da ganz sicher?“ Elana wirkte besorgt.

„Ja, ich bin mir da ganz sicher.“ Diese blaue Farbe der Uniformen und das Gefühl von dem Stoff auf ihrem Körper würde sie nie wieder vergessen. Genauso wenig wie das hinterhältige Grinsen des Anführers.

„Gut, dann werden wir in Einsamkeit um Schutz bitten, bevor sie die nächsten Höfe niederbrennen.“

Nanija sagte nichts. Sie war erschöpft wieder eingeschlafen.

An die nächsten Wochen und Monate konnte sich Nanija kaum Erinnern. Sie durchlebte sie wie in einer Trance. Tagsüber half, sie sobald sie in der Lage dazu war auf dem Hof ihrer Tante mit. Nachts wachte sie oft schreiend und schweißgebadet auf und durchlebte die letzte Nacht auf dem Hof ihrer Eltern wieder und wieder.

Nanija kapselte sich von allen ab. Sie hatte ihre langen Haare kurz geschnitten und achtete auch kaum sonst noch auf ihr Aussehen. Wenn nichts zu tun war, ging Nanija alleine in die Berge um zu jagen. Ihr Vater hatte ihr den Umgang mit dem Bogen beigebacht. Sie begann auch Messerwerfen zu üben. Ein Messer konnte man jeder Zeit bei sich tragen. Ein Bogen hatte man nicht immer zur Hand. Als Kind hatte sie bei einem Besuch mit ihrer Familie auf dem Herbstmarkt in Dämmerstern gesehen, wie ein Khajiit statt mit Pfeil und Bogen, mit Messern auf eine Zielscheibe warf. Das hatte sie von da an fasziniert.

Ihre Tante und ihr Onkel wussten nicht wie sie mit Nanija umgehen sollten. Es gefiel ihnen nicht, dass sie sich alleine draußen herumtrieb. Aber sie lehnte jede Begleitung ab. Das einstmals fröhliche, stets zu Späßen aufgelegte Mädchen, zog sich immer mehr zurück. Egal wie sich bemüht wurde Nanija aufzuheitern, kam höchstens ein gezwungenes Lächeln zustande. Auch von ihren früheren Spielkameraden hielt Nanija abstand. Wenn jemand versuchte sie anzufassen, ging sie sofort in eine Abwehrhaltung über und drohte jedem mit ihrem Messer, das sie nun immer bei sich trug. Und so zogen sich auch ihre Freunde von ihr zurück, nachdem Nanija einmal einen der Jungen am Arm mit dem Messer verletzt hatte. Ihre ehemaligen Spielkameraden wandten sich von ihr ab. Selbst ihre einstmals beste Freundin, mit der sie jedes Geheimnis geteilt hatte behandelte Nanija abweisend.

Da es Nanijas Onkel und Tante nicht möglich war, beide Höfe zu bewirtschaften und Nanija wenig Interesse zeigte, dorthin zurückkehren zu wollen, wurde der Hof an einen der Nachbarn verkauft, der zwei Söhne hatte. Das Wohn- und die Wirtschaftsgebäude mussten neu aufgebaut werden, denn das Feuer hatte alles bis auf die Grundmauern zerstört. Die Pferde wurden alle verkauft, da die neuen Besitzer nichts von diesen hielten. Ihre Tante fragte Nanija, ob sie nicht eines der Tiere behalten wollte, aber es kam keine Reaktion von dem Mädchen. Am Tag als die Pferde abgeholt wurden, stand sie nur da und es war als würde sie nichts um sich herum wirklich wahrnehmen.

Eineinhalb Jahre lebte Nanija so bei ihren Verwandten als sie eines Nachmittags hörte, wie sich zwei der Soldaten der Kaiserlichen, die nun in der Gegend patrouillierten, darüber unterhielten, das sie dringend noch Leute suchen würden, die die Streitkräfte verstärken würden. In der Armee würde sie möglicherweise eine Gelegenheit bekommen, sich an den von ihr nun verhassten Sturmmänteln rächen zu können, kam es Nanija in den Sinn. Ohne lange nachzudenken, packte sie noch am selben Abend ihre wenigen Sachen und verließ Nachts still und heimlich das Haus, denn sie wusste, dass ihre Tante ihre Entscheidung nicht billigen würde. Sechs Tage brauchte sie um nach Einsamkeit zu gelangen, wo sie sogleich Hauptmann Aldis aufsuchte, der für die Rekruten zuständig war, wie sie von der Wache am Tor von Einsamkeit in Erfahrung bringen konnte.

Die Anfangszeit war sehr hart für Nanija. Da sie recht klein und eine der Jüngsten war, musste sie viel Spott ertragen, was sie denn in der Armee überhaupt wolle. Aber Nanija hatte sich in den Kopf gesetzt, es zu schaffen und arbeitet hart daran, es ihren Vorgesetzten und Kameraden zu zeigen.

Nie zuvor hatte Nanija ein Schwert getragen, geschweige denn es benutzt. Die Meisten anderen Rekruten hatten schon eine gewisse Grunderfahrung. So übte sie jede freie Minute, um mit einem einfachen Schwert zurechtkommen zu können. Jeden Abend fiel sie Todmüde in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kaserne ins Bett.

Damit Nanija Nachts nicht ständig schreiend aufwachte und die anderen Mitbewohner weckte, hatte ihr einer der Heilkundigen, zu der man sie schickte, einen Trank und das dazugehörige Rezept gegeben, den sie nach Möglichkeit jeden Abend zu sich nehmen sollte. Damit konnte sie nun durchschlafen, auch wenn der Schlaf deshalb nicht erholsamer war.

Es gab nur wenige Frauen in der Truppe und zu den Männern hielt Nanija weitestgehend Abstand, sofern es sich einrichten ließ. Nanija versuchte nicht irgendwelche Freundschaften zu schließen, sondern hielt sich etwas abseits. Einzig mit Hadvar, einen jungen schüchternen Mann aus Flusswald, dessen Eltern früh gestorben waren, und der bei seinem Onkel und dessen Frau aufgewachsen war unterhielt sie sich ab und an mal, oder trainierte mit ihm gemeinsam. Es entwickelte sich den beiden im Laufe der Zeit sowas wie Freundschaft. Hadvar war der einzige, mit dem sie sich wirklich mal länger unterhielt und dem sie ein Teil ihrer Geschichte anvertraute. Ab und an gelang es ihm auch mal ein zarghaftes Lächeln auf Nanijas Gesicht zu zaubern.

Nachdem Nanija ein halbes Jahr dabei war, wurde Nanija mit auf Patrouille geschickt. Dabei schickte man sie dann öfters in den kleinen Ortschaften in Jagdbekleidung vor, um die Lage zu überprüfen. Niemand sah in der jungen schüchternen wirkenden Frau eine Bedrohung. Sie machte ihre Sache dabei sehr gut und man kam zur Ansicht, dass sie als Spionin besser geeignet wäre, als wie als einfacher Fußsoldat. Schon als Kind war sie besser als ihre Freunde gewesen, wenn es ums Verstecken und anschleichen ging.

So beschlossen ihre Vorgesetzten, dass sie nach Cyrodiil gehen sollte, um dort weiter ausgebildet zu werden. Keiner ihrer Kameraden wurde darüber informiert. Sie verschwand still und heimlich aus Einsamkeit. Selbst Hadvar durfte sie nicht sagen, dass sie in die Kaiserstadt ging. Dass sie dem einzigen Menschen, den sie ein wenig vertraute, nicht Bescheid geben durfte, war das einzige Gefühl des Bedauerns, das sie seit langer Zeit spürte.

Wenn Nanija gedacht hätte, die Grundausbildung in Einsamkeit wäre hart gewesen, wurde sie eines besseren belehrt. In Cyrodiil wurde sie Tag und Nacht gefordert. Die meisten ihrer Ausbilder waren Altmer, die die zur Institution des Thalmor gehörten. Sie musste lernen ihre eigenen Gefühle und Gedanken unter Kontrolle halten, damit andere nicht merkten was sie wirklich dachte oder fühlte. Nanija musste Dinge tun, von denen sie als Kind nie gedacht hätte, dazu im Stande zu sein. Man lehrte sie, wie man leise und unauffällig andere Menschen tötete. Das ganze wurde an Tieren und Puppen erprobt. Ob sie letztendlich auch in der Lage sein würde einen Menschen das Leben zu nehmen, wurde nie in Frage gestellt. Es wurde einfach erwartet.

In ganz seltenen Augenblicken fragte sie sich, wie es dazu hatte kommen können. War das noch sie selbst? Aber man ließ ihr kaum Zeit zum Nachdenken, und der Unterricht, wie es genannt wurde ging weiter und ihr Wunsch es denjenigen heimzuzahlen, die ihrer Familie getötet hatten wuchs. Nanija lernte unter Schmerzen zu schweigen, wie man sich bedeckt hielt, heimlich in Häuser einstieg wie ein Dieb und Dinge unbemerkt entwendete. Sie hatte ein Talent dafür, sich für andere unsichtbar zu machen und dunkle Ecken auszunutzen, um nicht gesehen zu werden. Manches Mal war sie kurz vor dem Zusammenbruch und wollte aufgeben. Aber die Hoffnung mit ihrem neuerworbenen Können den Sturmmänteln Schaden zufügen zu können, ließ sie dann durchhalten.

Mehr als vier Jahre verbrachte Nanija in Cyrodiil. Dann wurde laut offiziellen Aussagen der Kaiserlichen der junge Großkönig von Himmelsrand, Torygg von Ulfric in einem Zweikampf getötet. Man sprach von einem Mord, denn Ulfric besiegte den Jungen nur dadurch, dass er seine Fähigkeit einen "Schrei" zu verwenden, benutzte um zu siegen. Was sich hinter dieser Fähigkeit verbarg, wurde nicht weiter erläutert.

Zwei Monate nach diesem Vorkommnis, wurde Nanija zurück nach Himmelsrand geschickt. Dort hatte man in mühsamer Kleinarbeit es geschafft eine Falle zu entwerfen, um Ulfric und seine Schergen in eine Falle zu locken. Nanija sollte mit ihnen gefangen genommen werden und versuchen das Vertrauen der Sturmmäntel zu erlangen und gemeinsam mit ihnen zu fliehen. So sollte sie in den Reihen der Sturmmäntel aufgenommen werden und man erhoffte sich, so besser über die Pläne von Ulfric informiert zu werden.

Einerseits war Nanija froh, endlich aus Cyrodiil wegzukommen, aber dass sie mit ihren Feinden zusammenleben sollte, gefiel ihr überhaupt nicht. Aber man hatte sie die letzten Jahre dahin konditioniert, dass sie sich den Anweisungen fügte ohne zu widersprechen.

Zuletzt aktualisiert am 30.12.15 um 17:57 Uhr