05 Die goldenen Klaue (Teil1)
05 Die goldenen Klaue (Teil1) PDF 
Geschrieben von: CKomet   
17.02.16 um 21:13 Uhr

Nachdem Gerdur und Hod das Haus verlassen hatten, um zur Arbeit zu gehen, beschloss Nanija ein wenig nach draußen zu gehen. Bisher hatte sie das Haus nicht verlassen. Es war Ralof Idee gewesen. Er sah das Nanija sich eingesperrt fühlte und überredete sie doch einfach etwas in den Garten zu gehen und Luft zu schnappen. Er war auch nicht so begeistert, wie seine Schwester Nanija abgefertigt hatte, als sie ihre Hilfe anbot. Zumal Gerdur und Hod doch gerade jetzt, wo ihr Gehilfe Ruben ausgefallen war einen zusätzliche Kraft hätten gebrauchen können. Aber so war seine Schwester halt und wenn sie es nicht wollte, konnte man nur schwer was dagegen machen.

Ralof wäre gerne zusammen mit ihr rausgegangen und hätte ihr selbst gerne Flusswald gezeigt, aber da er ans Bett gefesselt war, war es nicht möglich. Aber deshalb musste sie nicht auch die ganze Zeit drinnen bleiben, meinte er. Obwohl es ihm natürlich lieber gewesen wäre. Aber das behielt er für sich.

Nanija setzte sich auf die Bank vor dem Haus und genoss die warmen Sonnenstrahlen. Man konnte von hier aus die Hauptstraße nicht sehen, genauso wenig, wie man von der Hauptstraße gesehen werden konnte, wenn man sich im Garten befand. Hinter dem Haus von Gerdur und Hod stand noch ein weiteres. Es gehörte, wie Ralof ihr erzählt hatte, einem Waldelfen, der Faendal hieß. Er arbeitet ab und an für den Schmied und holte Holz von der Mühle für die Schmiede oder ging für den Wirt vom Schlafenden Riesen auf die Jagd. Von der Bank aus konnte man es nicht sehen.

Rechts von ihr war das Haus von Lucan Valerius und seiner Schwester Camilla. Die beiden betrieben den Gemischwarenladen von Flusswald. Lukan, war vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Schwester Camilla nach Flusswald gezogen. Er stammte Ursprünglich aus Bruma in Cyrodiil, wo schon seine Eltern ein Handelshaus betrieben. Lukan hatte den Laden von seinem Großonkel übernommen, nachdem dieser Krank wurde und einige Zeit später verstarb. Und da Camilla sehr an ihrem Bruder hing, begleitete sie ihn nach Flusswald.

Schräg gegenüber befand sich der Gasthof. Dieser gehörte einer älteren resoluten Kaiserlichen, die unter dem Namen Delphine bekannt war. Keiner wusste wo sie genau herkam. Aber sie lebte schon so lange hier, dass sie ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Dorfgemeinschaft war. Ihr zur Seite stand Orgnar, der Wirt. Auch wenn der ein oder andere der Meinung war, er und Delphine wären ein Paar, war dem nicht so. Sie hatten ein paar Zimmer für durchreisende Gäste und hinter dem Haus waren ein paar überdachte Boxen für Pferde der Gäste. Wenn Festlichkeiten angesagt waren, fanden diese meist im Gasthof statt.

In dem kleinen Haus gegenüber wohnten Ester und Tom. Tom war Fischer der regelmäßig hoch zum See ging und dort fischte. Ester begleitete ihren Mann im Sommer manchmal. Meist blieb sie aber zu Hause und kümmerte sich um den kleinen Garten und um den ihres Vater Ragar, der kaum noch laufen konnte und daher nicht mehr raus zum Fischen konnte.

Nachdem Nanija eine Weile draußen gesessen hatte, beschloss sie den Laden von Lukan und Camilla aufzusuchen. Etwas Gold hatte sie ja, weil sie gemeinsam mit Ralof und seinen Kameraden in den Tunneln und Gängen unter der Festung von Helgen, den toten Kaiserlichen alles Brauchbare abgenommen hatten. Viel war dabei nicht zusammen gekommen, aber sie hoffte für ein Paar Stiefel würde es reichen.

Als sie den Laden betrat stritten sich Lukan und Camilla gerade lautstark. Nanija erfuhr dann das jemand in der vorherigen Nacht bei ihnen eingebrochen war und einen wertvollen Gegenstand in Form einer Klaue mitgehen lassen hatte. Lukan hatte Feandal, den Waldelfen gebeten, den Spuren des Einbrechers zu folgen. Vor zwei Stunden war Feandal dann zurückgekehrt und hatte erzählt, das sich die Diebe, denn den Spuren nach waren es mehrere Personen in Richtung Ödsturzhügelgrab begeben hatten. Allerdings war es ihm zu gefährlich gewesen, sich ihnen alleine zu nähern. Er meinte mit drei Leuten würden sie es schaffen können, die Klaue von den Banditen zurück zu holen. Camilla wollte sich der Truppe anschließen, aber Lukan war damit nicht einverstanden. Seine Schwester hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit Waffen. Bisher hatte sich nur noch Sven, der Barde aus dem Ort angefunden, um zum Hügelgrab mit hoch zu gehen. Alvor und Hod hatten genug mit ihren eigenen Arbeiten zu tun, genauso wie Orgnar, der Schankwirt aus dem Schlafenden Riesen. Außerdem würden ihre Frauen es ihnen auch nicht erlauben, selbst wenn sie wollten, auf so einem Abenteuertrip zu gehen. Und der ständig betrunkene Embry würde auch niemanden eine Hilfe sein, genauso wie sein alter Freund Rogar. Die beiden saßen meist gemütlich auf der Bank vor der Taverne und tranken einen Met nach dem anderen.

Ruben, der Gehilfe von der Sägemühle, musste seinen Arm noch schonen. Telgor und Delf waren einfache Bauern, die nicht wirklich mit Waffen umgehen konnten und daher nicht zur Banditenjagt geeignet. Außerdem mochten sie ihre Familien auch nicht alleine lassen. Telgor hatte gemeinsam mit Clarise zwei kleine Kinder. Und Delfs Verlobte Tesla erwartete in zwei Monaten ihr erstes Kind.

Tom, der als Fischer sein Lebensunterhalt verdiente war mit seiner Frau Ester nach Falkenring aufgebrochen um seinen Fang dort zu verkaufen. Dort waren die Preise, zu Mindestens für Fisch, zur Zeit besser als in Weißlauf.

Nanija überlegte nicht lange, und erklärte sich bereit, mit den beiden Männern sich um die Banditen zu kümmern. Was sollte sie sonst auch in Flusswald machen, denn es würde ja noch ein paar Tage dauern, bevor Ralof soweit war, um nach Windhelm auf zu brechen. Lucan war außer sich vor Freude, als er das hörte. Er sagte sogleich würde Faendal und Sven informieren, dass Nanija mitkommen würde und sie sollte sich in zwei Stunden wieder im Laden einfinden. Er würde für die drei Proviant zusammenstellen, denn sie würden sicherlich mindestens zwei Tage unterwegs sein. Der Weg hinauf zum Grab dauerte ja alleine schon mehr als einen halben Tag, je nachdem wie das Wetter war. Bevor Nanija den Laden verließ schauten sie dann noch nach einen passenden Paar Stiefel für sie. Die Auswahl war leider sehr bescheiden und es fand sich nur ein einfaches, nicht sonderlich gut gearbeitetes Paar, das ihr passte. Die Stiefel waren aber immer noch besser, als wenn sie mit dem Aufgeschnittenen Teil losziehen sollte. Anschließend ging sie zurück zum Haus von Gerdur.

Ralof saß noch immer im Bett und Frodnar saß an seiner Seite. Gerdur hatte überlegt, das Ralof ihn, solange er sonst nichts tun konnte, ein wenig unterrichten könnte. So wäre ihr Bruder ein wenig beschäftigt. Frodnar freute sich darüber, denn er sah seinen Onkel ja sonst nur recht selten und so hatte er endlich mal die Gelegenheit ihn über seine Leben in Windhelm auszufragen. Schließlich wollte er, sobald er alt genug war, auch nach Windhelm gehen.

Ralof war alles andere als begeistert, als Nanija ihm mitteilte, das sie vorhatte, hoch zum Ödsturzhügelgrab zu gehen um Banditen zu jagen.

"Überlegt es euch noch mal, das ist viel zu gefährlich. Ihr wisst doch auch gar nicht, wie viele es sind. Vielleicht war es nur eine kleine Gruppe, die runter nach Flußwald kam, während der Rest oben auf sie gewartet hat. Und vergesst nicht die Drauge oder Schlimmeres, die sich in dem Grab befinden. " Er sah sie bittend an. “Ihr übertreibt, Ralof. Drauge und Untote sind doch nur Märchenfiguren, mit denen man Kindern Angst machen will, wenn sie nicht das tun, was man ihnen sagt."

"Genau wie Drachen", flüsterte Ralof kaum hörbar und griff nach ihrer Hand um sie zurückzuhalten. Nanija entzog sie ihm aber sofort hastig. Sie sah das Ralof wirklich Angst um sie hatte. Aber es war ihr egal was er dachte.  "Denkt doch auch an euren Knöchel. Ihr solltet ihn noch ein paar Tage schonen.“ Er sah sie verzweifelt bittend an.

„Der Knöchel ist wieder vollkommen in Ordnung, Ralof. Ich spüre nichts mehr. Und ich denke ich bin selbst in der Lage, um entscheiden zu können, was ich mir zumuten kann und was nicht.“ Die Worte sprach sie schärfer als eigentlich beabsichtigt.

Ralof senkte traurig den Kopf. Wie sollte er sie nur zurückhalten? Frodnar hingegen fand es aufregend, das Nanija hoch zum Grab der alten Nords wollte. "Bitte nehmt mich mit. Ich habe keine Angst vor Draugen und Untoten. Gemeinsam mit Stump werden wir sie schon verjagen." Als hätte der alte Hund es verstanden bellte er kurz auf. Die Augen des Jungen leuchteten vor Aufregung und seine Stimme überschlug sich fast. "Darf ich mit, Onkel Ralof?"

Nanija sah den Jungen an und schüttelte den Kopf. "Dann würde mir eure Mutter endgültig den Kopf abreißen, Frodnar. Nein, ihr werdet hier bleiben. Einer muss doch eurem Onkel Gesellschaft leisten, damit er nicht so alleine ist."

Dann wandte sie sich noch mal an Ralof. "Ich gehe ja nicht alleine, Faendal und Sven sind dabei. Zu dritt werden wir bestimmt keinen Probleme haben. Wir werden wahrscheinlich nicht einmal das Grab betreten müssen." Sie versuchte ihn anzulächeln. „Und sollte sich herausstellen, dass die Banditen uns überlegen sind, kehre ich um, das verspreche ich euch.“

Ralof erkannte, das sich Nanija nicht umstimmen ließ. "Bitte seid vorsichtig. Wegen Faendal mache ich mir wenig Sorgen, der gehört zu der vorsichtigen Sorte und handelt nicht überstürzt. Sven dagegen ist ein Draufgänger. Und beide sind sich alles andere als grün und  werden sich wohl ständig in der Wolle haben." Er machte eine kurze Pause, dann sprach er weiter: "Nehmt aber wenigstens meinen Bogen mit. Er ist zwar nicht der Beste, aber immer noch besser als keiner."

Nanija  bedankt sich bei Ralof und versprach ihm, das sie aufpassen würde. Lange brauchte sie nicht, um ihre Sachen zusammenzupacken. Sie verabschiedete sich von Ralof und Frodnar und machte sich dann auf den Weg zu Lucans Laden. Sie war viel zu früh da. So half sie Lucan und seiner Schwester beim zusammensuchen der Dinge, die sie gebrauchen könnten und die in drei Rucksäcke gefüllt wurden. Kurz vor der verabredeten Zeit erschienen dann auch Sven und Faendal. Der kleine Elf war Nanija sofort sympathisch. Er strahlte eine natürliche Ruhe aus. Sven war das Gegenteil von ihm. Der Nord war groß und kräftig gebaut und trat ziemlich herrisch und von sich eingenommen auf. Nanija merkte sofort, das zwischen den beiden alles andere als Freundschaft herrschte. Beide schienen ein Auge auf Lucans Schwester geworfen zu haben, aber sie versuchten beide es vor der Frau zu verbergen.

Nanija schüttelte den Kopf und seufzte leise. Das konnte heiter werden. Hoffentlich würden sie unterwegs sich zusammen nehmen und miteinander arbeiten und nicht gegeneinander. Nun verstand sie die Bedenken von Ralof, aber sie würde sich davon nicht zurück halten lassen. Sie waren fast am Ende des Dorfes angekommen, als plötzlich Frodnar mit seinem Hund auftauchte. „Bitte lasst mich mitgehen. Stump und ich werden euch eine große Hilfe sein.“ Faendal schüttelte den Kopf und auch Nanija wollte gerade etwas sagen, als ihr Sven zuvor kam.

„Warum nicht, junger Krieger. Je mehr desto besser und einen Hund kann man auch immer gut gebrauchen. Also wenn eure Mutter einverstanden ist….“

„Nein Frodnar“, mischte sich Nanija sofort ein, „Ihr werdet nach Hause gehen. Eure Mutter wird es euch nicht erlauben und wir können nicht auf euch aufpassen. Außerdem solltet ihr euch doch um euren Onkel kümmern. Er braucht euch viel dringender als wir.“

„Ihr müsst nicht auf mich aufpassen. Und Onkel Ralof hat mich auch schon öfters mit auf die Jagt genommen, wenn er da war.“

„Frodnar“, Nanija kniete sich vor dem Jungen hin um ihn besser ansehen zu können, „ Das hier ist kein Jagdausflug, Junge. Hier geht es um Banditen, mit denen nicht zu spaßen ist. In ein paar Jahren dürft ihr bestimmt mit eurem Onkel gemeinsam auch mal auf Banditen Jagt gehen, aber heute kehrt ihr um und geht nach Hause.", versuchte sie ihn zu trösten. Für einem Moment kam es ihr so vor, als würde sie ihren kleinen Bruder versuchen zu überzeugen, dass er nicht mit dürfte, wenn sie alleine die gefährlichen Bergpfade erklomm, um für ihre Mutter ein paar seltenen Pflanzen zu sammeln.

„In ein paar Jahren werde ich zu den Sturmmänteln gehen und für Ulfric kämpfen.“ Stolz hob der Junge seinen Kopf. Der sentimentale Moment war sofort verflogen, als der Junge diese Worte sprach, auch wenn ihr Bruder damals das Gleiche gesagt hätte. Nanija hätte ihm für diese Worte am liebsten den Hintern versohlt. Aber sie behielt ihre Gedanken für sich und lächelte, als würde sie sein Ansinnen unterstützen.

„Nun geht heim.“

„Darf ich bis zum Anfang des Bergpfades mitkommen? Bitte.“

„Nein“, sagte Nanija streng.

„Bis zum Bergpfad ist es nicht weit. Bis dahin könnt ihr mitkommen“, lies sich Sven vernehmen.

„Juhu“, rief der Junge und stürmte vor.

„Wenn dem Jungen etwas passiert, werdet ihr es seiner Mutter sagen“, fauchte Nanija Sven an.

Faendal nickte zustimmend. Dann folgten sie dem Jungen, der durch das Dorf vorlief. Nachdem sie den Jungen eingeholt hatten übernahm Faendal die Führung gefolgt von Nanija und hinten gingen Sven und der Junge. Bei der Brücke, die über den Weißlauf führte, stürmten Frodnar und Stump vor. Auf der anderen Seite des Ufers stöberte der Hund eine kleine Schlammkrabbe auf. Frodnar wollte sie mit seinem Messer angreifen, aber Faendal war schneller. Er hatte in Windeseile seinen Bogen zur Hand genommen und mit einem Pfeil die Krabbe getötet. Nanija war erleichtert. Auch wenn es nur ein kleines Exemplar war, konnte es mit seinem riesigen Scheren einem doch ziemlich schwere Verletzungen zufügen.

Frodnar war hingegen enttäuscht. „Warum habt ihr das gemacht Faendal, die Krabbe hätte ich mit Leichtigkeit töten können.“

Sven lachte und legte dem Jungen seine Hand auf die Schulter. „Die Nächste gehört alleine dir, Frodnar. Der Elf wird sich dann nicht einmischen. Da passe ich schon auf.“

Faendal schwieg und schluckte seine ungehaltene Antwort runter.

„Auch wenn ich als Spielverderber auftreten mag, Frodnar, aber ihr werdet jetzt umdrehen und nach Hause gehen. Ansonsten bringen wir euch selbst nach Hause und ich denke Gerdur wird euch dann den Hintern versohlen.“ Der Junge wollte widersprechen, aber Nanija sah ihn streng an. So einen Blick kannte er. Wenn seine Mutter einen so anschaute, dann war es besser zu tun was sie sagte.

Mit hängendem Kopf drehte er sich um und ging zurück nach Hause.

Sven sah sie kopfschüttelnd an. „Tat es Not so streng mit dem Jungen zu sein?“

Da Nanija keine Lust auf eine Diskussion hatte, sagte sie nur kurz „Ja“, drehte sich um und setzte den Weg fort. Die beiden Männer folgten ihr.

Anfangs schwiegen ihre Gefährten hinter ihr, dann hörte sie wie Sven Faendal fragte: „Sagt, Elf, was haltet ihr von der Geschichte die in Helgen passiert sein soll? Ich denke ja, das die Sturmmäntel versucht haben die Stadt ein zu nehmen und das es dabei zu einem Brand in der Stadt kam, der alles vernichtet hat. Aber Drachen? Niemals. Ich wette die Kaiserlichen wollten nicht zugeben, dass sie den Sturmmänteln unterlegen waren. Es reicht schon, wenn meine Mutter herum spinnt und behauptet sie hätte vor ein paar Tagen einen Drachen über Flusswald kreisen sehen. Das war sicherlich nur ein großer Vogel.“

„Es war ein Drache“, entfuhr es Nanija, der der überhebliche Tonfall von Sven nicht gefiel. „Ihr solltet eurer Mutter mehr Respekt entgegenbringen. Sie hat einen Drachen gesehen und sie war nicht die einzige.“

„Wollt ihr behaupten ihr hättet ihn auch gesehen? Wo kommt ihr eigentlich her und was macht ihr hier in der Gegend.“

„Ich war in der Gegend von Helgen jagen. Die Nacht verbrachte ich in der Stadt. Als der Drache über die Stadt herfiel gelang es mir mich vor ihm zu verbergen. Ich sah wie die Stadt in Flammen aufging und wie die Menschen versuchten zu fliehen. Es war entsetzlich, man hatte das Gefühl der Drache wäre überall gleichzeitig. Kaum jemand entkam. Ich hatte großes Glück. Dann traf ich auf Ralof. Gemeinsam flohen wir durch die unterirdischen Tunnel er Festung von Helgen. Da verletzte sich Ralof, so dass ich ihn später zurück lassen musste und holte seine Familie zur Hilfe. Seitdem bin ich in Flusswald Gast bei Gerdur und Hod.“

Sven hielt es für besser zu schweigen. Er wollte ihr nicht glauben, aber das behielt er besser für sich.  Auch wunderte er sich, das Ralof in Helgen gewesen war. Die Stadt wurde normalerweise von den kaiserlichen kontrolliert. Denn sie stand genau an der Grenze von Falkenring zu Rift. Faendal schwieg die ganze Zeit, aber er schien er ihr zu glauben, so wie er sie ansah.

Drei Stunden später gelangten sie zu einem zerfallenen ehemaligen Wachturm. Während Faendal und Nanija der Meinung waren, es wäre am Besten an dem Turm vorsichtig vorbei zu schleichen, war Sven anderer Ansicht. „Was wenn die Banditen gar nicht bis zum Hügelgrab gegangen sind, sondern es sich hier am Turm gemütlich gemacht haben?“

Da weder Faendal noch Nanija das ausschließen konnte, bekam Sven seinen Willen. Langsam schlichen sie näher an den Turm heran.  Faendal hielt seinen Bogen schussbereit und auch Nanija hatte ihren gezogen. Sven hatte sein großes Bastardschwert mit beiden Händen ergriffen und stürmte dann plötzlich auf den Turm zu, wo sie zwei Banditen draußen sehen konnten. Wie viele noch im Turm sein mochten, war nicht auszumachen. Dank des Angriffs von Sven würden sie es aber sicherlich gleich wissen. Während Sven auf den Mann zustürmte, der sich gemütlich an einem Baumstamm gelehnt hatte, nahm Faendal den zweiten Kerl ins Visier, der sich auch mit einem Bogen bewaffnet hatte. Noch bevor dieser dazu kam einen Pfeil einzulegen sackte er schon von Faendals Pfeil getroffen tot in sich zusammen. Nanija behielt mit ihrem Bogen den Eingang des Turms die ganze Zeit im Auge, bereit, jeden der von dort kam sofort mit Pfeilen zu spicken. Aber es kam niemand.

Während dessen hatte auch Sven seinen Gegner erreicht und schlug mit mächtigen Hieben auf den   Mann, der seinerseits sein Schwert gezogen hatte, ein. Der Mann hatte aber kaum eine Chance sich gegen die wuchtigen Hiebe zu verteidigen und so war der Kampf schnell beendet und der Bandit wurde von Svens Schwert durchbohrt, nachdem er zu Boden gestürzt war.

Nanija wollte das die beiden warteten, während sie vorsichtig das Innere des zerfallenen Turmes betrat, aber Sven dachte nicht daran ihr den Vortritt zulassen. "Mit meinem Schwert kann ich einen Gegner sofort ausschalten" und schon war er im Inneren verschwunden.

Nanija sah Faendal an. "Ist der immer so?" Der Elf nickte nur und dann folgten sie Sven. Da sich nach dem Kampf draußen niemand weiter hatte sehen lassen, war zu erwarten, dass es hier keinen weiteren Banditen geben würde. Da täuschten sie sich aber. Im unteren Bereich war wirklich niemand weiter aber als sie nach oben gingen, vernahm Nanija ein leises knatschen von Holzbohlen. Auch Faendal hatte es vernommen, nur Sven nicht. Völlig selbstsicher betrat er den oberen Raum und wenn Nanija, die direkt hinter ihm war, ihn nicht mit Schwung weiter hineingestoßen hätte, so dass er zu Boden ging, wäre der Pfeil der nun an der Wand abprallte wohl in der Schulter des Nord gelandet. Sie selbst sprang auch in den Raum hinein, wobei sie eines ihrer Messer gezogen hatte, das sie in die Richtung schleuderte, wo sie den Gegner vermutete. Zum genauen Zielen war keine Zeit. Ein fluchender Aufschrei ließ ahnen, dass sie getroffen hatte. Die Frau, die oben auf der hölzernen Plattform stand ergriff ihr Schwert und kam die Treppe hinab. Faendal erwischte sie aber noch mit einem Pfeil bevor sie ganz unten angekommen war.

"Was sollte das eben? Mit der wäre ich locker alleine fertig geworden", fauchte Sven Nanija an, nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte.

"Nun, beim nächsten Mal werde ich mich zurückhalten. Beschwert euch dann aber hinterher nicht, wenn ihr von einem Pfeil durchbohrt wurdet und in Sovngarde wieder zu euch kommt."

Nanija ging zu der Toten und nahm sich zunächst ihr Messer, das noch im linken Arm der Frau steckte. Dann durchsuchte sie ihre Taschen und entnahm alles was Wertvoll schien und teilte es mit Sven und Faendal. Gemeinsam durchsuchten sie alle Ecken des Turmes, in der Hoffnung, den gestohlenen Gegenstand von Lucan hier zu finden. Aber er war nicht hier. Das hieß sie mussten weiter.

Sie gingen langsam wieder hinunter. Als sie vor dem Turm angekommen waren durchsuchten sie auch die anderen beiden Banditen und nahmen ihn alles ab, was sie gebrauchen konnten. Der Bogen des einen Toten war besser als ihr eigener, daher nahm ihn Nanija an sich.  Der weitere Aufstieg zum alten Hügelgrab wurde schwieriger. Das Wetter hatte sich etwas geändert und es hatte hier oben zu schneien begonnen. So stapften sie schweigend den steilen Pfad weiter hinauf. Es war noch nicht ganz dunkel als sie kurz vor dem Grab ankamen.  Nanija hoffte, dass wenn sie die Räuber hier oben erwischt hatten, das sie einen windgeschützten schneefreien Platz finde würden, wo sie übernachte konnten. Ein Feuer hier draußen zu machen würde schwer werden.

Sie näherten sich langsam der Großen Treppe die zum Eingang das Hügelgrab führte. Nanija sah zwei Banditen die im Bereich vor dem Grab ihre Runden drehten, Faendal hatte noch einen dritten entdeckt. Sie kamen überein, das sowohl Faendal als auch  Nanija zunächst den Mann, der sich auf einer Art Aussichtsplattform befand mit Pfeilen erledigten. Danach wollten sie sich um die beiden anderen vor dem Eingang kümmern.  Aus der Deckung heraus schossen Nanija und der Elf fast Zeitgleich und beide Pfeile trafen ihr Ziel, das ohne noch einen Laut von sich zu geben in die Tiefe stürzte.

Die anderen beiden entdeckten sie schnell nachdem sie aus ihrer Deckung heraus kamen und den oberen Bereich betraten. Einer der beiden hatte einen Bogen zur Hand genommen und während der andere mit einem Kriegshammer auf sie zustürmte.

Faendal und Nanija versuchten den Mann mit dem Bogen auszuschalten. Weder für sie noch für ihren Gegner war es einfach zu schießen, da sie nicht still an einem Platz stehen bleiben konnte, ohne in Gefahr zu laufen, sonst getroffen zu werden. Allerdings entschied das Verhältnis zwei gegen ein schnell den Ausgang. Nanija schoss als erstes um den Banditen auf sie zu lenken. Während Faendal abwartete, bis dieser seinen Pfeil auf Nanija schoss, die aber zur Seite sprang. Faendal erwischte den Mann an der Seite, so dass dieser seinen Bogen fallen ließ und sich zusammenkrümmte. Nanija ging auf Nummer sicher und schoss nun ihrerseits und tötete den Mann endgültig.

In der Zwischenzeit waren der verbliebenen Bandit und Sven mit ihren Waffen aufeinander losgegangen. Anfangs sah es nach einem ungleichen Kampf aus, weil der Bandit mit seinem Hammer wesentlich wuchtigere Schläge austeilen konnte, als Sven mit seinem Schwert.  Aber Sven war mit seiner Waffe beweglicher und wich den Schlägen seines Gegners geschickt aus. Während sich der Mann schnell verausgabte gelang es Sven mehrere leichte Treffer  zu landen, die ihn  weiter schwächten. Und als der Bandit dann wieder mal schwungvoll ausholte unterlief der Nord seinen Gegner und stieß ihn sein Schwert in die Seite so dass dieser auf der Stelle tot zusammenbrach.

Nanija und Faendal senkte ihre Bögen als der Mann zu Boden ging. Wieder durchsuchten sie die beiden Toten und nahmen ihnen wie gehabt alles Wertvolle ab. Die Klaue war aber nicht darunter.    Sie überlegten was sie als nächstes tun sollten. Nanija vermutete, das sich die Banditen ins Innere des Hügelgrabs zurück gezogen hatten und die hier draußen nur als Wachen zurück geblieben waren. Faendal und Sven nickten zustimmend. So gingen sie zum Eingang und versuchten diesen leise zu öffnen.