06 Die goldenen Klaue (Teil 2)
06 Die goldenen Klaue (Teil 2) PDF 
Geschrieben von: CKomet   
17.02.16 um 21:21 Uhr

Das riesige Eisentor ließ sich nur schwer bewegen, aber glücklicherweise gab es keine Geräusche von sich. So gelangten Nanija, Faendal und Sven unbemerkt in die riesige Vorhalle. Am Ende der Halle brannte hinter eine Säule ein großes Lagerfeuer. Um die Säule herum lagen diverse tote Skeever. Auch zwei Männer schienen den Angriff der Tiere nicht überlebt zu haben. Die mussten schon ein paar Tage hier liegen, dem unangenehmen fauligen Geruch nach zu urteilen. Angewidert schüttelten alle drei die Köpfe.  Dann vernahmen sie die Stimmen von zwei Personen. Nanija gab ihren Gefährten zu verstehen, dass sie warten sollten, während sie sich näher heran schlich um zu lauschen, worüber die beiden Sprachen.

Faendal und Sven nickten und Nanija machte sich auf den Weg. Bei den Banditen handelte es sich um einen  stämmigen Nord und einer Frau von unbestimmter Herkunft. Nanija vermutete sie wäre eine Bretonin. Sie hatten sich an eine Feuerstelle gesetzt und waren am Essen. Es gelang Nanija bis an die Säule nahe bei den beiden zu kommen, ohne bemerkt zu werden. Von dort gab sie ihren Gefährten ein Zeichen zu warten. Der Geruch hier war noch schlimmer, als am  Eingang. „Mir gefällt es hier nicht“, hörte Nanija die Frau sagen. „Es war nicht richtig das Arvel einfach schon vorgegangen ist und die Klaue mitgenommen hat. Wir hätten alle zusammen gehen sollen.“

„Paro ist ihm gefolgt. Er wird schon nicht verschwinden.“

„Trotzdem war es falsch.“

„Wenn es euch nicht gefällt könnt ihr ja gehen, dann bleibt für uns andere mehr von dem Schatz über.“

„Das könnte euch so passen, ich werde hier mit euch warten.“

Sie begann wieder an einem Fleischstück zu Knabbern. Auch ihr Gefährte sagte nichts mehr. Mehr würde Nanija nicht erfahren, also winkte sie Faendal und Sven heran. Sie kamen unbemerkt zu ihr. Dann zogen die drei ihre Schwerter und traten hinter der Säule hervor. Die beiden am Lagerfeuer wurden überrascht und so konnten Faendal und Sven die beiden auf der Stelle ohne großen Kampf töten.  Nanija sagte ihnen, was sie von den beiden erfahren hatte. Sven wollte dann auch gleich weiter gehen, aber Nanija meinte, es wäre besser, die Nacht hier zu verbringen. Sie waren seid Mittag unterwegs gewesen ohne Rast zu machen und wussten nicht was ihnen im Grab noch begegnen würde. Faendal stimmte Nanija zu.

Nanija und Faendal fingen an die Leichen der beiden Banditen in den vorderen Bereich der Halle zu schleppen. Dasselbe machten sie mit den Kadavern der Skeever und anderen beiden Toten. Sven stand unschlüssig da. Sollte er allein weitergehen? Dann entschied er sich zu bleiben, allerdings sah er keine Notwendigkeit den beiden anderen bei ihrer Tätigkeit zu helfen.

Nachdem sie es geschafft hatten, den Bereich um die Feuerstelle etwas zu säubern, begann Nanija einen Eintopf  mit den Dingen, die Lucan ihnen mitgegeben hatte zu kochen. Zuvor hatte sie den Topf sicherheitshalber draußen vor dem Grab mit Schnee gefüllt und anschließend gesäubert. Als sie fertig war füllte sie ihren und Faendals Teller voll.

„Und was ist mit mir?“ fragte Sven ungehalten.

„Ihr könnt euch selbst etwas machen, wenn ihr Hunger habt“, meinte Nanija nur und aß ihren Teller leer. Wütend nahm sich Sven aus seinem Beutel etwas Brot und begann es  so zu essen.

Nach dem sie gegessen hatten legten sie sich am Feuer schlafen. Faendal hatte noch etwas von dem Holz, das die Banditen glücklicherweise herbeigeschafft hatten nachgelegt. Er übernahm auch die erste Wache, denn sie wollten nicht von Arvel und Paro überrascht werden, sollten die beiden in der Nacht aus dem Inneren des Grabes zurückkommen.

Nanija, die die letzte Wache übernommen hatte, weckte am nächsten Morgen ihre Gefährten. Nachdem sie noch mal etwas gegessen hatten folgten sie den Gang der ins Innere führte. Verlaufen konnten sie sich nicht, denn alle Nebengänge waren verschüttet. Immer wieder stießen sie auf tote Skeever. Die Urnen, die herumstanden waren anscheinend schon von anderen geplündert worden. Irgendwann kamen sie zu einem Raum, an dessen anderem Ende eine vergitterte Tür  war. Vor der Tür war ein Hebel im Boden eingelassen, neben dem ein Toter lag. Sven wollte den Hebel einfach betätigen, aber Faendal hielt ihn zurück. „Wenn ihr wie der Kerl enden wollt dann benutzt den Hebel. Ich gehe davon aus, dass er durch vergiftete Pfeile gestorben ist, so wie er aussieht.“

Sven wurde bleich, er hatte sich den Banditen nicht näher angeschaut, aber als er es nun tat erkannte er, das der Elf Recht hatte.

„Und was nun?“

Nanija hatte sich während sich die Männer unterhielten umgeschaut. „Die Säulen“, antwortete sie, „Wir müssen sie wie die Zeichen die dort oben zu sehen sind, oder waren anordnen. Danach können wir den Hebel betätigen.“

„Woher wollt ihr das wissen?“ fragte Sven zweifelnd.

Nanija zuckte mit den Schultern: „Weibliche Intuition?“

Sie drehten die Säulen in die richtige Position und dann war es Nanija, die es wagte den Hebel zu benutzen. In dem Moment wo sie den Hebel benutze sprang sie sicherheitshalber zurück. Aber es passierte, wie sie sich dachte nichts, außer dass das Gitter aufging. Faendal konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und Sven schaute einfach nur grimmig drein. Nanija ignorierte beide und ging einfach weiter.

Auf der anderen Seite vom Gitter war noch ein Hebel. So musste wohl dieser Arvel es hinter sich geschlossen haben. Sie gingen langsam weiter und kamen zu einer hölzernen Treppe, die weiter nach unten führte. In dem Raum nach der Treppe wurden sie von einem halben Dutzend Skeevern angegriffen. Drei erwischte Faendal mit seinem Bogen. Ein Nanija mit einem Wurfessen und bevor sie ihr Schwert ziehen konnte, hatte Sven die letzten beiden schon mit seinem Schwert erledigt. „Nimmt, das mit diesen Viechern denn nie ein Ende?“ Sven schüttelte sich. Die anderen antworteten nicht. „Pst“, sagte vernahm man dann plötzlich Nanija. „Hört ihr das?“ Die beiden lauschten. Irgendwo aus den Nebenräumen drang eine ängstliche Stimme an ihre Ohren. Sie konnten aber nicht verstehen was derjenige sagte. Vorsichtig gingen sie mit gezogenen Waffen  weiter. Ihr weiterer Weg war durch ein riesiges dichtes Spinnennetz versperrt.

Sven versuchte es mit seinem Schwert zu zerschneiden, was teilweise gelang. Nanija nahm dann eine Fackel zu Hand und versuchte die nun lose herabhängenden klebrigen Fasern abzubrennen. Es dauerte eine Weile, aber dann konnte sie durch die nun entstandene Lücke in den nächsten Bereich gehen. Hier erwartete sie eine böse Überraschung. Von oben ließ  sich eine  riesige Frostbissspinne herab. Faendal und Nanija schossen mehrere Pfeile auf das Tier während Sven mal wieder Leichtsinnig direkt auf das Tier zu stürmte und ihnen teilweise in die Schusslinie sprang. Trotzdem gelang es den dreien das Tier zu erledigen, ohne dass jemand verletzt wurden. Nanija musste während des Kampfes an ihre Flucht mit Ralof aus Helgen denken. Als das Tier tot war, wies sie ihre Gefährten an zu schauen, ob sie nicht von dem Tier irgendwie verletzt worden waren. Aber niemand hatte einen Kratzer davon getragen.

Die Stimme, die sie gehört hatten, kam von einem Mann am Ende des Raumes, den die Riesenspinne lebendig  eingesponnen hatte. „Heft mir“, rief er ihnen nun zu. “Schneidet mich hier los.“

Nanija ging auf den Mann zu. Faendal und Sven hielten sich im Hintergrund. „Wer seid ihr? Wie kommt ihr hierher? Habt ihr die Goldenen Klaue bei euch?“

"Das ist jetzt doch unwichtig, macht mich erst mal los. Dann sage ich euch alles was ihr Wissen wollt."

Nanija sah ihre Gefährten an. Sven trat zu ihr und gemeinsam durchtrennten sie mit ihren Schwertern, die Spinnenweben. Es dauerte eine Weile, bis sie es soweit gelockert hatten, dass der Mann sich daraus endgültig befreien konnte. Er fiel zunächst zu Boden. Nanija und Sven traten etwas zurück. Denn sie wollten nicht an dem klebrigen Fasern hängen bleiben. Kaum hatte sich der Mann aufgerappelt lachte er auch schon höhnisch und lief plötzlich so schnell er konnte den Gang der sich hinter dem Spinnenweben befand entlang. "Ich denke nicht dran, den Schatz mit irgendwem zu teilen", waren die letzten Wort die sie von ihm hörten.

Sven wollte sofort hinterher stürmen, aber Nanija hielt ihn zurück. "Er kann nicht entkommen und wer weiß was vor uns noch lauert." Nur mit Mühe konnte sie ihn beruhigen. Dann lösten sie gemeinsam die Reste der Spinnenweben und folgten vorsichtig dem Mann. Es war eine gute Entscheidung gewesen, wie sich kurz darauf rausstellen sollte.

Am Ende des Ganges, durch den sie dem Mann, der vor ihnen davongelaufen war, gefolgt waren stießen sie auf eine riesige Grabkammer.  Überall waren zwei bis drei Grabstätten übereinander angelegt worden, in denen teilweise verweste und zerfallene, mumifizierte Tote lagen. Langsam betraten die drei die Kammer. Es wirkte beängstigen ruhig und sie hatten alle drei irgendwie ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Faendal und Nanija hatten ihre Bögen gespannt und Pfeile eingelegt, sofort bereit auf alles zu schießen was sich möglicherweise bewegen würde. Die Anspannung war kaum auszuhalten. Sven war mit gezücktem Schwert an eines der Gräber getreten, um sich den darin befindlichen Toten näher anzuschauen, als dieser plötzlich seine Augen öffnete und Sven anstarrte. Wie gelähmt blieb der große Nord vor Schreck stehen und konnte sich nicht rühren. Nanija schoss mehr aus Reflex als wie bewusst auf die Leiche, die gerade versuchte aufzustehen und Sven zu packen. Der Tote sackte nachdem der Pfeil an die Stelle traf, wo sein ehemaliges Herz gewesen war, wieder in sich zusammen und rührte sich nicht mehr.

Nanija atmete tief durch. Was war das gewesen? Sowas gab’s doch nur in Märchen. Waren das nicht ihre Worte zu Ralof. Und nun musste sie diese Ansicht revidieren. Auch Faendal war sprachlos. Sven stand immer noch neben dem Grab und war kreidebleich geworden. "Was... war... das...?" Man sah die Panik in seinen Augen.

Nanija hatte sich als erstes wieder gefangen. "Ich würde sagen, das war ein Untoter Drauge." Und kaum sagte sie das, als sie hinter sich ein kratzen in einem weiteren Grab hörte. Sofort hatte sie einen weiteren Pfeil eingelegt und schoss in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatte. Diesmal traf sie nicht die richtige Stelle um den Untoten sofort endgültig ins Jenseits zu befördern. Faendals Pfeil erledigte das.

"Wir sollten umkehren", Faendal und Nanija sahen Sven, der das sagte erstaunt an. "Mit Untoten soll man nicht spaßen."

"Wer sagt dass wir mit ihnen Spaß haben wollen? Man kann sie töten, und sie scheinen nicht gefährlicher als Skeever zu sein. Ich bin für weitergehen." Nanija wollte nicht einfach aufgeben.  Dank ihrer harten Ausbildung, die sie in Cyrodiil genossen hatte, spürte sie weniger Angst, als sie eigentlich erwartet hatte. Sie schätze das Risiko als nicht höher ein, als würden sie noch eine Bande Banditen hier in dem Grab zu bekämpfen haben.

Faendal sah sie an und überlegte eine Weile, dann sagt er "Ich bin auch für weitergehen, schließlich habe ich Camilla versprochen, den gestohlenen Gegenstand zurückrück zu bringen und das habe ich  vor auch zu tun", dabei sah er Sven herablassend an, der immer noch bleich da stand. "Ihr könnt ja schon mal zurückgehen und ihr Bescheid geben, das es noch etwas dauern wird, bis wir zurückkommen."

War Sven eben noch bleich, schoss ihm nun vor Wut das Blut wieder ins Gesicht und er wurde rot. "Das hättet ihr lächerlicher kleiner Elf wohl gerne? Ich werde es sein, der diesem Avel die Klaue entreißt und zurückbringt. Komme was da wolle." Er drehte sich um, hielt sein Schwert angriffsbereit vor sich und ging an dem Waldelfen vorbei, um dem Dieb so schnell es ging zu folgen.

Nanija schüttelte den Kopf. 'Männer', dachte sie. 'Einer muß da immer besser als der andere sein'. Immerhin hatte es dafür gesorgt, dass sie gemeinsam weiter gehen würden. Zu zweit wäre auch Nanija das Risiko zu groß gewesen und sie wäre mit umgekehrt. So folgte sie nun Sven. Während Sven einfach drauflos stiefelte, sah sich Nanija noch mal um und plötzlich rief sie etwas panisch. "Sven, stehenbleiben!"

Reflexartig tat der Mann was sie sagte und wollte gerade was sagen, als er sich den Boden vor sich genauer anschaute. In seiner Wut über den Elfen hatte er nicht drauf geachtet, wo er lang ging. Nun sah er die Druckplatte vor sich, die wohl dafür gedacht war, das mit unzähligen Stacheln versehene Gitter auf denjenigen zu schleudern, der die Platte betrat. Und das würden wohl die wenigsten Überleben.

Nachdem er sich von dem erneuten Schreck erholt hatte, war er nicht böse darüber, dass Nanija die Führung übernehmen wollte. Sie kamen nur langsam vorwärts, da Nanija wirklich alles gründlich überprüfte, bevor sie einen weiteren Bereich betraten. Mehrfach erwachten Drauge wenn sie den Gräbern zu nahe kamen. Aber diese waren für die drei kein wirkliches Problem und meist reichte ein Pfeil von Nanija oder Faendal um diese Wesen wieder ins Land der Tote zu schicken. Sie wunderten wie es Avel gelungen war, an diesen Wesen vorbei zu kommen, ohne dass sie erwachten und ihn angriffen. Aber sie hatten weder die Zeit noch das Interesse, sich da über Gedanken zu mache.

Vor einem schmalen Gang in dem drei riesige scharf aussehende Äxte hin und her schwangen und jeden, der ihnen zu nahe kam in zwei Hälften teilen würde, beschlossen sie eine Pause einzulegen. Sie wussten nicht wie lange sie schon unterwegs waren, aber sie verspürten Hunger. Nachdem sie sich etwas gestärkt hatten überlegten sie, wie sie diese Falle umgehen könnten. Nanija sah auf der anderen Seite eine herabhängende Kette mit Ring. Es sah aus, als wäre diese Kette dafür gedacht, die Falle zu aktivieren und das hatte Avel wohl getan. Damit würde man sie sicherlich auch wieder deaktivier können. Nanija sah sie die Abstände zwischen den Äxten genau an. Dann sah sie ihre Gefährten an und sagte: „Das kann ich schaffen. Der Platz zwischen den einzelnen Äxten reicht aus um sicher zu stehen und nicht getroffen zu werden. Ihr wartet hier, bis ich den Mechanismus betätigt habe, um die Falle wieder zu deaktivieren.“

Da keiner der anderen einen besseren Vorschlag hatte und nicht freiwillig sich zerteilen lassen wollte, stimmten sie zu. Vorsichtig ging Nanija dicht an die erste Axt heran. Sie wartete bis sie an ihr vorbeigeschwunden war und machte einen Schritt nach vorne. Nun stand sie genau zwischen zwei der Äxte, eine falsche Bewegung nach hinten oder vorne und sie würde nah Sovengarde gehen. Sie holte tief Luft und konzentrierte sich auf den nächsten Schritt. Wieder stand sie dann zwischen zwei der Äxte und wartete noch mal bevor sie dann die andere Seite unbeschadet erreichte. Auch Sven und Faendal waren froh zu sehen, dass sie es Heil schaffte.  Nanija betätigte dann die Kette und die Äxte verschwanden, so dass sie weiter gehen konnte.

Die nächsten Stunden gingen sie durch lange verwinkelte Gänge, wo sie immer wieder auf Untote stießen. Nanija nahm sich Zeit alles gründlich zu untersuchen bevor sie weitergingen. Auch wenn es sie einen Haufen Zeit kostete und Arvles Vorsprung damit größer wurde, drängelte keiner der Männer. Sie verließen sich nun vollkommen auf Nanija. Sie erreichten eine große natürliche Höhle durch die ein Bach floss. Das Wasser war sauber und klar, so machten sie hier nochmals halt, um etwas zu essen und ihre Wasserflaschen wieder auf zufüllen.

Nachdem sie die natürliche Höhe wieder verlassen hatten kamen sie wieder einen künstlich angelegten Grabbereich. Sie waren dem Gang noch nicht weit gefolgt als sie wieder das bekannte Geräusch von schwingenden Äxten hörten. Wie schon zuvor gelangte Nanija au die andere Seite und deaktivierte dort die Falle, damit die anderen ihr folgen konnten. Wieder stießen sie hier auf diverse Untote, die aber keine große Gefahr für die drei darstellten. Sie folgten den Gängen bis sie zu einer mit Eisen beschlagenen Tür kamen. Die Männer stellten sich seitlich der Tür und Nanija öffnete diese ganz langsam Stück für  Stück, jederzeit bereit sofort in Deckung zu springen, sollte ihr etwas verdächtig vorkommen. Aber nichts passierte. Hinter der Tür befand sich ein langer Gang, der an beiden Seiten an den Wänden wunderschöne Reliefe hatte, für die die drei aber kein Auge hatte. Am anderen Ende musste auch mal eine Tür gewesen sein, die aber in den Boden abgesenkt war. Die drei vermuteten, dass sie sich nun vor der letzten Grabkammer befand, die Avel geöffnet hatte. Hoffentlich kamen sie nicht zu spät, und es gab hier einen weiteren Ausgang so dass er hatte fliehen können. Dann wäre ihre Mühe vergebens gewesen und sie würden mit leeren Händen dastehen, zu mindestens was ihre Aufgabe anging.

Die letzte Grabkammer bestand aus einer riesigen natürlichen Höhle. Als sie diese Betraten und ein paar Schritte vorwärts gegangen waren, scheuchten sie eine Schwarm Fledermäuse auf, die wild um sie herum flatterten.  Die drei versuchten die Tiere, die ihnen nichts taten zu ignorieren und gingen langsam weiter. Am Ende der Höhle war eine riesige halbrunde Wand die mit sonderbaren Zeichen verziert was. Davor stand ein Grab, dessen Deckel am Boden lag. Davor lag der Bandit Avel, bzw. sein Rumpf, denn der Kopf war fein säuberlich abgetrennt worden. Noch bevor sie sich Gedanken darüber machen konnten was genau geschehen war, erfasste die drei eine Druckwelle, die sie zurückwarf. Glücklicherweise wurden sie nicht zu Boden geschleudert. Dann sahen sie den riesigen Draugen vor sich. Sofort ergriffen Nanija und Faendal ihre Bögen und schossen auf das Wesen. Es war größer und stärker als diejenigen, denen sie bisher begegnet waren. Und es konnte anscheint Zaubern und Druckwellen auf sie zuschleudern. Sie wussten nicht, wie man das sonst anderes bezeichnen sollte, denn so etwas hatte bisher keiner der drei je erlebt. Sven versuchte sich seitlich an das Wesen mit seinem Schwert anzuschleichen, wurde aber immer wieder durch die Druckwellen zurück geschleudert. Faendal und Nanija verschossen was sie noch an Pfeilen hatten während der riesige Drauge sich dem zu Boden gegangene Sven mit einem riesigen Zweihänder den er Schlagbereit erhoben hatte näherte. Kurz bevor er Sven erreichte gelang es den beiden Bogenschützen den Draugen zu Boden gehen zu lassen, Sven rappelte sich fix hoch und rammte dem Wesen sein Schwert zwischen die Rippen und es brach endgültig tot zusammen.

"Musstet ihr euch so lange Zeit lassen, um den fertig zu machen? Er hätte mich fast erwischt“, fauchte Sven Nanija und Faendal an. Die beiden sahen sich nur kurz an und schüttelten mal wieder verständnislos die Köpfe und sagten nichts dazu. Sven ging zu dem toten Arvel und durchsuchte ihn. Er fand bei ihn die gestohlene Klaue und ein Tagebuch. Nanija indessen hatte sich der halbrunden Wand genähert. Sie wurde irgendwie magisch von ihr angezogen und konnte diesem Drang nicht wiederstehen. Als sie direkt davor stand, sie spürte sie ein Kribbeln, das sie durchflutete. Sie wollte zurückspringen doch sie konnte sich nicht rühren. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit für sie bis das Kribbeln nachließ und sie sich wieder bewegen konnte. Die drehte sich zu Sven und Faendal um, um sie zu fragen ob sie das auch gespürt hatten, aber die beiden stritten sich gerade darüber wer von beide die Klaue zurückbringen würde. Nanija fackelte nicht lange, griff nach dem Gegenstand den Sven triumphierend in der Hand vor Faendal hielt und steckte ihn in ihre Tasche. "Wenn zwei sich streiten freut sich die dritte, oder wie war das?" grinste sie nur. Sven sah sie verdattert an und Faendal begann auch zu grinsen. Dann nahm Nanija auch noch das Tagebuch des Banditen an sich, das Sven achtlos auf den Boden geworfen hatte.

Neben dem Grab aus dem der riesige Drauge auferstanden sein musste, stand noch eine große Truhe. Nanija öffnete sie Vorsicht. Darin befanden sich verschiedene wertvolle Gegenstände, die sie untereinander aufteilen. Es war auch ein merkwürdiger großer Stein mit sonderbaren Symbole in der Truhe.  Nanija nahm ihn in die Hand und wunderte sich über das Gewicht. Sie hatte erwarte den Stein kaum anheben zu können, doch er war Federleicht.  Und da sie noch etwas Platz in ihrem Rucksack hatte und keiner der anderen ihn haben wollte, nahm sie ihn mit.

Beim weiteren durchsuchen der Höhle entdeckten sie einen schmalen Gang, der sie möglicherweise nach draußen führen würde. Sie folgten vorsichtig dem Gang und kamen tatsächlich hinaus. Sie hatten gar nicht bemerkt wie die Zeit in dem Grab vergangen war. Die Morgendämmerung setzte gerade ein. Sie beschlossen hier oben auf dem Felsvorsprung ein wenig zu schlafen bevor sie sich an den Abstieg machten, um nach Flusswald zurück zu kommen. Da Nanija nicht sofort einschlafen konnte nahm sie sich das Tagebuch von Aval vor und las es. So erfuhr sie, das Avel vor längere Zeit einen Gelehrten belauscht hatte, der sich mit den alten Nordgräbern beschäftigt hatte und mit den Mechanismus, wie man in die letzte Grabkammer gelangte. Avel hatte ein paar Skizzen von dem Tor und der Klaue gemacht. Die goldene Klaue war einer der Schlüssel erkannte Nanija und das war auch der Grund warum sie gestohlen worden war. Nicht wegen des Goldwertes sondern wegen der Funktion. Tja, dachte Nanija, hätte Avel die Klaue einfach eingeschmolzen und dann das Gold verkauft, hätte er wohl ein besseres Geschäft gemacht, als wie in das Grab zu steigen. Die Beute die sie dort gefunden hatten, war letztendlich dann doch vom Wert her geringer, als wie wenn er die Klaue verkauft hätte. Nach der Lektüre schlief auch Nanija ein.