07 Flusswald 2
07 Flusswald 2 PDF 
Geschrieben von: CKomet   
18.02.16 um 22:04 Uhr


Als Gerdur am späten Nachmittag nach Hause kam, war sie froh, dass Nanija nicht da war. Sie hatte glücklicherweise auch nicht mitbekommen, dass Frodnar versucht hatte, mit Nanija, Faendal und Sven hoch zum Ödsturtzhügelgrab zu gehen. Im Haus traf sie Ralof alleine an. Frodnar war irgendwo draußen und spielte wahrscheinlich mit der Tochter des Schmieds, Dorte. Das Mädchen war im selben Alter wie Frodnar. Sie wunderte sich aber trotzdem, wo Nanija war und fragte Ralof nach ihr.


Mit betrübter Miene sagte ihr Ralof, das Nanija gemeinsam mit Sven und Faendal zum Ödsturtzhügelgrab aufgebrochen war, um den gestohlenen Gegenstand von Lucan zurück zu holen.

"Ich hoffe dass ihr nichts passiert", seufzte Ralof. Gerdur erkannte, dass ihr Bruder mehr für diese Frau empfand als einfache Freundschaft und das gefiel ihr überhaupt nicht. Natürlich wünschte sie ihrem Bruder, dass er endlich eine Gefährtin finden würde, mit der er glücklich wurde. Aber Nanija war nicht die richtige für ihn. Etwas stimmte mit der Frau nicht. Gerdur konnte nicht sagen was, aber sie hatte einfach kein gutes Gefühl und bisher konnte sie sich immer darauf verlassen. Sie fühlte sich immer noch dafür verantwortlich, dass es ihrem Bruder gut ging. Sie hatte sich nach dem frühen Tod ihrer Mutter um ihren kleinen Bruder gekümmert und ihn umsorgt. Ralof war gerade fünf Jahre als ihre Mutter starb und sie selbst fast Vierzehn. Und sie wusste, dass er obwohl er ein gestandener Krieger war, der im Kampf vor nichts zurückschreckte, eine empfindliche Seele hatte, die sehr verletzlich war. Und davor hatte sie Angst.


"Ralof", Gerdur sah ihren Bruder ernst an. "Haltet Abstand zu Nanija. Sie passt nicht zu euch und sie wird euch nur Kummer bereiten. Sie..."


"Gerdur", Ralof lachte, wenn auch etwas bedrückt, als er sie unterbrach. "Überlasst bitte mir, wer zu mir passt und wer nicht. Ich bin kein kleiner Junge mehr, den ihr behüten müsst. "


Er knuffte seine Schwester in die Seite, die sich dann seufzend zur Küche begab, um das Abendessen vorzubereiten. Als Hod und Frogar zum Essen kamen, stand Ralof dann das erste Mal auf. Seine Wunden waren gut verheilt und er hoffte in ein paar Tagen würde er soweit sein, das er sich auf den Weg nach Windhelm machen konnte, auch wenn seine Schwester da noch anderer Meinung war.


Die nächsten zwei Tage verbrachte Ralof viel Zeit im Garten seiner Schwester. Hier war er ungestört und man konnte ihn von der Hauptstraße aus nicht sehen. Er trug einfache bürgerliche Kleidung. Seine Sturmmanteluniform sah etwas ab mitgenommen aus und Gerdur war dabei, sie so gut es ging auszubessern. Er hatte mitbekommen, dass zwischenzeitlich auch Hadvar nach Flusswald gekommen war und bei seinem Onkel, dem Schmied untergekommen war. Gerdur hatte es ihm gesagt, nachdem sie ihn vor dem Haus seine Onkels angetroffen hatte. Ralof hielt es für besser ihm nicht über den Weg zu laufen. Auch wenn sie Flusswald immer als neutrales Gelände gesehen hatten, wusste man nie, ob nicht weitere kaiserliche in der Nähe waren, vor denen Hadvar es nicht erlauben konnte, mit einem Sturmmantelkrieger gemeinsam gesehen zu werden. Bisher gab es keinen offenen Krieg zwischen den Parteien, trotzdem wurde es ungerne gesehen, dass man mit der Gegenseite einen freundlichen Umgang pflegte.

Bisher waren Ralof, Hadvar und Nanija, die einzigen die aus dem zerstörten Helgen nach Flusswald gekommen waren. Daher wusste eigentlich auch niemand, das Ralof und Nanija von der kaiserlichen Armee gefangen genommen worden waren. Hadvar hatte es vorgezogen, es selbst seiner Familie nicht zu sagen.

Am dritten Tag, nachdem Nanija gegangen war, wurde Ralof doch langsam unruhig. Wenn sie die Banditen vor dem Grab erwischt hätten, müsste sie doch schon wieder zurück sein. Auch am Abend waren sie noch nicht zurück. Gerdur spürte die Unruhe, die ihren Bruder befallen hatte.

„Wahrscheinlich sind die Banditen abgehauen und die drei mussten ihnen nachjagen. Daher kann natürlich etwas dauern, bevor sie zurückkommen“, versuchte sie Ralof aufzumuntern. „Ihr wird schon nichts passiert sein.“ Ralof seufzte nur zur Antwort.

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Nanija, Sven und Faendal hatten nur wenige Stunden geschlafen und anschließend auch etwas gegessen und die Sonne stand schon hoch am Himmel, als sie den Berg
hinab kletterten. Einen Pfad gab es nicht und so mussten sie vorsichtig Stück für Stück die an einigen Stellen recht steile Bergwand hinabklettern. Sie kamen nur recht langsam vorwärts und bereuten es fast schon, nicht den gleichen Weg zurückgegangen zu sein, den sie gekommen waren, da sie dachten hier entlang ginge es schneller und einfacher. Als sie unten ankamen war es schon später Nachmittag. Von hier war es gut eine halbe Tagesreise, um nach Flusswald zu gelangen. Sie machten unten nur kurz Rast um etwas zu essen, bevor sie weiter gingen. Als es Dunkel wurde, beschlossen sie keine Rast einzulegen, sondern setzen ihren Weg fort. Hauptsächlich auf Drängen von Sven , der scheinbar keine Lust hatte, sich länger als notwendig in der Gesellschaft von Faendal aufzuhalten.

Und so klopften sie spät in der Nacht an Lucans Tür. Dieser öffnete verschlafen im Nachtgewand die Tür. Als er die drei sah und Nanija ihm die Klaue zeigte, ließ er sie sofort rein. Sie musste ihm erzählen, wie sie die Klaue zurückbekommen hatten. Dann gab ihnen Lucan die versprochene Belohnung. Die drei wollten eigentlich nur noch schlafen, denn das war die letzten Tage zu kurz gekommen. Als sie den Laden wieder verließen, ging Sven sofort ohne sich großartig zu verabschieden nach Hause. Nanija überlegte was sie tun sollte. Sie wollte Gerdur und ihre Familie nicht mitten in der Nacht wecken. Daher überlegte sie in den Gasthof zu gehen. Faendal merkte, dass sie unschlüssig dastand.

„Wenn ihr wollt könnt ihr heute Nacht bei mir übernachten. Ich habe ein kleines Gästebett, das ihr benutzten könnt.“ Nanija sah ihn dankbar an und nickte dann. Das wäre wohl die beste Lösung. Also begleitete sie den Elfen. Nachdem sie sich zu Bett begeben hatte, schlief sie auch gleich ein.


Nanija merkte nicht, wie Faendal wenige Stunden später aufstand und kurz zum Gasthof hinüberging, um dort etwas zum Frühstück zu holen, da er kein Brot mehr im Haus hatte. Sie wurde wach, als sie vor dem Haus Stimmen hörte. Ralof und Faendal sprachen laut miteinander.


„Ihr seid wohlbehalten zurück gekommen“, wunderte sich Ralof. „ Aber wo ist Nanija? Ihr ist doch hoffentlich nichts passiert.“ Ralofs Stimme klang besorgt. „Nein“, beruhigte Faendal den Nord. „Sie schläft wohl noch. Wir kamen erst weit nach Mitternacht zurück und sie wollte Eure Familie nicht wecken, daher hat sie bei mir übernachtet.“


Nach diesen Worten trat Nanija, die sich schnell angekleidet hatte, aus dem Haus. Ralofs Augen begannen zu leuchten, als er sie kommen sah. Er wollte sie zur Begrüßung in die Arme nehmen, aber er scheute sich davor, eine Abfuhr zu bekommen, also ließ er es sein und trat nur näher an sie heran. Nanija bemühte sich ein freundlich lächeln aufzusetzen.

„Es geht euch anscheinend schon wieder sehr gut.“ sagte sie zu ihm.

Ralof nickte. „Ich bin heute Morgen das erste Mal etwas rausgegangen. Langsam hielt ich es im Haus und im Garten nicht mehr aus. Ich denke wir können in ein paar Tagen nach Windhelm aufbrechen“, meinte er.


„Was haltet ihr aber davon, wenn wir zuvor etwas Frühstücken?“ Faendal hielt den Beutel mit dem Brot hoch. Er sah Ralof an. „Es reicht sicherlich auch für drei.“


„Gute Idee, mein Freund.“


So gingen sie gemeinsam in Faendals Haus und während sie am Essen waren, erzählte hauptsächlich Faendal Ralof, was sie im Hügelgrab erlebt hatten. Ralof sah die beiden entsetzt an, als er hörte, auf was für Wesen sie gestoßen waren. Er ergriff reflexartig Nanijas Hand und hielt sie fest. Er spürte, dass ihr das unangenehm war, aber sie ließ ihn gewähren. Er sah sie an und als er sie dann schüchtern lächeln sah, hielt er sie auch weiterhin fest und lies sie nicht so schnell wieder los. Als die drei mit dem Frühstück fertig waren verabschiedeten sich Ralof und Nanija von Faendal wobei sie sich noch mal für das Frühstück und die Unterkunft bedankten.


Ralof und Nanija gingen dann hinüber zum Haus von Gerdur und ihrer Familie. Gerdur wartete drinnen auf ihren Bruder: „Wo wart ihr so lange? Ihr wolltet doch nur einen kurzen Spaziergang machen? Ihr wisst doch das ihr euch noch schonen sollt.“ Dann sah sie Nanija hinter Ralof und ihr Gesicht verfinsterte sich ein wenig. Im Gegensatz zu Ralof bemerkte Nanija es, aber tat so als hätte sie es nicht gesehen. „Nanija und die anderen sind heute Nacht zurückgekommen“, freute sich Ralof.

„Ja, das sehe ich“, war das erste was Gerdur dazu sagte. Dann sah sie, wie sich Ralof sie bittend ansah. „Schön euch heil wieder zu sehen“, Gerdur bemühte sich freundlich zu Nanija zu sein, was ihr ersichtlich schwer fiel. Bevor Nanija antworten konnte wandte sich Gerdur gleich wieder an Ralof. „Und nun werdet ihr euch erst mal wieder etwas hinlegen.“ Ralof verdrehte die Augen, widersprach aber nicht. „Und vergesst nicht, dass ihr mit Frodnar nachher seine Rechenaufgaben durchgeht. Ihr habt es versprochen.“ Gerdur legte ihre Hand auf Ralofs Arm. „jetzt wird es Zeit für mich, zur Mühle zu gehen.“ Ohne ein weiteres Wort ging sie.

Nanija folgte Ralof ins Haus. „Sie meint es nicht böse. Sie denkt immer noch, dass sie ich auch ein kleiner Junge bin, den sie bemuttern muss.“ Versuchte Ralof die Art seiner Schwester zu erklären. Nanija schwieg und setzte sich an den Esstisch. Frodnar saß auch dort und war in sein Lehrbuch vertieft. Es war für die meisten Eltern in Himmelsrand nicht leicht, ihre Kinder neben ihrer Arbeit zu unterrichten, und viele Kinder lernten es daher gar nicht erst. Zumal auch nicht alle Erwachsenen es konnten. Daher war Gerdur froh gewesen, das Ralof Angeboten hatte den Jungen etwas zu unterrichten. Nachdem der Junge eine Weile geschrieben hatte, zeigte er Nanija sein Heft. „Ist das so richtig geschrieben?“


Ralof beobachtet die beiden vom seinem Bett aus und war neugierig, was passieren würde. Nanija war nicht gerade begeistert, das sie ausgerechnet diesem Jungen, der nichts mehr wollte als ein verhasster Sturmmantel zu werden, nun helfen sollte. Aber sie hatte sich nun mal entschieden ihre Rolle weiter zu spielen, also nahm sie das Heft und schaute sich es an. In einem freundlichen Ton sagte sie dann: „Ihr habt die beiden Buchstaben verwechselt. Außerdem kann man eure Schrift schlecht lesen. Da müsst ihr euch mehr Mühe geben, wenn das andere lesen sollen. Seht hier, das M sieht fast wie ein H aus. und das kleine a ist kaum von einem o zu unterscheiden.“ Sie machte eine kurze Pause und gab dem Jungen das Heft zurück.

„Ihr solltet das Ganze noch einmal sauber schreiben. Und lasst euch Zeit für jeden einzelnen Buchstaben. Dann geht es alles viel besser. Ausserdem könntet ihr einen neuen Stift gebrauchen, der den ihr habt ist viel zu kurz zum üben.“ Für einen Moment war sie in die alte Küche auf dem kleinen Hof hoch in den Bergen zurückversetzt, wo sie so oftmals mit ihrem kleinen Bruder am Tisch saß.

„Seht ihr Frodnar, das habe ich euch auch schon gesagt“ hörte man dann Ralof sagen. Und damit war Nanija wieder in der Gegenwart. Ralof sah Nanija lächelnd an. Es war schön zu sehen, das sie scheinbar recht gut mit Kindern, die was lernen sollten umgehen konnte.

Frodnar stand dann auf und ging hinüber zur kommode, wo Gerdur normalerweise Stifte aufbewahrte, um sich einen längeren zu holen. Enttäuscht schloss er gleich darauf die Schublade wieder. „ Da sind keine Stifte mehr.“ Dann blitzen seine Augen auf, denn das war die Gelegenheit für einige Zeit den Aufgaben zu entfliehen. „ Darf ich zu Lukan laufen und neue holen?“

Aber Ralof durchschaute den Jungen sofort. „Ihr bleibt schön hier und übt erst mal weiter.“ Dann wandte er sich an Nanija: „Würdet ihr vielleicht rübergehen und ein paar neue Stifte besorgen?“

Dankbar, dass sie nicht die ganze Zeit bleiben brauchte nickte sie. „Ja, das mache ich gerne.“


Ralof stand auf und holte etwas Gold aus dem Beutel von Gerdur, den sie immer im Haus bei der Garderobe liegen hatte und gab es Nanija. Diese machte sich dann auf dem Weg zum Laden. Lukan freute sich sehr, Nanija wieder zu sehen. „Da ist ja meine Heldin“, begrüßter er sie. Nanija wurde rot. So bezeichnet zu werden war sie nicht gewohnt. Camilla sah ihren Bruder an. „Nun macht sie doch nicht so verlegen, Bruder. Wollt ihr sie gleich wieder vertreiben?“

„Nein, natürlich nicht. Aber Ehre wem Ehre gebührt und ihr habt gemeinsam mit Faendal und Sven die Banditen besiegt. Damit seid ihr nun mal, ob ihr wollt oder nicht, für mich eine Heldin.“ Er hielt kurz inne, dann fragte er: „Was kann ich für euch tun?“

„Ralof hat mich geschickt, ich soll ein paar Stifte für Frodnar kaufen.“

„Ja, das ist ein großartiger Junge. Zwar muß man sich vor seinen Streichen in acht nehmen, aber er weiß wo man sie Grenzen ziehen muß.“

Nanija nickte nur zur Antwort. Lukan suchte in einigen Kisten hinter der Theke. „Ah, hier habe ich sie hingetan. Er holte 10 Stück heraus. Das macht ein Goldstück. Normal sind sie doppelt so teuer, aber für euch gibt es Preisnachlas.“

Nanija bedanke sich beim Händler und verließ dann auch gleich wieder den Laden. Sie wäre fast rückwärts wieder hineingestolpert vor Schreck, denn sie sah auf der gegenüberliegenden Seite eine in kaiserlicher Rüstung gekleidete Person zur Schmiede gehen. Dann erkannte sie den Mann, der ihr den Rücken zudrehte, auch sogleich wieder. Es war ihr Freund Hadvar. 'Was machte er hier? War er auf der Suche nach Entflohenen?' fragte sie sich. Dann fiel ihr ein, dass er ja aus Flusswald stammte, Beziehungsweise hier bei seinem Onkel, dem Schmied Alvor, aufgewachsen war, bevor er nach Einsamkeit ging.

Nanija freute sich sehr, dass er Helgen überlebt hatte. Einen Moment überlegte sie, ob sich ihm zeigen sollte, doch dann beschloss sie, dass es besser wäre ihn nicht offen auf der Straße zu begegnen. So ging sie an der Hausmauer entlang zum Weg, der zu Gerdurs Haus führte. Ralof und Frodnar warteten schon auf sie. Nanija hielt es für besser, Ralof zu erzählen, das sie Hadvar gesehen hatte.

Dieser war über die Nachricht nicht erstaunt, denn Hadvar war schon seit zwei Tagen in Flusswald. Sie solle sich aber keine Sorgen machen, denn Hadvar und er waren gute Freunde, auch wenn sie es an sich nicht sein durften. Und er war, wie Ralof erfahren hatte alleine nach Flusswald gekommen. Das zu hören beruhigte Nanija. Vielleicht ergab sich auch die Möglichkeit ihn mal alleine anzutreffen, damit sie in Ruhe mit ihm sprechen konnte.

Der Rest des Tages passierte auch nicht mehr viel. Nanija wärmte zu Mittag das Essen für Frodnar und Ralof auf, das Gerdur vorbereitet hatte. Am Nachmittag ging sie dann gemeinsam mit Ralof ein wenig nach draußen in den Garten. Die Übungen, die er mit seinem Äxten dort machte strengten ihn aber noch zu sehr an, so dass er schnell aufhörte. Frodnar verschwand gemeinsam mit seinem alten Hund Stump um mit seiner Freundin Dorthe zu spielen. Als Gerdur und Hod heimkamen machte Gerdur bereitete Gerdur das Abendessen zu. Nanija deckte den Tisch.

Das Abendessen verlief anschließen recht angespannt, aber irgendwie gelang es Ralof die Stimmung wieder aufzubessern, indem er alte lustige Begebenheiten aus der Vergangenheit erzählte, wo auch Gerdur nicht immer so gut dastand. Er verpackte es in seine lustige unbedarfte Art, so dass es nie böse rüberkam und eher zum Lachen animierte. Auch Nanija zwang sich fröhlich zu sein, auch wenn sie lieber gegangen wäre und sich draußen irgendwo ein Plätzchen gesucht hätte.

Nanija lag später lange Zeit wach und konnte nicht einschlafen. Sie überlegte die ganze Zeit, wie sie es unauffällig anstellen konnte, Hadvar auf zu suchen um mit ihm zu reden. irgendwann schlief sie dann aber doch ein. Am nächsten Morgen gingen Gerdur und ihr Mann wieder zeitig zur Mühle hinüber. Ralof setzte sich zu Frodnar an den Tisch und machte gemeinsam mit dem Jungen seine Schreib und Rechenübungen.

Nanija bat Ralof, das er ihr seinen Bogen lieh. Sie würde gerne ein wenig jagen gehen und so etwas für ihren Unterhalt zusteuern. Ralof konnte verstehen, dass sie sich ein wenig unwohl fühlte und stimmte daher zu. Er wäre am liebsten mit ihr gegangen, aber es war ihm klar, dass er noch nicht soweit war, um auf die Jagd zu gehen. So machte sich Nanija dann alleine auf den Weg.

Es gab für sie keinen Grund sich zu verstecken. Sie war gekleidet wie eine einfache Jägerin und nur diejenigen, die in Helgen anwesend waren, wussten, dass sie dort eine Gefangene war. Hadvar war allein nach Flusswald gekommen, also musste sie sich auch keinen Sorgen machen. So ging sie dann auf die Hauptstraße und verließ das Dorf für alle sichtbar in Richtung Südwesten. Sie hoffte Hadvar würde ihr unauffällig folgen, damit sie irgendwo draußen ungestört miteinander reden konnten.

Kurz hinter dem Dorf bog Nanija auf einen kleinen Pfad nach links ab, der zu einer Lichtung führte. Am Rand der Lichtung lag ein alter dicker Baumstamm auf den sie sich setzte. Sie saß fast eine halbe Stunde dort und hing ihren Gedanken nach, als sie hinter sich ein knackendes Geräusch vernahm. Jemand war unvorsichtig auf einen trockenen Ast getreten. Sofort fuhr Nanija rum und hatte ihr Messer dabei auch gleich gezogen.

„Nicht werfen, Nanija. Ich bin es Hadvar.“ Langsam trat er hinter den Büschen hervor. Nanija steckte ihr Messer weg und sah ihn erleichtert an.

„Ich hatte gehofft ihr würdet mich hier finden“, sagte sie dann. „Ich bin so froh euch lebend zu sehen. Ich hatte schon Angst, ihr wärt in Helgen gestorben.“ Sie sah ihn lächelnd an.

Hadvar lächelte zurück. "Auch ich bin froh euch gesund und munter wieder zu sehen."

Beide setzen sich auf den Baumstamm. Hadvar sah die Kratzer in Nanijas Gesicht. Er wollte mit seinen Fingern vorsichtig drüber streichen, aber Nanija nahm den Kopf zur Seite. Da fiel Hadvar sogleich wieder ein das Nanija es nicht mochte, angefasst zu werden. Hadvar lief rot an und sah kurz zu Boden. Er fühlte sich ein wenig befangen in ihrer Gegenwart. Das war schon so gewesen, wo sie gemeinsam in Einsamkeit waren.

„Entschuldigt“, sagte er schüchtern, ich wollte euch nicht zu nahe treten. Nanija sah ihn mit einem freundlichen Lächeln an, das nicht gespielt war. „Ist schon gut, Hadvar.“

„Wie ist das passiert“, fragte er dann besorgt.

„Die Klaue einer Frostbisspinne unten in den Höhlen unter der Festung von Helgen hat mich getroffen. Ist aber nichts Schlimmes.“

Hadvar hätte sie am liebsten in die Arme genommen, hielt sich aber zurück.
Daher sagte er dann um abzulenken. "Wie ich höre wurde auch Ralof verletzt. Wie geht es ihm? Ich hatte schon überlegt vorbei zu schauen.“

"Es geht ihm schon wieder besser und er wird bald wieder auf den Beinen sein. Hört zu Hadvar, niemand darf wissen, dass wir uns kennen." Nanija sah ihn an.

„Ich werde es niemanden sagen und versuche euch im Dorf aus dem Weg zu gehen.“

„Ich bin auch froh hier zu sein, Hadvar. Von allen habe ich euch am meisten vermisst. Einen Freund wie euch habe ich in Cyrodiil nie gehabt.“

„ Erzählt ihr mir, warum ihr dorthin geschickt wurdet und was ihr dort erlebt habt?“

„Ihr dürft aber niemanden was davon sagen, das ich mit euch darüber gesprochen habe. Darauf müsst ihr mir euer Wort geben.“

„Ihr habt mein Wort darauf, Nanija. Von mir wird niemand etwas erfahren.“

Nanija sah ihn ernst an, dann begann sie in Kurzform zu erzählen, wie sie nach Cyrodiil geschickt wurde, und was man ihr dort beigebracht hatte. Einige Details ließ sie lieber weg, weil die Grausamkeiten die sie durchmachen musste, genauso wie manche Taten die sie zu erledigen hatte, wollte sie niemanden erzählen. Sie erzählte ihm wie sie dann in die Gefangenschaft geriet und was der ursprüngliche Plan war. Und sie sagte ihm, dass sie vorhatte den Plan weiter zu verfolgen, da sie keinen anderen Anweisungen erhalten hatte. Hadvar merkte das ihr Hass auf die Sturmmäntel nicht nachgelassen hatte, sondern noch verstärkt wurde. Das war etwas was ihm nicht so wirklich gefiel, aber nachdem was ihr wiederfahren war, war es irgendwo verständlich.

„Nanija, warum kommt ihr nicht mit mir zurück nach Einsamkeit.“, versuchte er sie zu überreden. “Eure Mission wurde geändert. Ihr wärt fast gestorben, wenn dieses geflügelte Monster nicht aufgetaucht wäre. Ich bitte euch inständig geht nicht nach Windhelm.“

„Woher soll ich wissen, dass es nicht ein Teil meiner Prüfungen war? Tut mir leid Hadvar, ich kann nicht, ich muss weitermachen. Ich werde mit Ralof nach Windhelm gehen.“ Ihr Gesicht wirkte fast wie versteinert. Hadvar sah, dass es keinen Sinn hatte sie zu drängen. Das würde sie nur noch mehr bestärken das ihr tun richtig war.

„Hadvar, nun schaut nicht so traurig“, Nanija ergriff seine Hand. Es erstaunte sie selbst das sie es tat, und als er ihre Hand dann fest in der seinen hielt, wünschte sie sich plötzlich, er würde sie fest in den Arm nehmen. Das Gefühl, das sie in diesem Moment übermannte verwirrte sie. Was passierte gerade mit ihr? Und war ihre Entscheidung nach Windhelm zu gehen wirklich richtig? Wenn er jetzt noch mal sagen würde, sie solle mit ihm nach Einsamkeit zurückgehen, würde sie es in Erwägung ziehen. Aber das tat er nicht. So saßen sie nur einige Zeit schweigend nebeneinander.

Als nach einer Weile ein Kaninchen über die Lichtung hoppelte zog Nanija blitzartig ihren Bogen und legte einen Pfeil ein und erlegte das Tier. Hadvar sah sie bewundernd an. „Ihr habt es nicht verlernt und seid noch schneller geworden.“

Sie bemerkten erst jetzt wie spät es schon geworden war. „Ich sollte sehen dass ich noch ein paar Tiere erwische“, sagte sie leise.

„Ich werde euch dann lieber verlassen, weil ich wäre nur im Weg.“ Er reichte ihr seine Hand. „Passt gut auf euch auf Nanija.

Nanija nickte nur. „Bitte bleibt“, wollte sie sagen, aber die Worte wollten nicht herauskommen. So sah sie ihm nur nach, als er Richtung Dorf zurückging. Nachdem er nicht mehr zu sehen war, drehte sie sich um und ging tiefer in den Wald. Es dauerte nicht lange und sie konnte noch zwei weitere Kaninchen und zwei wilde Tauben schießen. Mit dieser Beute ging sie dann auch anschließend zurück nach Flusswald.

Es war doch später geworden als gedacht, und Gerdur hatte daher schon angefangen das Abendessen vorzubereiten, als Nanija das Haus betrat. Sie trat zu Gerdur und legte die erlegten Tiere auf den Küchentisch. Gerdur nickte freundlich. „Danke, Nanija. Für heute ist es zwar zu spät die noch zuzubereiten, aber dann gibt es sie Morgen.“

Nanija nickte. Ralof freute sich das Nanija scheinbar endlich Gerdurs Abwehrhaltung durchbrochen hatte. Das war jetzt das erste Mal seit sie hier war, das Gerdur wirklich freundlich war. Nanija deckte dann wie gewohnt den Tisch und als das Essen fertig war, setzten sich alle an den Tisch. Der Abend verlief recht entspannt. Ralof war es wie meist der für die Unterhaltung sorgte.

Als sie später alle in den Betten lagen, konnte Nanija lange Zeit nicht einschlafen. Ihre Gedanken kreisten dauern irgendwie um Hadvar. Irgendwann übermannte sie dann aber doch die Müdigkeit.

Zuletzt aktualisiert am 18.02.16 um 22:26 Uhr