08 Flusswald 3
08 Flusswald 3 PDF 
Geschrieben von: CKomet   
09.03.16 um 22:10 Uhr

Am nächsten Morgen regnete es mal wieder kräftig. So blieb Nanija bei Ralof und Frodnar im Haus. Während Ralof mit dem Jungen seine Aufgaben machte saß Nanija auf ihrem Schlafplatz und las ein wenig. Sie konnte sich aber nicht wirklich auf den Inhalt konzentrieren. Was Hadvar wohl gerade machte, fragte sie sich. Wie gerne würde sie einen Spaziergang mit ihm machen. Aber das durfte sie nicht. Es könnte ihren ganzen Plan zu Nichte machen.

Nach dem Mittag hörte der Regen auf. Ralof bat Nanija ein wenig mit ihm durch das Dorf zu gehen. Er musste ja langsam anfangen, sich mehr zu bewegen. Auch wenn seine Schwester der Meinung war, es müsse sich noch schonen. Da seine Sturmmantelrüstung noch gesäubert und ein wenig ausgebessert werden musste, zog er eine alte Lederjacke über. So verließen die beiden dann das Haus. Frodnar war schon früher abgezogen und trieb sich wahrscheinlich wieder irgendwo mit Dorthe am Dorfrand rum. Andere Spielgefährten in seinem Alter gab es hier im Ort nicht. Lenn und Daria, die beiden Kinder von Clarise und Telgor waren ja gerade erst fünf und drei Jahre alt. Und Tesla würde ihren Nachwuchs voraussichtlich in zwei Monaten bekommen.

Das kam Nanija ein wenig bekannt vor. Auch in ihrem Dorf gab es wenig Kinder, direkt in ihrem alter waren. Zumal die meisten wie sie außerhalb des Dorfes lebten und damit selten Gelegenheit hatten sich zu treffen.

Ralof führte Nanija durch das Dorf. Sie gingen zuerst zwischen dem Gasthof und dem Haus von Ester und Tom entlang. Ester war hier im Ort geboren und die Tochter von Ragar. Tom war nachdem er Ester in Falkenring kennengelernt hatte, nach Flußwald gezogen. Ihr Vater war früher Fischer gewesen und schon damals brachten sie ihren Fang oftmals lieber nach Falkenring, als wie nach Weißlauf. Zumal ihr Fanggebiet auch zum Fürstentum Falkenring gehörte, auch wenn sie selbst dort nicht lebten. Hinter dem Haus der beiden befand sich ein großer Garten, wo sie Kartoffeln und Gemüse anbauten.

In dem kleinen Haus daneben wohnte Ragar. Sein Garten wurde mit von Ester bearbeitet. Ralof erzählte Nanija, wie er im Spätsommer immer Kirschen aus dem Garten mit Hadvar stibitzt hatte. Das hatte ihnen beiden die ein oder andere kräftige Tracht Prügel eingebracht, wenn sie erwischt wurden.

Anschließend kamen sie an dem kleinen Hof von Ruben und Tesla vorbei. Die beiden Geschwister hatten den Hof vorwenigen Jahren von ihren Eltern übernommen. Bei ihnen lebte Teslas Verlobter Delf. Ruben arbeitet für Gerdur in der Mühle. Die Arbeit lag ihm mehr als wie die Feldarbeit oder das er sich um die drei Milchkühe kümmern sollte. Delf war der jüngere Sohn von Hilde. Ihr älterer Sohn Sven war der Barde des Dorfes und ein Angeber, wie Ralof Nanija sagte.

Bevor man den Hauptweg durch Flusswald erreichte kam noch die Hütte von Rosa Li. Die alte Dame, war noch älter als Hilde und ging auf die siebzig zu. Sie war früher als Begleitschutz für Handelskarawanen unterwegs und stammte ursprünglich aus Markath. Dann lernte sie ihren Mann kennen und zog zu ihm in den kleinen Ort. Leider verstarb ihr Mann recht früh. Sie blieb trotzdem hier und begann sich ihren Unterhalt als Näherin im Dorf zu verdienen. Vor einigen Jahren musste sie aber aufgrund ihrer langsam erblindenen Augen aufhören. Ansonsten war sie noch recht fit. Ihr kleiner Garten hinter der Hütte warf glücklicherweise genug ab, so dass sie ihren Lebensunterhalt noch selbst bestreiten konnte.

Als Ralof und Nanija auf die Hauptstrasse kamen, trafen sie auf Clarise mit ihren beiden Kindern. Ralof bückte sich zu den beiden Kleinen. „Bei Talos“, sagte er zu ihnen, „seid ihr aber schon groß geworden.“

Clarise lachte. „Ja, die beiden wachsen schneller, als wie ich ihnen neue Kleider herstellen kann. Habe gerade bei Lukan neuen Stoff bestellt. Hoffe er wird nächste Woche geliefert.“ Ralof wuschelte Daria durchs Haar. Lenn hielt es besser, sich hinter seiner Mutter zu verstecken. Er war Leuten, die er kaum kannte recht zurückhaltend gegenüber. Und Ralof war die letzten Jahre ja immer nur kurz in Flusswald gewesen.

„Ich muss dann mal weiter“, sagte Clarise und verabschiedete sich dann und setzte ihren Weg fort. Ralof winkte ihnen nach.

Als Ralof und Nanija bei dem Steg ankamen, der zur kleinen Insel führte, auf der die Mühle von Gerdur stand fragte Ralof:

„Was haltet ihr davon einen Abstecher zur Mühle zu machen. Auf der anderen Seite der Insel kann man sich schön setzten und im Sommer die Libellen am Fluss beobachten“

„Ihr wisst, das der Winter gerade zu Ende gegangen ist und dem zu Folge jetzt noch keinen Libellen rumfliegen werden? Des Weiteren, was wird eure Schwester davon halten?“

„Ach, Gerdur wird schimpfen, was sonst.“ Ralof lachte. „Kommt, ich habe etwas Brot dabei, das wir dort essen können, während wir den sich noch im Winterschlaf befindlichen Libellen halt eben nicht zuschauen.“

Nanja schüttelte den Kopf und folgte Ralof dann. Als sie sich der Mühle näherten, kam wie zu erwarten mit ungehaltener Mine Gerdur an. Hod war aber gleich an ihrer Seite und knuffte sie vorsorglich in die Seite, als sie zu einer Strafpredigt ansetzten wollte. „Etwas frische Luft kann nie schaden, Gerdur“, meinte er zu seiner Frau. Schaut doch nur, er sieht doch schon viel besser aus, als heute Morgen.“ Gerdur sagte nichts weiter und begab sich wieder an die Säge um die Baumstämme in handliche Bretter zu Schneiden.. Hod zwinkerte Ralof und Nanija zu, bevor auch er wieder an die Arbeit ging. Er trug die fertig geschnittenen Bretter zu dem kleinen Unterstand, der als Lager diente und stapelte sie dort. In ein paar Tagen wollte der Bauer Loreius, der seinem Hof nahe bei der Stadt Weißlauf hatte, die Ladung selbst abholen. Seine Scheune würde den nächsten Winter nicht mehr überstehen, befürchtete er.

Ralof führte er kurz über die Insel und erklärte ihr die Funktion der Sägemühle. Auch erzählte er ihr, das manches Jahr während der Schneeschmelze, die Insel nicht betreten werden konnte, weil der Fluß zu viel Wasser mit sich führte. Glücklicherweise lag die Mühle selbst aber hoch genug und hatte noch nie Schaden genommen. Dieses Jahr schien war nicht so viel Schnee gefallen. Dann gingen sie ans Ufer und setzten sich auf den Stumpf eines einst Mal riesigen Baumes. Ralof reichte Nanija etwas von dem Brot.

„Wisst ihr“, begann Ralof dann zu erzählen. „Ihr dürft es Gerdur nicht übel nehmen, das sie immer so ungehalten daher kommt. Im Grunde ist sie eine herzensgute Frau. Sie musste nur einfach viel zu früh Verantwortung für die Mühle und auch für mich übernehmen, nachdem unsere Eltern verstorben sind. Und sie meint es ja letztendlich nur gut und will nicht, dass mir irgendwas zustößt. Irgendwie lustig, auch wenn sie nie viel von den kaiserlichen Truppen gehalten hat, wäre es ihr lieber gewesen ich wäre gemeinsam mit Hadvar nach Einsamkeit gegangen statt nach Windhelm. Sie war immer der Meinung er würde einen guten Einfluss auf mich ausüben. Wenn sie wüsste, manche der Streiche die wir so angestellt haben, hatte er sich ausgedacht.“

Nanija sagte nichts. Was sollte sie da auch großartig drauf antworten. Sie knabberte langsam an ihrem Brot und beobachtete die Wellen auf dem Wasser. Als beide ihr Brot aufgegessen hatten standen sie auf und gingen weiter. Nanija hatte gehofft Ralof würde den kurzen Weg nach Hause nehmen, nicht an der Schmiede vorbei, aber das tat er nicht. Als sie sich der Schmiede näherten wurde Nanija unmerklich etwas langsamer. Denn sie hatte neben Alvor Hadvar stehen gesehen.

Ralof bemerkte Nanijas Zögern. Auch er hatte Hadvar gesehen.

„Ihr müsst euch keine Sorgen machen, Nanija. Wir sind noch immer gute Freunde. Er wird uns nichts tun.“ Versuchte er sie zu beruhigen. Dann winkte er Hadvar zu. Hadvar legte den Hammer, den er in der Hand hatte zur Seite und kam ihnen entgegen. Es fiel ihm nicht leicht Nanija mehr oder weniger zu ignorieren und Ralof freundschaftlich zu umarmen.

„Ralof, mein Freund. Ich bin froh, das ihr es geschafft habt, lebend aus Helgen zu entkommen.“ Dann wandte er sich an Nanija. „Auch das ihr es geschafft habt, freut mich“, sagte er mit etwas leiser Stimme zu Nanija, die sich im Hintergrund hielt. Nanija lächelte etwas schüchtern als Antwort, während Ralof sagte:

„Auch ich bin sehr froh zu sehen, dass es euch gut geht. Wie habt ihr es geschafft zu entkommen?“

„Das ist nicht mit zwei drei Sätzen erzählt.“

„Was haltet ihr davon, wenn wir morgen gemeinsam auf die Jagd gehen. Da können wir uns alles in Ruhe erzählen und niemand stört uns dabei.“

„Das ist eine gute Idee, Ralof“, antwortete Hadvar. Dann wandte er sich an Nanija: „Werdet ihr uns begleiten?“

Bevor Nanija was sagen konnte kam ihr Ralof zu vor. „Natürlich wird sie mitkommen. Sie ist eine hervorragende Jägerin und wird daher bestimmt nicht alleine zu Hause bleiben wollen.“

Nanija war anderer Meinung und wollte schon ablehnen, aber dann entschloss sie sich doch mitzukommen. Es würde ein guter Test sein und so konnte sie notfalls eingreifen, falls Hadvar unbeabsichtigt etwas Falsches rausrutschte. Also nickte sie langsam.

„Dann wäre das Abgemacht“, sagte Ralof.

Hadvar nickte. „Morgen am Nordtor gegen 10 Uhr? Oder ist euch das zu spät?“

„Nein, das passt so. Wir sehen uns dann morgen.“

Ralof und Hadvar umarmten sich zum Abschied noch einmal. Hadvar begab sich zurück zur Schmiede, wo sein Onkel während seiner Arbeit die drei beobachtet hatte. Ralof und Nanija gingen zurück zu Gerdurs Haus. Den Weg dorthin schwiegen beide.

Als sie im Haus waren, sagte Ralof:

„Wenn ich euch mit der Idee wegen dem gemeinsamen Ausflug überrumpelt habe, tut es mir sehr leid. Ich wollte euch nicht zu etwas drängen, das ihr nicht möchtet. Ihr müsst nicht mitkommen, wenn euch nicht danach ist.“

„Begeistert mit einem kaiserlichen Soldaten zusammen auf die Jagd zu gehen, der mich gemeinsam mit den anderen zum Henker geschickt hat, ist nicht unbedingt das, was mir gefällt. Er sollte vorsichtig sein, was er von sich gibt, sonst kann es passieren, dass er mein Messer in seinem Fleisch zu spüren bekommt.“ Antwortete sie, auch wenn sie lieber Ralof das Messer zwischen die Rippen jagen würde, als ihren Freund Hadvar.

Ralof lachte, als sie das sagte. „Ich werde schon aufpassen, dass nichts passiert. Glaubt mir, Hadvar ist ein prima Freund, auch wenn er sich für die falsche Uniform entschieden hat.“ Er setzte sich auf sein Bett. „Und was machen wir jetzt mit dem Rest des Nachmittags?“

„Ihr werdet ein wenig ruhen und ich rupfe die Tauben und nehme die Kaninchen aus, damit sie soweit vorbereitet sind, wenn eure Schwester nach Hause kommt.“

So verging die Zeit auch recht schnell und als Gerdur mit Hod nach Hause kam, freute sie sich, das Nanija ihr die Drecksarbeit schon abgenommen hatte. Frodnar kam einige Zeit nach den beiden. Er konnte sich da dann auch gleich eine Strafpredigt anhören, denn eigentlich hätte er am Nachmittag Holz hacken sollen.

Bei Abendessen erzählte Ralof, das er am nächsten Tag mit Hadvar und Nanija raus in den Wald zum Jagen gehen wollte. Gerdur verkniff es sich diesmal, ihn davon abzubringen. Als Frodnar das hörte war er Feuer und Flamme und wollte unbedingt mit ihnen gehen. Aber das untersagte Gerdur. Er solle zur Strafe morgen Vormittag das Holz hacken, was er eigentlich am heutigen Nachmittag hätte tun sollen.

Am folgenden Morgen verließen Ralof und Nanija kurz vor der verabredeten Zeit das Haus. Das Nordtor, was allerdings nur ein einfacher Durchgang war ohne wirkliche Tore zu haben, befand sich gleich am Ende des Weges der von der Hauptstraße kommend an Gerdurs Haus vorbei führte. Hadvar wartete schon auf die beiden. Ralof und Hadvar umarmten sich zur Begrüßung. Nanija nickte nur kurz. Der Weg, der sie zu ihrem bevorzugten Jagdgebiet bringen sollte, ging anfangs recht steil Bergan. Dann wurde Sie kamen auf ein großes bewaldetes Plateau. Die meisten Bäume die hier wuchsen waren noch recht klein. Ralof erklärte, das man hier bis vor zwanzig Jahren fast alles abgeholzt hatte. Nun standen nur noch ein paar alte Bäume hier. Der jungen Bäume würden erst mal die nächsten Jahre wieder wachsen, bevor hier wieder was gefällt werden durfte.

Als sie oben nach gut eineinhalb ankamen machten sie erst mal ein paar Minuten Pause, denn Ralof war doch noch nicht so fit wie er gedacht hatte. Dann gingen sie weiter. Nach einer halben Stunden kamen sie auf eine Art Lichtung. Hier schien es vor ein paar Jahren ein Feuer gegeben zu haben, das aber glücklicherweise von selbst wieder ausgegangen war. Es hatte auf eine Fläche von vielleicht einhundert mal sechzig Metern alles verbrannt. Aber Gräser und kleine Büsche waren schon wieder neu gewachsen.

Der größte Teil des Vormittags ging damit vorüber, das Ralof Hadvar erzählte wie er und Nanija aus Helgen entkommen waren. Die beiden Männer hatten sich auf die Reste eines alten Baumstammes nieder gelassen, der den Flammen nicht komplett zu Opfer gefallen war. Nanija hatte ich etwas abseits ins Gras gesetzt und beobachtete die beiden meist nur, ohne sich an der Unterhaltung zu beteiligen. Sie bemerkte wie Hadvar ihr den einen oder anderen verstohlenen Blick zuwarf, und sie wünschte sich, eine Möglichkeit zu haben, Ralof loszuwerden um mit ihrem Freund alleine zu sein.

Zu Mittag aßen sie gemeinsam das Brot und kalte Fleisch vom Vortag. Anschließend erzählte dann Hadvar, wie es ihm ergangen war und wie er dann nach Flusswald zurückkam. Hadvar war fast am Ende angelangt, als Nanija plötzlich schnell, aber lautlos aufstand und nach dem Bogen von Ralof griff, der neben ihm lag. Sie zog auch drei Pfeile aus dem Köcher und legte dann auch sogleich einen Pfeil an.

Dann sahen die beiden Freunde, das sich am anderen Ende der Lichtung ein junger Rehbock, der wohl erst letztes Jahr im Frühling zur Welt gekommen war, die Lichtung betreten hatte. Da der Wind so stand, dass das Tier ihren Geruch und die Stimmen nicht in seine Richtung trieb, bemerkte es nicht die Gefahr. Erst als er ein paar Schritte im frischen Gras stand, hob er den Kopf und lausche in alle Richtungen. Als der Rehbock sie dann sah, war es auch schon zu spät, denn der von Nanija abgefeuerte Pfeil traf ihn tödlich vorne in die Brust.

Sie gingen alle drei zu dem gerade erlegten Tier.

„Ihr seid wirklich eine hervorragende Schützin, Nanija“, lobte Hadvar sie. Er hatte sie früher schon für ihre Treffsicherheit bewundert. Aber das durfte er ja nicht verraten.

„Das habe ich euch doch gesagt, mein Freund“, sagte Ralof

Nanija lächelte kurz, dann beugte sie sich zu dem Rehbock und schnitt ihm die Kehle auf, damit das Tier schnell ausblutete.

„Wie wäre es, wenn ihr statt hier nur rumzustehen nach einem kräftigen Ast sucht, mit dem wir das Tier hinunter in das Dorf tragen können?“ fragte Nanija die beiden Männer die einfach nur da standen. „Oder will einer von euch es sich über die Schulter nehmen und dann tragen?“

„Na, kommt Hadvar, tun wir was sie sagt, bevor sie noch böse wird, weil wir sie scheinbar die ganze Arbeit machen lassen“, lachte Ralof. Dann machten die beiden sich auf die Suche nach einem passenden Ast. Es dauerte eine Weile, aber dann wurden sie fündig. Als sie wieder bei Nanija ankamen, begann es plötzlich wie aus Eimern zu schütten. Es war ihnen garnichtaufgefallen, dass es wieder kühler geworden war und damit ein Gewitter aufgezogen war.

Schnell banden sie das erlegte Tier mit Stricken, die Nanija in ihrem Beutel, den sie noch aus Helgen hatte, mitgebracht hatte, an den Ast. Dann machten sie sich auf den Weg hinunter ins Dorf. Ralof und Hadvar hatten sich den Ast über die Schultern gelegt, während Nanija dafür dann die Rucksäcke der beiden Männer mit trug. Mit der Beute und wegen des nassen Pfads kamen sie nur recht langsam vorwärts. Am späten Nachmittag waren sie dann unten im Dorf. Hinter dem Wohnhaus von Ralofs Schwester, neben dem Stall, in dem Gerdurs Pferd und ihre Kuh untergebracht waren, gab es einen großen Tisch, der überdacht war. Hier wurden üblicherweise größere Tiere zerlegt und ausgeweidet.

Ralof und Hadvar wechselten sich ab, um dem Bock das Fell abzuziehen, während Nanija danebenstand und zuschaute. Um sich nicht allzu sehr mit Blut zu beschmieren banden, sie sich dazu die alte Schürze um, die zu diesem Zweck an der Hauswand hin um. Diese Arbeit hatte sie noch nie gerne getan, auch wenn es nicht anders ging. Als sie damit fertig waren sagte Hadvar zu Nanija:

„Wenn ihr wollt, kann ich das Fell an meinen Onkel verkaufen. Er wird euch einen guten Preis dafür geben. Er kann immer Leder gebrauchen für seine Waffen und Rüstungen. Und Sigrid ist eine gute Gerberin.“

Nanija sah ihn lächelnd an und nickte. „Danke. Ich kann damit eh nichts anfangen.“

Für das restliche Zerlegen des Tieres brauchten sie noch eine gute eine Stunde. Die Arbeit hatte Ralof übernommen. Er war gerade fertig und hatte alles unbrauchbar in das dafür vorgesehene Fass getan, als Gerdur um die Ecke schaute. Sie hatte die Stimmen gehört und wollte schauen wer da war. Als sie Hadvar sah begrüßte sie ihn freundlich und fragte ihn, ob er nicht zum Abendessen bleiben wolle. Genug Fleisch für alle wäre ja da.

Aber Hadvar lehnte höflich ab und versprach ein anderes Mal gerne zu kommen. Aber nun wäre es an der Zeit nach Hause zu gehen. Er wollte gerade das Fell nehmen, als Ralof es ihm abnahm. Dann wickelte er einen Teil des Fleischs ins Fell.

„Das ist euers, schließlich waren wir gemeinsam auf Jagd, nicht wahr Nanija?“

Diese nickte mit mehr oder weniger unbeweglicher Mine. Am liebsten hätte sie Hadvar alles mitgegeben, aber sie musste ja ihre Rolle spielen. Und das hieß, sie versuche Hadvar gegenüber so kalt wie möglich zu erscheinen. Hadvar bedanke sich und sah Nanija kurz schüchtern lächelnd an. Dann machte er sich auf dem Heimweg.

Nachdem Hadvar fortgegangen war, sagte Gerdur zu Ralof und Nanija, dass sie sich schon mal hineinbegeben sollten und sich die nasse Kleidung ausziehen sollten. Sie selbst würde sich um den Rest kümmern und dafür sorgen, dass das Fleisch ins Haus kam. Erst jetzt bemerkten die beiden, dass sie ja die meiste Zeit im Regen verbracht hatten und völlig durchnässt waren. Die Überdachung hielt den Regen auch nicht ganz ab.

Im Haus nahm Ralof aus einer Kommode zwei Handtücher und reichte eines davon Nanija. Danke, sagte sie und begab sich zu ihrer Schlafstelle, wo sie dann die nasse Kleidung ablegte. Nur ihre Unterwäsche behielt sie an. Sie stellte dabei fest, dass die Nähte ihrer Stiefel dabei waren sich aufzulösen. Mit denen würde sie nicht mehr weit kommen, bedauerte sie. Nachdem sie sich abgetrocknet hatte, wickelte sie sich in Bettdecke. Trockne Kleidung hatte sie ja nicht weiter. Gerdur die gerade reinkam und das bemerkte sagte dann zu ihr.

„Wartet einen Moment, ich habe irgendwo noch ein altes Hauskleid, das wird euch zwar etwas zu groß sei, aber immer noch besser als in eine Decke gewickelt rumlaufen zu müssen.“

Nanija lächelte dankbar, und das war diesmal nicht gespielt. Auch Ralof freute sich, wurde seine Schwester Nanija endlich etwas zugänglicher gegenüber? Nachdem Gerdur das Fleisch, das sie im Arm getragen hatte, auf den Küchentisch gelegt hatte, ging sie hinüber zu einem Schrank und suchte dort etwas rum. Schließlich fand sie das Kleid. Es war in einem dunklen graugrün schlicht und einfach gehalten.

Es war ein wenig zu weit, wie Gerdur erwartet hatte, aber Nanija konnte es so tragen. Nochmal bedankte sich Nanija bei Gerdur. Dann legte sie ihre alte Lederrüstung zum Trocknen in die Nähe des Herdfeuers. Ralof tat es ihr nach.

„Ach Ralof, ich habe heute Nachmittag eure Rüstung gesäubert und ausgebessert. Sie sieht nun fast wieder wie neu aus, wenn man nicht so genau hinschaut. Sie liegt dort hinten über dem Stuhl.“

„Ihr seid die beste Schwester, die man sich haben kann, Gerdur.“ Ralof umarmte seine Schwester. Diese lachte nur. Dann ging sie wieder raus um den Rest vom Fleisch rein zu holen. Als sie damit fertig war begann sie mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Nanija half ihr dabei. Es dauerte auch nicht lange, da kamen Hod und Frodnar von der Mühle zurück. Eine Stunde später war das Essen fertig.

Am nächsten Morgen, nachdem Gerdur, Hod und auch Frodnar wieder zur Mühle gegangen waren, sagte Nanija zu Ralof.

„Ich würde heute Morgen gerne zum Schmied hinüber gehen und schauen, ob er nicht ein paar anständige Stiefel für mich da hat. Diese“ ,sie zeigte auf die sichtbar kaputte Naht, „werden nicht es nicht mehr lange machen.“

Bedauernd stimmte Ralof zu. Nanija hatte gehofft, das Ralof am Morgen mit Frodnar Schularbeiten machen würde, aber dadurch dass Ruben immer noch krank war, sollte der Junge am Vormittag bei der Sägemühle helfen. So konnte sie schlecht ablehnen, das Ralof sie begleiten wollte. Als er Sturmmantelrüstung anziehen wollte, sah ihn Nanija missbilligend an.

"Was ist los? Ich dachte euch gefällt meine Rüstung."

Nanija schüttelte den Kopf. "Es geht nicht ums gefallen, sondern um unsere Sicherheit. Ich halte es für keine gute Idee, auch wenn hier wohl die meisten Einwohner nicht kaiserlich eingestellt sind, eure Gesinnung offen zur Schau zu stellen. Solange wir uns nicht auf sicherem Gebiet befinden, solltet ihr etwas Neutrales tragen. Vergesst nicht, ihr seid, genau wie ich ein entflohener Gefangener."

"Ihr hört euch an wie meine Schwester", grummelte Ralof, aber dann grinste er auch schon wieder. "Okay, ich trage die Rüstung nicht. Allerdings bräuchte ich dann etwas anderes. Nur die einfachen Kleider, die ich hier habe, taugen auch nicht viel um durch den Wald zu schleichen oder um nach Windhelm auf zu brechen."

Er zog die alte Lederrüstung an, die er schon zuvor getragen hatte. Anschließend nahm er den Rucksack und füllte etwas zu essen hinein. Er sagte ihr, dass er ihr eine Stelle etwas den Fluß hoch zeigen wollte, wo man gut Fasane jagen konnte. Nanija nickte zustimmend und dann gingen sie hinüber zur Schmiede. Alvor war gerade dabei ein neues Schwert zu schmieden, als die beiden zu ihm traten.

Von Hadvar war nichts zu sehen, wie Nanija in Gedanken bedauernd feststellte.

"Ralof", rief er erstaunt als er den jungen Nord vor sich sah. "Das ist aber eine Überraschung euch hier zu sehen. Was führt euch und eure Kameradin zu mir?"

"Nanija und meine Schwester meinen, ich bräuchte eine gute neutrale Rüstung, um wieder in den Norden zu kommen." Ralof seufzte bei den Worten und Alvor begann zu lachen, denn er wusste, dass es Ralof nicht gefiel, sich sozusagen zu verkleiden und es vorzog offen zu zeigen, woran er glaubte und zu wem er stand.

"Wartet einen Moment, dann können wir hinein gehen und schauen, ob wir nicht etwas Passendes für euch finden. Ich muss das hier nur noch fertig machen."

Nanija und Ralof warteten, während Alvor seien Arbeit an dem Schwert beendetet. Dann gingen sie gemeinsam hinein. Drinnen trafen sie nur auf Sigrid, die Frau von Alvor. Hadvar war mit seiner Nichte etwas in den Wald gegangen. Da Frodnar, ihr Spielkamerad arbeiten sollte, langweilte sich das Mädchen etwas und Hadvar schien froh zu sein, nicht im Haus bleiben zu müssen. Dann bedankte sich Sigrid noch mal für das Fleisch, das Hadvar gestern mitgebracht hatte.

„Wisst ihr, er ist ein grauenhafter Jäger, und bringt selten was mit nach Hause, wenn er loszieht“, lachte die Frau. Nanija hätte am liebsten etwas dagegen gesagt, denn ihr gefiel der etwas abweisende Ton nicht, aber sie beschloss es besser für sich zu behalten.

„Nun, das war wenn wir gemeinsam unterwegs waren, selten seine Schuld. Und auch gestern war Nanija nun mal schneller als wir beiden Männer.“

Sigrid hatte nie verstehen können, dass Hadvars Mutter Gritta, also ihre Schwägerin, gegen den Willen der Familie mit einem Kaiserlichen durchgebrannt war. Da sich Hadvars Mutter aber in Einsamkeit nicht wohlfühlte, kam sie zurück nach Flusswald, als Hadvar ein Jahr alt war. Sein Vater besuchte sie so oft er konnte und wurde von der Familie geduldet, aber nie wirklich akzptiert. Er verstarb recht früh an einer Lungenentzündung, die er sich wegen eines unfreiwilligen Bads im tiefen Winter zuzog, dass er während der Verfolgung von einigen Banditen nahm. Die Banditen kannten sich in der eisigen Gegend besser aus, und wussten wo man den zugefrorenen Fluss ohne Gefahr überqueren konnte. Er und seine Kameraden brachen ein und konnten sich nur mit Mühe und Not an Land retten, was ihm letztendlich auch nicht geholfen hatte. Hadvars Mutter verkraftete den Verlust ihres Mannes nur schwer, auch wenn sie ihn immer nur selten gesehen hatte.

Als Hadvar fast vierzehn war starb seine Mutter und Sigrid musste sich vermehrt um den Jungen kümmern, obwohl sie selbst gerade ein Kind bekommen hatte. Damit war sie teilweise etwas überfordert. So war sie dann auch froh, das Hadvar beschloss, später in die Fußstapfen eines Vaters zu treten und sich den Kaiserlichen an Schloss und nach Einsamkeit ging. Sigrid bemühte sich zwar immer freundlich zu den Neffen ihres Mannes zu sein, aber sie fand immer dass er irgendwie störend in ihrem Haus war. Vielleicht lag es auch daran, dass sie glaubte, dass sich Alvor immer einen Sohn gewünscht hatte und sie nur eine Tochter zu Welt gebracht hatte.

Alvor führte Ralof und Nanja hinunter in den Keller, wo er seine Waren aufbewahrte. "Was schwebt euch den vor, Ralof? Habt ihr an etwas Besonderes gedacht?"

„Nicht zu schwer, ich möchte mich gut darin bewegen können, aber trotzdem sollte es Schaden gut abhalten."

Alvor nickte und machte sich dann auf der Suche nach etwas passendem.

"Ich hätte hier eine einfache Lederrüstung, ähnlich wie die, die eure Kameradin trägt." Er reichte sie Ralof. Der junge Nord probierte sie an. Man sah ihm gleich an, dass er sich darin nicht wohlfühlte und als er Nanija ansah, die sich ein Grinsen kaum verkneifen konnte, schüttelte er den Kopf. "Nein, die gefällt mir nicht. Ich möchte nicht, dass meine Gefährtin ständig lachen muss, wenn sie mich anschaut."

"Was ist mit der da?" Nanija zeigte auf eine Rüstung auf einen der Ständer, die an der Wand entlang standen. "Auch wenn der Brustpanzer recht massiv aussieht, wirkt sie recht beweglich und scheint aus stabilen Leder angefertigt worden zu sein."

"Hmmm, eure Kameradin hat einen guten Blick für Rüstungen, wie mir scheint. Die hätte ich euch auch als nächstes vorgeschlagen."

Alvor nahm die Rüstung von dem Ständer und gab sie Ralof. Wieder probierte er sie an. Er warf einen Blick zu Nanija, die diesmal nickte. "Der Brustpanzer zwickt aber etwas hier und da. Ansonsten gefällt sie mir recht gut." Ralof zupfte an der Rüstung herum.

"Nun das lässt sich anpassen. Lasst mal sehen."

Alvor verstellte einige der Lederschnallen und danach nickte Ralof zufrieden. "Ja, so ist es wesentlich besser. Die nehme ich."

"Sehr schön. Braucht ihr sonst noch etwas?"

"Ich brauche ein paar stabile Lederstiefel, wo die Nähte nicht nach drei Tagen schon auseinander gehen." sagte Nanija dann.

Alvor sah sich Nanija an. "Dann lasst uns man schauen, was ich da habe. Ich befürchte aber, ich muss da etwas extra für euch anfertigen, weil die, die ich hier habe euch wohl alle zu groß sein werden."

"Wie lange würde das Anfertigen dauern?"

"In drei Tagen sollte ich fertig sein."

Nanija sah Ralof an. Dieser nickte. "Drei Tage sind okay, danach können wir dann nach Windhelm aufbrechen."

"Schön, dann lasst und mal sehen, welche Form euch zusagt."

Nanija probierte einige der wirklich zu große Stiefel an und entschied sich für ein paar aus dunklem Leder, die recht hohe Schäfte hatten. "Wenn ihr mir so ein Paar herstellen könntet?" sie sah Alvor fragend an. Diese nickte und nahm dann Maß an Nanijas Füssen. "Ich werde noch heute Nachmittag damit anfangen, damit ihr sie in drei Tagen abholen könnt."

"Danke, Alvor", Ralof war behielt seine neue Rüstung gleich an und bezahlte sie, als sie wieder oben waren. Dann fiel Nanija plötzlich ein, das sie gar keinen eigenen Bogen hatte. Der den sie auf die Banditenjagt mitgenommen hatte und später gegen einen Nordbogen ausgetauscht hatte, gehörte ja Ralof. Also musste sie für sich selbst noch einen haben. Also fragte sie Alvor was er so im Angebot hatte. Ralof wollte zwar das sie seinen behielt, aber selbst dann würden sie einen weiteren brauchen. Also führte Alvor sie in die Ecke mit den Waffen, wo sich auch ein gutes Dutzend Bögen befanden. Die Meisten waren einfache, aber stabile Jagdbögen. Eine der Waffen stach durch ihren metallischen Glanz hervor. Ohne zu zögern griff Nanija nach dieser.

„Ihr habt nicht nur für Rüstungen ein gutes Auge, Nanija“, lächelte der Schmied. „Eine Zwergen Waffe, selten, aber sehr gut ausbalanciert und haltbar.“

Nanija spannte den Bogen ein paar Mal. Er lag ihr gut in der Hand. Damit würde sie kaum ein Ziel verfehlen. Dann seufzte sie, wahrscheinlich würde der Bogen ein Vermögen kosten.

Alvor schien ihre Gedanken zu erraten. „Er ist zwar teurer als die anderen, aber seine Preis auch Wert.“ Er nannte Nanija die Summe, die er sich vorstellte. Diese dachte einen Moment nach und nickte dann. Die Belohnung von Lucan würde ausreichend sein. Selbst noch für die Stiefeln. Sie hatte dann immer noch die Gegenstände aus dem Grab, die sie zu Geld machen konnte. Ralof freute sich, das Nanija etwas Passendes gefunden hatte. Er sah ihr an, das sie sich über den Bogen freute. Ralof und Nanija bezahlten Alvor gleich hier unten für die Ausrüstung. Dann gingen sie beide wieder nach oben, während Alvor anfing passendes Material für Nanijas Stiefel zusammen zu suchen.

Als die beiden wieder nach oben kamen, saß Hadvar am Küchentisch. Er war vor ein paar Minuten mit Dorthe zurückgekommen und wartete nun auf das es Mittagessen gab. Als er Nanija sah konnte er nicht verhindern, dass er etwas rot wurde, weil er sich freute sie zu sehen. Er sah auch deutlich, das Ralof sehr bemüht um sie war, was ihm selbst einen Stich versetzte. Denn jetzt wo er sie wiedersah, wurde ihm klar, dass er sie vermisst hatte, und zwar nicht nur als Kameradin. Er wünschte sich sehr, sie würde es sich noch mal anders überlegen und mit ihm zurück nach Einsamkeit kommen.

Auch Ralof fiel auf, das sein Freund irgendwie etwas zurückhaltend war. Als er ihn fragte, ob sie am Nachmittag gemeinsam ein wenig den Fluss hochgehen, wollten um Fasane zu jagen lehnte Hadvar ab. Er sagte er hätte seinem Onkel zugesagt in der Schmiede zu helfen.

„Schade“, sagte Ralof. „Wir hätten uns sehr gefreut, wenn ihr mitgekommen wärt, nicht wahr Nanija?“

Nanija lächelte, wobei sie innerlich Ralof am liebsten erwürgt hätte. “Ja“, sagte sie leise. „Es wäre sicher nett gewesen.“

Hadvar schüttelte noch mal den Kopf. Er versuchte Nanija nicht anzusehen. Er wusste, dass er nie gut darin war, seine Gefühle zu verbergen. Er und Ralof verabschiedeten sich, indem sie sich wie gewohnt umarmten. Danach verließen Ralof und Nanija das Haus von Alvor. Sie gingen erst mal zurück zum Haus von Gerdur und wärmten sich etwas von dem Braten vom Vorabend auf. Schweigend aßen sie gemeinsam. Nachdem Essen schlug Ralof vor, sie solle ihren neuen Bogen doch mal testen. Nanija hatte keine Einwände dagegen.

Sie gingen nach draußen und begaben sich zum Stall. Ralof suchte die alte Zielscheibe, die hinter dem Stall hing, wenn sie nicht gebraucht wurde. Er befestigte sie am Wohnhaus. Wenn da mal ein Pfeil daneben ging konnte nichts passieren. Nanija nahm ihren neuen Bogen und ein paar der Pfeile, die sie gleich mitgenommen hatte. Der Bogen war wirklich hervorragend und seinen Preis, stellte Nanija fest. Keiner ihrer Pfeile ging fehl. Anschließen warf sie noch ein paarmal mit ihren Messern auf die Zielscheibe. Zufrieden war sie, obwohl sie jedes Mal zu mindestens die inneren Ringe traf nicht. Die Messer waren nicht wirklich ausbalanciert. Sie würde sich da noch mal ein paar vernünftige besorgen müssen, dachte sie. Ralof hingegen war begeistert von ihrem Können. Ihm war noch niemand begegnet der so gut im Messerwerfen war wie Nanija.

Nachdem sie zwei Stunden geübt hatten fragte Ralof ob sie noch auf Fasanjagt gehen wollten. Das gebratenen Fleisch würde sich ein paar Tage halten und so hätten sie dann etwas für unterwegs, wenn sie sich auf den Weg nach Windhelm machten. Nanija hatte nichts dagegen einzuwenden.

Sie gingen den Weg nach Westen hinaus, auf dem sie nach Flußwald gekommen waren. Auf den Weg ins Dorf hatte Nanija kaum auf die Umgebung geachtet, da sie genug damit zu tun hatte vorsichtig auf dem Weg vorwärts zu kommen. Wie lange war das jetzt her? Gut zwei Wochen. Und es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Man sah wie langsam die Knospen größer wurden und die ersten jungen Grashalmen sich hervor taten. Nicht mehr lange und alles würde in einem frischen Grün erstrahlen.

Erstmals, seit sie von zu Hause fort war, bemerkte sie das alles wieder. Weder in der Zeit in Einsamkeit, noch als sie in Cyrodiil war, hatte sie auf sowas geachtet. Dafür war nie Zeit gewesen. Und sie wollte es auch nicht sehen. Es war unwichtig geworden. Sie wünschte sich jetzt Hadvar an ihre Seite. Wie gerne würde sie mit ihm über das reden, was sie dachte und fühlte. Er würde sie sicherlich verstehen.

„Ich glaube Hadvar hat sich ein wenig in euch verschaut“, vernahm sie plötzlich Ralofs Stimme, die sie aus ihren Gedanken riss. „Habt ihr gesehen, wie euch angeschaut hat?“

Nanija schüttelte den Kopf ohne eine Miene zu verziehen. „Es ist mir egal, was er denkt oder fühlt. Er gehört zu denen, die mich töten wollten. Er soll ins Reich des Vergessens verschwinden.“

Ralof sah sie von der Seite an. Da war nichts, was auch nur den geringsten Anschein zuließ, das sie es nicht ernst meinte. Er hatte schon ein wenig die Befürchtung, dass auch sie anfing für Hadvar Gefühle zu entwickeln. Aber er hatte sich da wohl geirrt und das stimmte ihn gleich noch fröhlicher.

Nanija hingegen verfluchte Ralof innerlich, weil er sie so aus ihren Gedanken gerissen hatte. Nun der Tag würde kommen, da würde er für alles bezahlen, genau wie seine Kameraden und Ulfric. Wieder wurde sie in ihren Gedankengängen unterbrochen, denn Ralof zeigte auf eine kleine Lichtung abseits des Wegs.

„Schaut“, sagte er leise. „Dort drüben auf der Lichtung sind immer viele Fasane anzufinden. Sie kommen meist kurz vor der Dämmerung herbei.“ Dann deutete Ralof auf ein Gebüsch auf der anderen Seite. „Dort kann man gut warten bis sie herauskommen.“

In gebückter Haltung schlichen Ralof und Nanija zu der Stelle hinüber und versteckten sich dort. Nanija hatte ihren Bogen Schussbereit. Auch Ralof hatte seinen Bogen in die Hand genommen. Sie warteten gut eine Stunde, als ein paar der Tiere kamen. Sie warteten bis sie in der Mitte der Lichtung waren und dann schossen Ralof und Nanija gleichzeitig. Insgesamt erwischten sie vier Vögel. Zwei traf Nanija alleine, eines Ralof. Das vierte hatten sie beide gemeinsam ins Visier genommen.

Mit dieser Beute machten sie sich dann auf, zurück zu gehen. Es wurde schon dunkel als sie Gerdurs Haus erreichten. Nanija stellte fest, dass die Naht ihrer Stiefel weiter aufgerissen war. Damit würde sie wohl die nächsten Tage nicht mehr lange rumlaufen können. Gerdur erzählte ihnen beim Abendessen, das am Mittag ein Bote aus Weißlauf, bzw. von Loreius, gekommen war. Dieser hatte mitgeteilt das Loreius Gehilfe in zwei Tagen mit der bestellten Ladung Stroh kommen würde. Am Tag drauf wollte er dann die erste Fuhre Holz mit zurück nehmen. Gerdur machte den Vorschlag, das Ralof und Nanija auf dem Rückweg mit der Kutsche zu mindestens bis zur Weggabelung nahe der Honigbrauerei mitfahren könnten.

Ralof fand die Idee gut und Nanija nickte nur zustimmend. Damit stand dann nun aber auch fest, wann sie nach Windhelm aufbrechen würden. Frodnar war darüber ein wenig enttäuscht. Hatte er doch gehofft sein Onkel würde noch länger bleiben und zu mindestens noch mal mit ihm ein wenig auf die Jagd gehen. Nanija machte den Vorschlag, dass wenn nichts besonders für den nächsten Tag anlag, das Ralof sich dann gemeinsam mit dem Jungen einen schönen Tag im Wald machten. Sie könnten ja Hadvar fragen, ob dieser nicht auch mitkommen wollte.

Das erstaunte Ralof nun ein wenig, weil Nanija bisher nichts von seinem Freund gehalten hatte. Und nun wollte sie gemeinsam mit ihm einen Ausflug machen?

"Ihr wollt Hadvar dabei haben?" fragte er sie erstaunt.

Aber Nanija schüttelte den Kopf. "Nein, ich werde nicht mitkommen. Die Naht der Stiefel ist zu sehr aufgerissen, als ich damit noch weitere Strecken gehen könnte. Und habt ihr Männer nicht auch Dinge, die ihr gerne mal miteinander beredet, ohne dass eine Frau anwesend ist?" sie versuchte ein lustiges Zwinkern zu zeigen. bevor Ralof noch was sagen konnte sprach sie weiter. "Ich würde mich dann morgen daran machen, die Vögel zu braten und vorzubereiten, damit wir sie dann mitnehmen können."

Gerdur hielt das für einen guten Plan und somit stimmte Ralof dann letztendlich zu. Frodnar freute sich riesig darüber, dass er nun doch noch eine Gelegenheit bekam, mit seinem Onkel etwas zu unternehmen.

Bevor Ralof und Frodnar am nächsten Tag loszogen, fragte Ralof Nanija noch mal ob sie nicht doch versuchen wollte mitzukommen. Aber sie schüttelte den Kopf und begab sich dann in die Küche. Am frühen Nachmittag war sie soweit fertig. Sie hatte das Fleisch in mehrere Portionen aufgeteilt und dann Papier, das sie bei Lukan noch gekauft hatte eingewickelt. Anschließend legte sie es draußen hinter dem Haus in eine Holzkiste, die für Lagerung von Nahrungsmittel vorgesehen war. Da es immer noch recht kühl war, würde es sich dort so länger frisch halten, als wenn sie es im Haus ließ.

Als Nanija die Arbeit getan hatte setzte sie sich gemütlich auf die Bank vor dem Haus und las eines von Gerdurs Büchern. Sie merkte kaum wie die Zeit verstrich und erschrak fast, als Gerdur und Hod nach Hause kamen. Sie half beim Zubereiten des Abendessens und es dauerte auch nicht lange bis Ralof und Frodnar heimkamen. Frodnar erzählte fast die ganze Zeit, wie ihr Tag gelaufen war. Hadvar hatte sich von Ralof überreden lassen mit zu gehen und auch Dorthe hatte sich ihnen angeschlossen. Es wurde so recht spät bis sie dann irgendwann die Schlafstätten aufsuchten.

Am nächsten Tag regnete es wieder mal recht heftig. Ralof und Nanija schichteten am Morgen die restlichen Stroh- und Heureste so um, dass wenn die neue Lieferung am späten Nachmittag kommen würde, diese im hinteren Bereich des Schuppens gelagert werden konnte.

Am späten Nachmittag beschloss Nanija zum Schmied hinüber zu gehen, um zu schauen, ob ihre neuen Stiefel schon fertig waren. Ralof blieb bei Gerdurs Haus, um auf die Kutsche von Loreius zu warten. Lieber hätte er sie begleitet, aber er wollte sich auch nicht aufdrängen.

Alvor war draußen in der Schmiede und bat Nanija doch drinnen zu warten. Als sie das Haus betrat, saß Hadvar alleine am Esstisch. Er stand auf und begrüßte sie mit einem schüchternen Lächeln. Nanija erwiderte es.

„Ihr seid alleine hier?“, fragte sie ihn dann. Sie wusste nicht wirklich was sie sonst hätte sagen sollen.

Hadvar nickte und sagte ihr, das Sigrid mit Dorthe zu Clarise hinüber gegangen waren und erst zum Abendessen zurückkommen würden. Dann fasste er sich ein Herz und ergriff Nanijas Hände und hielt sie fest. Nanija wollte sie ihm im ersten Moment sofort wieder entziehen, aber dann unterließ sie es. Es fühlte sich irgendwie gut und unbeschreiblich an.

„Nanija, Ich bitte euch noch einmal. Kommt mit mir zurück nach Einsamkeit. Geht nicht nach Windhelm.“

Sie schwieg einen Augenblick bevor sie antwortete. Dann sah sie in seine Augen.

„Hadvar“, sie flüsterte seinen Namen fast. „ Ihr wisst, dass ich das nicht kann. Mein Auftrag lautete, ich soll mit den Truppen von Ulfric anschließen. Ganz egal was passiert ist. Und egal was ich möchte.“

„Nanija bitte, überlegt es euch noch einmal.“

Er hielt ihre Hände noch fester. In ihrem Inneren begann ein Kampf zu toben. Sie mochte Hadvar und sie wünschte sich in seiner Nähe sein zu können. Er hatte etwas beruhigendes, etwas was ihr Trost und ihr die Angst nahm. Aber dann war da noch immer die andere Stimme, die Rache nehmen wollte, an dem was man ihr und ihrer Familie angetan hatte.

Hadvar wollte gerade noch was sagen, als sie hörten wie sich schwere Schritte der Eingangstür näherten. In dem Moment wo die Tür aufging, entzog Nanija Hadvar ihre Hände und trat hastig einen Schritt zurück. Sie setzte eine wütende Mine auf:

"Ihr werdet mich nicht dazu überreden mit euch zu kommen, also lasst mich gefälligst in Ruhe", fauchte sie den jungen Mann an.

Dieser ging auf das Spiel ein. "Schade. Leute wie euch können wir gut gebrauchen. Aber wenn ihr nicht wollt, kann man nichts machen."

Alvor lachte, als er die beiden so da stehen sah. "Ich sehe, ihr habt euch gut unterhalten. Ich hoffe ich kann euch noch einen Augenblick alleine lassen und eure fertigen Stiefel aus dem Keller holen, ohne das es hier zu Handgreiflichkeiten kommt."

Dann begab er sich in den Keller. Hadvar sah Nanija traurig an. Diese sah nur einfach auf den Boden um ihn nicht ansehen zu müssen. Wenige Augenblicke kam dann aber auch schon Alvor wieder aus dem Keller. Er reichte sie Nanija. Sie besah sie sich gründlich und nickte anerkennend. Sie waren hervorragend verarbeitet. Das dunkele Leder war weich, aber trotzdem fest genug um halt ihren Knöcheln den notwendigen Halt zu geben. Nanija probiert sie an und war begeistert.

"Sie sitzen wie angegossen", freute sie sich.

"Das ist eine großartige Arbeit."

Alvor freute sich, das Nanija zufrieden war. Nachdem sie Alvor bezahlt hatte, verließ sie das Haus des Schmieds, ohne Hadvar noch mal anzusehen. Jeder sollte glauben, sie wer wütend auf den kaiserlichen Soldaten.

Hadvar hingegen sah ihr traurig nach. Sollte er ihr nachgehen und noch mal versuchen sie umzustimmen? Alvor lächelte wegen des traurigen Blicks, mit dem er Nanija verfolgte.

„Sie ist ein hübsches Ding, nicht wahr Junge?“

Vollkommen aus den Gedanke gerissen schüttelte Hadvar den Kopf. „ Was sagtet ihr gerade, Onkel?“

Alvor lachte: „Ich schätze, wenn ihr das Mädchen für euch gewinnen wollt, müsst ihr mit ihr und Ralof nach Windhelm gehen.“

Hadvar wurde rot. Sagte aber nichts weiter. Sein Onkel ließ ihn seinen Gedanken nachhängen und begab sich wieder nach draußen an die Arbeit. Hadvar beschloss dann seine Sachen zu packen. Er war lange genug hier gewesen. Es wurde Zeit zurück zu seiner Einheit nach Einsamkeit zu gehen.

Nanija ging nicht auf dem direkten Weg zurück. Sie brauchte etwas Zeit für sich um innerlich wieder zur Ruhe zu kommen. So erreichte sie kurz vor hereinbrechen der Dunkelheit das Haus. Ralof hatte schon angefangen sich Sorgen zu machen und wollte ihr entgegen kommen. Aber da zwischenzeitlich die Kutsche angekommen war und es aufgehört hatte zu regnen hatten Ralof und Vildur, der Gehilfe von Loreius schon mal angefangen die Kutsche abzuladen.

„Entschuldigt, dass es so lange gedauert hatte. Ich wollte die Stiefel gleich ein wenig einlaufen und bin außen herum ums Dorf zurückgegangen“, sie sah Ralof lächelnd an. „Sie sind hervorragend verarbeite und man spürt sie fast nicht.“

Ralof freute sich, das Nanija so begeistert war. So hatte er sie bisher selten erlebt. Ralof und Vildur beschlossen für heute Feierabend zu machen. Sie würden eh nicht alles abladen können. Sie deckten die restliche Ladung wieder ab und dann begab sich Vildur in den Gasthof, wo er für die nächsten zwei Nächte ein Zimmer genommen hatte.

Es dauerte auch nicht lange, da kamen dann auch Gerdur, Hod und Frodnar. Nach dem Essen übte Ralof noch ein wenig mit Frodnar Rechenaufgaben, während Nanija und Gerdur sich um die Küche und das Geschirr kümmerten.

Am nächsten Morgen standen alle zeitig auf. Nach dem Frühstück gingen alle an die Arbeit. Nanija half beim Abladen der Kutsche, während Ralof, Vildur und Frodnar die Ballen in den Schuppen brachten und dort sorgfältig stapelten. Nachdem sie alles abgeladen hatten, holte Vildur das Pferd aus dem Stall des Gasthofs und spannte es wieder vor die Kutsche um sie auf die Insel zur Sägemühle zu bringen, wo dann das Holz aufgeladen werden sollte.

Zu Mittag machten sie mit dem Aufladen eine Pause. Ralof hatte beschlossen, Hadvar noch mal einen Besuch abzustatten, denn am nächsten Morgen würden er und Nanija nach Windhelm aufbrechen und er wollte sich noch zuvor von seinem Freund verabschieden. Er unterließ es lieber Nanija zu fragen, ob sie ihn begleiten würde, da er eh mit einer Ablehnung rechnete.

Als er kurz darauf zurückkam, war Ralof ein wenig traurig. Hadvar war schon am frühen Morgen nach Einsamkeit aufgebrochen. Alvor deutete an, das Hadvar wohl ein Auge auf Nanija geworfen hatte und sie ihn hatte abblitzen lassen. Aber das war doch trotzdem kein Grund sich nicht von seinem besten Freund zu verabschieden. Nachdem sie alle etwas von dem Eintopf gegessen hatten, den Gerdur bei der Mühle aufgewärmt hatte, machten sie sich wieder gemeinsam an die Arbeit die Kutsche zu beladen. Am Abend waren alle von der anstrengenden Arbeit erschöpft und gingen zeitig schlafen.

Am nächsten Morgen standen alle früh auf. Nach dem Frühstück wollten sie dann aufbrechen. Ralof und Nanija hatten ihre Sachen schon in zwei Rucksäcke gepackt. Ralof bekam seinen wegen seiner Rüstung fast nicht mehr geschlossen. Als Gerdur Ralof und Nanija bei der Sägemühle ankamen, war Vildur noch nicht fertig mit anspannen der Pferdes. So kam Gerdur auf die Idee sie können ja schon ein wenig vorgehen und dann zusteigen, wenn Vildur sie einholte. Frodnar begleitete sie mit Stump.

Gerdur hakte sich bei ihrem Bruder ein, Frodnar lief mit seinem Hund vor und Nanija ging langsam hinterher. Sie hatten die Brücke noch nicht erreicht, als ein riesiger Schatten über den Boden wanderte. Erschrocken sahen sie zum Himmel hoch. Dann sahen sie hoch oben in den Wolken ein riesiges Wesen kreisen. Nanija wurde bleich, Gerdur klammerte sich an Ralof, der wie erstarrt da stand und Frodnar versuchte den Hund zu beruhigen, der wie Wild am Bellen war. Nach wenigen Sekunden war der Spuk wieder vorbei und der Drache hinter den Bergen verschwunden.

"Ralof", Gerdur war ängstlich und aufgeregt. "Ihr müsst nach Weißlauf gehen und den Jarl um Hilfe bitten. Wenn wirklich ein Drache hier sein Unwesen treibt, brauchen wir Schutz. Bitte, Bruder."
Ralof nahm seine Schwester in die Arme. "Beruhigt euch wieder, Gerdur." Wir werden erst nach Weißlauf gehen und dann von dort aus nach Windhelm. Ich werde dem Jarl notfalls in den Allerwertesten treten, damit er ein paar Männer hier her schickt." Er sah sie aufmunternd an. "Nun solltet ihr aber lieber heimgehen. Ich denke vorerst ist der Drache wieder fort." Sie nickte.

In dem Moment kam Vildur mit der Kutsche angefahren. Gerdur fiel ihrem Bruder noch mal um den Hals und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Nachdem sie sich von ihm gelöst hatte und er auf die Kutschen aufgestiegen war, ging sie an Nanija vorbei, die immer noch ein ganzes Stück hinter ihnen stand. Plötzlich blieb Gerdur neben Nanija stehen. "Gebt mir euer Wort, das ihr meinen Bruder nicht weh tun werdet.“, sagte sie so leise zu ihr, das Ralof es nicht hören konnte. Nanija sah Gerdur an und es dauerte etwas bis sie antworte. Ihre Mine zeigte keine Gefühlsregung, als sie mit eiskalter Stimme sprach. "So etwas kann niemand versprechen."

Dann folgte Nanija Ralof auf den Kutschbock ohne sich noch mal umzusehen. Gerdur starrte ihr Wortlos nach und hätte Ralof am liebsten zurück gerufen. Aber was sollte sie ihm sagen? Nanija hatte nichts Böses gesagt, nur die Art wie sie es tat, ließ Gerdur einen eisigen Schauer über den Rücken fahren. So rief sie nur ihren Sohn und kehrte dann mit ihm nach Hause zurück. Der Drache war nun fast wieder Nebensache. Sie machte sich mehr Sorgen um ihren Bruder, der mit dieser Frau unterwegs war.

Als Nanija sich neben Ralof setzte, frage er sie: "Was hat meine Schwester euch gesagt?" "Nur das ich auf euch Acht geben soll." Ralof musste lachen. "Das war klar. Typisch Gerdur, sie kann es einfach nicht lassen, mich zu behüten."

Nanija schwieg erst. 'Euch wird das Lachen schon noch vergehen, wenn ihr meine Klinge zwischen den Rippen spürt', dachte sie. "Lasst uns losfahren, sonst kommen wir heute nicht mehr nach Weißlauf." Sagte sie dann zu Vildur.