09 Auf dem Weg nach Weislauf
09 Auf dem Weg nach Weislauf PDF 
Geschrieben von: CKomet   
10.03.16 um 20:00 Uhr

Der erste Teil des Weges nach Weislauf war noch recht eben. Bald schon änderte sich das aber und es ging Teilweise recht steil bergab, so dass sich Vildur die ganze Zeit konzentrieren musste und fast durchgehend die Hand an der Bremse der Kutsche hatte. Sie kamen nur langsam voran zumal der Weg durch den erneuten Regen in der Nacht recht weich und rutschig war. Zum Glück war es nun wieder trocken, auch wenn die Sonne nicht schien.

Zu Mittag machten sie eine Pause und aßen eine Kleinigkeit. Nanija setzte sich etwas abseits der Männer auf einen Felsen und schaute auf die Stromschnellen des Weißfluss. Durch den Regen der letzten Tage, war sein Wasser leicht bräunlich vom Schlamm der kleinen Zuflüsse aus den Bergen. Ihr taten die Arme und der Rücken ein wenig weh. Das Beladen der Kutsche am gestrigen Tag war doch recht anstrengend gewesen und es war eine ungewohnte Arbeit für sie. Sie fragte sich, was wohl Hadvar gerade machen würde? Machte er auch gerade unterwegs irgendwo eine Pause? Und wo mochte er gerade sein? Immer wieder hörte sie Ralof und Vildur laut lachen. Die beiden schienen sich prächtig zu verstehen. Darüber war sie recht froh, denn so ließ man sie in Ruhe. Als sie sah, das Vildur und Ralof sich fertig machten, um weiter zu fahren, stand sie auf und stieg dann wieder zu den beiden mit auf die Kutsche.

Wenn sie zu Fuß gegangen wären, hätte sie es möglicherweise schaffen können am Abend an der Kreuzung nach Weislauf anzukommen. Aber nun dauerte es doch eine ganze Weile länger und sie machten am Abend am Wegesrand halt. Sie hatten eine gute Stelle gefunden, wo die ein wenig durch einen Felsvorsprung geschützt waren. Vildur spannte Das Pferd ab und legte ihm Beinfesseln an, so dass das Tier am Wegesrand das frische Gras fressen konnte.

Nanija sammelte Holz und bald darauf konnten sie ein kleines Lagerfeuer entzünden. Die Nächte waren ja doch noch recht kalt. Gerdur hatte ihnen einen Topf mit Eintopf mitgegeben. Diesen machten sie sich warm und nachdem sie gegessen hatten, unterhielten sich die Männer noch lange Zeit. Nanija zog es vor schweigend zuzuhören. Gegen Mitternacht legten sie sich dann schlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann frühzeitig weiter. Kurz nach Mittag erreichten sie die Kreuzung nahe Weislauf. Von hier würden Ralof und Nanija zu Fuß noch gut eineinhalb Stunden bis zur Stadt hoch brauchen. Man konnte die Stadt schon seit einer Weile vom Weg aus sehen. Sie lag am Rand in der der großen Ebenen, die von verschiedenen Bergzügen umschlossen, auf einer Erhebung. Oben auf dem Hügel konnte man die Drachenfeste erkennen, in der der der Jarl von Weislauf lebte.

Nanija kam die Stadt fast so groß wie Einsamkeit vor. Auf dem Weg zur Stadt konnte man mehrere Bauernhöfe sehen. Vildur nannte Nanija die Namen der einzelnen Höfe und den ihrer Besitzer. Der Hof seines Herren, lag auf der anderen Seite des Hügels und war vom Weg der von Flusswald kam, nicht zu sehen.

Nachdem sie noch gemeinsam etwas gegessen hatten, verabschiedeten sich Nanija und Ralof von Vildur. Dann sahen sie ein paar kaiserliche Soldaten, die einen Gefangenen mit sich führten. Sie gingen zum Glück nicht Richtung Weislauf sondern nahmen den Weg den auch Vildur genommen hatte. Ralof begann innerlich zu kochen, das spürte Nanija. "Nein, Ralof, das ist hier viel zu gefährlich.“ Sie legte ihre Hand auf seinen Arm, um ihn davon abzuhalten sich auf die Drei zu stürzen. Ralof versuchte tief durchzuatmen um sich zu beruhigen. Dann sah er Nanija an. "Ihr habt Recht, hier geht es nicht, aber ansonsten wären die drei kein Problem." Sie sah ihn zustimmend lächelnd an.

Nachdem sie fast eine halbe Stunde auf dem Weg zur Stadt gegangen waren, kamen sie an der Honig Brauerei vorbei, die gerne von Reisenden aufgesucht wurde, die für eine Rast nicht extra in die Stadt wollten. Dem Lärm nach zu urteilen, der von Drinnen nach draußen drang, schien sie gut besucht zu sein.

Als sich Ralof und Nanija den Feldern eines der größten Bauern von Weißlauf näherten, sahen sie wie drei Leute dabei waren einen Riesen, der sich bis hierher verirrt hatte, zu bekämpfen. Die Knechte, die eigentlich auf den Feldern arbeiteten, hatten sich angstvoll zurückgezogen. Der Riese war mit einer monströsen Keule bewaffnet und wen er damit traf, der würde nicht wieder in dieser Welt aufstehen.

Normalerweise kamen Riesen nicht so dicht an die Stadt heran. Irgendwas musste dieses Exemplar aber hierher getrieben haben.

Ralof zog seine Axt, während Nanija ihren Bogen zur Hand nahm. Noch waren sie zu weit weg, um ins Geschehen einzugreifen. Sie erkannte zwei Frauen und einen Mann, die gegen das große Wesen kämpften. Die eine Frau wurde von einem Schlag mit der Keule am Arm gestreift, der ihr die Waffe aus der Hand fallen ließ und so wich sie rückwärts aus und stolperte dabei dann auch noch über einen der Kohlköpfe, die auf dem Feld wuchsen. Der Mann und die andere Frau umkreisten den Riesen und versuchten ihn von der gestürzten Frau abzulenken und ihn dadurch, dass sie außerhalb der Reichweite seiner Keule blieben, Müde zu machen. Als sich die zuvor gestürzte Frau langsam wieder aufrappelte, Wandte sich der Riese ihr sofort wieder zu. Sie versuchte weiter zurück zu humpeln und achtete diesmal darauf, nicht wieder über einen der Kohlköpfe zu stolpern. Aber ohne ihre Waffe, die vor den Füssen des Riesen lag war sie Hilflos.

Ihre Gefährten befanden sich im Rücken des Riesen und sie gröhlten laut herum, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber dieser ging weiter auf die unbewaffnete Frau zu.
Dann versuchte der Mann mit seinem großen Zweihänder den Riesen in die Seite zu schlagen, aber mit einer erstaunlichen Schnelligkeit drehte sich der Riese um und versuchte seinen Angreifer zu treten. Dieser musste wieder zurückweichen. Diesmal versuchte die zweite Frau einen Angriff, aber auch sie kam nicht zum Zug, denn wieder schnellte der Riese herum. Und verfehlte sie nur knapp mit seiner großen Keule. Es sah für die beiden Kämpfer nicht gut aus. So beschloss Nanija mit ihrem Bogen einzugreifen und den Riesen aus der Ferne zu schwächen. Sie schoss schnell hintereinander zwei Pfeile ab, die den Riesen in der Schulter trafen. Sie richteten keinen großen Schaden an, sorgten aber dafür dass der Riese abgelenkt wurde.

Ralof hatte in der Zwischenzeit seinen Rucksack fallen lasse und stürmte nun auch mit gezückter Axt auf den Riese zu. Noch mal schoss Nanija zwei Pfeile ab, den Riesen wieder an der Schulter erwischen. Viel tiefer mochte sie nicht zielen, weil sie sonst möglicherweise einen der anderen Kämpfer erwischt hätte. Als Ralof de Riesen fast erreicht hatte, gelang es dem Mann mit seinem Zweihänder eine tiefe Wunde in die Seite zu schlagen. Der Riese schrie vor Wut und Schmerzen das den Umstehende fast das Trommelfell zerreißen wollte. Nanija schoss weitere Pfeile ab. Zwischenzeitlich war der Riese schon arg geschwächt und so gelang es der Frau und Ralof fast zeitgleich dem Riesen noch mal in die verwundete Seite mit ihren Waffen zu schlagen. Das ließ den Riesen in die Knie gehen. Das nutze nun der Mann mit dem Zweihänder aus und schlug mit aller Macht den Kopf des Riesen von seinem Haupt.

Nanija steckte ihren Bogen weg und nahm den Rucksack von Ralof und ging auf die kleine Gruppe zu.

"Ziemliche Feige, einen Gegner der auch noch in der Unterzahl ist, aus der Ferne zu beschießen, statt ihn direkt anzugreifen." Die Frau, die das sagte hatte ihr Gesicht mit breiten Streifen bemalt.

Nanija stand erstaunt da und wusste nicht was sie sagen sollte. Mit so einer Begrüßung hatte sie nun nicht gerechnet.

"Ja", stimmte der große dunkelhaarige Nord mit dem Zweihänder ihr zu. "Aela hat Recht. Ein wahrer Krieger kämpft nicht aus dem Hinterhalt. Das machen nur Feiglinge."

"Was fällt euch ein meine Gefährtin so zu beleidigen? Sie hat gerade geholfen euch am Leben zu erhalten." Ralof war vor Wut rot angelaufen.

"Wir hätten das auch locker ohne eure Hilfe geschafft." Der Nord sah Ralof herausfordernd an

"Farkas, kommt und lasst uns zurückgehen. Der Auftrag ist erledigt." Die bemalte Frau ahnte dass sich ihr Kamerad mit dem Fremden anlegen wollte. Farkas rührte sich nicht von der Stelle.

"Ihr solltet auf eure Gefährtin hören und gehen, ansonsten kann ich nicht dafür garantieren dass mein Gefährte sich zurück hält", sagte Nanija leise.

Farkas lachte belustigt auf. "Den schlage ich mit links zu Boden, wenn er mir zu nahe kommt."

Das war nun zu viel für Ralof. Er warf seine Axt zu Boden, die er noch in der Hand hielt und ging mit geballten Fäusten auf den großen Nord los. Farkas wich Ralof aus und wollte ihm den Arm in die Seite schlagen, als Nanija dazwischen ging.

"Halt!" rief sie. "Wenn ihr einen fairen Kampf wollt, werdet ihr beide die Rüstungen ablegen. Und ihr", sie sah Farkas mit blitzenden Augen an, "auch eure Armschützer."
Diese waren nämlich auf den Außenseiten mit langen Metalldornen verziert und konnten heftige Wunden reißen. Wenn sie Ralof nicht brauchen würde um nach Windhelm zu gelangen, bzw. dort der Truppe beizutreten, wäre es ihr ziemlich egal gewesen, ob Ralof damit schwer verletzt wurde. Aber sie wollte keinen unnötigen Verzögerungen haben und ihn wohlmöglich dann in der Stadt hier tagelang auch noch pflegen müssen.

In der Zwischenzeit war die andere Frau zu ihnen gehumpelt. "Ich finde sie hat Recht. Wenn ihr euch ehrenvoll schlagen wollt, dann so wie sie gesagt hat." Aela schwieg, nickte dann aber dem dunkelhaarigen Mann zu. Widerwillig taten Ralof und Farkas, was Nanija angeordnet hatte und so standen sie am Ende nur noch in ihren Hosen und Stiefeln da. Auch die Waffengürtel mussten beide ablegen. Nanija sah Ralof aufmunternd an und dieser lächelte ihr zu. Auch wenn er nicht so kräftig gebaut war wie sein Gegner rechnete er sich eine gute Chance aus den Mann zu zeigen, dass man seine Freunde nicht so beleidigte. Als Ralof und Farkas fertig waren stellten sie sich gegenüber auf. Wie sie sich so gegenüberstanden kam Nanija Ralof doch irgendwie recht klein vor.

Ohne Vorwarnung schlug Farkas dann los. Ralof wich geschickt aus und der Schlag ging ins Leere. Er umkreiste Farkas erst einmal. "Ich mache euch fertig", hörte man den dunkelhaarigen Nord zischen. Ralof lachte darüber nur, was seinen Gegner noch mehr verärgerte. Wieder griff Farkas blindwütig wie ein Bulle an. Ralof trat wieder zur Seite und Farkas stolperte fast, als er abbremste, nachdem er Ralof nicht erwischt hatte. Wieder lachte Ralof fröhlich. "Euch wird das Lachen noch vergehen." Hörte man den dunkelhaarigen schimpfen. Dann griff Ralof an. Sein erster Schlag traf Farkas an der Brust den zweiten wehrte dieser ab und schlug seinerseits kräftig zurück. Diesmal gelang es Ralof nicht auszuweichen und er musste einen Treffer einstecken, der ihn etwas zurücktaumeln ließ. Farkas sah ihn triumphieren an, als wäre der Kampf schon entschieden. Dann ging der dunkelhaarige Kerl wieder auf Ralof los. Ralof wehrte die Schläge so gut er konnte ab und versuchte während dieses Angriffs gar nicht erst, selbst zuzuschlagen. Als Farkas eine Pause machte und etwas zurück trat, da holte Ralof aus, landete einen ordentlichen Treffer an der linken Wange des Gegners. Wieder schäumte Farkas vor Wut und griff erneut an und Ralof wehrte seine Schläge ab, bis dieser langsamer wurde und Ralof die Gelegenheit sah seinerseits zurück zu schlagen.

Farkas merkte, dass er so nicht durchkommen würde. Ralof blockte seine Schläge sehr geschickt ab und sparte so an Kraft für seine Gegenangriffe. Und Ralof hatte im Gegensatz zu Farkas Ausdauer und Geduld. Bei seinem nächsten Angriff trat Farkas plötzlich blitzschnell mit seinen Stahlstiefeln gegen das Schienbein von Ralof. Dieser nicht ganz faire Angriff brachte Ralof kurzfristig aus dem Gleichgewicht, so dass es Farkas gelang, ihm zwei ordentliche Treffer zu verpassen, die Ralof wieder zurück taumeln ließen. Aber er fing sich schnell genug um die nächsten Schläge wieder abzublocken.

"Na, ist euch nun das Lachen vergangen?" spottete Farkas während er plötzlich seinen Kopf senkte und wie ein Rammbock auf Ralof losging. Mit solch einem Angriff hatte dieser nicht gerechnet und wurde von der Wucht des Aufpralls zu Boden geschleudert. Farkas wollte sich auf ihn werfen, aber der am Boden liegende Ralof rollte sich zur Seite und so landete Farkas im Dreck, während Ralof wieder versuchte auf die Beine zu kommen. "Das war wohl nichts", lachte Ralof wieder mal, wobei man ihm aber anmerkte, dass er etwas angeschlagen war. Ralof ließ Farkas aufstehen. Kaum war dieser auch auf den Beinen stürzte er sich wieder auf Ralof. Dieser wehrte die Schläge so gut es ging ab, konnte aber den einen oder anderen Treffen nicht verhindert. Als er merkte das Farkas Kräfte wieder nachließen, setze er selbst zu Gegenangriff an, und landete mehre Treffer im Gesicht von Farkas. Doch als der Dunkelhaarige dann unerwartet tief gegen die gerade verheilte Wunde von Ralof schlug, sackte dieser in sich zusammen. Nanija zuckte dabei zusammen und befürchtete das wäre das Ende des Kampfes, aber das machte Ralof nun wieder wütend. Er mobilisierte alle seine Kräfte, richtete sich schnell auf und schlug mit aller Kraft Farkas, der schon dachte sein Gegner wäre nun am Ende und daher vergaß seine Deckung aufrecht zu erhalten, gegen die Schläfe, so dass dieser nur noch Sterne sah und einfach umkippte.

"Ich denke damit sollte klar sein wer der Bessere ist", meinte Ralof in Richtung Aela und der anderen Frau. Mit versteinerten Gesicht ging Aela zu Farkas, um zu sehen wie schwer seine Blessuren waren und kniete sich neben ihn.

Nanija ging zu Ralof hinüber und gab ihm seine Rüstung. Bevor dieser sie anzog, sah sie sich noch seine Wunde an. Sie war nicht wieder aufgeplatzt, stellte Nanija erleichtert fest. Dann durfte sich Ralof anziehen und sie setzten ihren Weg, ohne sich noch mal umzusehen, fort. Sie hatten nicht gar nicht gemerkt wie die Zeit verstrichen war und die Sonne nun schon tief am Horizont stand. Als die beiden das Stadttor erreichten, wurden sie von den Wachen aufgehalten. Man wollte sie erst nicht passiere lassen, weil die Stadt eh schon wegen der ganzen reisenden überfüllt war, die es vorzogen in der Stadt zu übernachten, statt wie sonst am Wegesrand, da durch die Unruhen im Land die Banditenüberfälle zugenommen hatten. Dazu kam dann auch das Gerücht, das Drachen aufgetaucht sein sollten. Zu Mindestens Helgen sollte von einem Zerstört worden sein, hieß es.

Aber als Ralof sagte, das Gerdur von Flusswald sie geschickt hatte mit der Bitte um Hilfe, ließen die Wachen sie doch in die Stadt.

Zuletzt aktualisiert am 10.03.16 um 20:02 Uhr