10 Drachenjagd
10 Drachenjagd PDF 
Geschrieben von: CKomet   
11.03.16 um 21:47 Uhr

Nanija und Ralof betraten die Stadt durch das große eisenbeschlagene Holztor. Die Straßen waren recht belebt. Von Angst vor Drachen war hier nichts zu merken. Sie hörte noch wie eine der Wachen zu seinem Kameraden sagte: "Die armen Leute in Flusswald. Die haben keine Mauer wie wir, die sie vor den Drachen schützen kann."

Nanija hätte da am liebsten laut aufgelacht. Was nützen einem Mauern, wenn ein Angriff aus der Luft kam? Rein gar nichts. Auch Helgen hatte starke Mauern gehabt und was hatte es gebracht? Die Stadt war trotzdem komplett zerstört worden und die Mauern waren eher hinderlich gewesen, da sie die Flucht der Bürger verhinderten. Sie bekam eine leichte Gänsehaut, als sie an den Angriff denken musste.

Die Stadt war sehr groß, wie Nanija feststellte. Die Häuser hier hatten im Gegensatz zu denen in auf dem Lande keinen Strohdächer, was eigentlich günstiger war, sondern Schindeln. Dieses war wohl dem geschuldet, das die Gefahr von einem großflächigen Feuer in einer großen Stadt, wo die Häuser doch recht Nah beieinander standen, damit verringert wurde.

Ein paar Schritte weiter sah sie wie Ralof, der etwas vor ihr ging, seine Fäuste ballte. Der Grund war ein älterer Mann in kaiserlicher Uniform, der sich mit einer Frau unterhielt. Die Frau schien Schmiedin zu sein, der Kleidung nach zu urteilen, die sie trug. Aus den Wortfetzen, die zu Nanija und Ralof drangen, war zu erkennen dass der Mann Waffen für die kaiserliche Armee anfertigen lassen wollte. Nanija beeilte sich um an Ralofs Seite zu kommen und zwischen ihm und dem Mann zu kommen. Man wusste ja nie so recht was passieren konnte. Ralof hatte ihre Absicht erkannt und musste grinsen.

"Ich weiß mich schon zu benehmen."

Nanija sagte nichts. Sie gingen die Hauptstraße entlang bis zum Marktplatz. Die Leute, die ihnen begegneten, zogen es vor Abstand zu halten. Ralof schien auf sie nicht sonderlich friedlich zu wirken, was durch seine gerade kräftiger werdenden Blutergüsse im Gesicht verstärkt wurde. Das war den beiden auch recht. Am Marktplatz angelangt überlegten sie kurz gemeinsam, ob sie erst hoch zur Drachenfeste gehen sollten, oder erst in die beflaggte Mähre, um nach einen Zimmer zu fragen. Sie entschieden sich für letzteres. Damit hatten sie auch Glück, denn sie bekamen gerade noch das letzte freie Zimmer, das Hulda, die Wirtin zu vergeben hatte. Es war eine kleine Kammer mit nur einem Bett darin. Aber besser als sich draußen irgendwo vor der Stadt eine Stelle zu suchen, wo man hätte übernachten können.

„Ich werde auf dem Boden schlafen, wenn euch das lieber ist“, flüsterte Ralof Nanija leise ins Ohr.
Nanija nickte dankbar und lächelte ihn an. Sie gingen erst mal kurz nach oben, um ihre Sachen abzulegen, die sie nicht unbedingt mit zum Jarl schleppen wollten. Als sie die kleine Kammer betreten hatten, bat Nanija Ralof sich auf den Stuhl zu setzen, der neben dem kleinen Waschtisch stand. Dann nahm sie einen Lappen und tauche ihn in die kleine Waschschüssel, die sie zuvor mit dem Wasser aus dem Krug gefüllt hatte. Dann wischte sie ihm vorsichtig den Dreck und das Blut, das aus der einer Platzwunde ihm die Wange hinunter gelaufen war, weg. Ralof sah sie mit leuchten Augen dankbar an. Als sie fertig war, machten sie sich auf den Weg hoch zur Drachenfeste. Auf der Treppe, die zum Platz mit dem heiligen Baum von Weißlauf führte trafen sie auf die drei Gefährten. Farkas wurde von Aela etwas gestützt und als er Ralof sah verfinsterte sich sein Blick. Aela zog ihn rasch weiter. Ralof grinste ihm frech hinterher.

Die Wachen vor der Drachenfeste wollten sie erst nicht hineinlassen, aber als Ralof sagte, das seine Schwester ihn mit einer Nachricht aus Flusswald geschickt hatte, ließen sie Nanija und Ralof passieren. Langsam durchschritten sie die riesige Halle. Der Jarl saß am Ende der riesigen Tafel, denn es war Abendbrotzeit. Neben ihm saßen rechts sein Voigt Proventus Avenicci und auf der anderen Seite sein jüngere Bruder Hrongar. Hinter ihm stand wachsam eine Dunkelelfe, jederzeit bereit sich auf alle zu stürzen, die ihrem Jarl ungefragt zu nahe kamen. Die beiden Jungen des Jarls saßen neben dem Voigt während die Tochter zwischen seinem Bruder und dem Hofmagier, wie Nanija dem Gewand nach vermutete, Platz genommen hatte. Ralof hatte sie kurz über die Familie des Jarls aufgeklärt. Die Mutter der Kinder, war kurz nach der Geburt des jüngsten Sohns gestorben. Die drei Kinder stritten sich während des Essens lautstark und die Haushälterin, die gleichzeitig auch Kindermädchen war, versuchte sie zur Ruhe zu bringen, was aber nicht gelang. Der Jarl ließ sie gewähren. Er selbst war gerade in ein Streitgespräch zwischen seinem Bruder und seinem Voigt verwickelt. So bemerkte er selbst die Ankömmlinge nicht sofort.

Irileth, die Dunkelelfe, die dem Jarl aus Huscarl diente, kam auf Nanija und Ralof zu. „Wer hat euch die Erlaubnis erteilt, den Jarl jetzt zu stören? Ihr habt keinen Termin.“

Ralof senkte seinen Kopf, als er zu der Frau sprach: „Entschuldigt die unangemessene Störung, aber wir sind im Auftrag meiner Schwester, Gerdur aus Flusswald, hier. Sie bitten den Jarl um Hilfe. Ein Drache wurde über dem Dorf gesehen. Die Einwohner haben Angst und benötigen Schutz. Daher möchte sie den Jarl bitten, ein paar seiner Soldaten nach Flusswald zu schicken.“

Der Jarl hatte die Bitte mit angehört. „Flusswald ist auch in Gefahr?“ Er sah zu den beiden Männern neben sich. „Da seht ihr es, überall lauert Gefahr für das Fürstentum.“

„Wir müssen sofort Truppen nach Flusswald schicken, Balgruuf“, hörte man den Bruder des Jarls sagen.

„ Seid ihr von Sinnen? Das würde der Jarl von Falkenring als Provokation ansehen und zum Angriff rüsten. Das können wir nicht tun“, die Stimme des Voigt überschlug sich fast vor Aufregung.

„Was sollen wir denn machen? Einfach zusehen, wie ein Drache mein Fürstentum vernichtet?“ Der Jarl sah Irileth an. „Was denkt ihr?“
„Wir können die Leute dort nicht ihrem Schicksal überlassen. Wir brauchen dort ein paar Soldaten.“ Die Stimme der Elfe klang ernst und ruhig.

Der Jarl nickte. „Gut, kümmert euch darum.“ Irileth machte sich sofort auf den Weg.

Dann wandte sich Balgruuf an Ralof: „Ich danke euch, das ihr mit diese Nachricht gebracht habt. Ich wundere mich allerdings, euch hier zu sehen. Ich dachte ihr würdet euch in Windhelm aufhalten?“

„Ich war zu Besuch bei meiner Schwester und bin nun auf den Weg zurück nach Windhelm, mein Jarl.“

Der Jarl nickte nur ohne die Miene zu verziehen, denn er fühlte sich nicht wohl, einen bekannten Anhänger der Sturmmäntel hier zu empfangen. Aber da sich Ralof in seinem Fürstentum, indem der junge Nord auch aufgewachsen war, nie etwas hatte zu Schulden kommen lassen, sah er keinen Grund etwas gegen ihn zu unternehmen. „Und wer ist das?“ Balgruuf wies auf Nanija.

„Sie ist eine Freundin, die mich nach Windhelm begleitet.“

„Hat sie auch einen Namen?“

„Ich heiße Nanija, mein Jarl. Nanija aus Rotwasser“, antwortete Nanija höflich.

„Nun dann, Ralof und Nanija, ich hoffe ihr werdet eine gute Reise nach Windhelm haben. Habt ihr für die Nacht schon eine Unterkunft? Die Stadt ist zu Zeit ja recht voll.“

Ralof nickte. „Wir haben ein Zimmer in der beflaggte Mähre. Morgen in aller Frühe brechen wir dann auf nach Windhelm.“

„Seht gut, ansonsten hätte ich euch ein Zimmer im Palast zur Verfügung gestellt.“

„Danke mein Jarl, aber das ist nicht nötig. Ihr entschuldigt uns dann jetzt? Wir würden uns gerne etwas ausruhen bevor wir aufbrechen.“

„Natürlich, ihr dürft gehen.“

Ralof und Nanija drehten sich um und verließen die Drachenfeste wieder. Nanija staunte darüber, das so hoch auf dem Hügel so viel Wasser zu finden sei. Denn bevor man zur Brücke, die in die Drachenfeste führte kam, musste man an zwei riesigen Wasserbecken vorbei, die Abflüsse in die niedriger gelegenen Teile der Stadt hatte. Ralof erklärte ihr, das irgendwie wohl unter der Erhebung auf der Weislauf stand, ein riesiger unterirdischer See war. An mehreren Stellen oben auf dem Hügel nahe der Drachenfeste wurde das Wasser durch einen nicht erklärlichen Druck nach oben durch felsritzen gebracht. Man hatte dazu die beiden großen Becken erbau in die das Wasser dann erst mal reinlief und von dort über Kanäle in die Stadt weiter verteilt wurde. Ohne dieses Naturphänomen hätte wohl kaum jemand eine komplette Stadt auf der Erhebung gebaut, weil bis zum Fluss runter war es doch ein recht weiter Weg.

Nanija nickte. Zwischenzeitlich waren sie unten am Marktplatz angekommen. Die Stände waren schon geschlossen, weil es wurde langsam dunkel. Eine Gruppe Kinder tobte um die Stände herum. Von irgendwo rief eine Mutter den Namen ihres Sprössling, damit er zum Essen nach Hause kam. Während die restliche Bande weiter spielte. Ralof sah ihnen lachend nach. Dann gingen sie in die Beflaggte Mähre.

Bevor sie sich auf ihr Zimmer begaben, setzten sie sich noch im Gastraum an einen kleinen freien Tisch und bestellten sich etwas zu Essen und Trinken. Es war recht spät als sie endlich auf ihr Zimmer gingen, da der Koch mit dem zubereiten des Essens bei der Fülle an Gästen kaum hinterher kam. Ralof wollte es sich gerade auf dem Boden gemütlich machen, als Nanija ihm die dicke Decke zuwarf. „Nehmt die als Unterlage. Es ist so warm, das ein Umhang als Decke reicht und so müsst ihr nicht direkt auf dem Boden liegen.“ Ralof dankte ihr lächelnd und legte sich dann auf die Decke. Er nahm dann wie Nanija seinen Umhang und machte es sich so gemütlich wie es nur ging.
Bis zum Sonnenaufgang war es noch einige Zeit hin, als jemand heftig an ihre Tür klopfte. Verschlafen stand Ralof auf und öffnete die Tür. Vor ihm stand eine aufgeregte Wache des Jarls.
„Der Jarl schickt mich. Ihr sollt beide sofort hinauf in die Drachenfeste kommen.“

„Und was ist so wichtig, das der Jarl uns deshalb vor Sonnenaufgang aus dem Betten holt?“ knurrte Ralof ungehalten.

„Ein Drache“, stotterte der Mann. „Es wurde ein Drache gesichtet.“

Ralof sah zu Nanija hinüber, die ihn entsetzt ansah. Er konnte ihre Angst spüren. Ihm ging es ja nicht besser. Wieder musste er an Helgen denken, wo dieses riesige schwarze Ungetüm die Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte. Aber wäre der Drache nicht aufgetaucht würden er und Nanija heute nicht hier sein.

„Wir kommen gleich. Wartet unten auf uns.“

Die Wache verschwand und lief die Treppe hinunter.

„Wir sollten unsere Waffen gleich mitnehmen, wenn wir zur Festung hinübergehen. Ich befürchte, dass man möchte, dass wir uns der Verteidigung der Stadt anschließen.“ Meinte Ralof.

Nanija nickte wortlos. Sie nahm ihren Bogen und ihre Pfeile, sowie das Schwert, und die beiden Messer, die sie immer noch nicht gegen Bessere getauscht hatte. Sie beschloss auch ihren Rucksack mit zu nehmen. Ralof ergriff auch seine Sachen. Das Zimmer war schon bezahlt und eigentlich wollte er so schnell wie möglich weiter nach Windhelm. Gemeinsam mit der Wache gingen sie hinauf zur Festung. Dort waren alle in heller Aufregung. Der Jarl saß auf seinen Thron, Irileth stand mit einem zitternden Soldaten und dem Hofzauberer vor dem Jarl. Hrongar hielt sich mit Proventus im Hintergrund. Als Ralof und Nanija eintrafen, bat der Jarl den verängstigen Soldaten noch mal alles in Ruhe zu erzählen. Stockend und mit überschlagender Stimme, berichtete der Mann, dass sie am Westlichen Wachturm von einem Drachen angegriffen wurden. Zwei Männer wurden von den Flammen, die das Wesen ausspie verbrannt. Ein paar Soldaten konnten sich im Inneren des Wachturms in Sicherheit bringen. Er selbst war zu weit weg, um zum Wachturm zu gelangen und so lief er als wäre der Teufel persönlich hinter ihm, zur Stadt um dem Jarl Bescheid zu geben.

„Das habt ihr gut gemacht, Soth. Ihr dürft euch nun ausruhen.“ Balgruuf sah Irileth an. „Ihr werdet ein paar Männer zusammentrommeln und mit ihnen zum Wachturm gehen.“ Dann wandte er sich an Ralof und Nanija. „Ihr seid beide Kämpfer, daher werdet ihr sie begleiten. Ich brauche jetzt jeden fähigen Mann und Frau.“

Bevor die beiden was sagen konnten, hörte man den Hofmagier vollkommen begeistert rufen: „Ein Drachen. Ein echter Drache. Mein Jarl, lasst mich mitgehen. Ihr wisst dass ich seit Jahren meinen Forschungen den Drachen widme. Wer weiß was ich dort alles an neuen Erkenntnissen gewinnen kann.“

„Nein, Farengar. Ihr werdet hier bleiben. Ich brauche euch hier dringender. Wir müssen und überlegen wie wir notfalls mit Magie die Stadt schützen können, sollte es der Truppe nicht gelingen, den Drachen zu töten.“

Farengar sah betrübt drein. „Ich wünschte, ihr hättet schon jemanden gefunden, der das Ödsturzhügelgrab durchsucht. Das Wissen, das man möglicherweise mit diesem Stein, der sich dort befinden soll, hätte erlangen können, wäre nun möglicherweise Hilfreich gewesen im Kampf gegen die Drachen.“

Als der Name des alten Grabs der Nord fiel wurde Nanija plötzlich hellhörig. „Was genau sucht ihr von dort?“ Der Magier sah sie verwirrte an. „Ich weiß es nicht genau. Eine alte Steintafel auf der eine Karte eingezeichnet sein soll.“

Nanija nahm ihren Rucksack und kramte den sonderbaren Stein hervor, den sie im Ödsturzhügelgrab gefunden hatte und reichte ihn dem Magier. „Ihr meint nicht etwa dieses Teil?“

Farengar staunte nicht schlecht, als er den Stein in der Hand hielt. „Ja, genau das ist es, das ich haben wollte. Wo habt ihr es her?“

„Aus der großen Grabkammer.“

Irileth, die auf Ralof und Nanija wartete wurde ungeduldig. „Wir sollten los. Ihr könnt euch später noch über den Stein unterhalten.“

Der Jarl nickte. „Sie hat Recht, ihr solltet sehen dass ihr zum Wachturm kommt.“

Nanija nickte nur und wandte sich dann zum Gehen um. Ralof folgte ihr. Irileth war schon ein paar Schritte vorausgegangen. Gemeinsam verließen sie die Drachenfeste. Die Dunkelelfe lief vor, da sie den Soldaten, die sie schon mal unten am Stadttor hatte sammeln lassen, noch ein paar Instruktionen geben wollte.

„Warum hat man diese Gefährten nicht um Hilfe gebeten? Ich dachte sie wären auch Kämpfer?“ fragte Nanija plötzlich. Ralof zuckte mit den Schultern. „Vielleicht möchte man dass sie bei der Verteidigung der Stadt helfen.“

„Und warum sieht man dann niemanden von ihnen?“

Ralof zuckte mit den Schultern und grinste plötzlich: „Vielleicht weil man weiß, dass sie eine große Klappe und nichts dahinter haben?“

Nanija musste lachen, so wie Ralof das sagte.

Als sie am Stadttor ankamen, waren Irileth und die Soldaten abmarschbereit. Sie brauchten fast eine Stunde, um zum Wachturm zu gelangen. Im Dunkeln konnte man schon von weiten das Feuer erkennen, dass der Drache entzündet hatte. Der Wachturm war schon zuvor zerfallen gewesen. Das Feuer, das sie sahen, kam von einige Büsche und Bäume, sowie einer alten Kutsche, die vor Jahren dort mal einen Achsbruch erlitten hatte und nie weggeschafft worden war. Größe Schäden waren nicht aus zumachen. Irileth hatte die Führung übernommen, während Ralof und Nanija das Schlusslicht bildeten. Nanija legte ihren Rucksack hinter einen Felsen in der Nähe des Wachturms. Sie wollte beweglich bleiben. Ralof tat es ihr nach.
Dann verteilten sich alle über den Bereich um den Turm. Nanija, Ralof und ein weiterer Soldat erklommen eine ehemalige Wachmauer, von de nur noch wenige Reste übrig geblieben waren um einen besseren Überblick zu haben. Wegen des beißenden dichten Rauch, der von den verbrannten Büschen und der Kutsche aufstieg, war die Sicht aber recht eingeschränkt. Man konnte die Sonne am Horizont langsam aufgehen sehen, als plötzlich jemand rief.

„Da hinten, da kommt er!“

Der Mann, der das rief zeigte in Richtung Ödsturzhügelgrab. Alle Blicke wandten sich dorthin und anfangs sah es nur aus, als würde ein großer Vogel dort kreisen, aber als das Wesen näher kam war eindeutig zu sehen, dass es sich um einen Drachen handelte. Ralof und Nanija hatten ihre Bögen zur Hand genommen, wie auch fast alle der Soldaten. Als das Wesen sich näherte atmete Ralof etwas erleichtert auf. Nanija sah ihn verwirrt an. Ralof, der es mitbekam meinte darauf hin. „Der ist viel Kleiner, als der in Helgen. Den können wir gemeinsam schaffen.“

'Euer Wort in die Gehörgänge der Acht Göttlichen', dachte Nanija nur und packte ihren Bogen fester.

Als der Drache in Schussweite kam, schossen alle ihre Pfeile ab. Den Drachen kümmerte dass so gut wie nicht, denn die Pfeile prallten von seinen dicken Schuppen ab und es wirkte als würde er über sie lachen.

„Die Flügel“, rief Nanija plötzlich. „Schießt auf die Flügel. Da ist er verwundbar.“

Bevor sie den nächsten Pfeil abschießen konnte, musste sie sich hinter dem Rest des ehemaligen Geländers des Wehrgangs in Deckung begeben. Denn der Drache spie plötzlich Feuer. Ralof und der Soldat, der bei ihnen stand, taten es ihr nach. Die anderen Soldaten und Irileth schossen nun, wie Nanija gerufen hatte, auf die Flügel. Dort bildeten sich kleine rote Flecken und Löcher in der dünnen Flughaut des Wesens. Als er über Nanija, Ralof und dem Soldaten hinweg geflogen war, kamen die drei aus ihrer Deckung hervor und schossen nun so schnell sie konnten mehrfach auf das riesige Wesen.

Der Drache drehte eine Schleife und griff erneut an. Diesmal hatten sie keinen Schutz durch eine Mauer oder ähnliches. Ralof ergriff Nanija am Arm und stieß sie von dem Mauerüberrest hinunter und sprang selbst hinterher. So entkamen sie dem tödlichen Feuerstrahl. Der Soldaten der zuvor neben ihnen stand, kam nicht schnell genug weg und wurde in Flammen einhüllt und verbrannte elendig. Die Schreie die der Mann dabei ausstieß waren schrecklich. Die Pfeile zeigten langsam aber Wirkung. Die Löcher in den Flughäuten vergrößerten sich und die Bewegungen des Drachens wurden unkontrollierter.

Nanija rappelte sich langsam auf. Sie suchte kurz ihren Bogen, der ihr durch den Sturz in die Tiefe aus der Hand gefallen war. Sie fand ihn neben sich liegen. Gemeinsam mit Ralof umrundeten sie die Mauer. Der Drache war in der Zwischenzeit zwischen ihnen und dem Wachturm gelandet, da seine Flughäute ihn nicht mehr in der Luft hielten. Landen konnten man es wohl aber eigentlich weniger nennen, es war wohl eher eine Bruchlandung der Schleifspur nach zur urteilen, die das Wesen in den Boden gepflügt hatte. Nachdem der Drache am Boden war richteten die Pfeile wieder wenig gegen ihn aus. Erstaunlich schnell bewegte sich das Tier auf einen Soldaten zu. Diesem gelang es nicht mehr rechtzeitig zur Seite zu springen und wurde so von dem Drachen am Oberkörper mit seinem riesigen Maul gepackt. Der Drache schüttelte ein paar Mal seinen Kopf hin und her und schleuderte dann den toten Soldaten in einem großen Bogen zu seinen Kameraden, die entsetzt zur Seite sprangen.

Ralof hatte zwischenzeitlich seinen Bogen fallengelassen und seine Axt in die Hand genommen. Der Drache konzentrierte sich auf die Soldaten vor sich und beachtete Nanija und Ralof nicht. Nanija blieb schräg hinter dem Drachen mit ihren Bogen stehen und versuchte auf sein rechtes Auge zu zielen. Ralof hingegen nahm Anlauf und sprang erst auf den Flügel des Wesens und von dort aus war er mit zwei weiteren Sprüngen auf dem Kopf des Drachen gelandet. Der Drache war von diesem Angriff total überrascht. Bevor er sein riesiges Haupt schütteln konnte, um den Angreifer loszuwerden, hatte dieser schon mehrfach mit der Axt seitlich auf den Nasenrücken eingeschlagen. Die Pfeile von Nanija ins Auge taten ihr Übriges. Zwei weitere Soldaten näherten sich dem Drachen seitlich und stießen ihm ihre Schwerte in die Flanke, was dem Drachen den Rest gab.

Ralof sah, als er von dem sich im Tode windenden Drachenkopf sprang, wie der zuckende Schwanz des Tieres Nanija, die doch zu nahe herangekommen war, erwischte und ein paar Meter zur Seite schleudert.

„NANIJA!“ schrie Ralof entsetzt, als er das sah und stürmte zu ihr. Nanija war von dem Schwanz an den Rippen getroffen worden und ihr bleib die Luft weg, so dass sie fast das Bewusstsein verlor. Vor Angst ganz narrisch erreichte Ralof sie und kniete sich neben ihr nieder und wollte sie die Arme nehmen. Bei dem Versuch wehrte sie sich so heftig, das Ralof zurückgestoßen wurde.

„Nanija, was ist mit euch? Geht es euch gut?“ Er wusste nicht was er tun sollte. Sie sah ihn an und nickte dann.

“Es ist alles in Ordnung, “ flüsterte sie. „Ich brauche nur einen Moment Ruhe, dann geht es schon wieder.“

Er kniete sich erneut neben sie. „Bitte lasst mich nachsehen, ob ihr nicht doch eine schwere Verletzung davon getragen habt.“

„Es ist nicht“, fauchte sie ihn an. Und dann stand sie langsam auf. Äußerlich war nichts zu erkennen, sah Ralof, was ihn schon mal etwas beruhigt. Auch das sie von alleine auf die Beine gekommen war, war ein gutes Zeichen. In der Beziehung schien sie genau wie er zu sein. Er ließ sich auch nur ungern helfen.

Ganz langsam Nanija begab sich zu Irileth und den verbliebenen Soldaten, die sich neben das tote Wesen gestellt hatten, um es sich näher anzuschauen. Ralof blieb dicht an ihrer Seite. Als der Drache so tot vor ihnen lang, wirkte er mit einem Mal nicht mehr so riesig und imposant wie zu Lebzeiten. Und sie wusste nun, dass man einen Drachen töten konnte.

Plötzlich durchfuhr Nanija ein leichtes kribbeln. Sie wusste nicht wo es herkam, aber sie hatte plötzlich das Gefühl ihr Geist hätte sich erweitert. Es war ein nicht zu beschreibendes Empfinden. Sie begann leicht zu zittern wurde bleich und wäre zu Boden gesunken, wen Ralof sie nicht aufgefangen hätte. Nanija sah sich verwirrt um, ob es den anderen genauso ergehen würde, aber die Soldaten standen weiterhin staunend vor dem toten Drachen. Es dauerte auch nur wenige Sekunde und dann sprangen plötzlich alle von dem Drachen zurück. Nur Nanija nicht, sie wirkte wie gelähmt und auch Ralof gelang es nicht sie fortzuziehen. Also blieb er direkt an ihrer Seite stehen. Die Schuppen des Drachen begannen sich Aufzulösen. Nach nicht ganz einer Minute war nur noch das Skelett des Drachen zurückgeblieben. Nanija begann wieder zu zittern. Ralof ergriff ihre Hand.

„Ist alles in Ordnung mit euch?“ fragte er wieder besorgt.

Nanija schüttelte den Kopf. Sie wusste nicht was mit ihr geschah. Sie wollte nur weit, weit fort.

„Bringt mich weit weg von hier“, flüsterte sie leise. Dann brach sie Bewusstlos zusammen.