11 Auf nach Windhelm
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Geschrieben von: CKomet   
06.07.16 um 20:24 Uhr

07 Auf nach Windhelm

Ralof hatte Nanija, bevor sie zu Boden ging aufgefangen. Er legte sie dann vorsichtig zu Boden und kniete sich neben sie. Irileth trat zu ihm. „Was ist mir ihr?“ fragte die Dunkelelfe besorgt.

„Ich weiß es nicht. Vielleicht hat der Drache sie vorhin doch schlimmer erwischt als wie sie zugibt, auch wenn äußerlich nichts zu sehen ist.“

Irileth gab zwei ihrer Männer den Befehl, sich um die eigenen verletzten Männer zu kümmern und die Toten erst einmal neben dem zerfallenen Wachturm zu bringen. Dort würde man die Leichen später mit einer Kutsche abholen, damit ihre Familien sie begaben können. Dann öffnete Irileth die Rüstung von Nanija. Ralof kniete neben Nanija, wagte es aber nicht sie anzufassen. Irileth untersuchte vorsichtig die bewusstlose Frau.

„Sie hat eine schwere Prellung am unteren Rippenbogen. Gebrochen scheint aber nichts zu sein.“ Irileth deutete auf die dunkel verfärbte Stelle hin. „Ihr solltet zurück nach Weißlauf gehen und sie noch mal gründlich von Danica untersuchen lassen.“

Ralof nickte. Dann hob er die bewusstlose Nanija vorsichtig auf und machte sich auf den Rückweg nach Weißlauf. Ihre Rucksäcke und Waffen ließ er einfach liegen. Die konnte sie später immer noch abholen. Und wenn sie weg waren war es halt Pech, sagte er sich. Außer seiner Rüstung hatten sie eh nichts wirklich Wertvolles bei sich. Und auch die ließ sich ersetzten.

Er war noch nicht weit gekommen, als Nanija zu sich kam. Sie begann sich aus seinem Armen zu winden und er musste sie absetzen.

„Lasst mich sofort runter, ich kann alleine gehen“, fuhr sie ihn an. „Ihr müsst ich nicht wie ein kleines Kind tragen.“

Zu mindestens schien es ihr nicht allzu schlecht zu gehen, wenn sie ihn so anfahren konnte, dachte Ralof erleichtert, auch wenn zu sehen war, das sie noch etwas wackelig auf den Beinen stand.

„Es war Irileths Idee, euch zurück nach Weißlauf zu bringen, damit Danica sich eure Prellung anschauen kann.“

Sie sah ihn an und versuchte zu lächeln. „Entschuldigt meinen Ausbruch. Ihr wolltet mir helfen und ich hätte euch deshalb nicht anfahren dürfen. Es tut mir leid.“ Sie senkte beschämt ihren Kopf. Ralof sah sie freundlich an.

„Es ist schon gut. Es war auch alles zu viel. Da kann es passieren, dass man etwas über reagiert. Es wäre aber trotzdem besser, wenn ihr euch noch mal untersuchen lasst. Nicht das doch noch etwas gebrochen ist.“

Nanija schüttelte wieder den Kopf und sah ihn lächelnd an. „Nein, mir geht es wirklich gut. Es zwickt etwas, aber das vergeht. Wir müssen deshalb nicht zurück in die Stadt. Ihr wolltet doch so schnell es geht zurück nach Windhelm und ich möchte euch nicht aufhalten.“ Sie sah sich um. „Wo sind unsere Sachen? Lasst uns von hier einfach verschwinden.“

Er sah sie an und schüttelte den Kopf. „Wir bleiben noch eine Nacht in Weißlauf. Es ist eh schon nach Mittag und weit würden wir auch nicht mehr kommen. Und wir schauen bei den Ställen, ob nicht eine Kutsche nach Windhelm fährt. Dann müssen wir nicht laufen und ihr könnt euch noch etwas schonen. Nun ruht euch noch ein paar Minuten hier aus, und ich hole unsere Sachen.“

Nur zögerlich drehte er sich um, um ihre Rucksäcke zu holen. Nanija widersprach nicht und setzte sich auf einen großen Stein am Wegesrand, während Ralof zurück lief, um die Rucksäcke und auch die Waffen zu holen, die sie am Kampfplatz verloren hatten.

Während Nanija wartete, dachte sie darüber nach was passiert war. Sie fühlte sich immer noch sonderbar und das lag nicht an der Prellung. Was war da vorhin passiert? Es war ähnlich wie im Ödsturzhügelgrab an der runden Wand mit den merkwürdigen Zeichen. Nur viel intensiver und irgendwie doch anders. Und warum schien es nur ihr so zu gehen? Die anderen hatten nichts bemerkt.

Sie fühlte sich alleine und hilflos und wünschte sich mit Hadvar reden zu können. In seiner Nähe fühlte sie sich immer besser. Aber er war weit fort. Wo mochte er jetzt sein? Wieder einmal begannen die unterschiedlichen Stimmen in ihr zu toben. Die einen wollten, dass sie einfach das tat was sie selbst wollte, nämlich nach Einsamkeit gehen. Aber die ihr in den letzten Jahren eingetrichterte Pflicht war stärker. Am liebsten hätte sie einfach dagesessen und geweint. Aber auch das konnte sie nicht. Es wollten einfach keine Tränen kommen.

Eine halbe Stunde später kam Ralof zurück. Er hatte einige Zeit gebraucht um ihre Waffen wieder zu finden. Er sah das Nanija immer noch ganz blass war. Er kniete sich neben sie.

„Wollt ihr noch etwas ruhen? Vielleicht solltet ihr euch etwas ins Gras legen?“

„Nein, wir können aufbrechen. Ich möchte einfach nur so schnell wie möglich so weit weg von hier, wie es nur geht.“

Sie stand auf und wollte Ralof ihren Rucksack und Bogen abnehmen. Aber er weigerte sich, ihr die Sachen zu geben. „Ich werde euren Rucksack nehmen. Und den Bogen und das Schwert werdet ihr im Moment nicht brauchen.“

Er sah ihr an, dass sie ziemliche Schmerzen hatte. Aber sie war zäh und das bewunderte er an ihr. Sie ließ sich nicht einfach unterkriegen. Ohne Widerworte stand sie dann auf und begann langsam Richtung Weißlauf zu gehen. Ralof blieb neben ihr. Bei den Ställen machten sie halt und erkundigten sich nach einer Kutsche, die nach Windhelm fuhr. Aber zur Zeit wollte niemand in die Richtung fahren. Und die Reguläre Kutsche, die einmal Wöchentlich fuhr war am Vortag abgefahren. So würde ihnen nichts übrig bleiben, als zu Fuß zu gehen.

Ralof und Nanija gingen langsam hoch zur Stadt. Am Tor wurden sie diesmal sofort eingelassen. Irileth und ihre Männer, die vor ihnen angekommen waren, hatten angekündigt, dass sie kommen würden. Als sie den Marktplatz erreichten, fragte Ralof ob er Nanija begleiten solle. Sie schüttelte den Kopf. So beschloss er in die beflaggte Mähre zu gehen und sich um Zimmer zu kümmern.

Nanija ging langsam die Treppen, die zum Platz mit dem Gülden Grünbaum führten hinauf. Es musste einstmals ein wunderschöner Baum gewesen sein, aber jetzt wirkte er krank und schwach und würde wohl auch bald die letzten Blätter verlieren. Von weiter hinten, wo sich eine Statur von Talos befand, vernahm Nanija die laute Stimme eines Priesters, der gegen die Hochelfen und Kaiserlichen wetterte, die ihm seinen Glauben verbieten wollte. Ein paar Kinder spielten um den Baum herum fangen.

Ralof hatte ihr gesagt, wo es zum Tempel entlang ging. Unter Schmerzen öffnete sie die Schwere Tür. Eine rotwardonische Frau kam auf sie zu. Scheinbar hatte man sie auch hier schon angekündigt.

„Kommt“, sagte die Frau und führte Nanija durch die Halle, in einen kleinen Nebenraum und bat sie sich auf das Bett zu setzten. Danica, die Heilerin würde gleich nach ihr schauen. Dann half sie Nanija ihre Rüstung abzulegen. Anschließen verließ die Frau das Zimmer. Nach einer Weile kam dann eine ältere Priesterin herein. Sie stellte sich als Danica vor und entschuldigte sich auch sogleich, das Nanija warten musste. Aber einer der Soldaten, die mit ihr am Wachturm waren hatte ziemlich heftige Verbrennungen davon getragen, die sofort behandelt werden mussten.

Danica untersuchte Nanija gründlich. Mehrfach zuckte die Patientin fast unbemerkt zusammen, als die Heilerin vorsichtig ihre Rippen abtastete, gab aber keinen Laut von sich. Danica ließ sich eine Salbe bringen die sie auf die verfärbten Stellen tat. Danach legte sie Nanija einen festen Stützverband um.

„Ihr solltet ein paar Tage ruhen und euch schonen. Es ist nichts gebrochen, aber die Prellungen sind doch recht schmerzhaft, auch wenn ihr es nicht zeigt.“

Aber Nanija schüttelte den Kopf. „Wir müssen weiter“, sagte sie kurz angebunden.

„Wie ihr meint. Ich gebe euch etwas von der Salbe mit. In drei Tagen könnt ihr den Verband abnehmen und dann könnt ihr die Salbe benutzten. Und nehmt das hier vor dem Schlafengehen. Es wird dafür sorgen, das ihr durchschlafen könnt.“

Danica gab Nanija eine kleine Flasche mit einer grünlichen Flüssigkeit. „Gebt davon 10 Tropfen in einen Becher Wasser. Es ist ein wenig bitter.“

Nanija nickte. Sie begann sich anzukleiden während die Heilerin aufräumte. Als Nanija fertig war fragte sie was Danica für ihre Arbeit und die Medizin bekommen würde. Diese winkte ab.

„Der Jarl kommt dafür auf. Ihr seid ja in seinem Auftrag unterwegs gewesen.“

Nanija bedankte sich noch mal höflich und verließ dann den Tempel. Sie fühlte sich zwar ziemlich ein geschnürt, aber immerhin hatten die Schmerzen nachgelassen. Dafür merkte sie jetzt, dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Es war zwischen zeitlich schon später Nachmittag geworden, als sie das Gasthaus erreichte.

Ralof erwartete sie unten im Gastraum. Ein Krug Met stand vor ihm. Als er sie kommen sah sprang er auf und kam ihr entgegen.

„Alles in Ordnung mit euch? Ihr wart recht lange im Tempel.“

Nanija bemühte sich zu lächeln. „Es ist nur eine Prellung, wir können morgen nach Windhelm weitergehen.“

„Sicher? Ihr sehr sehr blass aus. Kommt setzt euch erst mal hin. Hulda wird uns gleich etwas zum Essen bringen. Ich hatte schon etwas bestellt und drauf gewartet, das auch ihr kommt.“

Nanija setzte sich an den Tisch und gleich darauf erschien auch schon die Wirtin mit zwei Schüsseln Eintopf. Sie sagte Ralof und Nanija das sie das gleiche Zimmer wie am Vortag haben konnten. Es wäre noch frei.

Nach dem Essen begaben sich beide dann gleich nach oben in ihr Zimmer. Ralof nahm die dicke Decke und legte sie wieder wie am Vorabend auf den Boden. Nanija sagte, dass sie diesmal auf dem Boden schlafen würde, aber davon wollte Ralof nichts wissen. Sie beschloss, die Tropfen, die Danica ihr gegeben hatte, gleich zu sich zu nehmen. Dann legte sie sich aufs Bett. Es dauerte nur wenige Minuten und sie schlief tief ein.

Ralof beschloss noch etwas hinunter in die Gaststube zu gehen, da er noch nicht müde war. Er bestellte sich einen Met und es dauerte nicht lange, da hatten sich ein paar bekannte Einwohner der Stadt zu ihm gesellt, die nun nach ihrer Arbeit sich noch etwas essen und entspannen wollten, bevor sie nach Hause gingen. Da es sich rumgesprochen hatte, das Ralof in helgen war, musste er nun erzählen, was geschehen war. So verging der Abend recht schnell. Nach dem dritten Met beschloss Ralof sich hinauf zu Nanija zu begeben und sich auch schlafen zu legen. Seine Gefährtin schlief noch tief und er bemühte sich lese zu sein um sie nicht zu wecken.

Ralof war gerade eingeschlafen als er durch das laute Wimmern, das Nanija von sich gab wach wurde. Sie wälzte sich im Bett hin und her. Schnell stand er auf und setzte sich zu Nanija ans Bett und schüttelt vorsichtig an ihrer Schulter um sie zu wecken. Die Berührung brachte Nanija dazu sich gegen ihn zu wenden und sie versuchte ihn zu schlagen und kratzen. Dabei wachte sie auch auf. Ralof hatte ihre Hände ergriffen um sie ruhig halten. Als sie erwachte und er merkte, dass sie aufhörte um sich zu schlagen, ließ er sie sofort los.

"Nanija, was ist los mit euch. Ihr habt um euch geschlagen und fast geschrieben."

Nanija brauchte noch einen Moment um sich zu sammeln, dann sah sie Ralof an:

"Es tut mir leid, ich hatte einen Alptraum. Anscheinend hebt der Schlaftrunk von der Heilerin die Wirkung meiner anderen Medizin auf. Ich wollte euch nicht beunruhigen. Bitte legt euch wieder hin. Es geht wieder und ich denke den Rest der Nacht werde ich schlafen können."

"Seid ihr sicher? Soll ich nicht doch lieber nach Danica schicken, damit sie euch etwas anderes geben kann?" fragte Ralof besorgt.

Nanija schüttelte den Kopf. "Nein, es geht wieder. Bitte legt euch hin und schlaft."

Ohne weitere Worte drehte sie sich auf die Seite und versuchte wieder zu schlafen. Ralof setzt sich auf sein Lager und beobachtete sie noch lange Zeit, bevor auch er einschlief. Nanija selbst tat nur so als würde sie schlafen. Und blieb den Rest der Nacht wach.

Am nächsten Morgen machten sich Ralof und Nanija dann nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg nach Windhelm. Die Sonne schien und nur ein paar Wolken waren am Himmel zu sehen. Nachdem sie die Brücke über den Weißfluss überquerst hatten ging der Weg lange Zeit recht steil bergan. Links unter ihnen hörte man das Rauschen des Weisfluß. Ralof bedauerte es, das der Weisfluß nicht mit einem Boot befahrbar war. Das wäre sonst der schnellste Weg nach Windhelm. Aber leider gab es immer wieder heftige Stromschnellen oder Wasserfälle, die jedes Boot in den Abgrund reißen würden.
Nanija versucht so gut es ging flott auszuschreiten, aber Ralof bremste sie immer wieder.

„Niemand hetzt uns. Lasst uns langsamer gehen.“ Hielt er sie zurück. Gegen Mittag machten sie kurz Rast am Wegesrand. Hulda hatte ihnen frisches Brot und gebratenen Hühnchen mitgegeben, die man auch kalt essen konnte. Am späten Nachmittag entschied Ralof sie wäre weit genug gelaufen. Ein wenig abseits vom Weg gab es einen Ritualplatz, an dem sich oftmals Totenbeschwörer aufgehalten haben. Aber seit die Spannungen zwischen den Kaiserlichen und den Sturmmäntel sich verschärft hatten, waren auch die seltener Unterwegs. Von diesem Platz hatte man einen herrlichen Ausblick auf die weiter Ebene von Weislauf. Da es heute klar war, konnte man die Stadt mit der Drachenfeste sehr gut sehen.

Während sich Nanija neben den Ritualstein setzt, fing Ralof an Holz zu sammeln damit sie ein Lagerfeuer machen konnten. Die Nächte waren doch noch recht kalt. Auch wenn sie es nicht zugab, war Nanija froh, dass sie heute nicht weitergingen. Ihre Prellung bereitete ihr doch mehr Schwierigkeiten, als wie sie erwartet hatte. Die Medizin, die ihr Danica mit gegeben hatte, hatte sie fortgeworfen. Eine Nacht mit heftigen Alpträumen reichte. Wieder erlebte sie mit was man ihr und ihrer Familie angetan hatte. Sie hörte die Schreie ihrer Schwester. Das Flehen ihrer Mutter und ihres Vater genauso wie das Weinen ihres kleinen Bruders. Und das gemeine Lachen des Anführers als er sich an ihr verging. Da zog sie es doch vor mit Schmerzen herum zu laufen.

Nachdem Ralof mit dem Holz zurück kam und ein Feuer entfacht hatte, wärmte sie die Reste ihres Hühnchens auf, indem sie diese auf dünne Stöcke spießten. Als sie fertig mit Essen waren, erzählte Ralof ihr vieles über die Gegend. Nanija tat interessiert, auch wenn sie es eigentlich nicht war. Nachdem die Sonne untergegangen war, legten sie sich schlafen. Ralof rechnete nicht damit, dass sich hier in der Nacht jemand her verirren würde. Ein Großteil der Bewohner von Himmelsrand war sehr abergläubisch und hielt sich von Orten wie diesen fern. Selbst Banditen machten normaler Weise einen Bogen um solche Kultstätten. Daher hielt er es für überflüssig dass sie Abwechselnd Wache hielten. Nanija war trotzdem fast die ganze Nacht wach. Sie fürchtete sich vor dem Einschlafen. Etwas das sie schon lange nicht mehr so extrem gehabt hatte. Ralof bemerkte glücklicherweise nichts davon.

Am nächsten Morgen brachen sie kurz nach Sonnenaufgang wieder auf. Sie aßen bevor sie gingen etwas trockenes Brot mit Käse und tranken etwas Wasser. Der weg blieb nun lange Zeit auf eine Höhe. Recht vom Weg waren am Berghang waren große Wiesen, die im Besitz des Jarls von Weislauf waren. Im Spätsommer, so erklärte ihr Ralof wurde hier oben Heu geerntet. Jeder Bauer der sich an der Ernte beteiligte dufte die Hälfte des Ertrags für sich behalten, die andere Hälfte wurde verkauft. Entweder an andere Jarltümer, wie beispielsweise Falkenring, wo es kaum Felder gab.

Nanija gelang es unterwegs ein Kaninchen mit ihrem Bogen zu erlegen. Im Laufe des Tages waren Wolken aufgezogen, aber es regnete nicht. Ralof hatte entschieden das sie bevor die Valtheimer Türme erreicht eine Pause einlagen würden. Wie genug entfernt um von den dort hausenden Banditen nicht entdeckt zu werden. In Weislauf hatte man ihnen gesagt, das sich dort irgendwelche Schurken eingenistet hatte, die von vorbeiziehenden Reisend einen Wegzoll verlangten. Und manchmal wurden die reisenden auch einfach gefangen genommen und verschleppt. Von den Türmen aus konnte man schon von weitem Reisende kommen sehen. Daher war es auch für schwierig eine Truppe gegen die Banditen zu schicken, da sie viel zu früh entdeckt wurden. Zweimal hatte der Jarl von Weislauf, in dessen Gebiet die Türme lagen, den Versuch unternommen.

Beim ersten Mal wäre es fast gelungen die Banditen zu überraschen, aber im letzten Moment wurde die Truppe entdeckt und es gab zwei Tote und vier schwerverletzte Soldaten. Beim zweiten Versuch wollte man auf die Klippe am Wegesrand steigen und von dort aus die Bogenschützen der Banditen unter Feuer nehmen. Leider lag aber an der Klippe oben ein Riesenlager und die Bewohner griffen die Soldaten an, denen es gerade noch gelang mit dem Leben davon zu kommen.

Daher rasteten Ralof und Nanija am späten Nachmittag bevor der Weg hinab zu den Türmen runterführte hinter einem Felsvorsprung, wo sie noch außerhalb der Sichtweite waren.

Warum ausgerechnet hier einmal eine Festung gebaut worden war, wusste niemand. Es war zu vermuten, dass es wohl mal einen Pfad über die Berge gab und da die Klippe auf ihrer Seite des Flusses fast auf gleicher Höhe wie die Türme waren, dass es mal eine Art Brücke gab, die schon vor Ewigkeit zerstört worden war.

Nachdem die Dunkelheit hereingebrochen war machten sich die zwei Reisenden wieder auf den Weg. Sie gingen langsam um Geräusche zu vermeiden. Zum Glück war der Weg recht gleichmäßig gepflastert so dass man auch im Dunkeln gut vorwärts kam. Als sie sich dem Turm an ihrem Weg näherten sahen sie vor dem kleinen Eingang, dass dort ein Feuer brannte.

„Mist“, flüsterte Ralof. „Ungesehen werden wir so wohl nicht vorbeikommen.“

„Kommt wohl drauf an wie viele dort unten sind. Wenn‘s nur eine Wache ist, kann ich sie mit dem Bogen ausschalten“, meinte Nanija leise.

„Ihr müsst euch noch schonen, Nanija“, antwortete Ralof. „Ihr hattet heute Vormittag Probleme auf das Kaninchen zu zielen, weil euch die Rippen schmerzten.“

„Jetzt geht es mir schon besser und ich bin selbst in angeschlagenem Zustand die bessere Schützin von uns beiden.“ Das stimmte zwar nicht, aber das musste Ralof ja nciht wissen.

Ralof schwieg, denn er musste dem leider zustimmen. Wobei es auch mit daran lag, das der Bogen den er hatte ihm nicht wirklich gut in der Hand lag. Wenn sie endlich in Windhelm waren, würde er sich vom Schmied einem Neuen anfertigen lassen.

„Gut, dann los.

Vorsichtig schlichen sie zum Turm. Zum Glück war der Himmel immer noch Wolkenverhangen, so dass sie fast nichts sehen konnten. Das Feuer, das die Wache vor der Turmtür entzündet hatte, verschaffte ihnen aber den Vorteil, dass sie die Frau die sich dort befand sehen konnte. Als sie in Schussweite waren, warteten sie eine Zeit und beobachteten, ob sich nicht doch noch mehr hier draußen aufhielten. Dem war nicht so. Die Frau trug, wie man im Schein der Flammen sehen konnte nur eine einfache schäbige Lederweste. Somit sollte es kein Problem sein, sie mit einem Pfeil zu erledigen.

Ohne noch einen Ton von sich zu geben, brach die Frau getroffen in sich zusammen. Wieder warteten Ralof und Nanija einen Moment, bevor sie sich dicht an die Felsen gedrückt dann den Weg entlang am Turm vorbeischlichen. Niemand hatte etwas bemerkt. Sie gingen noch gut eine Stunde weiter dann schlugen sie ihr Lager für den Rest der Nacht am Fluss auf. Dort zwischen den Büschen und Felsen konnte man sie von der Straße aus nicht sehen. Sicherheitshalber hielten sie trotzdem abwechselnd Wache. Nanija hatte die erste übernommen während sich Ralof schlafen legte.

Als der Morgen hereinbrach weckte Ralof Nanija und sie zogen ohne etwas zu essen erst mal weiter. Sie wollten einiges an Wegstrecke hinter sich lassen, falls die Banditen auf die Idee kommen sollten, ihnen nachzusetzen. Zwischenzeitlich mussten sie ja längst ihre tote Kameradin entdeckt haben. Gegen Mittag machten sie dann eine längere Rast. Ralof hatte sich etwas Schnur und mehrere Angelhaken von Gerdur geben lassen, bevor sie aufgebrochen waren. Daraus bastelte er sich mit Hilfe eines Stocks eine Angel. Nanija nutze die Gelegenheit sich den Stützverband abzunehmen und ihre Prellung mit dem kalten Flusswasser zu kühlen. Es dauerte auch nicht lange, da hatte Ralof zwei Fische aus dem Wasser gezogen. Nanija hatte etwas Holz gesammelt und so machte sie ein Feuer um die Fischen gleich zu braten. Sie hatten beide ordentlich Hunger, und so blieb von den beiden Fischen nichts nach. Nachdem sie gegessen hatten brachen sie wieder auf.

Der Weg blieb nun fast die ganze Zeit auf Höhe des Flusses und war die meiste Zeit recht eben. So kamen sie recht schnell vorwärts. In der Gegend gab es sehr viel Kleinwild. Nanija gelang es wieder zwei Kaninchen und einen Fasan zu erlegen. Als sie abends Rast machten brieten sie alle drei Tiere. Somit hatten sie dann gleich für den nächsten Tag genug zu essen.

Zwei Tage später erreichten sie die Kreuzung, wo sie nach Windhelm abbogen. Nanija hatte ein mulmiges Gefühl, da sie sich hier recht Nahe an der Dunkelwasserkreuzung befanden, wo man sie gefangen genommen hatte. Auch Ralof war recht schweigsam. Nun befanden sie sich in Ostmarsch und Ralof konnte endlich seine Sturmmantelrüstung anlegen. Nanija tat so, als würde es sie ebenfalls freuen ihn so zu sehen.


Am Abend erreichten sie die Mischwassermühle. Hier wurde, genau wie in Flusswald Holz zu Brettern oder Brennholz erarbeitet. Die Besitzerin der Mühle, Gilfre, lud Ralof und Nanija ein, mit ihr und ihren drei Gehilfen Horn, Wallow und Herg gemeinsam zu Abend zu essen, was Ralof und Nanija gerne annahmen. Die letzten zwei Tage was es wieder kühler geworden und es hatte häufiger geregnet.


Während des Abendessens erfuhren Ralof und Nanija, das ein Teil der Sturmmäntel die wie sie aus Helgen entkommen waren, zurück nach Windhelm geschafft hatten. Jarl Ulfric war unter ihnen gewesen. Auch sie hatten eine Nacht in der Mühle verbracht. Nanija schwieg bei der Unterhaltungen die meiste Zeit und antwortete nur, wenn sie direkt angesprochen wurde.


Die Nacht verbrachten die beiden Reisenden dann in der Scheune. Gilfre hatte ihnen Wolldecken gegeben, mit denen sie es sich im Stroh gemütlich machen konnten. Am nächsten Morgen gab es noch ein ausgiebiges Frühstück, bevor sie dann weiter zogen. Sie kamen jetzt schneller vorwärts, denn die Prellung von Nanija spürte sie kaum noch. Einen halben Tag nachdem sie die Mühle verlassen hatten änderte sich auf der rechten Seite des Weisfluss die Landschaft.


Mit rötlichem Sand bedeckte Erde und Felsen befanden sich dort. Früher einmal sollte es hier einen großen Vulkan gegeben haben, der nach seinem Ausbruch fast komplett verschwunden war. Zurückgeblieben war eine riesige Ebene, wo es viele heiße Quellen gab. Einige hatten klares Wasser, die meisten aber bestanden aus schwefeligem Schlamm. Ab und an bebte hier auch heute noch die Erde und es taten sich immer mal neue Risse im Boden auf. Selbst im tiefsten Winter lag hier kein Schnee, da der Boden immer leicht warm war. Bis auf wilde Tiere und ein paar Riesen mit ihren Mammuts lebte niemand in dem Gebiet. Den meisten Nords war das Land hier unheimlich und sie versuchten, wenn sie es passieren mussten es so schnell es ging zu tun. Ein paar hatten versucht sich in dieser Einöde anzusiedeln, aber der Boden war aufgrund des Schwefelgehalts unfruchtbar. Es gab zwar kleine Flecken in dem Gebiet wo Büsche und Bäume wuchsen, aber zum Ackerbau reichte es nicht.


In der Mitte ragten die Überreste des Vulkans hervor. Diese Erhebung wurde Knochenspitze genannt. Es war früher eine Begräbnisstätte der Riesen gewesen, als es von ihnen noch viel mehr gab.


Eineinhalb Tage gingen Ralof und Nanija an dieser Einöde entlang. Nanija war aufgefallen, dass es keine Ortschaften direkt am Wegesrand gab. Ab und an sah man einen schmalen Pfad vom Hauptweg abgehen, der links hoch in die Berge führte. Es erinnerte Nanija an ihre alte Heimat.


Einen weiteren Tag später erreichten sie dann am Abend Windhelm.







Zuletzt aktualisiert am 06.07.16 um 20:28 Uhr