Auf nach Himmelsrand
Auf nach Himmelsrand PDF 
Geschrieben von: CKomet   
02.07.20 um 17:03 Uhr

Thallisah dachte darüber nach, was sie wohl in Einsamkeit erwarten würde. Hier war sie geboren worden. Ihr Vater, ein wie ihre dunmerische Mutter immer sagte, sturer dickköpfiger Nord, starb, als sie fünf oder sechs war. Daraufhin zog sie mit ihrer Mutter zurück in deren Heimatstadt Kragenmoor. Im Hause des Großmeisters Omin Dres hatte Ihre Mutter eine Anstellung als Haushälterin erhalten.

Thallisah verbrachte ihre Kind und Jugendzeit zumeist in der Gesellschaft von Omin Dres Sohn Sen, der in ihrem Alter war. Mit dem abenteuerlustigen Jungen, war sie viel in der Umgebung des Orts unterwegs und lernte so mit Pfeil und Bogen umzugehen und da Sen einen Partner für Schwertkämpfe benötigte, lernte sie auch den Umgang mit 2 einfachen Schwertern.

Als Sen ins heiratsfähige Alter kam, wurde es aber als Unpassend angesehen, dass der junge Mann den Großteil seiner Zeit mit einem Halblut verbrachte. Also musste Thallisah gehen. Dank ihrer Fertigkeiten im Schwertkampf und Bogen, war es für sie nicht schwer bei einer kleinen Handelskarawane als Wache anzuheuern. Mit dieser Zog sie dann erst mal kreuz und quer durch die Lande.

Ihrer Mutter schrieb Thallisah regelmäßig, wo sie sich aufhalte, oder was ihr nächstes Ziel sein würde. So kam es dann auch, dass ein Brief ihres Onkels aus Einsamkeit sie in Anwil an der Goldküste erreichte. Darin bat er sie ihn zu besuchen, um ein paar familiere Angelegenheiten regeln zu könne. Was er genau damit meinte schrieb er nicht. Thallisah überlegte ein paar Tage und kündigte dann ihre Arbeit bei den Händlern. Dann besorgte sie sich eine Passage auf einem Schiff, das sie nach immerfort in Bangkorei bringen würde. Von dort würde es dann mit der Kutsche weiter nach Einsamkeit gehen.

So kam es das Thallisah nun auf der Kutsche nach Einsamkeit saß. Die Fahrt dauerte nun schon mehrere Tage und meist machten sie nachts halt an Gasthöfen die am Wegesrand lagen, um zu Übernachten und den Pferden eine Ruhepause zu gönnen.

Ihr gegenüber saß ein schweigsamer Hochelf, der meist in eines seiner Bücher vertieft war. Er redet nicht viel, im Gegensatz zum Kutscher, der alles und nichts kommentieren musste. Die Haut des Hochelfen war recht blass und zum Abend hin nahmen seine Augen einen ungesunden rötlichen Ton an, was Thallisah sich damit erklärte, dass er selbst während der Fahrt zu viel las. Sein Name war Fennorian und er war nach einer längeren Expedition nur auf dem Weg nach Hause, dem Kastell Rabenwacht nordöstlich von Schornhelm in Kluftspitze. Zuvor wollte er aber noch einen Abstecher nach Einsamkeit machen.

Die Kutsche hatte gerade Drachenbrügge hinter sich gelassen, als plötzlich eine Gestalt die Strasse versperrte. Dem Stab nach, den sie in der Hand hielt war sie eine Magierin. Die Wachen traten auf sie zu während der Kutscher den Wagen stoppen lies.

Dann ging es plötzlich alles ganz schnell. Die Magierin stieß ihren Stab auf hart auf den Boden und ein Schwarm Fledermäuse erschien wie aus dem nichts. Ein riesiger Werwolf sprang herbei und zerfleischte eine der Wachen, während sich der Fledermausschwarm in mehrere Vampire verwandelte die sich über den Rest der Wachen und dem Kutscher hermachten.

Dann herrschte für einen Moment stille. Fennorian und sie hatte man nicht angegriffen. Die Zeit hatte auch nicht gereicht um ihre eigenen Waffen aus ihrem Bündel zu nehmen und einzugreifen. Das letzte woran sich Thallisah dann erinnern konnte war, wie die Magierin sich vor der Kutsche aufbaute und zu ihren Gefährten sagte: "Nehmt die beiden mit."

Dann sah sie noch wie einer der Gefährten einen Zauber sprach, eine roter greller Lichtschein auf sie zukam und von da an war alles dunkel.



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Thallisah wachte in einer Art Gefängniszelle auf, die sich in einem alten Grab der Nords befinden musste. Sie erhob sich von dem alten Strohlager und begann die Zelle genauer zu untersuchen. Es standen mehrere große Urnen herum. Auch ein Korb mit ein paar Äpfeln stand zwischen den Urnen. Sie merkte nun wie Hungrig sie war. Ohne lange nachzudenken nahm sie sich zwei von den Äpfeln und begann sie zu Essen während sie sich weiter umschaute. Da an der gegenüberliegenden Seite von ihrem Lager stand eine Art Sarkophag. Sie vernahm ein leises Stöhnen aus dieser Richtung. Mit einem etwas mulmigen Gefühl ging sie vorsichtig auf den Sarkophag zu.

Als sie fast davor angekommen war, löste sich der Deckel und hätte sie unter sich begraben wäre Thallisah nicht reflexartig zurückgesprungen. Dann fiel ihr Fennorian vor die Füße. Er sah sehr erschöpft aus, als er so vor ihr saß. Sie kniete vor ihm nieder, um ihn untersuchen zu können. Als er sein Gesicht hob erschrak Thallisah und sprang auf und wich dabei etwas zurück.

"Entschuldigt meine gespenstische Erscheinung. Ich.... fühle mich nicht besonders", sagte der Hochelf leise. Seine Gesichtsfarbe war fast weiß und durchzogen von hervorstehenden roten Adern. Seine Augen waren dunkel umrandet, die Pupillen weiß gefärbt während die Augäpfel rot leuchteten. Fennorian war ein Vampir erkannte Thallisah. Seinem Aussehen nach zu urteilen musste er seit Tagen kein Blut mehr zu sich genommen haben.

"Wie lange ist der Überfall her?" fragte sie den Hochelfen, nachdem sie sich etwas gefangen hatte. "Und wo sind wir?"

"Vor fünf Tagen wurden wir überfallen. Ich kann nur mutmaßen, wo wir uns befinden. Irgendwo im westlichen Himmelsrand, nehme ich an. Ich bin im Zuge meiner Ermittlungen hier unterwegs gewesen, als die Hexe vom Eiskap-Zirkel angriff. Es tut mir leid, das ihr hier mit reingezogen wurdet. Sie waren hinter mir her."

Das Sprechen schien ihn sehr anzustrengen. Er machte eine längere Pause bevor er weitersprach. "Wir können entkommen, aber dafür brauche ich eure Hilfe."

"Wie wollt ihr das anstellen? Das Gitter der Zelle ist massiv. Wie soll ich euch da helfen?"

"Ich kann die Zelle öffnen. Aber im Anschluss müsst ihr ein kleines Fläschchen für mich bergen, das ich bei meinen Habseligkeiten befindet, die die Hexen in der Nähe verstaut haben. Ich bin zu schwach um mehr als ein paar Schritte zu gehen. Und solange ich das Fläschchen nicht habe, seid ihr ihn großer Gefahr."

"Was meint ihr?", fragte Thallisah.

Fennorian senkte den Kopf und sprach kaum hörbar: "Ich schwöre, dass ich euch nichts tun will. Doch wenn ich dieses Fläschchen nicht bekomme. Dann spielt mein Wille nur noch bedingt eine Rolle."

Schlagartig wurde ihr klar, was der Hochelf damit meinte.

"Okay, ihr öffnet die Zelle und ich hole euer Fläschchen."

Es dauerte eine Weile bis Thallisah das Fläschchen fand. Als sie damit zu Fennorian ging, spürte sie das der Vampir sich kaum noch unter Kontrolle hatte. Angespannt und zitternd stand er da, den blick begierig auf sie gehalten. Sie reichte ihm die Flasche, die er ihr fast gewaltsam entriss. Nachdem er ein paar Schlucke daraus zu sich genommen hatte, änderte sich sein Aussehen und er bekam wieder eine frischere Gesichtsfarbe und die roten Adern verschwanden. Er sah ihren fragenden Blick.

"Ja... das war Blut. Doch ich schwöre euch, dass es keinen Grund zur Aufregung gibt. Nicht jeder Vampir ist ein Monster. Dieses Blut wurde freiwillig gegeben.

Ich gehöre zum Haus Rabenwacht, einem der Adelshäuser in Kluftspitze. Wir trinken gemäß den Lehren unseres Gründers, Graf Verandis Rebenwacht niemals Blut mit Gewalt. Wir helfen jenen in Not und grenzen die Taten feindseliger Vampire ein."

"Ihre seid sehr weit weg von euer Heimat", stellte Thallisah fest.

"Ich wurde nach Bangkorai geschickt, um eine Grabstätte zu untersuchen. Dabei entdeckte ich, das Schmuggler uralte Überreste aus dem Grab stahlen. Ich verfolgte die Kerle. Das hat diese Hexe bemerkt und versucht... Nun ja, den Rest kennt ihr." Er sah sie forschend an. "Jetzt sollten wir aber sehen, dass wir hier rauskommen."

"Habt ihr dafür einen Plan?"

"Ich war auf den Weg hierher nicht durchgehend Bewusstlos und habe versucht mir den Weg hierher einzuprägen. Ich werde euch den Weg weisen, aber ihr werdet uns verteidigen müssen. Mein Blutdurst wurde zwar gestillt, aber es reichte nicht um meine vollen Kräfte wieder zu erlangen. Zu große Anstrengungen sorgen nur dafür, dass der Blutdurst schneller zurückkommt. Es tut mir leid."

Thallisah überlegte einen Augenblick, bevor sie den Vorschlag machte: "Was wenn ich euch etwas von meinem Blut gebe?"

Der Vampir sah sie erstaunt an. Für einen Moment sah Thallisah, ein gieriges Aufleuchten in den Augen von Fennorian, das aber schnell wieder verschwand.

"Ich danke euch sehr, für dieses Angebot, aber es geht nicht. Die Menge, die ich brauche würde euch zu sehr schwächen und ich weiß nicht ob ich in der Lage wäre mich dahingehend zu beherrschen nicht zu viel zu nehmen. Ihr müsst wissen, ich bin noch nicht allzu lange ein Vampir und es fällt mir noch sehr den Blutdurst unter Kontrolle zu halten. Daher lasst uns schnell gehen. Je länger wir hier verweilen, desto eher brauche ich weiteres Blut.



" "Wie ihr wünscht. Dann lasst uns gehen. Geht voran."

Gemeinsam verließen sie die Krypten. In der nächsten Kammer machten sie sich auf die Suche nach etwas Nützlichen. So ohne Waffe fühlte sich Thallisah nicht wirklich wohl. Ein Bogen und ein oder zwei kleine Messer wäre schon nicht schlecht dachte sie.

Leider fand sie nur einen alten rostigen Zweihänder, der so schwer war, dass sie ihn kaum tragen konnte. Damit würde sie am Ende auch nichts anfangen können Außer ihre Kräfte fürs Tragen zu verbrauchen. In einer Ecke standen die Reste einer zerschlagenen Urne. Die Scherben die darum herum lagen waren teilweise recht lang und machten einen sehr scharfen Eindruck. Dann sah sie noch ein paar alte Leinentücher, die man verwendete um die Toten darin einzuwickeln. Sie nahm sich eines davon und wickelte es um eine der Scherben. Sie zeigte es Fennorian und meinte: "Fast so gut wie ein Messer."

Sie waren noch nicht weit gekommen da hielt Fennorian an. Am Ende des Raumes in dem sie ich befanden sahen sie einen großen Nord mit schwerer Rüstung vor einer eisernen Tür stehen. Er hatte sie noch nicht bemerkt, da er damit beschäftigt war einen großen Krug mit höchstwahrscheinlich hochprozentigen Inhalt in sich rein zu kippen.

"Das ist der Kerl, der uns in unsere Zelle gebracht hat", flüsterte der Hochelf Thallisah zu. "Ich befürchte wir müssen gegen ihn Kämpfen, um hier raus zu kommen. Einen anderen Weg sehe ich leider nicht."

Thallisah schüttelte den Kopf. "Ihr seid zum Kämpfen zu schwach. Ihr könnt gerade mal gehen. Aber vielleicht gibt es einen einfacheren Weg den Kerl aus dem Weg zu bekommen. Schaut mal wie unsicher auf den Beinen ist. Da braucht es mit Glück nur einen ordentlichen Schlag auf den Schädel und er fällt um."

Thallisah schaute sich gründlich um. Dann sah sie eine kleine handliche Urne.

"Die ist genau richtig für unseren Zweck", grinste sie und machte sich auf sie zu holen. Zusätzlich sammelte sie noch ein paar Scherben.

"Versteckt ihr euch da an der Seite hinter dem großen Sarg. Wenn ich euch ein Zeichen gebe, werft ihr einige der Scherben dort hinten rüber. Hoffen wir das der Kerl darauf reinfällt und sich in die Richtung beweg. Ich werde mich dann von dort drüben aus ran schleichen und ihn mit der Urne eines über den Schäden ziehen. Sollte das nicht reichen kann ich hoffentlich mit dem provisorischen Messen nachhelfen."

Wirklich begeistert schien Fennorian von dem Plan nicht zu sein, aber da ihm nichts Besseres einfiel nickte er schließlich und schlich sie wie Thallisah ihm aufgetragen hatte zu seinem Versteck.

Thallisah wartete einen Moment, dann schlich sie sich so dicht an den Wächter ran, wie sie konnte und gab ihrem Gefährten das Signal die Scherben zu werfen. Beim ersten Mal gab es keine Reaktion. Als Fennorian dann die nächste warf, kam Bewegung in den großen Nord.

"Verdammt noch ein", hörte man ihn fluchen. "Kann man hier nicht mal in Ruhe seinen Met trinken ohne das einem die Ratten stören?" Er leerte den Becher, warf ihn zu Boden und torkelte etwas unbeholfen in die Richtung, wo er das Geräusch gehört hatte.

Ohne lange zu zögern sprang Thallisah nun auf und rannte Auf den Nord mit der Erhobenen Urne zu. Mit Schwung schlug sie ihm diese gegen die Schläfe, so dass der Mann zusammenbrach. Dann nahm sie ihr provisorischen Messer und schlitzte ihm sicherheitshalber noch die Kehle auf. Der Schlag mit der Urne aber hatte schon ausgereicht um den Wächter zu töten.

"Kommt schnell, rief sie zu dem Hochelfen hinüber, dann könnte ihr noch etwas von seinem Blut zu euch nehmen um euch zu stärken. Der hat bestimmt nichts mehr dagegen."

Fennorian schüttelte den Kopf. "Das geht nicht. Ihr müsst wissen, dass wir nur das Blut von lebenden vertragen. Sobald jemand stirbt wird etwas im Körper freigesetzt, das das Blut für uns Vampire unbrauchbar macht und das uns vergiftet."

"Verdammt, warum habt ihr das nicht vorher gesagt? Dann hätte ich nicht so fest zugeschlagen."

"Er hätte euch dann überwältigen können. Damit wäre uns auch nicht geholfen", entgegnete der Hochelf.

"Also zu meinem Verständnis", begann Thallisah, "Ihr könnt Blut von anderen in einer Flasche längere Zeit aufbewahren und benutzen. Aber ihr könnt von einem Toten nichts mehr zu euch nehmen, auch wenn er gerade verstorben ist."

Der Hochelf nickte.

"Was ist mit dem Blut von Tieren? Könnt ihr das trinken?", fragte Thallisah weiter.

"Wir können es zwar Trinken, aber es hat keinerlei Wirkung. Es sättigt uns nicht. Am Besten ist für uns das Blut von Menschen. Gefolgt von dem der Mer."

Fennorian ging Richtung Tür. "Lasst uns sehen, dass wir weiterkommen. Über die Vampirische Ernährung können wir uns sicherlich noch später unterhalten."

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, folgte Thallisah ihm. Hinter der Tür befand sich ein Gewölbe in dem diverse Waffen- und Kleidungsständer herumstanden. Die überall von den Decken herabhängenden Spinnenweben beachtete Thallisah nicht.

"Na, was will man mehr", freute sich Thallisah und begann sofort herumzustöbern, ob sich nicht etwas fand, das zu ihr passte. Nach einigem Suchen entdeckte sie eine Rüstung, die sie über ihr einfaches Hemd ziehen konnte. Dann fand sie noch zwei einfache Schwerter, die wie sie fand doch recht gut ausbalanciert waren. Fennorian sah einem Stab, den er dann mitnahm. So neu ausgestattet gingen die beiden weiter.

Weit kamen sie nicht. "Wartet", hielt der Hochelf Thallisah zurück. "Irgendwas ist vor uns. Ich befürchte etwas das uns nicht gefallen wird."

Er sollte recht behalten. Den Weg versperrte eine riesige helle Frostspinne.

"Bleibt zurück', sagte Thallisah zu Fennorian. "Jetzt wo ich zwei Schwerter in der Hand habe, stellt sie kein Problem für uns da."

Und wenige Augenblicke später lag die Spinne auch schon tot auf dem Boden. Ohne weitere Worte gingen sie dann schweigend weiter. Am Ende dieses Gewölbes befand sich eine weitere Tür. Und davor waren noch einige Waffenständer. In einem von denen fand Thallisah zwei Bögen. Und einen Haufen Pfeile. Die testete kurz die beiden Bögen und beschloss dann einen von ihnen mit zu nehmen. Dann gingen sie durch die Tür.

Auf der anderen Seite kamen sie in eine Eishöhle. Überall hingen von der Decke riesige Eiszapfen herab und der Boden war gefroren, so dass sie beim Gehen vorsichtig sein mussten. Nachdem sie ein Stück dem Weg gefolgt waren sahen sie über sich eine Brücke ihren Weg kreuzen. Langsam näherten sie sich dieser Brücke. Thallisah merkte wie Fennorians Kräfte mehr und mehr Nachließen. Seine Farbe wurde blasser und die roten Adern traten langsam wieder hervor. Plötzlich zog Fennoran Thalliah hinter einen der Felsen. Dann vernahm auch sie die Stimmen.

Die eine erkannte sie sofort wieder. Die Hexe, die ihnen auf den Weg nach Einsamkeit den Weg versperrt hatte. In ihrer Begleitung befand sich eine große Gestalt. Fennorian sah in ihm einen Vampir.

"Das war Urgala, die Anführerin dieses Ablegers des Eiskap -Zirkels. Sie ist jene Hexe, die uns im Hügelgrab eingesperrt hat. Die anderen bekommen ihre Befehle von ihr.", sagte Fennorian als die beiden auf der Brücke ausser Sicht waren.

"Mit wem hat sie gesprochen", fragte Thallisah.

"Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube… er gehört zu meiner Art. Sie erwähnen einen verheerenden Sturm. Wir müssen herausfinden was sie planen. Entschuldigt, doch wir müssen unsere Flucht verschieben."

"Ihr wollt den beiden folgen?" Thallisah sah ihn kopfschüttelnd an. "Ihr seid viel zu schwach dafür."

"Wir machen noch eine Ermittlerin aus euch!", versuchte Fennorian abzulenken. "Ich muss herausfinden, was diese gestohlenen Überreste, der Eiskap-Zirkel und dieser Vampir miteinander zu tun haben. Versuchen wir, Urgala und ihren Gast einzuholen, um möglichst viel herauszufinden."

"Das einzige was ihr herausfinden werdet, wenn ihr ihr jetzt folgt ist, es wie man stirbt. Verdammt noch mal in eurem Zustand wird das nichts werden. Ihr wartet jetzt hier. Ich gehe davon aus das vor uns noch einige der Anhänger dieser Urgala sein werden. Ich werde versuchen einen oder zwei nacheinander niederzuschlagen und ihnen dann ihr Blut abnehmen und euch bringen. So müsst ihr nicht direkt gegen euer Prinzip verstoßen, das ihr nur Blut von denen aussaugt die es euch erlauben."

"Danke", sagte Fennorian leise, als er sich neben einer Wand auf einen Felsen setzte. Sie hatte recht auch wenn er es nicht laut sagen mochte. So wie er sich fühlte konnte er nicht wirklich weitergehen. Und er merkte auch wie das verlangen ihn langsam stärker wurde.

Also ging Thallisah vorsichtig alleine weiter. Hinter der nächsten Wegbiegung traf sie auch gleich auf eine Eiskap-Magierin, die ihr aber den Rücken zukehrte. Wieder einmal schnappte sich Thallisah eine Urne, die in einer Nische stand. Dann schlich sie sich unbemerkt an die Magierin ran. Im letzten Moment bemerkte die Frau sie, aber da bekam sie schon die Urne gegen den Schädel und sie sackte ohne ein Wort von sich zu geben in sich zusammen. Flink fesselte Thallisah die Frau und steckte ihr einen Knebel in den Mund. Dann ging sie noch etwas weiter. In der nächsten Kammer waren ein paar Grabunholde. Die für Thallisah kein Problem darstellten. Mit wenigen Pfeilen fielen sie tot zu Boden. In einer Nische entdeckte Thallisah noch einen Eiskap-magier. Er war damit beschäftigt irgendwas zu zerlegen. Passenderweise standen auch mehrere Flaschen auf dem Tisch an dem der Typ arbeitete. Wieder gelang es Thallisah unbemerkt an den Magier zu kommen. Ein Schlag mit der Urne, die sie noch dabei hatte und der Kerl brach zusammen. Wieder nutze Thallisah den Gürtel des Magiers um den Mann zu fesseln und stecke ihm dann auch ein Stück seiner Robe in den Mund damit er nicht mögliche weitere Anwesende auf sie aufmerksam machte.

Nun kam der schwerste Teil. Es kostete sie doch mehr Überwindung als gedacht, als sie ihm die Pulsader am Handgelenk aufschnitt und sein Blut in einer der Flaschen auffing. Es fehlte nicht viel und sie hätte sich übergeben müssen. Nachdem sie zwei der drei Flaschen mit seinem Blut gefüllt hatte nahm sie eines der Schwerter und tötete den Mann.

Dann ging sie zurück zu der Frau, die sie zuvor gefesselt hatte und füllte mir ihrem Blut die dritte Flasche. Auch diese Frau wurde anschließend mit dem Schwert erstochen. Nun kehrte Thallisah mit ihrer Beute zurück zu Fennorian.

Nachdem Fennorian die Flaschen gelehrt hatte blieb der Elf noch ein paar Minuten sitzen. Thallisah konnte aber sehen, wie die Wirkung einsetzte. Die blasse Hautfarbe wurde wieder frische und diesmal nahmen auch seine Augen eine fast normale Farbe an. Als er endlich aufstand war da keine Schwäche mehr zu erkennen.

"Ich weiß nicht wie ich euch danke soll, meine Freundin. Aber nun fühle ich mich wieder vollkommen erholt und ich kann euch nun auch unterstützen", sagte Fennorian. "Lasst uns daher nun schnell Urgala folgen.

Wortlos nickte Thallisah und folgte dann dem Hochelfen. Sie überquerten die Brücke auf der sie zuvor die Hexe und ihren Gefährten gesehen hatten. Kurz danach kamen sie ins Freie. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tals in dem sie sich befanden sahen sie oben vor der Hauptkammer des Hügelgrabes eine Art Sturmwolke die an einer Stelle festhing. In der darüber liegenden schwarzen Wolke sahen sie rote Blitze aufleuchten. Dort mussten sie hin.

Der Weg dorthin führte durch ein Heer von Anhängern des Eiskap-Zirkels. So beschlossen Fennorian und Thallisah sich am Rand zu halten, wo hoffentlich weniger Gegner anwesend sein würden. Sie hatten Glück. Nur ein paar Gramunholde versperrten ihnen den Weg. Diese waren aber schnell beseitigt.

So gelangten sie ungesehen zur Hauptgrabkammer. Innen befanden sich nur wenige Anhänger des Eiskap-Zirkels. An den Meisten konnten sie sich vorbeischleichen.

Dann kamen sie auf das oberste Plateau vor der Grabkammer. Hier war Urgala dabei das Ritual zu vollenden, damit der Sturm seine volle Größe erreichen würde. Das galt es zu verhindern. Thallisah und Fennorian teilten sich auf und Griffen die Hexe aus zwei Richtungen an. Der Überraschungseffekt half den beiden zusätzlich Urgala zu besiegen. Nach kurzem Kampf lag sie am Boden.

Der Sturm hörte aber nicht auf. Dann kam Fennorian auf die Idee, die merkwürdige Pflanze, die er als Hexendorn bezeichnete zu zerstören. Als ihnen das gelungen war, wurde der Himmel wieder klar und der Sturm verzog sich.

Eigentlich hätte Fennorian sich nun freuen sollen, aber er wirkte etwas niedergeschlagen. Als Thallisah ihn fragte was denn los sei antwortete er: "Ich wünschte, wir hätten mehr erfahren können, bevor wir Matrone Urgala töten mussten. Ich verstehe immer noch nicht, was der Zirkel plant und das bereitet mir Sorgen."

"Immerhin haben wir erfahren, dass der Eiskap-Zirkel ein Sturmritual für diesen Vampir erschaffen hat. Das ist doch schon mal was", versuchte Thallisah Fennorian zu trösten.

"Das stimmt", der Hochelf versuchte ein fröhlicheres Gesicht aufzusetzen, was ihm aber nicht wirklich gelang. "Und wir haben den Sturm aufgehalten. Meine Ermittlungen haben mich in noch finsterere Ecken geführt, doch es ist ein Fortschritt. Jetzt lasst uns aber von hier verschwinden."

Das ließ sich Thallisah nicht zweimal sagen. Sie gingen langsam nebeneinander in Richtung des Ausgangs.

"Es ist beunruhigend, dass der Eiskap-Zirkel im westlichen Himmelsrand agiert, aber wir müssen weitergehen. Der Pfad nach draußen sollte hinter dieser Tür liegen", sagte Fennorian während sie gingen. "Von dort aus kann ich euch den Weg nach Einsamkeit weisen. Ihr müsst die Stadt erreichen und die Obrigkeit warnen. Was der Zirkel auch plant, das war noch nicht das Ende."

"Kommt ihr denn nicht mit mir", fragte Thallisah. Auch wenn sie Fennorian erst kurze Zeit wollte sie seine Gegenwart nicht missen.

"Nicht jetzt. Ich weiß, dass andere Mitglieder des Hauses Rabenwacht vor mir hierhergekommen sind. Sie werden Interesse an dem Vampir haben, den wir gesehen haben und ich muß sie daher darüber informieren.

Ausserdem möchte ich auf der Fährte bleiben, solange sie noch frisch ist. Es ist also besser, wenn ihr Einsamkeit warnt."

"In Ordnung, ich reise Nach Einsamkeit und warne die Leute dort vor dem Eiskap-Zirkel."

"Sobald ihr die Wachen warnt, bin ich mir sicher, dass Großkönig Svargrim seine Truppen entsenden wird. Die Bedrohung durch den Zirkel ist so gut wie erledigt! Doch nur für den Fall der Fälle setze ich Huas Rabenwacht über das in Kenntnis.

"Diese von euch mal Erwähnten Urnen aus Bangkorai", fiel es Thallisah plötzlich wieder ein. "Was ist so besonders an ihnen?"

"Wie ich erwähnt hatte, begannen meine Ermittlungen in einer uralten Begräbnisstätte in Bangkorai- Die Draugrbrut hat ähnliche Urnen mit sterblichen Überresten gefüllt. Das wirklich beunruhigende daran ist, dass die Asche von einer uralten finsteren Armee stamm, die man die Graue Schar nannte."

"Warum aber waren die Urnen hier?"

"Ich weiß es nicht, aber als ich auf den Zirkel stieß hätte ich nicht erwartet eine Verbindung zur Draugrbrut und diesen Urnen zu finden. Und dieser Vampir den wir gesehen haben… Es steck mehr dahinter, als wir wissen. Wir müssen herausfinden was."

Während sie sich unterhielten erreichten sie den Ausgang. Nun war wohl die Zeit gekommen Abschied zu nehmen.

"Danke noch mal, dass ihr mir geholfen habt. Ohne euch wäre ich immer noch eingesperrt. Und wer weiß welchen Schaden dieser Gramsturm verursacht hätte?" Fennorian sah Thallisah lächelnd an. "Folgt der Strasse nach Osten und ihr solltet Einsamkeit bald erreichen. Bis zu unserem nächsten Widersehen, gehabt euch wohl."

Thallisah reichte ihm ihre Hand. "Passt auf euch auf, bis wir uns wiedersehen."

Dann drehte sie sich um und ging in die Richtung die ihr der Hochelf genannt hatte.